Grüner Tatort


Leicht säuerlich fragen ein paar Grüne Rechts- und oder Innenpolitiker auf twitter, ob sie nun Spielverderber seien. Für mich beantworte ich die Frage mal ganz einfach: Ja, Ihr seid Spielverderber!

Wer weiss schon was einige von uns heute am Sonntagabend machen würden, hätten sich die Grünen nicht erst 1980 gegründet, sondern schon, sagen wir mal, irgendwann um 1950 herum. Sich um das letzte mediale Lagerfeuer sammeln jedenfalls nicht. Nach 20 Jahren Marsch durch die Instanzen hätten einige von ihnen vielleicht am 29. November 1970 vor dem Fernseher gesessen, womöglich dabei geraucht, und sich „Taxi nach Leipzig“ angesehen, diesen neuen Krimi. Damals schaute man noch Fernsehen, und watchte noch nicht. Sie hätten einen Kommissar Trimmel gesehen, der rauchte auch, soweit so in Ordnung, damals jedenfalls. Aber sie hätten auch gesehen, wie dieser Polizist den Dienst schwänzt, mit katalysatorlosem Auto über die Zonengrenze rübermacht (richtige Richtung) und wieder zurückkommt (falsche Richtung), konspiriert, Leute boxt, den einen oder anderen Verdächtigen erpresst oder belügt usw. usw. und am Ende den Fall löst.

Mit anderen Worten sie hätte gesehen, wie ein Polizist das Recht bricht, wie er es beugt, wie er kungelt und ja, wie er raucht. Vielleicht hätten sie vor Schock erst mal eine Zigarette rauchen müssen, um wieder runterzukommen, dann aber hätten sie vielleicht zum Telefon gegriffen und die Kumpels in der anderen WG (die mit dem zwiten Fernseher, die Genossen in der dritten hatten noch keinen) angerufen und nachgefragt, ob die Kollegen dort den Skandal im Fernsehen gerade auch gesehen hätten. Haben sie und gemeinsam regt man sich noch ein wenig auf.

Am nächsten Tag dann ein paar Diskussionen über das für und wider, Vorbildfunktion des Fernsehens blablabla und wenn die sich nicht endlos hingezogen haben, die Diskussionen, dann hätte es ein paar Briefe, noch mehr Diskussionen und Eingaben gegeben und weitere Anrufe etc. pp.

Und na ja, je nachdem… vielleicht hätten sich die Verantwortlichen der Sender das ganze Trara dann zu Herzen genommen und an die Autoren weitergeleitet mit der Bitte, dass zukünftige Krimis dieser Reihe die Arbeit und die Pflichten der Polizei nur noch absolut authentisch darzustellen seien… Bildungsauftrag und so, mögliche Verdächtige in kommenden Ermittlungsverfahren müssten sich darauf verlassen können das stimmt, was sie im Tatort gelernt haben. Spannung, Geschichte, egal, Hauptsache der Krimi hält sich an die StPO und ist revisionssicher… und die Autoren hätten sich daran gehalten…

Vielleicht hätte es „An einem Dienstag in Saarbrücken“ noch in der bekannten Form gegeben, den zweiten Tatort. Dort hatte Kommissar Liersdahl quasi das zweite Gesicht in Form eines fotografischen Gedächtnisses und löste seine Fälle harmlos und quasi en passent. Spätestens bei Kressin wäre jedoch Schluss gewesen, bei dem wäre zu der elend langen Latte von Dienstvergehen auch noch Sexismus hinzugekommen.

Den Tatort wie wir ihn heute kennen, Krimis wie wir sie heute kennen, würde es nicht geben!

Nachklapp… Am Telefon wurde ich gerade darauf hingewiesen, dass ich meine Eingangsfrage nicht beantwortet hätte, was wir gucken würden wenn… Stimmt, glatt vergessen. Wahrscheinlich würden wir Vorlesungsmitschnitte über Öffentliches- und Strafprozessrecht der Uni Marburg anschauen und dabei Schorle trinken, vielleicht aber auch „Justified“, denn da achtet der Held penibel darauf erst dann zu schießen, wenn der Gegner zuerst gezogen hat… justified eben.

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7 Kommentare

  1. #1 | torsten sagt am 13. Mai 2013 um 18:03 Uhr

    Irgendwie gleichen sich doch diese grünen Tatortgucker und die Grünen-Kritiker. Halte beiden ein Stöckchen hin und schon geht´s los. 😉

    Mein Tip: alles nicht so bierernst nehmen. Beste Antwort kam von einem Twitterer:

    „HerrderRingeWatch wäre auch angebracht! Die Orks führen ständig völkerrechtswidrige Angriffskriege. Da muss was passieren.“

  2. #2 | Stefan sagt am 13. Mai 2013 um 18:45 Uhr

    Naja, also so bierernst muss man den TatortWatch jetzt auch nicht nehmen. Ich find’s spannend zwischendrin kurz darüber nachzudenken, ob die Polizei, das was im Tatort dargestellt wird eigentlich darf. Kritische Stimmen nur deswegen zu kritisieren weil sie kritisch sind ist dann doch etwas platt.

    Ich kenne das selber noch aus dem Jurastudium, da habe ich auch oft mit anderen Sonntags Abend zusammen gesessen und danach noch über Verletzungen der Strafprozessordnung und anderen Dingen diskutiert. Die Auseinandersetzung mit BürgerInnenrechten ist doch nichts schlechtes und verwerfliches.

  3. #3 | KClemens sagt am 13. Mai 2013 um 20:27 Uhr

    Das wird dann ein Spaß, wenn ein Tatort aus Münster kommt, und Boerne wieder mal Alberich herumkommandiert.

    Da glühen die Drähte und Twitter stürzt vor lauter Betroffenheit wohl ab.

    Einzig Thiel sen. bekommt noch positive Kritiken weil er den Cannabiskonsum schon fast legal durchzieht.

    Die Staatsanwältin allerdings bekommt dann ordentlich eins auf den Deckel, wenn sie mal wieder eine Zigarette raucht.

    Und Thiel jun. wird abgemahnt, weil er „seine“ Nadeschda die Laufarbeit machen lässt. Ein Pluspunkt den Thiel für sich verbuchen kann, er fährt Fahrrad.

    Und dann dieser Boerne, fährt dauernd in Luxuskarossen ‚rum und schämt sich nicht ein bißchen dafür – im Gegenteil.

    Auf die Twitterei nach einem Münsteraner Tatort darf man zu Recht gespannt sein.

  4. #4 | Links anne Ruhr (14.05.2013) » Pottblog sagt am 14. Mai 2013 um 07:02 Uhr

    […] Grüner Tatort (Ruhrbarone) – […]

  5. #5 | Nansy sagt am 14. Mai 2013 um 10:00 Uhr

    @Torsten:

    Wie sagst Du schon ganz richtig: „Mein Tip: alles nicht so bierernst nehmen.“

    Nachdem die Grünen jetzt die „Tatort“-Ermittler unter Beobachtung stellen meldet sich nun auch die Grünen-Politikerin Marianne Burkert-Eulitz und fordert in der BZ eine Miss-Wahl auch für weniger schöne Frauen (Zitat: „Bei Miss-Wahlen werden grundsätzlich Menschen unserer Gesellschaft ausgeschlossen“).

    Ich sehe das genauso, die Grünen wollen nicht ernst genommen werden – die wollen nur spielen…. 😉

  6. #6 | Torsten sagt am 14. Mai 2013 um 13:58 Uhr

    @Nansy: Es gibt ja auch reichlich Leute, die jede spielerische Herausforderung dankend annehmen. Auch wenn sie dazu erst den Lokalteil von Berliner Gazetten durchforsten müssen. 😉

  7. #7 | Nansy sagt am 14. Mai 2013 um 16:13 Uhr

    @Torsten: Es gibt ja auch genug Leute, die nicht alles was manche Parteisoldaten/Innen so von sich geben, gerne lesen wollen. Und wir wollen das doch nicht unter den Tisch kehren, oder? 😉

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