In Claudia Roths Etat steckt das Geld für den 9-Euro-Ticket-Nachfolger

Claudia Roth by PantheraLeo1359531 CC-BY 4.0

Ende des Monats ist es vorbei mit dem 9-Euro-Ticket. Es war ohne Frage ein Erfolg. Mehr als 30 Millionen Tickets wurden gekauft. Nun gibt es Streit um ein Nachfolgeangebot: Das würde zwar teurer als der Neuner werden, aber die Länder würden sich an einer Finanzierung beteiligen. Allerdings tritt Finanzminister Christian Lindner (FDP) auf die Bremse: „Es stehen in der Finanzplanung für eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets keinerlei Mittel zur Verfügung“, sagte der FDP-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“. „Jeder Euro müsste durch Kürzung anderswo mobilisiert werden.“ Und genau darüber sollte geredet werden.

Woher kann der Bund das Geld für ein günstiges Ticket nehmen? Drei Milliarden kostete ihn das 9-Euro-Ticket, die Länder wollen Geld dazugeben, und teurer wird es auch. Also reden wir von deutlich weniger als drei Milliarden. Und die liegen im Bundeshaushalt im Etat von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) herum. 2013, als ihre Vorgängerin Monika Grütters (CDU) Kulturstaatsministerin wurde, standen ihr 1,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Unter Grütters stieg diese Summe um über 60 Prozent. Roth hat aktuell 2,14 Milliarden Euro in der Schatulle.

Weniger wäre mehr: Viele der vom Bund finanzierten Kultureinrichtungen, Shows und ihre Manager sorgen regelmäßig für antisemitische Festivals oder bestehen darauf, Israelhasser mit Steuergeldern durchzufüttern. Kultur ist in Deutschland sowieso Ländersache, weniger Geld vom Bund wird man in den Stadttheatern und in der Jugendkulturförderung kaum merken. Alles was wirklich spannend ist, Popmusik, Literatur oder Maler, die Bilder machen, die Menschen kaufen wollen, kommt sowieso weitgehend ohne Staatsknete aus. Es sind eher die Leute mit hohen Einkommen, welche die vom Bund finanzierten Einrichtungen und Shows besuchen. Sie könnten auch mehr zahlen. Bei vielen der Nutzer des 9-Euro-Tickets sieht das anders aus. Es ist auch eine soziale Frage: Billige Tickets für die Millionen oder Millionen für Kulturmanager und ihre Schickeriafreunde? In Anbetracht von Krise und Inflation dürfte die Antwort klar sein.

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5 Kommentare

  1. #1 | thomas weigle sagt am 8. August 2022 um 12:48 Uhr

    @ Stefan Laurin Grundsätzlich richtig was das schöne neue Ticket angeht. Allerdings fehlen Kapazitäten bei den Unternehmen. Die hohe Beanspruchung lässt auch die Lebensdauer des rollenden Materials sinken. Es muss also schnell viel beschafft werden. Hinzu kommt die tw. marode Infrastruktur..

  2. #2 | Berthold Grabe sagt am 8. August 2022 um 15:24 Uhr

    Wie ist der Erfolg des ein Euro Tickets definiert?
    Geht es um absolute Zahlen derer die ein Ticket gekauft und genutzt haben, oder darum das man Verkehr von der Strasse auf die Schiene verlagert?
    Tatsächlich hat das ein Euro ‚Ticket nur mehr Verkehr durch Billigstickets gebracht, die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene hat es nicht geleistet. Die ist statistisch praktisch bei null geblieben.
    Geht man also noch den Verkaufszahlen ist es ein Erfolg, orientiert man sich am Zweck ist es ein vollständiger Misserfolg.

  3. #3 | discipulussenecae sagt am 8. August 2022 um 16:58 Uhr

    „Alles was wirklich spannend ist. Popmusik, Literatur oder Maler, die Bilder machen, die Menschen kaufen wollen, kommen sowieso weitgehend ohne Staatsknete aus.

    Das Zitat könnte sowohl inhaltlich als auch sprachlich von einem beliebigen Ortsverein der Berliner Linksjugend [’solid] stammen.

    Daß Sie es nicht so mit der sog. „Hochkultur“ haben, ist ja nun hinlänglich bekannt. Aber vielleicht könnten ebenfalls größere Summen durch die Abschaffung der indirekten Finanzierung des Bundesligafußballs für das 9-Euro-Ticket genutzt werden. Mit einer Stadionkarte könnte ich Bus und Bahn fahren. Der Polizeieinsatz gegen pöbelnde Schwachköpfe ist nicht umsonst – ebensowenig wie die dann immer bereit stehende Flotte von Krankenwagen. Dafür wird mein Steuergeld ausgegeben. Die Kommunen tricksen über angeblich privatwirtschaftlich geführte Beteiligungsgesellschaften bei der Stadionmiete, bei der Bereitstellung von Parkplätzen usw.

    Ich bin mir da nicht sicher: Aber ich glaube kaum, daß die Westfalen- oder die Grugahallen, wo ja Ihre ach so „spannende Popmusik“ vor Publikum gespielt wird, betriebswrtschaftlich förderungsfreie schwarze Zahlen schreiben.

  4. #4 | Stefan Laurin sagt am 8. August 2022 um 17:00 Uhr

    @discipulussenecae: Und wenn es diese Hallen und Stadien schreddern würde, wäre es mir vollkommen egal.

  5. #5 | Reginald sagt am 8. August 2022 um 18:12 Uhr

    Lächerliche 2 Mrd. für Kultur.Das ist eine Schande für ein Land wie Deutschland.Der Lindner kann sich das Geld durch Streichung sämtlicher Steuerschlupflöcher locker reinholen.Aber das ist ja wohl nicht gewünscht.Wsrum sollte man auf Dienstwagen verzichten und all die anderen schönen Dinge.

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