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Industriebrachen: Handwerksbetriebe statt Museen

Zeche Lohberg in Dinslaken


Auf den alten Industriebrachen könnten mehr Jobs entstehen, wenn man auf die Bedürfnisse der Anwohner und nicht auf die des Bildungsbürgertums eingehen würde.

Wieder einmal hat sich ein schillerndes Projekt in Luft aufgelöst: Auf Zollverein in Essen wird sich kein Gründer-Campus ansiedeln, die Pläne standen im Widerspruch zu den Auflagen des Denkmalschutzes, der den Charakter des Weltkulturerbes wahren soll. Immerhin gibt man sich auf Zollverein Mühe, Unternehmen anzusiedeln und kann, wenn auch in einem eher überschaubaren Maße, dabei Erfolge vorweisen. Viele andere der hochgelobten, mit viel Geld restaurierten und mit noch mehr Geld am Leben gehaltenen ehemaligen Zechen- und Stahlwerksgelände, die unter dem Etikett „Industriekultur“ vermarktet werden, können solche Erfolge nicht vorweisen. Viele dieser Gelände dienen als Kulturstätten, sind zum Beispiel Heimstätten für Museen, Theater oder ein Ballett geworden. Ab und an passiert was in den Hallen oder auf den Flächen, oft werden sie den größten Teil des Jahres kaum genutzt.

Die Gründe, warum auf den Industriebrachen nicht in dem Maße die dringend benötigten Jobs entstanden sind, die das Ruhrgebiet dringend braucht, sind vielfältig. Ein Faktor ist sicherlich die wirtschaftliche Schwäche der Region. In Frankfurt, München aber auch in Düsseldorf und Köln hätten auch große Flächen kaum Schwierigkeiten, Investoren zu finden – die Frage wäre eher, welchen Plan man umsetzt und welchen nicht.

Ein weiteres Problem sind die Flächen selbst. Es ist ein beliebter Scherz in Immobilienkreisen, aber er ist wahr: „Was sind bei einer Immobilie die drei wichtigsten Standortfaktoren? Lage, Lage, Lage.“ Und ob Zollverein, Maschinenhalle Gladbeck-Zweckel oder die Zeche Lohberg in Dinslaken – eines haben die meisten Standorte gemein: eine eher schlechte Lage. Die Innenstädte sind weit weg, die Verkehrsanbindung ist eher dürftig, die Viertel, in denen sie liegen, haben viele Probleme.

Alles, was in den vergangenen Jahrzehnten über die Nutzung von alten Brachen gedacht und gemacht wurde, passt offensichtlich nicht zusammen. Einer der Hauptgründe liegt in den Personen, die mit ihrer Entwicklung betraut waren und sich mit vielem und vielen beschäftigten, sich aber für eine Gruppe kaum interessierten: die Anwohner der alten Industriequartiere.

Sie waren es, deren Jobs durch die Schließung von Zechen und Stahlwerken wegfielen, ihre Kinder waren es, die keine Ausbildungsplätze mehr fanden.

Anstatt sich darum zu kümmern, diesen Menschen in ihren Stadtteilen eine Perspektive zu geben, fiel das Bildungsbürgertum in diese Quartiere ein und formte die alten Standorte nach seinen Bedürfnissen und konnte, politisch gut vernetzt, Milliarden organisieren. Edle Restaurants, Festivals wie die Ruhrtriennale, Museen und Tanztheater entstanden. An ein Kulturangebot, das sich an den Wünschen der Nachbarn orientierte, die zum größten Teil der Arbeiterklasse angehörten, verschwendete man kaum einen Gedanken.

Und auch wenn es um die Jobs ging, die neu angesiedelt werden sollten, spielten die Bewohner der umliegenden Stadtteile, in denen die Arbeitslosigkeit hoch war und auch heute noch ist, keine Rolle. Ging es um neue Jobs, ging es erneut um bürgerliche Träumereien von Kreativwirtschaft oder Kultur. Nur Unternehmen aus diesen Bereichen, im Ruhrgebiet ohnehin sonderlich gut vertreten, wollen sich nicht in Problemvierteln weit außerhalb der Innenstädte ansiedeln. Vor allem nicht im Ruhrgebiet, wo auch in guten Lagen die Preise nicht allzu hoch sind. Und auch Unternehmensverwaltungen, so sie nicht politisch gedrängt werden können, schätzen eine U-Bahn vor dem Büro, eine Innenstadt und einen Autobahnanschluss für ihr Unternehmen wichtiger ein als die Aussicht auf einen rostigen Zechenturm.

Es wäre also an der Zeit, sich von den Wunschvorstellungen zu verabschieden. Dem Bildungsbürgertum ist zuzumuten, seine Vorlieben selbst zu bezahlen und damit aufzuhören, die Menschen in den Arbeiterstadtteilen mit seinen Plänen weiterhin zu belästigen.

Auf den jetzt noch brachliegenden Flächen sollten Einrichtungen und Jobs für die Menschen geschaffen werden, die in der Umgebung der alten Industrieflächen wohnen: Handwerker sollten angesiedelt und Werkstätten für kleine Unternehmen geschaffen werden. Jugendtechnik- und Kollegschulen und Weiterbildungseinrichtungen, die den Bildungsbedürfnissen der Anwohner entsprechen, wären sinnvolle öffentliche Investitionen.

Das sind nur ein paar Ideen und wenn man endlich beginnen würde, mit den Menschen zu reden, die im Schatten der alten Hochöfen und Zechentürme leben, würden bestimmt noch mehr Vorschläge zusammenkommen.

Die alten Industriebrachen sind noch immer eine Chance für die Menschen in diesen Stadtteilen. Und sie haben es verdient, dass man ihnen dort Chancen gibt.

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18 Kommentare zu “Industriebrachen: Handwerksbetriebe statt Museen

  • #1
    Udo B

    Jau, so isses, wichtiger Beitrag. Aber es war auch schon mal anders: Soziokultur und Kampf um Erhalt von Siedlungen in den 70ern zeigten denn schon eher proletarische bzw. Underdog Ansätze. Damals schienen die Riesenhallen tatsächlich "too big" oder wurden von den Erfindern noch genutzt. Für die irgendwann einsetzende (finale?) Malocherverehrung mussten erst die Lebenden outgesourced werden, um dann im weiteren Verlauf ein Ruhri-Abziehbild zu entwickeln.
    Heinrich Pachl meinte in dem Film "Ben Ruhr" (Anfang der 90er) in etwa, es ginge nicht mehr um Arbeit, sondern darum so zu tun als ob. und dies wurde konsequent voran getrieben.
    Wovon leben wir hier eigentlich genau und wem wollen wir was verkaufen?

  • #2
    Arnold Voss

    Wer Kritik an der Industriekultur äußert wird allerdings sofort von ihren Machern und Bewunderern abgestraft:

    https://www.ruhrbarone.de/teure-erblast-industriekultur/380

  • #3
    ke

    Das Revier ist groß. Die Anzahl der Industriekulturstätten hält sich in Grenzen. Ich finde das Gesamtkonzept gelungen, und wenn es um die Zukunft geht, ist es häufig wichtig zu wissen, woher man kommt. Dies dokumentieren die meisten Anlagen eindrucksvoll.

    Offen bleibt natürlich, wie wir arbeiten wollen. Aktuell ist die Lösung Lagerhalle, Discounter, Baumarkt. Also Flächenfresser, die Verkehr anziehen und wenig Lohn zahlen.

    Final müssen wir selber sehen, wie wir aktiv werden und neue Perspektiven schaffen. Das kann natürlich unter dem Förderturm geschehen.

    Ja, die vielen Kulturspektakel sollten nicht unendlich finanziert werden bzw. die Renovierung von Hallen für viele Millionen mit einer potenziellen Ruhrtriennale-Spielstätte begründet werden. Da muss mehr her.

  • #4
    walter stach

    "Nur" Museales?
    Stefan Laurin,
    ich kenne nicht alle Industriebrachen im Revier. Ich kenne aber drei Zechenbrachen recht gut, nämlich:

    "Zeche Waltrop", Zeche Erin Cas-R und Ewald in Herten.
    Auf allen drei Brachen sind mittlerweile "viele" kleine und mittlere Handwerks- und Handelsbetriebe aktiv. M. W. gibt es auf diesen Brachen keine weiteren freien Flächen für betriebliche Neu- bzw für betriebliche Umsiedlungen -oder doch noch ein oder zwei?

    Da ich in unterschiedlichen Funktionen eingebunden war in die ersten Planungsprozesse und später (Erin/Ewald) in die Planumsetzung, sind mir die Diskussionen über den Umgang mit den "Altanlage" und die Diskussionen über die Möglichkeiten der Neunutzung der Flächen und der "Altanlagen" hinreichend bekannt. Und dabei gab es in keinem Falle von vornherein die Vorgabe, "Industriekulturstätten" schaffen zu müssen. Wer hätte das auch verbindlich für alle Beteiligten tun können? In den drei genannten Fällen (Zeche Waltrop, Erin-Cas-R, Ewald Herten) waren vom ersten Tage des Planungsprozesses beteiligt: Der Eigentümer (RAG), LEG und/oder die Montangrund, die jeweilige Stadt, die IBA und von Fall zu Fall die IHK, Vertreter des Städtbauministerium . Und da deren jeweilige Interessen sehr unterschiedlicih, ja oftmals extrem gegensätzlich waren, ist das erzielte und heute zu besichtigenden Ergebnis nicht die Folge des Diktates von wem auch immer.
    Was die Anwohner–Beteiligung angeht:
    In den drei genannten Beispielen hat es regelmäßig Bürgerinformationen und Bürgerbeteiligungen gegeben, Und wenn, Stefan Laurin, Du Dich ‚mal persönlich in Waltrop, auf Erin, auf Ewald das "Erreichte" ansiehst, könnte es evtl. möglich sein, auch mit den Anwohnern zu sprechen. Ich bin mir "sehr sicher", daß es wenig Kritik, aber viel lob für das Erreichte geben wird.

    Waltrop -und z.Teil auch Ewald- sind zudem gute Beispiele dafür, daß es durchaus möglich ist,
    "Übertage-Altanlagen" zu erhalten und diese sowohl als "Kulturdenkmale " zu erhalten als -auch gewerblich zu nutzen -sh.vor allem Manufaktum und Fahrrad-Haase in Waltrop.

    Ich meine, es bedarf für jede der sog. industrieller Brachen eines spezifischen , gut durchdachten, gut strukturierten und vor allem ergebnisoffen Prozessen unter Einbindung aller Beteiligten/Betroffen, um zu einer akzeptablen Lösung zu kommen. Mir scheint, daß ist in Waltrop, auf Erin, auf Ewald gut gelungen, und darüber hinaus gilt das m.E. für viele andere sog. Industriebrachen/Industriedenkmale im Revier.
    Ob man mehr als geschehen alte Industrieanlagen hätte "platt machen" und sie nicht als "Denkmalte der Industriekultur" zu erhalten und zu nutzen, wird weiterhin gefragt werden. Und weiterhin wird es darauf unterschiedliche Antworten -auch differenzierte- geben.

    Ke
    "Auf einem anderen Blatt" steht die Frage, welche gewerblich/industriellen Neuansiedlungen im Ruhrgebiet "gewollt" sein sollten -durch die Kommunen, durch die Region, durch das Land NRW- und welche potentiellen Investoren sich aus welchen Gründen für eine Neuansiedlung im Ruhrgebiet und unter welchen Bedingungen interessieren könnten -und dabei geht es m.E. den Investoren weniger um die Frage des "richtigen" Flächenangebotes, denn daran mangelt es m.E nach wie vor im Ruhrgebiet nicht -sh. u.a. das "neue Großprojekt" der Städte Essen und Bottrop.

    ke,
    Über das "Grundsätzliche" im Zusammenhang mit Neuansiedlungen und Bestandserhaltungen in den Bereichen Gewerbe/Industrie haben wir hier bei den Ruhrbaronen mehrfach aus unterschiedlichen Gründen kontrovers diskutiert. Hier geht es momentan jedoch nur um die Frage, ob und wie "man" mit altindustrielle Anlagen im Ruhrgebiet umgegangen ist und weiterhin umgehen sollte (weniger Museales, mehr Gewerblich/Industrielles oder….?).

  • #5
    thomas weigle

    Das Konzept der "industriellen Disneylandschaft" entstand in den 80ern fernab des sog. Bildungsbürgertums als sicher ungenügende Antwort einer Landes-und LWL/LVR-politik auf den Niedergang der Kohle-Stahlindustrie, den sie eher nicht zu verantworten hatte. Welche Möglichkeiten Politik damals?
    Ich hatte das Vergnügen als Mitglied der grünen LWL-Fraktion diese Politik dann ab 1989 für 10 Jahre hautnah zu begleiten und fand und finde das Konzept als solches durchaus gelungen, da bin ich ganz nahe bei @ke

  • #6
    Wolfram Obermanns

    Viel kritischer als die sporadische Umwandlung in Kulturbetriebe ist doch die massenhafte in öffentliche Grünanlagen.

  • #7
    walter stach

    -6-
    Wolfram Obermanns,
    "es kommt auf die jeweiligen Gegebenheiten an, z.B. darauf, ob aufgrund der Bodenbelastungen des ehemaligen Industriestandortes jegliche gewerblich/industrielle Nutzung, erstrecht eine Nutzung für den Wohnungsbau gänzlich ausgeschlossen ist, weil eine. Bodensanierung, die später die Daueranwesenheit arbeitender oder dort wohnender Menschen zulassen würde, wenn überhaupt, dann nur unter Einsatz "unvertretbar/unverantwortlich hoher öffentlicher Mittel" möglich wäre. Dann wird der Boden mit wenigen Mitteln so aufbereitet, abgedichtet und evtl. mit nicht belastetem Boden überdeckt, daß die gesamte Fläche begrünt und bepflanzt werden und sogar für "Spaziergänger" -also für eine kurzeitige Nutzung durch Menschen- zugänglich gemacht werden kann. Das kann jedenfalls ein Grund dafür sein, daß zahlreiche ehemalig industriell genutzte Flächen heute "nur" als Grünflächen existieren.

    Es kann aber durchaus auch so sein -sh. mein Beitrag 4-, daß "man" einen altindustriellen Standort so aufbereitet, daß einige Altanlagen bestehen und renoviert werden, die für kulturelle Zwecke, aber auch für Handwerksbetriebe oder Dienstleister verfügbar sind -sh.u.a Zeche. Waltrop, Ewald Herten, daß zudem auf dem Gelände von Gebäuden freigemachte Flächen für die Ansiedlung kleinerer und mittlerer Betriebe bereitgestellt werden und das Ganze zudem umgeben bzw. begleitet wird von öffentlichen Grünanlagen -sh. wiederum Zeche Waltrop, Erin Cas-R, Ewald Herten.

    Insgesamt, so scheint mir, haben die Planer und die Plan-realisierer bsiher insgesamt durchaus Vorzeigbares und durchaus Sinnvolles auf den altindustriellen Standorten realisiert -mit oder ohne Nutzung altiindustrieller Gebäude für kulturelle Zwecke oder für Handel und Gewerbe.

    Eine Rundreise, z.B. von der Zeche Waltrop nach Erin-Castrop-Rauxel und von dort zu Ewald Herten, könnte dazu beitragen, daß meine Einschätzung, zumindest für diese Altstandorte, geteilt wird.

    Meine Meinung zu dem, was im Ruhrgebiet auf altindustriellen Standorten geschehen ist und was ich weitestgehend als "geglückt" bezeichnen möchte, ändert nichts daran, daß in Einzelfällen ‚was schiefgelaufen ist bzw. weiterhin schiefläuft und darf zudem nicht dazu führen, unbedenklich auf ein "Weiterso" zu setzen. Andere Bedingungen, andere Erwartungen, andere finanzielle Möglichkeiten erfordern , daß sich alle Beteiligten/Betroffenen permanent fragen, ob "Anderes" zu tun ist -im Prozess , in den Zielen. Ich denke, daß das -selbstverständlich- seitens aller Beteiligten geschieht und daß -selbstverständlich- medial ständig kritisch hinterfragt wird, so wie jetzt von Stefan Laurin -"gut so" -.
    Bekanntlich gibt es im Ruhrgebiet noch viele, viele Hektar altindustrieller Flächen nebst alter Industrieanlagen und alter Bausubstanzen, so daß dieses permanente selbstkritische Hinterfragen bisheriger Planziele und Planungsprozesse zum "Tagesgeschäft" aller Beteiligten/Betroffene gehört primär nicht , um das bisherige Tun grundsätzlich in Frage zu stellen, sondern um angesichts "veränderter Bedingungen" über zeitgemäßere Lösungen der jetzt anstehenden "Sanierungen/Neunutzungen" der Altstandorte diskutieren zu können.
    Ich wünsche mir das nicht zuletzt deshalb, weil ich zu denen gehöre, die sehr kritisch den Planern in Politik und Verwaltung )gegenüberstehen, die -bedenkenlos?- statt auf Altstandorten "lieber" auf der sog. Grünen Wiese Flächen für gewerblich-industrielle Neuansiedlungen schaffen wollen.

  • #8
    Wolfram Obermanns

    "Ich wünsche mir das nicht zuletzt deshalb, weil ich zu denen gehöre, die sehr kritisch den Planern in Politik und Verwaltung )gegenüberstehen, die -bedenkenlos?- statt auf Altstandorten "lieber" auf der sog. Grünen Wiese Flächen für gewerblich-industrielle Neuansiedlungen schaffen wollen."
    Die Bedenken bei der Neuansiedlung von Gewerbe auf Altflächen war und ist häufig die aufwändigere Bodensanierung. Bei einer "Renaturierung" reicht schon mal Folie und Bauaushub drüber und fertig.

    Manchmal hatte ich bei diesen Flächenentwicklungen den Eindruck, der Alteigentümer sollte aus der Verantwortung frei gekauft werden und die Gemeinde hat dann die verseuchte Fläche an der Backe.

  • #9
    Helmut Junge

    Arnold(2), ja kenn ich. Viel Schimpfe hab ich gekriegt, als ich mal sagte, daß der schöne Nordpark in Duisburg mal verosten würde, und dann teuer entsorgt werden muß. Eines Tages.
    Aber Hallo. Da war was los. "Unser Kind" sagte man mir Grünenintern. Und du machst das runter. Nicht zu fassen.
    Dabei ist das doch logisch, dachte ich damals. Nur geht es nie um Logik, sondern um den Zeitwert.Und der ist hoch.
    Ich bin übrigens erst knapp ein Jahr nach deinem von dir zitierten Artikel auf die Ruhrbarone gestoßen. Erst im Frühjahr 2009. Du warst mir übrigens damals nicht geheuer. Zu radikal. Aber heute freu ich mich, weil ich selber viel zu "konziliant" bin, wie mal ein Kommentator schrieb. Und das stimmt ja auch.

  • #10
    Ke

    Ewald ist super. Das Freizeitangebot wird nach meinen Erfahrungen gut angenommen.
    Das Sunset Picknick war ein Highlight im Sommer.
    Ich mag die Halden. Rheinpreussen mit Blick auf Rhein und Ruhrgebiet ist meine Nr. 1.

  • #11
    philter

    Woher kommt eigentlich der hass das autors auf das (sehr diffuse) bildungsbürgertum?? #gruppenbezogenemenschenfeindlichkeit

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @philter: Man muss schon ein arges Schneepflöckchen sein um aus dieser Kritik Hass zu lesen.

  • #13
    rurit

    Oh, oh. Essen hat in der Sozialstruktur ein krasses Süd-Nord-Gefälle. Die Ansiedlung von bildungsnahen Einrichtungen auf Zollverein könnte doch vielleicht bildungsnahe Bewohner anziehen: Gentrifizierung. Wieso sollte es Ihrer Meinung nach besser sein, wenn der Architekt oder Rechtsanwalt und seine Kinder einen großen Bogen um Altenessen machen? Wie schaut es dort aus mit Studentenwohnungen? Soweit ich Essen kenne, dürften zwischen Thyssen-Hauptverwaltung und Maxstraße genügend Flächen für Businesscenter vorhanden sein. Letztere Straße hätte in Boomcitys ein Investor schon längst aufgekauft und Neubauten vorgesehen. Bei Zollverein fehlt der Halt vom Regionalzug. Auf der CeBIT gab es mal ein Drohnenrennen – wäre das mal was, alternativ zu Zechenfest und Eislaufbahn?

    Ach so. Noch ein Verweis auf temporäre Nutzung in Zürich: Geroldareal.
    https://www.fraugerold.ch/de/home

  • #14
    philter

    Ich bin ein ausgewachsener schneepflock!!! (danke für den neologismus)
    Spaß beiseite: Souverän wäre gewesen, sie würden kurz erklären, dass sie niemanden hassen und dann ihre ablehnung (o. Ä.) gegenüber dem "bildungsbürgertum" erörtern.
    Ich gebe zu: Das mit dem hass war etwas überspitzt, aber diese rhetorische mittel benutzen sie doch selbst ständig…!?
    Und weil es mich wirklich interessiert: Woher rührt die abneigung gegen das "bildungsbürgertum"beim autor?

  • #15
    abraxasrgb

    Das Ruhrgebiet / NRW haben ca. 3500 Industriedenkmäler … wenn davon einige im Promille / Prozentbereich als Marketing-Instrumente mit hohem medialem Gegenwert oder Kultur- bzw. Freizeiteinrichtungen durchaus erfolgreich sind (Zollverein, LaPa-Nord), macht die sprichwörtliche Schwalbe noch keinen Sommer.

    Der kleinkarierte kommunalpolitische Proporz führt zu einer Inflationierung des Angebotes zum Schaden aller. Zwei riesige Kokereien im Abstand von 30 km (Zollverein in Essen, Hansa in Dortmund).
    Zwei Stahlwerke (Henrichshütte Hattingen / LaPa-Nord in Duisburg). Braucht man die wirklich und kannibalisieren sich die Museen nicht selbst?

    Weniger ist auch in diesem Fall mehr. Von dem IBA-Konzept des "kontrollierten Verfalls" ist man z.B. in Dortmund (Hansa) und auch anderswo abgekommen und setzt auf Vollsanierung. Wozu? Warum? Weshalb?
    Über die exorbitanten Folgekosten wird geschwiegen bzw. sie werden nicht gegen den Ertrag kalkuliert.
    Typisches Beispiel ist die aus meiner Sicht in der derzeitigen Konzeption sinnlose Erweiterung des UNESCO-Welterbe Status auf ein heterogenes Sammelsurium von Siedlungen, Pumpwerken, Zechen etc.. Das wurde zurecht von der Kommission zur Überarbeitung zurück gewiesen. Inflationierung einer Marke.

    Die Industrienatur als regionalem und strukturellem Standortfaktor kommt meiner Meinung nach (über)regional viel zu wenig Wertschätzung zu. Dabei waren die Grünzüge schon in Robert Schmidts Regionalplan elementare "Rückgrate" der regionalen Entwicklung. Als Naherholungsflächen, Spiel- und Freizeitorte, Biotope, Lernorte der Natur von der Bevölkerung geschätzt, aber meist nur in der unmittelbaren Umgebung genutzt. Dabei ist das eines der (bleibenden) Alleinstellungsmerkmale der Region.

    Die Gewerbeparks der IBA sind nahezu vollständig gescheitert.
    Tourismus ist kein Ersatz für industrielle Arbeitsplätze, denn er ist saisonal und im Niedriglohnsegment. Zudem fehlen sekundäre Beschäftigungseffekte. Die liegen im industriellen Bereich bei 2-3 Arbeitsplätzen im Tourismus bei 0,2-05 Arbeitsplätzen.

    Die Strategie des Landes (IBA, Grundstücksfonds etc.) war insofern klug, denn die riesigen Flächen zumindest temporär aus dem Markt zu nehmen hat einen rapiden Preisverfall durch Überangebot verhindert. Wobei die Preise in der Region immer noch niedriger sind, als in anderen Ballungsräumen.

    Ein tolles Beispiel steht an der Kö in Bochum – der G-Data Campus … ups, der ist ja privatwirtschaftlich und digital. Also nix für die früher mal regierenden Parteien.

    Bildungsbürger? Hey, super Dialektik … wir haben als Motoren des Strukturwandels viele Hochschulen in den letzten Jahrzehnten bekommen und damit einen Brain-Drain erster Güte verursacht, weil die Absolventen keine passenden Jobs hier in der Region bekamen 😉

    Zollverein wäre gut angebunden (z.B. Flughafen Düsseldorf), wenn die Züge, wie z.B. im Kulturhauptstadtjahr 2010, auch in Katernberg hielten und nicht durchrauschen 😉

    Willkommen im Jahr 1 des Post-Karbon-Zeitalters im Ruhrgebiet. Leute die letzte Zeche hat Schicht im Schacht …

    Schauen wir mal auf welche Ideen die Ruhrkonferenz kommt!

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @philter: Das eine Gruppe über die Definitionsmacht verfügt, was förderungswürdige Kultur ist und was nicht, ist allemal bedenklich. Zumal Pierre Bourdieu schon vor 50 Jahren in "Die feinen Unterschiede" klar macht, hat dass es vor allem um die Reproduktion von Machtverhältnissen geht.

  • #17
    Klaus Lohmann

    @#8 Wolfram Obermanns: Wieso nur manchmal?? Der Phoenix-See in Dortmund ist das beste und bekannteste Beispiel genau dieser peinlichen Kotaupolitik der Kommunen: trotz aktenkundiger Verantwortung von ThyssenKrupp (als Käuferin der Hoesch AG) für die Kontaminierung des – später dann sauteuer sanierten – Baugrunds des Hoesch-Stahlwerks auf Phoenix-Ost hat die Stadt dem TK-Konzern das Stahlwerks-Areal für ca. 5 Mio. Euro abgekauft und den Konzern per Vertrag von allen Eigentümer-Pflichten zur Sanierung entbunden.

  • #18
    Laubeiter

    Essen hat jede Menge Flächen, auf denen das Gleiche gemacht werden kann wie das, was jetzt nicht auf die denkmalgeschützten Flächen in Zollverein darf. Ich sehe es so wie der ruhrbarone-Autor: Die Zollverein-Fläche ist für Geschäftsleute ein gemachtes Bett, in das sie sich gerne betten möchten, ohne sich in den Stadtteil einzubetten. 2000 Arbeitsplätze ist viel, wann soll diese hohe Zahl von Arbeitsplätzen erreicht sein? Für mich stellt sich die ganze Umgebung der Thyssen-Zentrale als Wüste dar. Ist da kein Platz?

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