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Nazi-Wikinger feiern in Polen

Am Wochenende haben wir uns wieder einmal das Event in Wolin (Polen) angeschaut. Das ist ja für große Teile der Szene die bedeutendste Frühmittelalterveranstaltung überhaupt, eine Art Wikinger-Wacken. Diesmal waren es leider nur anderthalb Stunden, an denen wir über die Anlage gehen konnten. Als wir nach langen Staus endlich ankamen, war die Schlacht beinahe vorbei und ein Großteil der uns interessierenden Besucherschaft aus der extremen Rechten war schon auf dem Heimweg. Denn die Wolin-Schlacht geht lange und ist unübersichtlich, was die Konzentration von so manchem Haudraufundschluss überfordert. Trotz dieser ungünstigen Umstände konnten wir Eindrücke im ungeahnten Ausmaß festhalten. Dabei haben wir sicher nur einen Teil der in dieser kurzen Zeit auftretenden Phänomene erfasst. Davon möchten wir unseren Leserinnen und Lesern einen kleinen Ausschnitt nicht vorenthalten. Man sollte sich dabei immer wieder vergegenwärtigen, dass wir eine Veranstaltung mit musealem Anspruch und kein Rechtsrockkonzert besucht haben. Ein Bericht in Fotos von Karl Banghard.


Die beiden SS-Totenköpfe sind für die Museumsbesucher unübersehbar. Bitte bedenken: Wir sind in Polen, wo diese Organisation eine besonders blutige Spur hinterlassen hat.


„Blut und Ehre“ so öffentlich zu präsentieren, wäre in Deutschland strafbewehrt. Die andere Wade ziert wohl einen KZ-Wachturm. Obenherum trug der Tätowierte übrigens ein Hammerskin-T-Shirt (!) zur Schau.


Dass hier das Kürzel SS bei diesem Herrn kein Zufall ist…


… zeigt sein Tattoo.


Ein weiterer SS-Bezug ist die vermeintliche „Schwarze Sonne“ von der Wewelsburg. Dazu gibt es einen beliebten Nazispruch: „Wir sind auch ohne Sonne braun.“ Dieser Darsteller schafft das mit Dreck. So mancher historischer Wikinger hätte angesichts des hygienischen Zustandes dieses dreckigen Naziwikingers nur den Kopf geschüttelt.


Die Schwarze Sonne steigt auch auf diesem T-Shirt auf. Es wirbt für die Band Legion Twierdzy Wrozlaw.


Noch ein Werbeläufer für diese Band.


Dieser Herr macht Schaulaufen für den nationalesoterischen Klub Polski Słowiańskiej.Hinten ist extra prominent die Internetseite erwähnt, damit auch wirklich Alle die Verkündungen des Klubs finden.

Thor Steinar, hier andächtig bei der heidnischen Erbauung.


Botschaft der Saison scheint aber „Red is bad“, für Männlein


und für Weiblein.


Die Symbolspielchen finden ganz offen statt: So können Kinder instinktiv erlernen, wie harmlos das Hakenkreuz in Wirklichkeit ist. Die kleine linksextreme Minderheit, die das anders sieht, scheint in Wolin nicht präsent.


Apart ist auch dieses Tattoo.


Das Tattoo spielt mit der Symbolik der White Power Bewegung.


Hakenkreuze ohne archäologisches Vorbild rieselten wie Schneeflocken durch die Darstellungen. Hier zum Abschluss exemplarisch ein besonders fleischlicher Eindruck.


All diese Bilder aus nur anderthalb Stunden Wolin sind keinesfalls nur rausgepickte Rosinen – die wenigen schwarzen Schafe, die es auf nahezu jedem Mittelaltermarkt gibt. Sie sind Ausdruck von einem Problem, das angesprochen werden muss.

Alle Fotos: Karl Banghard


Karl Banghard ist seit 2002 Direktor des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen. Zuvor war er in leitender Funktion an unterschiedlichen großen Archäologiemuseen tätig.

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7 Kommentare zu “Nazi-Wikinger feiern in Polen

  • #1
    Martin Reimer

    Ich war auch auf dem Festival mit meiner Frau und halte allein die Überschrift schonwieder für Panikmacherei. Das Festival findet jedes Jahr, am ersten Augustwochenende statt und läuft offiziell unter dem Namen Wikinger- und Slawenfestival. Eine Treffen von Möchtegern Wikingern und Slawen, die das frühe Mittelalter wieder für ein Wochenende aufleben lassen. Dazu gehört natürlich auch Schaukämpfe usw. Letztenendes könnte ich aber eine derartige Zahl von Nazisymbolen nicht feststellen. Zu dem liegt es wohl auch in der Natur der Sache, dass man auf einem solchen Treffen nordische Runen vorfindet. Ob nun die Träger alle Nazis sind wage ich zu bezweifeln, obgleich ich es nicht abstreiten möchte, dass der Ein- oder Andere Neonazi sich dorthin verirrt. Sich aber bewusst auf die Suche danach zu machen und dann mit der passenden Überschrift gleich einen richtigen Eindruck machen wollen ist für mich kein seriöser Journalismus sonder simple Panikmache.

  • #2
    Barbara Fahrenkampf

    Ich schliesse mich dem Kommentar an…der Bericht hat mit einem echtem Journalismus nichts zu tun…einfach falsche darstellung der Tatsachen ..schade und Schande…

  • #3
  • #4
  • #5
    Jordan Sokolh

    Geschichtsträchtige Veranstaltungen ziehen Extremisten immer wieder an. Darauf sollten sich Veranstaltende grundsätzlich einstellen. Gerade in Polen ist jedweder Art von Bekenntnis zu nationalistischer Symbolik konsequent entgegenzutreten.
    J.S. EIN ZEITKRITIKERJ

  • #6
  • #7
    Nack

    Am sonderbarsten finde ich überhaupt, dass die Polen ein Wikingerfest feiern. Die Nordmänner , welche an der Ostsee gesiedelt haben hatten bis auf Handelbeziehungen mit den Vorfahren der Polen so ziemlich garnichts zu tun. Es wäre aus geschichtlicher und ethnischer Sicht wahrscheinlich logischer wenn unsere polnischen Freunde ein Iranisch-Slawisches Fest feiern würden.

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