
Am 1. April 1976 gründeten Steve Wozniak, Steve Jobs und Ron Wayne Apple in der Garage von Jobs’ Eltern in Los Altos. Wayne verließ das Unternehmen bald wieder, die beiden Steves sollten die Welt verändern.
Was für ein Drama: Da hatte ich endlich das Geld zusammen, um mir meinen ersten Apple Macintosh zu kaufen, und der Händler hatte mir die falsche Kiste eingepackt. Anstatt eines Mac Classic mit 4 Megabyte Arbeitsspeicher und einer unvorstellbar großen Festplatte mit 40 Megabyte stand ein Mac mit nur 2 MB RAM und einer 20-MB-Platte vor mir. Es war Samstagnachmittag, die Geschäfte schlossen 1991 noch um 14 Uhr. Ich hatte keine Chance, ihn umzutauschen, und musste bis Montagmorgen warten.
Schon damals war der Classic technisch überholt: Sein 68000er von Motorola hatte nur eine Taktfrequenz von 8 Megahertz und steckte schon in einem 1988 gekauften Atari ST. Der 9-Zoll-Schwarz-Weiß-Monitor war winzig, und ja, ich war etwas neidisch auf Freunde, die für dasselbe Geld bei Vobis einen 386er mit Farbmonitor gekauft hatten und Wing Commander spielen konnten.
Aber war das wirklich wichtig? Nein.
Denn ich würde ab Montag vor einem Apple sitzen, einer renovierten Version des Ur-Macs, einem Computer, der ein Mythos war. Wer 1991 einen Apple kaufte, erwarb nicht nur einen Computer, er trat einer Glaubensgemeinschaft bei. Klein, verlacht, exklusiv, elitär, aber mit einer mächtigen Aura. Zumindest aus Sicht der Gläubigen.
Es gab Apple-Clubs, die sich in den Hinterzimmern von Kneipen trafen, Händler, die keine anderen Marken führten und, wie das Apple-Center in Essen, unvorstellbar arrogant waren, aber auch hilfsbereit und freundlich sein konnten, wie Kamp in Oberhausen. Als der der Classic schon vergleichsweise günstig, waren vor Erscheinen des StyleWriters die Apple-Drucker teuer. 9-Nadeldrucker kosteten rund 900 Mark, Laserdrucker über 2000 Mark. Als ich dem Verkäufer im Apple-Center Essen sagte, mein Citizen 120D sei schon vor drei Jahren deutlich günstiger gewesen, sah er mich kurz an und sagte: „Vielleicht ist Apple nicht Ihre Marke.“
Magazine wie MacWelt und MacUp gaben uns Orientierung und Bestätigung wie der Wachturm den Zeugen Jehovas. Es gab offizielle Apple-Evangelisten, die für den Mac warben, aber fast alle, die einen Apfelcomputer auf ihrem Schreibtisch stehen hatten, fühlten sich berufen.
Umberto Eco zum Beispiel. Der nahm während der PC-Wars, in denen auch der Autor als einfacher, aber tapferer Soldat auf der Seite Apples focht, eine klare Haltung ein:
„Tatsächlich ist die Welt gespalten zwischen Nutzern von Macintosh-Computern und Nutzern von MS-DOS-kompatiblen Computern. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Macintosh katholisch und DOS protestantisch ist. Der Macintosh ist in der Tat gegenreformistisch und wurde von der ‚Ratio Studiorum‘ der Jesuiten beeinflusst. Er ist heiter, freundlich und versöhnlich; er zeigt den Gläubigen Schritt für Schritt, wie sie, wenn nicht das Himmelreich, zumindest den Moment erreichen können, in dem ihr Dokument gedruckt wird. Er ist katechetisch: Das Wesen der Offenbarung wird anhand einfacher Formeln und prachtvoller Ikonen vermittelt. Jeder hat ein Recht auf Erlösung.“
Apple-Jünger waren großzügig, offenherzig und freundlich. Tom Clancy soll einmal gesagt haben: „Frage nie einen Mann, welchen Computer er hat. Wenn er einen Mac hat, wird er es dir sowieso erzählen. Wenn er keinen hat, warum ihn beschämen?“
Wie schön es doch war, Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft zu sein.
Aber einfach war es nicht immer: Die Apple-Betriebssysteme wurden in den 90ern immer schlechter, die Rechner blieben teuer und man musste schon sehr glaubensfest sein, um von ihrer Überlegenheit überzeugt zu bleiben. Ob Telefon-CDs oder später Napster: Vieles, was in der Zeit der heiße Scheiß war stand auf dem Mac erst später zur Verfügung. Aber als der PC im AStA mal wieder kaputt war, layoutete ich die Studentenzeitung auf meinem Classic. Mein Mac und ich waren ein gutes Team. Und fürs Internet war er perfekt vorbereitet: Als ich 1994 über das Hochschulrechenzentrum das erste Mal online ging, stellte ich fest, dass auf meinem LC die Terminalsoftware, die ich benötigte, um über dort im Keller um über den im Keller stehenden IBM-Großrechner mittlerer Generation auf Gopher zugreifen zu können, schon installiert war.
Dass Apple, bevor Steve Jobs 1997 erneut die Führung übernahm, kurz vor der Pleite stand, kostete mich etliche schlaflose Nächte. Auf welchen Computer sollte ich im Ernstfall umsteigen? Windows? Ein undenkbarer Frevel, eine Häresie, die mit der Höllenfahrt der Seele bestraft worden wäre. Die Indy von Silicon Graphics wäre eine sehr teure Option gewesen, aber eine wirkliche Alternative gab es nicht. Und zum Glück sorgte St. Steve dafür, dass der Ernstfall nicht eintrat. 1999 kam der iMac, und das „Hello again“, mit dem er beworben wurde, schlug die Brücke zum Ur-Mac. Mit dem ikonischen „Think different“-Werbespot traf Apple damals mitten ins Herz der überschaubar gewordenen Community. Wir waren nicht mehr viele, aber das war egal. Wir waren anders, und das gefiel uns.
Dann kamen der iPod, die MacBooks, das iPhone und das iPad und seit 2020 die eigenen Silicon-Prozessoren: Heute hat Apple die besten Produkte seiner Geschichte. Ja, ein Mac ist immer noch teuer, aber er ist seinen Preis wert. Ich würde meinen iMac und mein MacBook Air gegen keinen Computer der Welt eintauschen – außer gegen einen neuen iMac und ein neues MacBook Air.
Im 50. Jahr seines Bestehens ist Apple schon lange Teil des Mainstreams. iPhones und Macs sind Massenware, die PC-Wars längst Geschichte. Stört mich das? Vermisse ich etwas? Ich bin froh, die alten Zeiten miterlebt zu haben, aber ich freue mich, dass heute immer mehr Menschen gute Computer und Geräte nutzen. Und dafür steht Apple bis heute.
Und der Mythos? Wirkt, zumindest bei mir, noch manchmal nach. Als ich Ende 2024 ein Abo für ein KI-System abschloss, entschied ich mich für ChatGPT von OpenAI. Ob es besser war als Claude oder Gemini, interessierte mich damals nicht besonders. In den Benchmarks lagen und liegen die Systeme dicht beieinander. Aber mein Gefühl sagte mir: OpenAI ist das neue Apple und ChatGPT der neue Mac. Chatti findet das bestimmt albern, aber es hat die Zeit ja nicht miterlebt, als ein Computer mehr war als ein Computer.
Herzlichen Glückwunsch, Apple

Das drückt exakt meine Gefühle aus.