Kollegah und Farid Bang: „Lass die blöden Musels doch machen“

Kollegah und Farid Bang (2013) Foto: Selfmade Records Lizenz: CC BY-SA 2.0


Muslime und Migranten werden in der Gesellschaft nicht ernst genommen. Sie sind immer noch die „anderen“, ihre Fehltritte und Leistungen werden nicht in dem Maße beachtet, wie es bei den Nicht-Muslimen  der Fall wäre.

Hätte Philipp „Fips“ Burger, der Sänger der italienischen Band „Freiwild“ gesungen, sein Körper sei definierter als der von Auschwitzinsassen, hätte Freiwild beliebig hohe CD-Verkäufe und Streams erzielen können, nie wäre die Band mit einem Echo ausgezeichnet worden und nie wäre sie bei der Show in Berlin aufgetreten.

Sicher, auch die Auftritte der völkischen Italiener waren skandalträchtig und für den Echo, genau wie die Aufregung um Kollegah, notwendig, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Der Skandal scheint fester Teil der PR-Planung dieses peinlichen Events zu sein, auch wenn diese nun vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist: Echos werden zurückgegeben und ein Sponsor hat sich bereits verabschiedet. Die Verteidigungslinie der Echo-Verantwortlichen von Bertelsmann bis zum Ethik-Beirat, man verteidige das hohe Gut der künstlerischen Freiheit, ist so schwach wie die Kampflinien der Wehrmacht im Sommer 1944, als die Nazis im Westen und im Osten blutig in Richtung des deutschen Bodens geprügelt wurden: Nie ging es darum, das Album von Kollegah und Farid Bang zu verbieten. Die Frage war nur, ob Antisemitismus preiswürdig ist. Bertelsmann, der Ethik-Beirat, Vox und die Echo-Truppe von Bundesverband der Musikindustrie beantworteten sie mit einem strammen „ja“.

Das die Echo-Macher das Skandalpotential von Kollegah und Farid Bang unterschätzt haben, liegt nicht an den besonderen Regeln des Battle-Rap als moderner Kunsform. Auch der völkische Deppenrock von Freiwild unterliegt den besonderen Regeln des völkischen Deppenrocks und niemand kommt auf die Idee zu sagen: „Hey, das sind  Jungs aus den Alpen. Bei denen da oben ist die Luft dünn, das ist schlecht für die Hirndurchblutung und außerdem singen die alle so ein komisches Zeug. Ist Kunst”. Obwohl Freiwild als Italiener Ausländer sind und Kollegah und Farid Bang Deutsche, werden die beiden Letzteren als Fremde wahrgenommen. Bei Kollegah ist das die Leistung guter Eigen-PR: Wer mit einem Namen wie Felix Blume geboren wird und von Friedberg bis Düsseldorf sein Leben in öden Vororten verbrachte, musste sich etwas einfallen lassen, um auch nur ein wenig Street-Credibilitie zu bekommen. Der Übertritt zum Islam gab ihm den Provo-Schick den er brauchte, um als Rapper Karriere machen zu können. Und er gab ihm Freiräume, denn er und Farid Bang genießen als mehr oder weniger gläubige Muslime eine Art Freischein: Mit dieser Religion gehören sie nicht mehr zur Mehrheitsgesellschaft und haben sich einer Bevölkerungsgruppe angeschlossen, mit der die meisten Mitglieder der Bürger dieses Landes privat kaum mehr Sätze austauschen als „Mit alles?“, „Mit alles, aber ohne Krautsalat“ und von deren Ansichten und Sorgen man ansonsten nur in den Medien liest.

Die Frage, ob der Islam  zu Deutschland gehört, ist vielleicht der Stoff für eine spannende Debatte unter Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern. Die Frage, ob Muslime zu Deutschland gehören, haben die meisten Biodeutschen längst für sich mit „nein“ beantwortet. Muslime sind die anderen und deswegen ist es auch ziemlich egal, was sie so alles tun und lassen. Das fast 13 Prozent der Deutschen bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr die rechtsradikale AfD wählten, hat zu einer nicht enden wollenden Diskussion über das – ohne jeden Zweifel – stark vorhandene neonazistische Potential der Deutschen geführt. Dass die in Deutschland lebenden Türken mit 63,1 Prozent  fast zu zwei Dritteln bei der Abstimmung über die Verfassungsänderung in der Türkei Erdogan folgten, regte nur wenige Tage auf. Kinder marschieren mit Spielzeuggewehren in einer DITIB-Moschee in Herford auf, Eltern  verpacken ihre Töchter in Lappen. Alles egal: „Lass die blöden Musels doch machen“ dürfte die Haltung der Mehrheit sein. Die gehören doch nicht zu uns, mit denen haben wir nichts zu tun. Und diese Haltung führte auch dazu, das Kollegah und Farid Bang ihre antisemitische Hetze in einem Maß verbreiten konnten, wie es sonst nur in den Niederungen des Nazi-Rocks geschieht. Niemand empfand sie als Teil der deutschen Mehrheitskultur. Und als die wurden sie nicht nicht erkannt, weil sie Rapper sind, das sind die Fanta4, KIZ oder Deichkind  auch, sondern weil sie als Muslime nicht als Teil des „von uns“ anerkannt sind. Diese Ausgrenzung war Teil des Geschäftsmodells, sorgte für Credibilty bei den Kids und Hetz-Freiräume von denen Bands wie Kategorie C nur träumen können.

Dass nun Bertelsmann die Zusammenarbeit mit seinen muslimischen Goldeseln plötzlich  beendet, steht dazu nicht im Widerspruch. Kategorie C oder Landser hätte man in Gütersloh nie unter Vertrag genommen. Kollegah und Farid Bang kamen mit ihren Texten auch durch, weil sich im Kern niemand dafür interessiert hat, was sie singen. Ein Haufen durchgeknallter Hools oder Nazis wird immer noch ernster genommen, als ein paar rappende Steroid-Antisemiten, wenn man sie bequem zu den „anderen“ zählen kann. Wie das geht, hat der weibliche Röhm-Verschnitt der AfD, Alice Weidel, auf Twitter gezeigt:

Asozialer Marokkaner – dann ist ja alles klar. So kann Deutschland  sein Problem mit Antisemitismus auslagern. Doch der Antisemitismus gehört zu Deutschland: Der islamische wie der völkische, der  christliche und der linke.

Kollegah  und Farid Bang haben uns nicht nur eine Antisemitismus-Debatte beschert, sie zwingen uns auch dazu, uns endlich anzuschauen, was in realen und angeblichen Parallelwelten geschieht. Auch Muslime haben jedes Recht, dass man sich ihnen genau so entschlossen in den Weg stellt, wenn sie gegen die Regeln einer zivilisierten Gesellschaft verstossen.

 

 

 

 

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13 Kommentare

  1. #1 | Tobias sagt am 20. April 2018 um 14:32 Uhr

    Der Text hat soviele Fehler… auweia.

    Erstmal zum Wort "preiswürdig". Für einen Preis, der an das meistverkaufte Album geht ist natürlich das Album würdig, was am meisten verkauft Worte. Hier wird nichts als gut oder toll bepreist.

    Kollegah hat mit seiner Religion auch nie sonderlich Werbung gemacht, sich nie selber "ausgegrenzt". Das vermeintliche Desinteresse der "Mehrheitsgesellschaft" liegt nicht an seiner Religion, es liegt daran das die meisten Menschen keine Musik von ihm hören. Sie wird seltenst im Radio gespielt. Es gibt wenig News darüber. Kollegah ist kein Massenphänomen.

    Dazu sei noch angemerkt, das Kritiklosigkeit an "den Anderen" natürlich auch ganz im Sinne der Multi-Kulti Gesellschaft ist. Das Problem des islamischen Antisemitismus ist lange genug bekannt, aber kritisiert werden sollte es nicht. Schließlich ist der Islam die Religion des Friedens (auch wenn es "den" Islam natürlich nicht gibt, auch wenn er für manche zu Deutschland gehört).

    Naja, mach dir weiter die Welt so, wie sie dir gefällt.

  2. #2 | Stefan Laurin sagt am 20. April 2018 um 14:54 Uhr

    @Tobias: 50 Prozent Verkaufszahlen, 50 Prozent Jury – so wird der Echo vergeben. Und die Ethik-Kommission hat sich mit den beiden auch beschäftigt und kam zu dem Schluss: Geht klar mit dem Preis.

  3. #3 | Mark.t.hoffmann sagt am 20. April 2018 um 18:12 Uhr

    Viele Linke wollen nicht die Verfolgung von religiösen und sexuellen Minderheiten im Islam bekämpfen, sondern den Vorwurf gegen Muslime, dass sie religiöse und sexuelle Minderheiten diskriminieren. Sie glauben, dass das Benennen Munition liefern könnte, die schliesslich gegen Muslime eingesetzt werde. Denn dieser Vorwurf könnte zur Ablehnung eines ganzen Kollektivs führen und den Rechten Propagandamaterial liefern – und das muss präventiv verhindert werden. Hier schlägt ein Verhaltensschema, das sich von der «Islamophobie der Rechten» abzugrenzen sucht, in die verständnisvolle Duldung diskriminatorischer Haltungen durch Muslime um.

  4. #4 | ke sagt am 20. April 2018 um 18:41 Uhr

    Die Welt ist komplex, wir brauchen angeblich Vereinfachungen.

    Was ist an "Gleichheit" so schwer zu begreifen?

    Gleichheit bedeutet auch, dass ich akzeptiere, dass es überall Kriminelle etc. gibt.

    Jedes "Regelwerk", das Realitäten unterdrückt, wenn sie eine Gruppe betreffen, ist nichts anderes als Diskriminierung.

    "So kann Deutschland sein Problem mit Antisemitismus auslagern." In diesem Fall ist die Aussage sicherlich zu kritisieren, dennoch frage ich mich, wieso sich Deutschland mit so vielen Problemfällen der Welt beschäftigt.
    Wenn sich ein Gast in meiner Wohnung nicht korrekt verhält, fliegt er raus. Dann ist dies nicht mein Problem. Bei Freunden/engen Familienangehörigen ist dies etwas anderes.

    Dass Bertelsmann auch mit den Echo-Gewinnern zusammengearbeitet hat und erst so spät reagiert hat, ist für mich nicht nachvollziehbar.

  5. #5 | Walter Stach sagt am 20. April 2018 um 19:59 Uhr

    ke
    Ja -sh. Gleichheit-, es sollte unstrittig sein, daß es überall Gute und Böse gibt, daß es überall Menschen gibt, die sich bemühen, anständig und respektvoll mit jedermann umzugehen und solche, für die Anstand und Respekt keine Handlungsmaxime sind. es gibt viele, die sich tagtäglich bemühen, die staatlichen Ge- und Verbote zu beachten und weniger, die jederzeit bereit und in der Lage sind, Gegenteiliges zu tun.
    Diesbezügliches Wissen und diesbezügliche Erfahrungen führen in jeder Gesellschaft und in jedem Staat dazu, daß sich die Gesellschaft Regeln gibt und der Staat mittels seiner Normen regelnd tätig wird -und das formell und materiell oftmals sehr unterschiedlich, ja gegensätzlich.

    Triviale Erkenntnisse.
    Und so trivial ist es eben auch, daß Kollegah und Co. so sind wie sie sind und daß die Gesellschaft, zu der sie gehören, so reagiert wird sie reagiert und als eine freiheitlich-pluralistische eben sehr differenziert, ja gegensätzlich.
    Hat der Staat schon reagiert? Weiß ich nicht. Denkbar, daß eine Staatsanwaltschaft….???

    Ebenso trivial ist es festzustellen, daß meine Meinung zu den hier diskutierten (gesanglichen?) Äußerungen von Kollegah und CO nur eine unter vielen in der Gesellschaft ist (…widerlich, widerwärtig) und das gilt auch für meine Nachdenklichkeit darüber, was in der Gesellschaft, was vor allem unter jungen Menschen los ist, wenn die Äußerungen von Kollegah weder als widerwärtig noch als widerlich empfunden werden. Und diese Nachdenklichkeit meinerseits wird befördert durch alldiejenigen, die tagtäglich Anstand und Respekt einfordern, die sogar tagtäglich die Achtung vor den sog. Werten des sog.christlichen Abendlandes einfordern, aber sich gar nicht oder erst sehr spät von dem distanzieren, was ich mit widerwärtig/widerlich beschrieben habe.

    Ke
    Ich sehe Vieles, was in der Gesellschaft, in der ich leben, derzeit abläuft, sehr kritisch. Nachvollziehen im Sinne einer Logik von Ursache/Wirkung kann ich sehr wohl viel von dem, was ich kritisch sehe.
    Wer für seine "gesanglichen Darbietungen überdurchschnittlich viel Zustimmung/Begeisterung findet und damit den Umsatz in der Branche fördert, der hat dann dafür(!) und deshalb(!) einen Preis verdient, jedenfalls dann, wenn das und nur das die entscheidende Kriterien für die Preisverleihung sind. Ich könnte auch sagen, die Preisverleihung war insofern systemimmanent. Und dazu steht nicht in Widerspruch, daß ich diese systemimmanenten Entscheidungs – und Handlungskriterien ablehne.

    Noch funktioniert sie also, die freiheitlich-pluralistische Gesellschaft in Deutschland, in der Platz ist für (gesangliche) Äußerungen von Kollegah und Co., für eine Preisverleihung an sie, aber eben auch für heftigen Widerstand, für heftige Proteste in der Gesellschaft. Mit welchen Folgen -für Kollegah und Co, für die Musikwirtschaft, für…? Das weiß ich nicht.

  6. #6 | Manuel sagt am 21. April 2018 um 06:10 Uhr

    Die Grundaussage ist so allgemein allerdings nicht richtig. Bei körperlichen Gewalttaten wird bei vermeintlich muslimischen Tätern deutlich mehr darüber in der Presse berichtet. Sog. Familientragödien („Vater ermordet seine Frau und deren zwei Kinder“) finden fast gar keine Beachtung in der Presse, Messerattacken von deutschen Jugendlichen (mit deutschen Namen) allenfalls in der Lokalzeitung und wenn ein deutscher psychisch Kranker mit einem Auto in eine Menschenmenge fährt, dann interessiert das auch keinen so richtig.

  7. #7 | ke sagt am 21. April 2018 um 11:42 Uhr

    @6 Manuel:
    Gibt es zu ihrer Aussage Untersuchungen/Studien?

    Bei Terroristen, die meistens in Gruppen agieren, ist natürlich eine andere Gefährdungslage vorhanden als bei Kurzschlussreaktionen von Einzeltätern, die ohne terroristische Motive agieren.

    Ebenso gilt es, bei Häufungen von Gewaltmustern, diese Ursachen zu bekämpfen. Dabei ist es vollkommen egal, worin die Ursachen liegen.

  8. #8 | Tobias sagt am 21. April 2018 um 14:59 Uhr

    @Stefan

    Welches der vier anderen nominierten Alben war denn besser? Das von Spongebozz bestimmt nicht. Das von der Straßenbande haut in die selbe Kerbe wie JBG3. Kontra Ks und RAF Camoras alben haben keine wesentlich besseren Bewertungen. Klar gab es bessere Alben, aber keines wurde so häufig verkauft wie die Fünf.

    Und was ist eigentlich mit der völlig kritiklosen Nominierung von Feine Sahne Fischfilet? Auch betont Gewaltbereit und Menschen verachtend, aber deren (preisgekrönte) Doku kriegt hier auf den Ruhrbaronen sogar noch kritiklose Werbung.

  9. #9 | Konstantin sagt am 23. April 2018 um 22:57 Uhr

    Ich würde es nicht auf die Religion schieben (Rapper können ohnehin nicht allzu streng religiös sein, da ihre Texte und zum Teil auch ihr Verhalten so ziemlich gegen alle islamischen Regeln verstößt). Es liegt eher daran, dass fast 2 Jahrzehntelang ein riesiger Hype um "Battle-Rap" entstanden ist: Der beste ist derjenige, der, ähnlich wie beim Boxen, den anderen so fertig macht (nur eben verbal), dass dieser sich nicht mehr wehren kann. Nur ANDERS als beim Boxen, wo Tiefschläge und andere Unfairness zu Punktabzug & schlimmstenfalls zur Disqualifikation führen und wo ein Ringrichter einen Kampf unterbricht, wenn jemand angeschlagen ist, gibt es dergleichen unter Battle-Rappern eben nicht bzw. nicht mehr: Da wird hemmungslos gehetzt, da wird relativ niederträchtig das gesamte Umfeld mit hineingezogen und da werden, so wie etwa bei "Fanpost 2" von einem Kollegah, der sich ohnehin als vollkommen überlegen sieht, niederste Instinkte bedient (man stelle sich nur mal vor, ein solches Video guckt jemand, der tatsächlich Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist und dessen Trauma platzt wieder auf, nur weil jemand es nötig hat, sich auf diese wie ich finde wirklich widerliche Art und Weise zu profilieren, der ohnehin lyrisch und auch geschäftlich der überlegene Rapper ist). Das alles ging lange Zeit durch, und erst durch diese eine Zeile mit Auschwitz will man plötzlich den gesamten Zynismus BEIDER Rapper erkannt haben? Das ist LÄCHERLICH! Wenn man es wirklich ernst meint, müsste man Hip Hop als Kategorie komplett streichen, solange diese "Kunst" wie ein Boxen ohne Regeln abläuft und man für solche Zeilen und/ oder gewisse Videos noch den Respekt kriegt. Und das hat auch nichts mit Religion, Herkunft, Hautfarbe, Staatsangehörigkeit oder was auch immer zu tun, denn augenscheinlich verteidigt ja die gesamte Battle-Rap-Szene diese Grenzüberschreitung und hält sie für akzeptable Kunst.

    Was das allerdings mit Frei.Wild zu tun haben soll, verstehe ich nicht wirklich. Von denen ist, anders als von Kollegah & Farid, KEIN Album, nicht einmal EIN EINZIGER Track indiziert. Die haben sich zudem noch ein Jahr vor ihrem Echo-Gewinn, aber auch schon Jahre davor, scharf von Rassismus ( es gibt sogar eine eigene Merch-Kollektion "gegen Rassismus"), Rechtsextremismus, der Neonazi-Partei NPD und schließlich unmissverständlich von jeglichem Hass auf Flüchtlinge distanziert. Bei Frei.Wild wird man mit rechten Symbolen gar nicht erst ins Konzert gelassen – der Hinweis steht auf jeder Eintrittskarte, die man übrigens, anders als bei wirklichen "Rechtsrock-Bands", bei Eventim ganz normal kaufen kann. Mir sind von nahezu keinem einzigen Battle-Rapper derart eindeutige Anti-Rechts-Statements bekannt, weder in Tracks, noch in Interviews; lediglich ein einziger Rapper namens Fler, der sich ebenfalls einmal juristisch mit der NPD auseinandersetzen musste, hat ähnlich scharf dagegen Stellung bezogen. Insofern sehe ich beim besten Willen überhaupt keine Grundlage, diese Band auszuschließen, es sei denn, man hört auf die Worte einiger extrem linksgerichteter, vollkommen irregeleiteten Bands & Acts, die ihrerseits mitunter ebenfalls indizierte Tracks & CDs aufweisen und selbst keinesfalls bar jeglicher Kritik sind. Kritik, ok, man muss nicht alles gut finden und man muss auch nicht immer einer Meinung sein, aber der Popanz, der wegen Frei.Wild aufgebaut wurde, steht in keinerlei Verhältnis dazu, dass es ganz realen Alltagsrassismus, ganz realen Alltagssexismus, ganz alltägliche Homophobie und ganz alltägliche Menschenfeindlichkeit gibt, mit alledem Frei.Wild überhaupt nichts zu tun haben. Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen und damit indirekt tatsächlich rechtsextreme Musik und Politik grob verharmlost.

  10. #10 | Klaus Lohmann sagt am 24. April 2018 um 10:17 Uhr

    @#9: Der subtil-verharmlosend rübergebrachte, völkische Nationalismus der Freiwilder fehlt in Deiner Aufzählung, was die Burger-Truppe alles nicht sein soll. Und auch die Textstellen, in denen "Gutmenschen und Moralapostel" angeblich reich seien – was natürlich keinerlei Zusammenhang zu Shoa-Opfern und deren Entschädigungszahlungen durch den deutschen Staat darstellt.

    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.interview-ueber-musikszene-freiwild-machen-eindeutig-rechtsrock.5d1ce6a2-4c57-41c8-8b9f-8a688c4155d8.html

  11. #11 | Tod durch Boss-Transformation: Echo wird eingestellt | Ruhrbarone sagt am 25. April 2018 um 15:09 Uhr

    […] zum Echo: Kollegah und Farid Bang: „Lass die blöden Musels doch machen“ Warum Kollegah den Integrationsbambi verdient hätte Der Antisemitismus von Kollegah & Co. Der […]

  12. #12 | Christian sagt am 26. April 2018 um 10:00 Uhr

    "…denn er und Farid Bang genießen als mehr oder weniger gläubige Muslime eine Art Freischein…"

    Warum ist es relevant, wie gläubig die Beiden sind. Habe in einem solchen Kontext seltenst von mehr oder weniger gläubigen Christen gelesen.

    "Mit dieser Religion gehören sie nicht mehr zur Mehrheitsgesellschaft und haben sich einer Bevölkerungsgruppe angeschlossen, mit der die meisten Mitglieder der Bürger dieses Landes privat kaum mehr Sätze austauschen als „Mit alles?“, „Mit alles, aber ohne Krautsalat“ und von deren Ansichten und Sorgen man ansonsten nur in den Medien liest."
    Muslime, das sind die, die den Döner verkaufen, oder wie? Rassistische Stereotypen und Ressentiments kommen gut in einem Text, in welchem man sich über Antisemitismus aufregt…

    "Kinder marschieren mit Spielzeuggewehren in einer DITIB-Moschee in Herford auf, Eltern verpacken ihre Töchter in Lappen. Alles egal: „Lass die blöden Musels doch machen“ dürfte die Haltung der Mehrheit sein. Die gehören doch nicht zu uns, mit denen haben wir nichts zu tun. Und diese Haltung führte auch dazu, das Kollegah und Farid Bang ihre antisemitische Hetze in einem Maß verbreiten konnten, wie es sonst nur in den Niederungen des Nazi-Rocks geschieht."

    Steile These. Ich denke die Mehrheitsgesellschaft hört einfach eher weniger Battlerap. Egal ob von Kollegah, Sun Diego, PA Sports, Retrogott oder wem auch immer. Klar, Hip Hop ist derzeit im Allgemeinen sehr erfolgreich und daher erschließt sich mir der Vergleich zu Rechtsrockern wie Kategorie C nicht. Aber Battlerap wurde auch vor 10 Jahren schon nicht verstanden. Auch da wurde mit dem Finger gezeigt auf Bushido oder Frauenarzt. Und ja, die Inhalte der Texte sind mitunter streitbar und man kann gerne darüber diskutieren. Die Art und Weise ist leider nur zu oft sehr einseitig. So auch in diesem Fall.

    "Kollegah und Farid Bang haben uns nicht nur eine Antisemitismus-Debatte beschert, sie zwingen uns auch dazu, uns endlich anzuschauen, was in realen und angeblichen Parallelwelten geschieht. Auch Muslime haben jedes Recht, dass man sich ihnen genau so entschlossen in den Weg stellt, wenn sie gegen die Regeln einer zivilisierten Gesellschaft verstossen."
    Natürlich sollten sich generell alle an die Regeln halten. Aber der Text tut so, als sei es mutig und etwas Neues, dass man Muslime kritisiert. Dabei ist es fahrlässig, oberflächlich und wenig förderlich eine antisemitische Zeile (welche im übrigen von Farid gerappt wurde, nicht von Kollegah. Auf einem Album, bei denen die Beiden gewettet haben, wer die asozialste Zeile bringt) darauf zu reduzieren, dass die Beiden Muslime sind. Antisemitismus ist hierzulande ein Problem. Aber kommt er wirklich nur von den Muslimen? So eine unterschwellige Stimmung verbreitet der Text und damit ist er nicht weit Weg von AfD-Sprech.

    Was auch völlig außer Acht gelassen wird, ist, dass man unterscheiden muss zwischen strukturell antisemitischen Zeilen und Äußerungen und einer bestimmten, kritischen Haltung gegenüber dem Staat Israel (meistens einhergehend mit einer solidarischen Haltung für Palästina). Über Beides lässt sich Diskutieren, aber Letzteres ist zumindest innerhalb der Hip Hop Szene weiter verbreitet als Antisemitismus im Allgemeinen. Darauf hat zum Beispiel auch die neulich gezeigte WDR Doku aufmerksam gemacht. Und ja, dabei kann man dann untersuchen, ob es Zusammenhänge zwischen Sozialisation, Kultur, Religion usw. gibt bei den Menschen, die eine solche Haltung haben.

    Grundsätzlich zu behaupten, die Muslime hätten problematische Ansichten und würden dafür häufig nicht kritisiert ist dabei aber sicher der falsche Weg.

  13. #13 | "Sie lügen! Sie lügen!" | Ruhrbarone sagt am 30. Juli 2020 um 16:43 Uhr

    […] Genau wie Farid Bang es schrieb, dieser in seinem Echo-Raum gepriesene Sprachkünstler, der wusste, dass brandmarken auf polynesisch tätowieren heißt: „Mein […]

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