Ich würde Frank Dudda keinen Cent geben

Dr. Frank Dudda (links), Vorsitzender der Verbandsversammlung, gratuliert dem neuen Regionaldirektor des RVR, Garrelt Duin. © RVR/Kreklau


Frank Dudda (SPD) ist Vorsitzender des Ruhrparlaments und Hernes Oberbürgermeister. Im Interview mit der WAZ liefert er viele gute Gründe, dem Ruhrgebiet keine Zuschüsse mehr zu geben.

Einer der Gründe, warum es das Ruhrgebiet in den vergangenen Jahrzehnten geschafft hat, von einer der reichsten zu einer der ärmsten Regionen Deutschlands zu werden, liegt in der Qualität seines politischen Führungspersonals. Frank Dudda, der Vorsitzende des Ruhrparlaments und im September wiedergewählte Oberbürgermeister des Bochumer Vororts Herne, ist dafür ein gutes Beispiel.

Im Interview mit der WAZ beschwört Dudda das Ziel, das Ruhrgebiet zur grünsten Region der Welt zu machen – was allein an der simplen Tatsache scheitern wird, dass das Ruhrgebiet längst kein Industriegebiet mehr ist: Der Anteil der in der Industrie Beschäftigten liegt im Ruhrgebiet nach Angaben der NRW-Bank unter dem nordrhein-westfälischen Landesdurchschnitt. Die Region Aachen, der Niederrhein, das Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen sind die wichtigen Industrieregionen des Landes.

Stahl und Chemie sollen nach Duddas Meinung „grün“ werden. Er setzt dabei auf Wasserstoff. Dass der Bundesrechnungshof kürzlich die Wasserstoffstrategie Deutschlands in Grund und Boden gestampft hat, hat er entweder nicht mitbekommen – oder es interessiert ihn nicht. Erneuerbare Energie aus dem Ruhrgebiet sei wichtig für den „Aufbau einer grünen Industrie“, sagt Dudda der WAZ, und wahrscheinlich glaubt er selbst daran. „Wir haben aber 58 Halden, die für den Einsatz der Erneuerbaren eine große Rolle spielen können und sollen.“ Natürlich ist das Unsinn: 2022 sagte Nina Frense, Beigeordnete für Umwelt und Grüne Infrastruktur beim RVR: „Im Idealfall könnten wir mit Photovoltaik und Windkraft auf 47 Halden 788 Gigawattstunden pro Jahr erzeugen. Das heißt, 175.000 Haushalte könnten mit Energie versorgt und 377.000 Tonnen CO₂ gleichzeitig eingespart werden.“

788 Gigawattstunden pro Jahr klingt viel – bei 58 genutzten Halden würden noch ein paar Gigawattstunden mehr herausspringen –, aber allein das Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg verbraucht 4,3 Terawattstunden Strom im Jahr. Selbst im Idealfall – und das Leben lehrt einen, dass der so gut wie nie eintritt – liefern die 47 Halden nur ein Fünftel dessen, was das Stahlwerk in Duisburg pro Jahr braucht.

Duddas Rechenschwäche ist allerdings sofort geheilt, wenn es ums Geld geht: „Ich habe ein echtes Störgefühl, wenn ich ins Rheinische Revier schaue. Zur Abfederung des Kohleausstiegs fließen 14,8 Milliarden Euro ins Rheinland – fünf Milliarden davon aus der Landeskasse. Das Ruhrgebiet bekommt dagegen nur 667 Millionen Euro. Das ist ungerecht – und auch für den langfristigen gesellschaftlichen Zusammenhalt im Ruhrgebiet kein gutes Signal. Und deshalb muss die NRW-Regierung den Blick unbedingt wieder stärker auf das Ruhrgebiet richten.“

Seit den 1960er-Jahren flossen Hunderte Milliarden Euro an Zuschüssen, Hilfen und Subventionen ins Ruhrgebiet. Es gehört zu den am stärksten geförderten Regionen Europas. Und Duddas Interview in der WAZ lässt nur einen Schluss zu: Solange Politiker wie er hier das Sagen haben, sollte kein Cent mehr an Unterstützung gezahlt werden.

 

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