Nach LEG-Wärmerverzichtsforderung: Warum keine solidarische Frierpflicht & Ausreiseverbote für Gutverdiener?

Lars von Lackum (Chief Executive Officer LEG) Foto: LEG/Presse Lizenz: Copyright

Deutschland steht möglicherweise vor einem kalten Herbst. Mit der LEG prescht der zweite deutsche Immobilienkonzern vor und stimmt auf Verzicht und Einschnitte ein. LEG-Konzernchef Lars von Lackum, der mit einem Jahresgehalt von über einer Millionen Euro den Winter an jedem Ort der Welt verbringen kann, empfiehlt seinen Mieterinnen und Mietern hierzu warme Pullis und Wolldecken. Das Manager Magazin zitiert: „Ohne harte Entscheidungen werden wir im Winter in große Probleme laufen“, sagte der Manager der Zeitung weiter. In den eigenen vier Wänden einen zusätzlichen Pullover anzuziehen, werde womöglich nicht ausreichen. „Es wird wohl noch eine warme Wolldecke vonnöten sein.“

Aber wie wäre es eigentlich mit einer solidarischen Frierpflicht für Gutverdiener?

Jeder mit einem Jahreseinkommen über 80.000 Euro wird verpflichtet, im Winter weniger zu heizen. Das ließe sich über Staffelungen umsetzen. Ab 80.000 € nur noch 18°, ab 120.000 € 16° und über 200.000 € 12°, wer 500.000 € oder mehr verdient, darf lediglich noch zum Frostschutz heizen. Das hohe Einkommen ermöglicht den solidarischen Erwerb von hochwertiger Isolationskleidung. Ein Lars von Lackum könnte sich beispielsweise beraten lassen, mit welcher Kleidung eine Übernachtung am Everest gefahrlos möglich ist und so, bei 3-4°, den Dienst am Volk verrichten, den er selbst einfordert.

Dadurch stünde in den zahlreichen Sozialwohnungen der Bürgerinnen und Bürger, die während der Pandemie meist ohnehin Einkommenseinbußen hinnehmen mussten, mehr Gas zur Verfügung. Wer fordert, muss auch bereit sein, mit gutem Vorbild voran zu gehen. Selbstverständlich müsste sichergestellt sein, dass sich die neuen Zwangsvorbilder nicht durch Ausreise ihrer gesellschaftlichen Frierpflicht, beispielsweise im warmen Süden, entziehen. Verstöße gegen die Frierpflicht sind hierbei natürlich scharf zu kontrolliert und mit hohen Sanktionen  zu ahnden. 5 % des Jahresbrutto beim Erstheizverstoß und 20 % ab dem Zweiten. Die Soko Heizverbrechen schüfe außerdem neue Arbeitsplätze und mit den erwirtschafteten Strafen der Volksfrierpflichtigen ließe sich Kleidung für Menschen mit geringerem Einkommen beschaffen.

Alles ganz solidarisch und demokratisch, insbesondere wäre so abgesichert, dass derartig zynische Pläne nicht, mal wieder, den ohnehin gebeutelten Teil der Gesellschaft träfen. Möglicherweise könnten Frierpflichten, die auch einen erheblichen Teil der Abgeordneten unseres Landes beträfen, zu einem politischen Umdenken führen und darauf besinnen, Krisen mit Technologie und wirksamen Maßnahmen, statt ideologischen Verzichtsforderungen zu begegnen.

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11 Kommentare

  1. #1 | Norbert Esser sagt am 26. Juli 2022 um 20:56 Uhr

    Wer so viel Geld verdient überwintert auf den Kanaren oder in Florida.

  2. #2 | Susanne Scheidle sagt am 27. Juli 2022 um 00:23 Uhr

    Die guten Ratschläge von Lars von Lackum erinnern stark an die guten Tipps von Ökonomieprofessoren im TV, wie man mit der Inflation – besonders bei den Preisen für Lebensmittel – klar kommt: Vor dem Einkauf einen Einkaufszettel machen, nicht spontan irgendwas kaufen, das man dann nicht verbrauchen kann und womöglich wegschmeißt, einfach mal nicht das Markenprodukt wählen sondern zur Hausmarke greifen und vor allem nicht hungrig in den Supermarkt!
    Echt jetzt?
    Da wären wir von alleine nie drauf gekommen!
    Und nicht zu vergessen die Ratschläge zum Energiesparen: Hände mal mit kaltem Wasser waschen, die Spülmaschine/Waschmaschine nur anstellen, wenn sie tatsächlich voll ist, Licht in Räumen ausschalten, in denen man sich gerade nicht aufhält, die Heizung abstellen, wenn man das Haus/die Wohnung verlässt und überhaupt mal einen Pullover anzuziehen … es soll Leute geben, die tun das seit ewig und drei Tagen!

    Da hätte ich auch einen prima Ratschlag, der die der wohlmeinenden Manager, Professsoren und Ökonomen um Längen schlägt: Versucht doch mal, einen Monat, nur EINEN!, mit, sagen wir mal, 1.000 EUR auszukommen. Das ist wesentlich mehr, als Geringverdiener, viele Rentner, Hartz-4-Empfänger – oder leidlich erfolgreiche Künstler – monatlich zur Verfügung haben.
    Und dann reden wir weiter.

  3. #3 | Don Giovanni sagt am 27. Juli 2022 um 09:41 Uhr

    #2 Sie haben natürlich recht. Allerdings muss ich sagen, dass bis vor nicht allzu langer Zeit diejenigen, die auf diese Weise sparten, als reaktionäre Spießer und Looser angresehen wurden. Prototyp: Alfred Tetzlaff.
    Übrigens: Sarrazin war seinerzeit gekreuzigt worden, als er den Pullover empfahl (obwohl dieser Ratschlag bereits kurz zuvor im TV gemacht worden war), um Heizung zu sparen. „unmenschlich“ usw. lautete das Vokabular.
    N.B.: In meiner Heimatstadt gibt es eine kleine Gruppe von Damen, die seit Jahrzehnten finanziell perkären Menschen das Wirtschaften mit dem, was vorhanden ist, beizubringen versucht.
    Es gilt anscheinend auch heute noch. Wer auf diese Weise spart und haushält, kann nur ein „rechter“ Verlierer sein, der – wie Ekel Alfred – die so sehr harmonischen Gesellschaftsverhältnisse ablehnt.

  4. #4 | Lüftungsingenieur sagt am 27. Juli 2022 um 11:25 Uhr

    Das bei einer normalen Wohnungsbelegung (mal ne Dusche, mal den Wasserkocher / Kaffeemaschine, mal kochen, immer mal atmen, schwitzen ja dann weniger) eine Menge Feuchtigkeit anfällt ist langläufig bekannt. Das das Lüften einer Wohnung dazugehört ebenso.
    Nur wird man in einer kalten Wohnung mit dem Lüften eher sparsam umgehen. Selbiges gilt wenn die Wohnung zwar halbwegs warm ist aber nur mit teuer Heizung wieder auf Temperatur gebracht werden kann.
    Die Feuchtigkeit wird an den kühlen Außenwänden kondensieren. Für den geneigten Laien, das berühmte kühle Bierglas mit äußeren Wassertröpfchen.
    Dann wünsche ich der Immobiliengesellschaft jetzt schon viel Freude bei der Sanierung der Schimmelschäden in den Wohnungen.

  5. #5 | Walter Stach sagt am 27. Juli 2022 um 18:22 Uhr

    „Ohne harte Entscheidungen…………….“

    So ist es, Herr von Leckum.

    Dazu zählen u.a.
    die Einführung einer sog. Übergewinnsteuer *),
    die Realisierung der Vemögenssteuer,,
    eine draststiche Erhöung der Erbschaftssteuer, z:B. ab Vermögensswerten über 2 Mio €,
    eine drastische Erhöung der KFZ-Steuer für alle PKW ab einem Einkaufspreis von 150.OOO €,

    dann könnte evtl. (!!). das Frieren in kalten Wohnungen, inflationär gestiegene Preis für Waren des täglichen Bedarfes u.ä. mehr einer Mehrheit der Menschen hierzulande akzeptabel erscheinen.

    +)
    sh. dazu u.a. die Mitteilung der RWE von heute, nach der laut Prognose des Unternehmens der Gewinn in 2022 erheblich über dem bisher angenommen Milliarden Euro Gewinn liegen wird.

    Wenn Frau Baerbock vor kurzem von einem von ihr befürchteten Volksaufstand gesprochen hat (im Winter 2022/2023, wenn…..), könnten Äußerungen we die des Herrn von Leckum nebst einschlägiger FDP-Politik „Wasser auf die Mühlen“ der Befürchtungen „unserer Ministerin des Äußeren“. sein.

  6. #6 | SvG sagt am 27. Juli 2022 um 21:05 Uhr

    @ Walter Stach: Gewinne werden doch schon versteuert; eine „Übergewinnsteuer“-schönste Blüte des Neo-Agitprop- wäre willkürlich, Doppelbesteuerung und wahrscheinlich gestzeswidrig.
    Bei der Erbschaftssteuer gehe ich mit: zB 10% auf alles bei entsprechenden Freibeträgen. Dann zahlt der Erbe mit € 100T bei € 10T Freibetrag 9.000.-; der mit der Million 99.000.-; also elfmal soviel. Das wäre gerecht, einfach umzusetzen und ließe wenig Möglichkeiten zur Steueroptimierung. Zudem fielen die Papierwederstellen beim FA weg.
    Die Vermögenssteuer ist eine alte Klamotte. Wie wollen Sie denn bei der derzeitigen Inflation zB die Sachwerte berechnen?

  7. #7 | Susanne Scheidle sagt am 27. Juli 2022 um 23:55 Uhr

    @ Lüftungsingeneur #4

    MIt Schimmelschäden haben Wohnungsgesellschaften üblicherweise überhaupt keine Probleme. Die werden entweder ignoriert oder den Mietern in die Schuhe geschoben – weil sie nicht oder falsch gelüftet haben…

  8. #8 | Susanne Scheidle sagt am 28. Juli 2022 um 00:19 Uhr

    @ Don Giovanni #3

    Da ist meine Wahrnehmung ganz anders.
    Nachhaltige Lebensweise und Energiesparen ist das Lieblingsthema der Upper Class.
    Sarrazins Schäbigkeit zeigt sich nicht in dem Vorschlag, mal einen Pullover am Abend, wenn es kühl wird, anzuziehen, sondern darin, dass nicht nur „bis vor kurzem“, sondern genau bis jetzt, dem uneinsichtigen und dösigen „Prekariat“ unterstellt wird, im Winter die Heizung bis zum Anschlag aufzudrehen, damit man auch zu Weihnachten im T-Shirt die Geschenke auspacken kann.
    Über „Alfred Tetzlaff“ macht man sich eher lustig, weil er in Frage des guten Geschmacks (Einrichtung der Wohnung, kulinarische Vorlieben) nicht so ganz stilsicher ist.

  9. #9 | SvG sagt am 28. Juli 2022 um 09:04 Uhr

    @ 8; Susanne Scheidle: Sehe ich genau so. Auch der Verzicht wird idR von denen gepredigt, die von allem mehr als genug haben. Und die Verachtung der Linken für das Objekt ihrer Politik trifft man immer wieder im Alltag: Zwei mir bekannte, ausgewiesen linke Damen bezeichneten eine bestimmte Frauenfrisur als „Asi-Palme“.

  10. #10 | Don Giovanni sagt am 28. Juli 2022 um 09:22 Uhr

    q#8 Das, was Sie sagen, mag für die Gegenwart zutreffen, nicht aber für die Vergangenheit, also die Siebziger und Achtziger Jahre. Erst als die „Upper-Class“ (nicht zu verwechseln mit der Bildungselite; beide sind bei weitem nicht deckungsgleich), sich der Ökoreligion anschloss, weil es immer mehr „in“ wurde und die Langeweile des Gewohnten durchbrach, wurde schick, was vorher noch als kleinbürgerliches Sparen aus Geiz abgetan wurde. Energiesparen etc. wurden erst zu eine Zierde der sich selbst als aufgeschlossen und weltoffen Bezeichnenden, als man dieses Verhalten mit Verantwortung gegenüber der Menscheit und der anthropomorphisiertren „Natur“ ausgeben konnte.
    Was Alfred betrifft: Menge hat hier eine Figur geschaffen, die alle Klischee des Champagnertrunkenen großbürgerlichen Spießers erfüllt. Schlechter Geschmack, Geiz und – selbstverständlich – eine reaktionäre Gesinnung. Menge, so scdes „Upper“ scheint mir, hat mit dieser Figur auch diesem Typus „Upper“, vielmehr seinem klischeehaften Denken einen Spiegel vorgehalten.
    Übrigens: Bevor die „Upperclass“ sich – vielleicht aus Langeweile – dem „Nachhaltigen“ anschloss, war sie es doch gerade, die in T-Shirts oder ganz nackt (so coll gab man sich zuweilen auch) zuweilen während des Winters in seinem gutgeheizen Bungalow etc. vergnügte und auch hin und wieder ganz lässig und weltoffen die leere Chesterfieldschachtel aus dem italienischen Sportwagen auf dies Straße warf.
    Mal sehen, was in zehn Jahren „in“ ist.

  11. #11 | Helmut Junge sagt am 28. Juli 2022 um 11:10 Uhr

    „Versucht doch mal, einen Monat, nur EINEN!, mit, sagen wir mal, 1.000 EUR auszukommen. Das ist wesentlich mehr, als Geringverdiener, viele Rentner, Hartz-4-Empfänger – oder leidlich erfolgreiche Künstler – monatlich zur Verfügung haben.“
    Das ist ein guter Vorschlag.
    „Auch der Verzicht wird idR von denen gepredigt, die von allem mehr als genug haben.“
    Kürzlich sagte mir ein Bekannter mit einer 200m2 Meter Wohnung und SPD-Mitglied, daß er den Habeck klasse findet, obwohl der einer anderen Partei angehört, weil der mit dem Ökothema Recht hat.
    Als wir dann über die Heizung im Winter sprachen, sagte er, er hätte allerdings bereits Brennholz für seinen offenen Kamin bestellt. Dieser Widerspruch ist ihm gar nicht aufgefallen.
    „Erst als die „Upper-Class“ (nicht zu verwechseln mit der Bildungselite; beide sind bei weitem nicht deckungsgleich), sich der Ökoreligion anschloss, weil es immer mehr „in“ wurde und die Langeweile des Gewohnten durchbrach, wurde schick, was vorher noch als kleinbürgerliches Sparen aus Geiz abgetan wurde. Energiesparen etc. wurden erst zu eine Zierde der sich selbst als aufgeschlossen und weltoffen Bezeichnenden, als man dieses Verhalten mit Verantwortung gegenüber der Menscheit und der anthropomorphisiertren „Natur“ ausgeben konnte.“
    Das hatte ich damals auch so empfunden.

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