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Herr Ober, bitte eine Portion Hirn für das PENG!-Kollektiv


Ein Freund von mir sagte einmal “Was ist schlimmer als ein Künstler? Ein politischer Künstler!”. Der jüngten Beleg für diesen Satz liefert gerade das Peng!-Kollektiv, dass irgendwie zwischen Kunst und Aktivismus pendelt und sich damit teilweise auch die  Herzen der öffentlichen Kulturfinanzierer erobert hat. In seiner neuesten Aktion fordert Peng! Mitarbeiter des Mainzer Pharmaunternehmens Biontech auf, das Wissen um den Corona-Impfstoff weiter zu geben. Dadurch soll der knappe Biontech Impfstoff weltweit in Massen hergestellt werden. Die künstlernden Aktivisten sind sich sicher: “Impfstoffe sind kompliziert herzustellen. Die Produktion von mRNA-Vakzinen ist allerdings vergleichsweise einfach. Benötigt werden die Ausgangsstoffe und die genaue Herstellungsanleitung.” Ganz so einfach wie nach dem Genuss eines Bongs und einer Flasche Rotwein irgendeine PR getrieben Kunstaktion an den Start zu bringen, ist die Produktion eines mRNA-Impfstoffes dann allerdings nicht. Denn es fehlt an den Zusatzstoffen und das liegt nicht an Patenten. Die Pharmazeutische Zeitung schreibt, dass Die Herstellung von  mRNA  lange bekannt und nicht das Problem sei. “Kniffeliger werde es, weil die mRNA für den Impfstoff in eine Art Hülle verpackt werden muss. Die besteht aus speziell hergestellten Fetten (Lipiden). Anders als häufig dargestellt, handelt es sich bei den Lipid-Nanopartikeln nicht um »Fettkügelchen«, sondern um komplexe Strukturen aus etwa vier Komponenten. (…) Sowohl der Mainzer Hersteller Biontech als auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie erklären, große Mengen an mRNA-Impfstoffen könnten in kurzer Zeit hergestellt werden.” Der Flaschenhals bei der Produktion seien die Lipide. Die Zulieferketten seien bislang also gar nicht auf die Produktion der nun benötigten Mengen ausgelegt. Die gute Nachricht ist: Unternehmen in aller Welt fahren die Produktion hoch. Sie verschleudern zudem den Impfstoff für ein paar Euro. Für die Gesellschaft hat jede Impfdosis hingegen den Wert von 1500 Euro.

Klar, man könnte Peng! wahrscheinlich wegen Aufforderung zu einer Straftat anzeigen. Denn die Weitergabe von Firmengeheimnissen ist nicht legal. Wird das geschehen? Wahrscheinlich nicht. Das dann kommende Geheule würde kaum jemand ertragen.

Mit der Forderung “Lipidproduktion steigern” schafft man es natürlich weder ins Feuilleton noch kann man damit an feuchte, sozialistische Träume anknüpfen, die ein Ende der Patente auf Impfstoffe fordern. Der einzige Effekt einer solchen Politik wäre, dass Hightech-Unternehmen wie Biontech und ihre Mitarbeiter das Land verlassen würden. Warum sollten sie sich ihre Wissen und den Erfolg ihrer Arbeit stehlen lassen? Damit wäre dann auch ein Teil der Steuern weg, mir denen Aktivisten wie das Peng!-Kollektiv durchgefüttert werden. Und die Biontech-Mitarbeiter könnten wirklich gehen, denn für sie gibt es tatsächlich einen weltweiten Arbeitsmarkt. Für die PENG!-Aktivisten eher nicht.

Update: Biontech hat das neue Werk in neue Marburg in Betrieb genommen. Bis die Produktion unter Vollast läuft, wird nach einer Bericht des Spiegels etwas Zeit vergehen. Ganz so simpel ist die Produktion des fertigen Impfstoffs, der ja nicht nur aus der mRNA-Komponente besteht, nicht.

 

 

 

 

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2 Kommentare zu “Herr Ober, bitte eine Portion Hirn für das PENG!-Kollektiv

  • #1
    EinLipper

    Tja, aber bei manchen kommt sowas richtig gut an: die ZEIT widmet dieser "Idee" einen Artikel.

    99 % Haltung und 1 % Ahnung eben, vielleicht sollten sich die Damen und Herren ihrer Kunst zuwenden, oder klappt’s da auch nicht?

  • #2
    GMS

    Peng! ist so wichtig dass sie die Hilfe unbedarfter Journalisten brauchen um das Thema hochzukritzeln. Dabei ist es dann auch egal, ob das ein Pro oder Contra Artikel ist.
    Peng! und die Presse sind ein symbiotisches Wesen, das gilt explizit auch für den obigen Artikel.

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