
Der Terror-Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, dauert seit vier Jahren an. „Vier Jahre voller Schmerz, Verlust und Dunkelheit“, sagt Viktorya Moskovych, die den Tag mit vielen anderen zusammen organisiert: „Vier Jahre voller Würde und Widerstand.“ Im Ruhrgebiet leben Tausende Ukrainer, dem Terrorkrieg entkommen. Jetzt, am Sonntag der Woche, in der sich Putins Terror zum vierten Mal jährt, versammeln sie sich in der Christuskirche Bochum. Familien und Freunde, Kinder und Chöre, Veteranen und Verbündete, wir.
Vor Jahren bereits hat Moskovych in Bochum „Turbota“ gegründet, eine deutsch-ukrainische Initiative, unterstützt von AWO Ruhr-Mitte und Christuskirche Bochum. Zusammen mit vielen anderen – ua der Herner Wohltätigkeitsstiftung „Von Herz zu Herz“ – ruft Moskovych jetzt dazu auf, dem Terror gemeinsam zu widerstehen. Würde und Widerstand, sagt sie, finden sich nicht nur an einer Front, die 1000 km lang ist. Nicht nur in den Städten der Ukraine, die kältestarr sind, sondern auch „im europäischen Exil, das Familien zerreißt“. Im Ruhrgebiet leben Tausende Ukrainer, dem Terrorkrieg entkommen.
Und: Im Ruhrgebiet sterben Ukrainer. An der Front zerschossen, hierhin gerettet, ihre Körper zerstückelt, großflächig verbrannt. Einige überleben, andere nicht. Putins Terrorkrieg, denken wir in Bochum, Herne, Essen, wütet in Charkiw, Saporischschja, Kupjansk. Wir leben nebenan, wir sind Etappe. Von der Ukraine, sagt Vika Moskovych, „fällt ein Licht auf uns, ein europäisches Licht“.
Eines, das Putin nicht auslöschen kann. Nicht, „solange der Widerstand anhält“. Widerstand, sagt sie, ist Würde, beides hält an, „solange wir zusammenhalten“. Ausgeschrieben mögen die Sätze pathetisch klingen, sie sind es nicht, sie sind leise gesprochen. Leise und konkret wie das Fürbitten-Gebet, das Olga Rostovska im Sommer gesprochen hat, als sich ukrainische Veteranen, Familien und Freunde in der Christuskirche Bochum trafen:
„Für das Leben aller Menschen in der Ukraine bitten wir den Herrn,
für die Soldaten und ihre Familien,
für die militärischen Sanitäter und die Evakuierung aller Verwundeten,
für die Befreiung aller Gefangenen und die Rückkehr aller verschleppten Kinder,
für das Leben der Menschen in den besetzten Gebieten und ihre sichere Evakuierung.
Wir bitten für die Einheit des ukrainischen Volkes und der ganzen zivilisierten Welt,
für den Mut und die Weisheit unserer westlichen Partner,
für die Lieferung aller notwendigen Waffen und den Aufbau eines Systems kollektiver Sicherheit,
für den Schutz der Infrastruktur und den Aufbau eines neuen Energiesystems,
für eine sichere Minenräumung und den Schutz der Umwelt.
Und – wir bitten für die Einsicht und Reue des russischen Volkes.
Wir bitten für die Reinheit unserer Herzen, damit Hass und Rache sie nicht überwinden.“
Bitten, die sich nicht lesen, nur hören lassen, um den Ton zu begreifen, in dem die Hoffnung spielt, ein indächtiges Moll. Adressat dieser Bitten ist Gott, nur dass man an keinen Gott glauben muss, um zu begreifen, dieser Gott addressiert uns.
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Hoffnung ist Widerstand
22. Februar | 16:00 h | Christuskirche Bochum
Einlass 15:30 Uhr | kostenfrei
MIT
Andrij Madzharov | ukrainischer Veteran, der im letzten Herbst zu Fuß von der Ukraine über Bochum nach Brüssel gelaufen ist, um im europäischen Parlament darüber zu berichten, was Terrorkrieg tagtäglich bedeutet
Serdar Yüksel | Bundestagsabgeordnete und Vorsitzender der SPD Bochum
Nataliia Kotvytska | Gesang
Kira Deyak | Rezitation
Svitlana Novak | Bandura
Olga Rostovska | Grandpiano
Andrij Pyvovarov | Bandura
Taras Petrynenko | Bandura
Olena Hizymchuk | Bandura
Iia Chetvertak | Violine
Daria Osaulenko, Tania Spasun | Moderation
u.v.a.m.
