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MDR versagt bei Berichterstattung über Nazi-Angriff in Dresden

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Von SpOn bis FAZ heißt es heute: “Angriff von Rechtsextremen” in Dresden. Was ja auch klar wie Kloßbrühe ist: Erst wurde das THW bei den Vorbereitungsarbeiten behindert, dann wurden DRK-Helfer attackier – und schließlich kühlte der rechte Mob sein Mütchen an den Gegendemonstranten, die für die Flüchtlinge und ein weltoffenes Dresden protestiert hatten.

Die Polizei hatte mit erbärmlich wenig Kräften, die zudem unbehelmt waren, reichlich Mühe, die NPD-Anhänger im Zaum zu halten – und konnte nicht verhindern, dass ein ZDF-Team attackiert und mehrere Gegendemonstranten verletzt wurden.

Doch die einzige ARD-Quelle, die von tagesschau.de exklusiv verlinkt wird, die Homepage des Mitteldeutschen Rundfunks, schreibt von :

„Gewalt zwischen Asylgegnern und Befürwortern“

„In Dresden sind Gegner und Befürworter eines Zeltlagers für Asylbewerber verbal und tätlich aneinandergeraten.“

„Reporter vor Ort berichteten, Rechtsextreme hätten Gegendemonstranten mit Flaschen, Steinen und Böllern beworfen, nachdem sie zuvor von diesen mit Sprüchen provoziert worden seien.“

Motto: Wenn die Linken die lieben Nazis nicht provoziert hätten, wäre gar nix passiert. Am Ende werden die Gegner des Heims, die immerhin ein Grundrecht infrage stellen, zu ihrem Persönlichkeitsschutz auch noch verpixelt – im Gegensatz zu den Gegendemonstranten.


mdr_pixelt

Diese beim MDR offenbar eingebaute, automatische Extremismusthese-Nazi-Verniedlichungskorrektur geht auf keine Kuhhaut mehr. Alle anderen überregionalen Medien haben es geschafft, Ross und Reiter, Täter und Opfer klar zu benennen. Nur der MDR nicht. Peinlich für die ARD.

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14 Kommentare zu “MDR versagt bei Berichterstattung über Nazi-Angriff in Dresden

  • #1
    ein anderer Stefan

    Tja, so ists in Sachsen. Die Polizei hatte die Fahrzeugkette vor der linken Gegendemo aufgestellt – vor den Rechten – nix. Das ist immer wieder so zu beobachten. Viel zu wenig Polizei, die Einsatzleitung hat die Lage offenbar falsch eingeschätzt. Angeblich wären nicht mehr Kräfte verfügbar gewesen – an dieser Stelle vielen Dank an die Landesregierung für den fortschreitenden Personalabbau bei der Polizei. Ihre Schutzkleidung haben die erst angelegt, als es schon geknallt hatte. Und für die Auflösung der Nazidemo haben sie sich auch viel Zeit gelassen, wohl auch, weil sie es nicht durchsetzen konnten. Die Berichterstattung des MDR passt dazu. In der sächsischen CDU hat erst neulich wieder einer sinngemäß gesagt, es seien zwar Wirtschaftsflüchtlinge, aber trotzdem müsse man ihnen erstmal helfen. Gehts noch? Es sind Menschen, verdammt noch mal. Da könnte ich so kotzen. Und dass die Presse auf die verletzte Frau noch voll draufhält und hinterher rotzfrech behauptet, sie hätte den rechten den Stinkefinger gezeigt – der galt eindeutig der Presse. Das war noch die Krönung.

  • #2
    Manuel

    Traurig. Sachsen wird so das Nazi-Problem nicht in den Griff kriegen, ganz im Gegenteil befeuern sie es damit auch noch.

  • #3
    thomas weigle

    Die Ausländerfeindlichkeit gerade in Sachsen hat eine längere Tradition. Das MfS stellte schon zu Beginn der 80er fest, dass gerade der Nachwuchs von mittleren und etwas höheren SED-Kadern besonders anfällig für rechtsextreme Einstellungen war. Natürlich wurde der "Klassenfeind" dafür verantwortlich gemacht. Ende der 80er warnte der damalige SED-Bezirksgewaltige Modrow vor verbreiteter Ausländerfeindlichkeit in seinem Zuständigkeitsbereich. Angesichts dessen, dass gerade Dresden als "Tal der Ahnungslosen", wo kein Westfernsehen zu empfangen war, ist der Einfluss des "Klassenfeindes" eher zu vernachlässigen gewesen, abgesehen davon gab es in der DDR weniger als 1% Ausländer und auch heute kann ja von Multi-Kulti dort nicht wirklich gesprochen werden. Woher kommt das dort also?

  • #4
    Andi

    @ thomas weigle:
    Wenn man keine persönlichen Erfahrungen sammeln kann, bleiben in erster Linie die Medien als Informationsquelle, und dort wird naturgemäss Negatives hervorgehoben* was dann das Bild prägt. Darauf können bestimmte Gruppierungen mit Unsinn und Lügen aufbauen, die man wiederum eben nicht selbst überprüfen und als solche entlarven kann. Teufelskreis.

    *: Das ist auch gut so weil nur Ungewöhnliches einen Nachrichtenwert hat, und ich lebe lieber in einer Welt in der schlimme Dinge eine Neuigkeit sind.

  • #5
    Wieland

    Ich fand es schon sehr befremdlich, dass während der PEGIDA-Züge vereinzelt Deutschland-Fahnen auf den Ablagen der Polizeifahrzeuge zu sehen waren. Aber in allen autoritär organisierten Vereinen ist rechtes Gedankengut allgegenwärtig. Ob das bei der Bundeswehr, der Polizei oder der Feuerwehr ist.

  • #6
    Klaus Lohmann

    @#3 thomas weigle: Es gibt so einige "gute", leicht nachvollziehbare Gründe für einen vom Westen völlug unabhängigen Faschismus in der Ex-DDR. Z.B. wurden durch den Mauerbau ja nicht alle hüben wie drüben im Geiste braun gebliebenen DDR-Bürger plötzlich zu Antifaschisten, nur weil das Regime es so wollte. Und der DDR-Sozialismus bot solchen Nazis natürlich auch eine gewohnt obrigkeits-orientierte, streng autoritäre Gesellschaftsform der Überwachung und Gängelung gegen die "Staatsfeinde von drüben". Außerdem gab es zahlreiche jüdische Familien hinter dem trügerischen "antifaschistischen Bollwerk", denen der innere Nazizorn galt, wenn mal gerade keine ausländischen Austauschstudenten aus Mittelamerika oder Afrika greifbar waren.

    http://www.spiegel.de/einestages/neonazis-in-der-ddr-video-zeigt-rechte-szene-1988-a-1013448.html

  • #7
    elvira geppert

    Wir waren gestern vor Ort und auch eine Livestream der MOPO Dresden lief über zwei Stunden direkt am Geschehen. ( kann man sich bestimmt schicken lassen )
    Die linken Gegendemonstranten unter Leitung von Politikern wie Kasek von den Grünen Sachsens skandierte ständig NIE WIEDER DEUTSCHLAND und provozierte ständig mit Worten die Leute.
    Jeder der das gesehen hat, dann die Berichte liest, sagt, war ich am gleichen Ort des Geschehens
    Auch das ZDF Team wurde nur etwas weggeschuppst, nachdem es die Rufe Lügenpresse ignorierte.
    Diese Berichterstattung ist skandalös und erinnert stark an die Medien der DDR.
    Auch scheinen einigen Presseerzeugnissen die Distanz verlorengegangen zu sein, der ein jeder Journalist verpflichtet sein sollte.

  • #8
    ein anderer Stefan

    @elvira: Ja, es wurde auch von der Gegendemo heftig provoziert. Ich wiederum empfinde die Auftritte der NPD-Redner vor einem Lager für Flüchtlinge, bei dem sie ihre rassistische Parolen absondern, als extreme Provokation. Auf dem genannten Livestream kann man dann sehr schön sehen, dass die Flaschen und die Bake flogen, und man hört auch die Böller.
    Auf verbale Provokationen mit Gewalt zu antworten, ist ein Unding. Und nur "ein bisschen weggeschubst"? Hallo? Auch das ist Gewalt und absolut nicht in Ordnung. Als ZDF-Reporter würde ich "Lügenpresse" auch ignorieren – es zwingt einen ja keiner, mit Reportern zu reden, aber Tätlichkeiten sind eine Grenzüberschreitung, die kein "bisschen" in Ordnung ist. Und der versuchte Sturm auf die Gegenseite, bei der ein Polizist aufs nächste Auto fliegt? War das auch nur "ein bisschen geschubst"? So lange es die braunen machen, ist es in Ordnung, oder wie? Bitte mal die eigenen Maßstäbe überprüfen – verbale Attacken sind das eine, aber Menschen durch Wurfgeschosse ins Krankenhaus befördern ist ne ganz andere Hausnummer.

  • #9
    Der Organisator

    Joar, habt Ihr sehr treffend formuliert.

    Man sollte halt doch aussuchen dürfen, für welche Informationen sein Geld ausgibt, vielleicht steigt dann ja die Qualität in der Berichterstattung…. 😀

    Sonst habe ich dem nichts hinzuzufügen.

  • #10
    Klaus Lohmann

    @elvira geppert: Bietet Pegida kein Sommercamp an, auf dem man (oder eben Du) solchen Blödsinn weit weg von menschlicher Behausung absondern kann?

  • #11
    Sissy Fuß

    @Elvira Geppert: „Diese Berichterstattung ist skandalös und erinnert stark an die Medien der DDR.“ – Ja, mich erinnert der MDR auch sehr an die Medien der DDR: Er ist ein Parteisender, noch mehr als der bayerische Rundfunk, und bestreitet sein Kulturprogramm vor allem mit Konserven des DDR-Fernsehens.

    Ach, das haben Sie nicht gemeint? 🙂

  • #12
    thomas weigle

    @ Klaus Lohmann Hinter dem "antifaschistischen Schutzwall" gab es kaum mehr Juden, da die meisten der nicht allzu viel in der SBZ/DDR ansässigen Juden sich im Zuge der von Stalin losgetretenen antisemitischen Prozesse und der Kampagne gegen die Westemigranten, Stichwort Noel Field,auf Anraten ihrer im Westen tätigen Gemeinde schon bis spätestens Mitte der 50er klugerweise vom DDR-Acker gemacht hatten. Wie richtig das war, zeigte sich dann noch mal Ende der 60er als in Polen eine heftige antisemitische Propagandawelle rollte und die ostdeutschen Besatzungssozialisten hinter dem Prager Frühling und der Führung der dortigen Reformkommunisten "zionistischen Einfluss" entdeckten, der allerdings tatsächlich nur in der Ostberliner Wahnwelt existierte.
    Zu Ihrer Erklärung hinsichtlich der rechtsradikalen Tendenzen in der DDR darf ich noch anfügen, dass ob der "Integrationspolitik" der SED diese als "großer Freund der kleinen Nazis" galt und Stalin persönlich die Gründung einer Partei für ehemaligen Nazis anordnete, auch der Name dieser Partei verfügte der "Vater der Völker" höchst selbst.

  • #13
    gwuppiwupp

    Wäre es angebracht, demnächst einen PSIRAM-Artikel über den MDR zu erstellen?

  • #14
    Stefan Laurin

    @gwuppiwupp: Das muss Psiram entscheiden. Solange wir die Ersten sind ist mir egal, wer Nummer zwei hinter uns ist 🙂

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