Hilfsbereitschaft im Unionviertel – Bürgerversammlung zu neuer Flüchtlingsunterkunft

IMG_1541Wenn irgendwo in einem Wohngebiet eine neue Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werden soll, geht es bei Bürgerversammlungen häufig vor allem um die Sorgen der Anwohner – Angst vor Kriminalität, Verschmutzung und einer Abwertung des Viertels. Im Unionviertel gab es am Donnerstagabend eine solche Versammlung: Die alte Abendrealschule in der Adlerstraße wird ab der kommenden Woche als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Die gut 150 Anwesenden bei der Versammlung brachten viele Fragen, aber auch zahlreiche Hilfsangebote für die Flüchtlinge mit. Von Alex Gehrhardt und Felix Huesmann.

In Dortmund leben zur Zeit etwa 2000 Asylbewerber, 300 von ihnen in der Zentralen Unterbringungseinrichtung im Grevendicks Feld in Lütgendortmund, 1600 in eigenen Wohnungen im ganzen Stadtgebiet. Letzteres ist auch erklärtes Ziel der Stadt, betonte Sozialdezernentin Birgit Zoerner: “Menschen leben in Wohnungen, nicht in Einrichtungen.” Weil die Zahlen der Flüchtlinge im Moment aber stetig steigen, hat die Stadt Dortmund entschieden, in den kommenden Monaten mehrere vorübergehende Notunterkünfte einzurichten. Eine davon wird am Montag in der Adlerstraße eröffnet, hier sollen bis zu 150 Menschen Platz haben.

Betrieben wird die Einrichtung vom Verbund Sozial-Kultureller Migrantenvereine in Dortmund (VMDO) gemeinsam mit der Gesellschaft für interkulturelle Dienstleistungen (gGID). Der VMDO sei nicht nur seit fünf Jahren im Stadtteil aktiv, viele der Beschäftigten hätten selbst eine Migrations- oder Fluchtgeschichte, berichtet Geschäftsführer Dr. Ümit Koşan. Das unterscheidet den VMDO von vielen anderen Organisationen, die solche Unterkünfte betreiben. Auch beim Sicherheitspersonal, so Koşan, achte man darauf, dass nicht “muskulöse Typen” eingesetzt werden, sondern Menschen mit pädagogischen und sprachlichen Kompetenzen. Deutschunterricht, Frauencafés und andere soziale und kulturelle Angebote stehen auf dem Plan der Betreiber. Dazu setzen sie auch auf die Hilfe der Anwohner.

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Dr. Ümit Koşan vom VMDO beantwortet Fragen zur neuen Flüchtlingsunterkunft. Foto: Felix Huesmann

Diese Hilfe wurde auch reichlich angeboten: Wie man die Flüchtlinge durch Spenden oder Nachhilfe unterstützen könne, fragte zum Beispiel ein Student aus der Nachbarschaft. Zwei Lehrerinnen vom Westfalenkolleg haben ihre Hilfe angeboten, Schüler der Gesamtschule Dorstfeld wollen ein Sportangebot für die Flüchtlinge schaffen. Trotzdem fehlt noch einiges, sagte Christina Kaiser von der gGID: Roller, Bobbycars, Kleidung, Reisetaschen und Decken werden gerne als Spenden entgegen genommen. Anwohner boten auch an, Flüchtlinge zum Beispiel bei Behördengängen zu begleiten.

Gebündelt und koordiniert werden soll das in einem regelmäßigen Runden Tisch, den Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß zusammen mit den Betreibern der Unterkunft einrichten will. Mit einem Fest sollen die neuen Bewohnerinnen und Bewohner in den nächsten Wochen willkommen geheißen werden.

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