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Klimadiskussion: “All das kommt mir vor wie ein riesiges Erziehungsprogramm”

Geht Ende 2021 vom Netz: Kernkraftwerk Brokdorf Foto: Alois Staudacher Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Klimadiskussion hat in den letzten Wochen an Fahrt aufgenommen. In Griechenland brannte es so schlimm wie noch nie und in Deutschland wurden Menschen und Häuser vom Unwetter weggespült. Die Kosten zur Beseitigung der Schäden und der Wiederaufbau gehen in die Milliarden. Gleichzeitig ist in Deutschland Wahlkampf. Das bringt die Klimaaktivisten verstärkt auf den Plan, die von sich glauben die Antworten zu haben. Ich bin mir allerdings nicht sicher ob das wirklich der Fall ist. Von unserem Gastautor Thomas Hafke.

Wer sich mal in Ruhe anguckt welches Land wieviel CO2 ausstößt, wird sich wundern. Es ist nicht Deutschland und noch nicht mal die USA. Es ist China, welches für fast ein Drittel der weltweiten Emissionen verantwortlich ist. Was bedeutet, dass wir in Deutschland unsere CO2 Produktion auf Null reduzieren können, ohne dass sich nur im geringsten etwas an der Erderwärmung ändert. Und es kommt noch dicker. Gut 370 Kohlekraftwerke sollen in der Volksrepublik noch gebaut werden. In ganz Asien 600 und Afrika zieht nach. Um es in Zahlen zu verdeutlichen: China stößt über 11 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr aus, in Deutschland sind es 700 Millionen,

Was aber tun die Klimaaktivisten? Stürmen sie weltweit die chinesischen Botschaften? Und machen deutlich, dass das Land auf klimaneutrale Strom- und Wärmeproduktion setzen muss, damit die Welt nicht eines Tages verbrennt oder ertrinkt? Nein, sie tun nichts dergleichen. Was sie aber tun, ist die Leute hier verrückt zu machen, so als würde jede kleine CO2 Einsparung das Klima retten. Bloß, wenn China bzw. Asien nicht mitmachen, ist das alles fürn Arsch. Dann werden wir für nichts eine in jeder Hinsicht teure Energiewende bezahlen, ohne die Erderwärmung zu stoppen.

Wie aber soll die Energiewende in Deutschland aussehen? Manchmal habe ich den Eindruck, die Leute glauben, dass wenn sie weniger Auto fahren, Veggieburger statt Currywurst essen und gegen Flugzeug fliegen sind, dass die Welt tatsächlich kühler wird, zumindest diese unerträglich heißen Sommer und Wetterextreme, die wir grade ertragen mussten, aufhören würden. Welch ein Irrtum, nichts dergleichen wird geschehen. Es wird einfach stumpf immer wärmer werden. Die 1,5 Grad angesichts der Entwicklungen in Asien sind schon jetzt ein schlechter Witz. CO2 kennt keine Grenzen, nicht mal europäische.

Selbstverständlich ist es wichtig, dass wir uns auch in Deutschland Gedanken machen, wie wir die Katastrophe mit Ansage verhindern können. Und natürlich müssen auch wir das Klimagas, dass unsere Erde erwärmt, reduzieren. Dahin gibt es allerdings viele Wege. Ein Weg beispielsweise wäre zumindest unsere Atomkraftwerke nicht abzustellen, die im Betrieb kaum CO2 produzieren – einmal vom vor kurzem noch viel diskutieren Feinstaub abgesehen. Das würde wirklich etwas bringen. Natürlich sollten wir auch die erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Allerdings weht der Wind und scheint die Sonne nicht ständig, so dass es eine Grundlastversorgung mit konventionellen Kraftwerken weiter geben muss. Zur Zeit findet dies mit Kohle statt, irgendwann mal soll das mit Gas geschehen, weshalb es ja diese katastrophale Gaspipeline in der Ostsee gibt, die, zu Ende gedacht, CO2 produziert, Europa spaltet, unsere amerikanischen Partner verärgert, die Freiheit der Ukraine gefährdet und eine Diktatur fördert. Die Antwort stattdessen ist deshalb eindeutig Kernkraft.

Dann sollen wir alle irgendwie büßen, für unsere „Sünden“ an der Umwelt. Die Erderwärmung als Omen und Fanal. So als gäbe es eine unschuldige Natur, der die Menschen Gewalt angetan hätten. Dabei gibt es für die Natur solche Kategorien nicht. Sie killt jeden Tag Unmengen von Lebewesen, darunter natürlich auch die Menschen und zwar tausendfach. Büßen, das heißt Verzicht. Wir sollen uns möglichst nicht mehr bewegen, also kein Auto fahren, kein Flugzeug fliegen und andere Verkehrsmittel wie der Bus werden infrage gestellt, allerhöchstens noch Bahn. Fahrrad fahren ist erlaubt. Wie dann das Zusammenleben der Menschen auf der Welt so funktionieren soll, bleibt dabei ein Rätsel, mit subventionierten Transporträdern wohl kaum.

Das Essen, ein Lieblingsthema der Deutschen, muss sich natürlich auch ändern. Was war nicht schon alles „ungesund“  und am Ende tödlich. Vor allem tierische Produkte gehören zu den mortalen Bösewichten, dabei starben vor nicht allzu langer Zeit dutzende Menschen durch den Verzehr von Samensprossen vom Biohof. Der sogenannte CO2 Fußabdruck, der uns zur unfreiwilligen und möglichst fleischlosen Diät zwingen soll, spielt jetzt die Rolle. Ob Nudeln oder Kartoffeln, Weißbrot oder Schwarzbrot, früher heiß diskutiert, wird nochmal heißer erörtert, wichtig obendrauf ist die CO2 Bilanz.

All das kommt mir vor wie ein riesiges Erziehungsprogramm. Erfunden von Menschen, die gerne andere Menschen durch die Gegend scheuchen. Nicht ganz unähnlich den Kommunisten, die auch eine heile Welt mittels Zwang schaffen wollten, allerdings mit dem Blick auf Friede unter den Menschen und nicht mit der Natur. Dafür dachten sie sich eine Unmenge von mörderischen Gemeinheiten aus, um die schlechten Menschen zu guten Kommunisten zu machen. Nun sollen wir gute Klimamenschen werden, auf Teufel komm raus. Und so ist auf einmal der Sozialismus wieder ein Thema, obwohl es die sozialistischen Länder waren und sind, die die größten Umweltsauereien zu verantworten haben. Da ist vom Umbau des „Systems“ oder sogar von einer Revolution die Rede. Eins scheint den meisten Klimaaktivisten klar zu sein, irgendwie hat der Kapitalismus schuld. Der nun aber ist wie er ist. Ähnlich der Natur kennt er weder Schuld noch Sühne. Er funktioniert lediglich und ist sogar einsetzbar, um bestimmte Ziele zu erreichen. Mit dem Wohlstand und der Unabhängigkeit der Menschen von den Unbilden der Natur hat das schon mal hervorragend geklappt, warum sollte das nicht auch beim Klima funktionieren.

Das heißt, wir sollten auf den Kapitalismus setzen, um uns zu retten. Mit Hilfe der Marktwirtschaft und der Industrie sind wir in der Lage den Klimawandel zu verhindern, weil wir so die notwendigen Produktivkräfte freisetzen, die uns die Innovation und  Entwicklung neuer Technologien ermöglichen werden, die uns wiederum in die Lage versetzen die Erderwärmung aufzuhalten. Leider wurde von den Atomkraftgegnern genau das verhindert. Hätte die Menschheit auf Kernenergie anstelle von Öl, Gas und Kohle gesetzt, gäbe es heute keine Klimaerwärmung. Nun gut, mittlerweile werden wieder Atomkraftwerke geplant und gebaut. Nur in Deutschland will man mal wieder einen Sonderweg gehen, der nur funktioniert, wenn die übrigen Länder der EU dabei nicht mitmachen. Sollten wir wirklich auf 100% erneuerbare Energien setzen, so müssten uns die anderen EU-Länder den Rücken freihalten, mit konstantem Strom aus ihren – im besten Fall  – Atomkraftwerken.

Nach all dem bin ich mir gar nicht sicher, ob es den sogenannten Klimaaktivisten überhaupt um die Erderwärmung geht, oder nicht vielmehr um eine Idee der Menschengängelei im x-ten Gewandt. Denn sie lehnen Kernenergie ab, wollen den Kapitalismus und Industrie bekämpfen, denken sich bevormundenden Anti-CO2-Kikifatz aus und wollen Verzicht. Menschen sollen beispielsweise nur noch 19 qm Wohnraum zur Verfügung bekommen. Das alles erinnert an christlichen Fundamentalismus und an den überwunden geglaubten Kommunismus. Im Grunde polarisieren sie am Ende nur, so dass es schwierig wird die Menschen auf den schwierigen Weg der Klimapolitik mitzunehmen. Wie denn auch, wenn Dystopien an die Wand gemalt werden, anstelle von Aufbruch zum klimaneutralen Wohlstand oder Verzicht gepredigt wird, der dann in Wirklichkeit nur für die anderen gilt – der Masse, den Prolls. Mit der Beschneidung von Freiheit wird am Ende auch die Innovation erstickt, die wir brauchen, um uns zu retten.

Was heißt das alles? Das heißt, wir müssen sofort aufhören Atomkraftwerke abzuschalten, die Bundesrepublik muss sofort aufhören andere Länder zur Aufgabe ihrer Atomkraftwerke zu bewegen, stattdessen sollte sie das in Deutschland entwickelte Know-how zur Verfügung stellen und Kernenergie fördern, selbstverständlich auch die erneuerbaren Energien, von denen es immer noch viel zu wenig gibt, aber genau so gehören die Wirtschaft, die Industrie und die Wissenschaft dazu, damit wir dem Klimawandel begegnen können, ohne uns in messianische oder dystopische Fantasien zu flüchten, die am Ende nichts bewirken, außer Recht und vielleicht sogar Macht gehabt zu haben. Wenn dann alle Stricke reißen, müssen wir sowieso in den sauren Apfel beißen und die Sonne verdunkeln. Ich hoffe es kommt nie soweit.

homas Hafke ist Diplom Sozialwissenschaftler und seit über 32 Jahren in der Jugendarbeit tätig. 30 Jahre davon war er im Fan-Projekt Bremen aktiv, wo er mit Jugendlichen Werderfans (Kutten, Hooligans und Ultras) beschäftigt war. Wobei er zwischenzeitlich beim VfB Oldenburg mit Fußballfans und in Delmenhorst mit Skinheads arbeitete. Hinzu kam die Begleitung der Fans der Deutschen Nationalmannschaft ins Ausland. In Oldenburg hatte er das Glück mit Rudi Assauer zusammenarbeiten zu dürfen. Außerdem hat er in dieser Zeit diverse Lehraufträge an der Universität und Hochschule Bremen und an der Hochschule für öffentliche Verwaltung (Studiengang Polizei) durchgeführt. Heute ist er in der Jugendwohngruppenarbeit tätig, wo er mit Risikojugendlichen betraut ist. Sein Gebiet ist die Jungenarbeit.

 

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6 Kommentare zu “Klimadiskussion: “All das kommt mir vor wie ein riesiges Erziehungsprogramm”

  • #1
    yohak

    Mir scheint, die Klimabewegung (Fridays for Future u.s.w.) ist eine quasireligiöse Heilsbewegung. Angesichts der Warnungen der Klimaforscher fragt man nicht, was rational und effektiv zur Problemlösung zu tun wäre. Vielmehr geht man davon aus, daß der Mensch durch zuviel moderne Technik sündigt, daß ihn die Natur dafür bestraft und daß deshalb das oberste Gebot darin besteht, daß wir aufhören zu sündigen. Natürlich ist es rational Unsinn, zu glauben, daß man künftige Hochwasserkatastrophen in Deutschland vermeiden kann, wenn man (nur) in Deutschland so schnell wie möglich (oder auch noch schneller) jedes Kohlekraftwerk abschaltet. Da Klima global ist,. und nur 2% der globalen Emissionen aus deutschland kommen, ist eigentlich klar, daß bei einer rationalen Klimapolitik nicht nationale Emissionsziele im Zentrum stehen dürften. Aber es entspricht halt der Logik "Wir haben gesündigt, und werden deshalb bestraft" und der damit verbundenen Erwartung, daß wir nicht mehr bestraft werden, wenn wir aufhören zu sündigen.

  • #2
  • #3
    abraxasrgb

    Eine gute und kritische Besprechung des BVerfG Urteils zum Thema von Hartmut Klient:
    http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=29129

  • #4
    Bochumer

    Mmhhhh…
    Gibt es denn Klimaaktivisten, die die beschriebene Positionen in Gänze vertreten? Ober sondert der Verfasser hier nur gesammelte Twitter-Zitate ab? Mir deucht, er hat einen billigen rhetorischen Trick angewendet. Eine Strohfigur beschrieben, auf die er dann einprügelt.

    Das Problem bei der Kernenergie heißt Endlager. Wo soll das hin? In der Gegend um Tschernobyl wird ja erhöht CO2 gebunden. Das darf in der Aüfzählung nicht fehlen.

    Das Argument mit den anderen ist natürlich nicht falsch. Zum Glück geht ja in Folge des Kapitalismus die Geburtenrate in China drastisch zurück. Irgendwann werden die auch weniger verbrauchen.

    Die Kernthese ist übrigens nicht ganz falsch. So dargestellt wirkt aber nur der Autor dümmlich und das Argument schwach. Schade, denn es könnte gute und positive Debattenbeiträge geben. Nötig wären sie.

  • #5
    Ingenhorst

    Zum ersten Mal seit 1970 ist in der EU und den USA ein neuer Kernreaktor- Typ patentiert worden: Der "Dual Fluid Reactor". Besonderer Charme des Typs: Ein GAU (Kernschmelze) ist konstruktionsbedingt nicht möglich. Außerdem kann das Ding mit heutigem Atommüll betrieben werden, das Endlagerproblem wäre gelöst. Entwickelt wurde der Dual Fluid Reaktor" von einer Berliner Forschergruppe. Ihre Förderanträge zur Weiterentwicklung des Reaktors wurden von unseres Politdeppen abgelehnt. Die Forscher bringen den Reaktor jetzt. In Kanada zur Serienreife.

  • #6
    Walter Stach

    "Klima und Kohlekraftwerke"…..

    So eben hat das OVG Münster entschieden, daß auch der 2.Bebauungsplan als Rechtsgrundlage für die baurechtliche Genehmigung des Kraftwerkes an diesem Standort u n w i r k s a m ist.
    Thomas Krämerkämper vom BUND sagt dazu in seinem ersten Kommentar:
    "Das ist noch nicht das Ende, aber der Anfang vom Ende" – von Datteln IV.

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