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Laschet spielt das Spiel seines Lebens

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) grenzt sich von AfD ab (Foto: Roland W. Waniek)

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) (Foto: Roland W. Waniek)

Trotz bislang 1331 infizierten Arbeitern des Tönnies-Schlachthofs im Kreis Gütersloh wird es keinen regionalen oder auch nur lokalen Lockdown geben. Zwar sind Schulen und Kitas geschlossen, aber die Geschäfte, Kneipen und Restaurants haben weiterhin geöffnet. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) appelliert an die Bürger der Region, Veranstaltungen mit 50 Personen zu meiden – verbieten tut er sie nicht.

Laschet spielt das Spiel seines Lebens – leider spielt er es auch mit den Leben der Menschen in Nordrhein-Westfalen. Der Lockerungskünstler Laschet hofft, das alles noch einmal gut geht. Eine sehr optimistische Haltung angesichts des größten Corona-Ausbruchs in Europa. Bekommt er die Lage nicht in den Griff,  wird  er zurücktreten müssen. Ich wünsche Armin Laschet viel Glück – und uns allen auch.

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15 Kommentare zu “Laschet spielt das Spiel seines Lebens

  • #1
    Bochumer

    Laschet hat ja mit dem Hambi-Gehampel gezeigt, was er kann. Nun hat er sich von einer Wirtschaftstussi aus BaWü bei den Öffnungen beraten lassen… die hatte der Partei Geld gespendet… und nun gibt es die Quittung. Bei 1.300 Fällen und einer Sterberate von 1 Prozent kann das noch bitter werden.
    Auch wenn die Regierenden im Land viel richtig gemacht haben: Laschet macht nicht die beste Figur – er hätte auch Arbeitnehmer-Vertreter in seinen Rat holen müssen.

  • #2
  • #3
    Emscher-Lippizianer

    Auf dem Papier und dem eigenen Bekunden nach soll Herr Laumann ein Arbeitnehmervertreter sein. Zur Zeit geht er zum Dienst in das NRW-Gesundheitsministerium. Was er dort so genau macht entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Das gilt aber für das ganze Haus.

  • #4
    Robert Müser

    War da nicht etwas vor ein paar Wochen? Die Älteren unter uns können sich da vielleicht noch daran erinnern.

    Ging es einem Ministerpräsidenten A.L. damals nicht schnell genug mit den Lockerungen?

    Wurde da wg. dieses Quengelns nicht die Verantwortung an die Länder bzw. Kreise und Städte übertragen? Wurde da nicht eine Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern/Woche als Beruhigungspille für die Bevölkerung vereinbart?

    Wenn ich mich jetzt nicht ganz verrechnet habe, komme ich für den Kreis Gütersloh auf etwa 200 (!) Neuinfektionen. Schlimm genug und was passiert im Kreis Gütersloh? Eigentlich nichts, übrigens steigen im Kreis Warendorf die Zahlen auch an. Sind ja nur die Wanderarbeiter und skandalöserweise noch nicht mal aus Deutschland kommen …

    Soll man es fahrlässig nennen, was da gerade passiert …?

    Da kann man nur hoffen, dass dieser Hotspot, der jetzt schon größere Ausnahme als der Kreis Heinsberg hat, nicht seine infektiösen Kreise zieht …

  • #5
    Susanne Scheidle

    @Robert Müser #4
    Genau genommen hat Armin Laschet recht, wenn er sagt, dass der Ausbruch bei Tönnies nix mit den allgemeinen Lockerungen zu tun hat.
    Die Schlachthäuser waren ja die ganze Zeit über in Betrieb, weil es systemrelevant ist, dass der Deutsche Mensch sein Schnitzel auf dem Tisch hat.
    Kann man drüber streiten, aber das ist nicht der Punkt.
    Warum man allerdings erst eine Marke von 50 Infizierten je 100.000 Einwohner in 7 Tagen fest steckt und dann nicht die Reißleine zieht, sprich einen sofortigen Lockdown, wenn diese Zahl um ein Vielfaches überschritten wird, ist keinem vernunftbegabten Menschen zu erklären, angeblich war diese Regelung doch getroffen worden, um genau solche Situationen einzudämmen.
    Wie es aussieht hat man ja erst in der Nacht von Freitag zu Samstag in einer robusten Aktion überhaupt alle Adressen der möglicherweise Infizierten herausfinden können.
    Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die Krux dieses neuen Corona-Virus, dass man schon andere anstecken kann, wenn man noch gar keine Symptome hat, also gesund und munter in den Supermarkt geht um sich eine Tüte Milch zu kaufen. Da können also so ein, zwei Tage durchaus einen großen Unterschied machen, vor allem wenn es, wie sich jetzt heraus stellt, um über 1300 Infizierte geht.
    Davon zu sprechen, dass man das Geschehen unter Kontrolle hat, ist ungefähr so zu bewerten als wenn ein Roulettespieler einem sein absolut sicheres Spielsystem erklärt.

  • #6
    Bochumer

    Natürlich ist die Produktion von Lebensmitteln systemrelevant. Deswegen hätte schon vor der Krise für ordentliche Lebens- und Arbeitsbedingungen gesorgt werden müssen. Das hat die CDU über Jahre blockiert und der FDP kann es nicht asozial genug sein. Das ist nun die Konsequenz.
    Nun ausgerechnet die Schulen wieder zu schließen ist schon ein Witz.

  • #7
  • #8
    Susanne Scheidle

    @ Arnold Voss #7
    Auf SPIELGEL-ONLINE ist zu lesen, dass in den Krankenhäusern des Landkreises derzeit insgesamt 21 Covid-19 Fälle behandelt werden, davon 6 auf der Intensivstation, von denen wiederum 2 beatmet werden müssen, wobei 5 der 6 Kranken auf der Intensivstation Tönnies Arbeiter wären (Stand gestern 14.40 Uhr) https://www.spiegel.de/wissenschaft/coronavirus-news-am-21-juni-die-wichtigsten-entwicklungen-zu-sars-cov-2-und-covid-19-a-369f3420-0b4d-4a55-ae43-3063efdd86be

  • #9
    Martens, Manfred

    Diese Möchtegern-Politiker von der CDU interessiert doch nur ihr eigenes Portemonaie und das füllen sie sich aus dem Steuersäcklein aber der größte Teil kommt von der Wirtschaft. Da ist es doch wohl klar für wen die Herrschafften Politik machen und Laschet vorne weg. Er kann doch schlecht den Ast absägen auf dem er sitzt.

  • #10
  • #11
    Wolfram Obermanns

    #5 Susanne Scheidle
    Wenn der Seuchenherd so genau eingegrenzt werden kann, wie dies bei Tönnies der Fall ist, dann sind auch präzise Quarantänemaßnahmen vernünftig.

    Für mich nicht nachvollziehbar ist die gepflegte juristische Grauzone, in der sich augenscheinlich die ganze Branche bewegt. Tönnies ist ein weiterer öffentlich gewordener Teil einer Fleischmafia, für die etablierte Regeln der Hygiene in der Lebensmittelproduktion und Arbeitssicherheit mit Duldung bzw. mit Wegsehen der zuständigen Ämter nicht zu gelten scheinen.
    Parteipolitisch kann m.E. niemand glaubhaft daraus für sich Nektar ziehen, da alle ihre Chance gehabt haben, an der Situation etwas zu ändern. An dieser Stelle berühren sich dieser und der "Heuchelei"-Artikel inhaltlich.

  • #12
    Emscher-Lippizianer

    #11
    Der Seuchenherd mag präzise eingrenzbar sein. Nur mit welchen Aufwänden soll dies in welcher Zeit erledigt sein? Hier gehen eher Wochen ins Land anstatt Tage.

  • #13
    Susanne Scheidle

    @ Wolfram Obermanns # 11

    Ja, wenn der Infektionsherd eingegrenzt werden kann… geht das in diesem Fall? Noch sind die Tests nicht durch, noch weiß keiner, wie viele Fälle es überhaupt gibt, bis gestern Abend waren es 1330, allein durch die schiere Anzahl dürfte es schwierig werden, alle Kontakte nachzuvollziehen.

  • #14
    Wolfram Obermanns

    #13 Susanne Scheidle
    Wenn die Betroffenen einigermaßen isoliert leben, ist eine Eindämmung trotz ihrer hohen Anzahl denkbar.
    Das ist das, was Drosten "den Tiger reiten" nennt. Es ist eine Frage der Haltung welche Risiken man um welchen Preis verhindern möchte. Da hat jeder jedes Recht seine ganz eigene Auffassung zu vertreten.

    Laschet wird seine Auffassung auch politisch vertreten müssen. Aber klar, Ausgangssperren drohen und das weiß mit einiger Sicherheit auch Laschet. Für ihn ist dieses drastische Mittel nur nicht per se die erste Wahl. Daß es Wähler gibt, die dies anders einschätzen, wird ihm bewusst sein.

  • #15

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