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NRW: Die Dummheit der Ökodeutschen

Es ist Wahlkampfzeit in Nordrhein-Westfalen, die Parteien werben um die Stimmen der Wähler. Auch die Grünen sind dabei. Ihre Plakate bestehen aus drei Elementen: Einem Bildmotiv und zwei Inhaltselementen:

Eines dieser Plakate widmet sich dem Thema Heimat. Ok, damit kann ich nicht viel anfangen. Heimat – das Wort benutze ich eigentlich nie. Ich fühle mich da Zuhause, wo Menschen sind, die ich mag. Wo das ist, ist mir relativ gleich. Den Ökodeutschen offenbar nicht. Auf einem Plakatmotiv setzen sie Arminius mit dem Begriff Heimat gleich. Arminius, auch bekannt als „Hermann“, war ein römische Offizier germanischer Herkunft, unter dessen Führung ein Bündnis von Germanenstämmen im Jahr 9 nach unserer Zeitrechnung drei römische Legionen unter Führung des römischen Feldherrn Varus schlug. Ohne Frage ein herausragendes militärisches Ereignis und eines, das politische und kulturelle Folgen hatte: Sicher war die römische Besatzung oft unangenehm, aber sie zerstörte Stammesstrukturen und brachte etwas ganz entscheidendes für die besetzten Territorien mit sich: Einen Zivilisationsprung. Die Römer waren den Germanenstämmen technisch und kulturell unvorstellbar überlegen: Steinhäuser, Philosophie, Römisches Recht, moderne Produktionstechniken, Schrift, Mathematik – der Kampf Varus gegen Arminius war auch der Kampf der Zivilisation gegen die Barbaren. Die Barbaren gewannen diesen Kampf, wohl auch weil Varus kein allzu geschickte Heerführer war. Wenn Grüne heute Heimat ausgerechnet mit Arminius gleich setzen, ist das mehr als ein kleiner Fauxpas: Da schwingt eine bei den Ökodeutschen tief sitzende Zivilisationskritik mit, verbunden mit einer Verherrlichung von allem, was irgendwie als „natürlich“ empfunden wird: Zum Beispiel, sich gegenseitig in einem Kreis sitzend unter den Rufen eines Druiden zu entlausen, anstatt in einem beheizten Bad Datteln zu essen und Wein zu trinken. Mit dem Sieg der Germanenstämme über die Römer begann ein deutscher Sonderweg in der Geschichte, der erst  durch die Truppen der Alliierten 1945 beendet wurde. Varus versagte, Eisenhower, Shukow und Montgomery erledigten seinen Job.  Wenn die Grünen nun mit Arminius werben und ihn mit Heimat gleich setzen, ist das geschichtsvergessen und dumm – Bündnis90/Die Deutschen eben.

 

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17 Kommentare zu “NRW: Die Dummheit der Ökodeutschen

  • #1
    Dominic Hallau

    Sie wissen aber schon, dass das Plakat nur in Ostwestfalen hängt, wo der Herrmann als die touristische Sehenswürdigkeit OWLs tatsächlich ein Heimat-Symbol ist? Wonach ein Sportverein benannt ist, der einen Schlachtruf "Niemand erobert den Teutoburger Wald" hat? Wo Betriebe als Auszeichnung an Mitarbeiter kleine Herrmannsstatuen vergeben? Wo man die Herrmann-Silhouette das ist, es SIM Ruhrgebiet der Fördertürme ist (der ja nun auch für eine aussterbende, klimaschädigende Technologie steht)?

  • #2
  • #3
    GMS

    Diese Ökoträumerei verbunden mit Technikabscheu und einer sehr verkitschten Vorstellung vorindustriellen Lebens, kommt aus der deutschen Romantik, entwickelte sich über die Wandervögel und "Zurück zur Natur"-Bewegung am Ende des 19. Jahrhunderts weiter und wurde dann von den Nazis aufgesogen und verwertet.

    Und das empfinde ich als die größte Lachnummer wenn ich Simone Peters oder KGE über Flüchtlinge schwärmen höre…

  • #4
    Bettina

    Ich möchte die Kritik auf Twitter zu dem Artikel gerne aufgreifen und weiterführen:
    (Das Ende der Varusschlacht als angeblichen Beginn des „deutschen Sonderweges“ und die Problematik, dass hiermit eine deutsch-nationale Identität suggeriert wird.)

    Dies ist nicht nur problematisch, sondern auch falsch. Im Jahr 9 n. Chr. gab es noch keine nationale Identität. Der Hermannmythos wurde in der Vergangenheit oft politisch instrumentalisiert, um eine angebliche historisch fundierte deutsche Nationalidentität zu schaffen, die es aber zum Zeitpunkt der Varusschlacht nicht gab (Beispiel für die Instrumentalisierung: Befreiungskriege, frühes Kaiserreich „Gründungsmythos, Zeit des Nationalsozialismus).
    Deswegen frage ich mich, was eigentlich bezweckt werden möchte, wenn der Autor diesen Satz schreibt: „Mit dem Sieg der Germanenstämme über die Römer begann ein deutscher Sonderweg in der Geschichte, der erst durch die Truppen der Alliierten 1945 beendet wurde.“

    Des Weiteren wird die Bezeichnung des „deutschen Sonderweges“ in der Geschichtswissenschaft eher kontrovers diskutiert, da die historischen Entwicklungen nur einseitig aus der heutigen Sichtweise bewertet und interpretiert werden. Ebenfalls suggeriert der Begriff Sonderweg, dass es einen Normalweg geben müsste, wodurch verkannt wird, dass Geschichte nicht zielgerichtet oder zwangsläufig verläuft.

    Ebenso denke ich, dass es sich bei dem Wahlplakat weniger um Zivilisationskritik handelt, als um den „Gründungsmythos“ und den angeblichen Gegensatz von Heimat und Vielfalt.

    Letztendlich ist es auch ein bisschen ironisch, dass in dem Artikel den Grünen ein fehlendes Geschichtswissen/-bewusstsein vorgehalten wird und dem Autor dann selbst im Umgang mit der Geschichte vereinzelt Fehler passieren.

  • #5
    thomas weigle

    Der "deutsche Sonderweg" begann nicht mit Hermann, sondern es begann der langsame Untergang des Römischen Reiches. Den Widerstand gegen eine Besatzungsmacht als Beginn eines Sonderweges zu disqualifizieren, sagt mehr über den Autor und seine Haltung zu den Grünen aus als über Hermann. Das besondere an der Schlacht im Teutoburger Wald war, dass es der erste wirklich große Sieg eines Germanenstammes war und den Römern den Weg nach Norden verlegte.
    Der "deutsche Sonderweg" begann m.E. mit dem, angesichts der Folgen, maßlos überschätzen Frieden von Münster und Osnabrück, dass Deutschland förmlich zerriss. Hermann wurde erst in der 2. Hälfte des letzten Jahrtausends "entdeckt", v.a. nach 1648 auf Grund der Aufteilung Deutschlands durch die damaligen Großmächte. Er wurde zum Sinnbild einer Sehnsucht nach einer einigen und starken Nation, wie es bspw. Frankreich, England und Holland es damalig waren. In den zahlreichen Kriegen nach 1648 waren die Deutschen eher Zuschauer und (Bauern) Opfer, v.a. in Süddeutschland, wo Louis14 eine Politik der verbrannte Erde verfolgte, um so seine Westgrenze zusätzlich zu sichern.
    Es ist auch eher das Denkmal als Hermann selbst, dass zu OWL gehört wie die Museumszechen zum Pott. Es bringt Menschen und Geld und trägt damit auch zum Wohlstand in OWL bei, dass insgesamt eh besser aufgestellt ist als andere Regionen in NRW,
    Dass die Auftraggeber der obigen Plakate Regierungspartei sind und bleiben wollen, sieht man ihnen jedenfalls nicht an….

  • #6
    Michael

    "In den zahlreichen Kriegen nach 1648 waren die Deutschen eher Zuschauer und (Bauern) Opfer …"

    Das waren die Deutsche immer: Zuschauer & Opfer – zumindest hinterher.

  • #7
    thomas weigle

    #6 Das waren sie weitgehend auch bis zum Aufstieg Preußens als Militärmacht. Die große europäische Politik wurde anderswo gemacht, die Zentren der Macht, die Entscheidungen, wann und wo Kriege zu führen waren, fielen in Paris, resp. Versailles, Wien-Madrid, Warschau, Stockholm,später auch St. Petersburg. Hierzu sehr informativ HOROWSKI DAS EUROPA DER KÖNIGE, der sehr genau beschreibt, aus welch dynastischen Gründen (Erbfolge) viele dieser Kriege geführt wurden.
    Man darf sich auch nicht von der Bezeichnung "Soldatenkönig für den Vater des sog Großen Fritz täuschen lassen. Der hat Soldaten geliebt, aber keine Kriege.
    Es gab in der Mitte des Jahrtausends kein Deutschland bzw. keine Staaten auf dem Gebiet des heutigen Deutschland, die mächtig genug waren Kriege von sich aus zu führen. Da genügt doch schon ein Blick in einen Geschichtsatlas. Abgesehen davon verstanden die Menschen sich nicht als Deutsche, sondern als Bayern, Hessen, Westfalen usw, eine gemeinsame Sprache war ebenfalls nicht vorhanden. Erst Luther änderte das. In dieser Zeit wurde Hermann in einer römischen Schrift eher zufällig entdeckt und startete eine atemberaubende Laufbahn als sinnstiftende Ikone eines deutschen Nationalgefühls, dass es vorher nicht gegeben hat. So brachte er es auf die Höhen des Teuto, in einer Zeit, in der auch die Wacht am Rhein entstand, wobei man nicht vergessen darf, dass auch ein kleinwüchsiger Korse das Nationalgefühl der Deutschen einem ersten Höhepunkt entgegen führte.
    Die Deutschen sind also nicht an allem schuld und sie waren eben nicht immer nur Täter, so waren die Bevölkerungsverluste durch die 30 europäischer Krieg auf deutschen Boden erst 100 Jahre später ausgeglichen. Dies in einer Zeit, wo der Wohlstand eines Landes u.a. davon abhing, wie viel Menschen produktiv tätig waren.

  • #8
    thomas weigle

    Die Römer sind nicht in Sachen Zivilisation unterwegs gewesen, denen ging es um Eroberungen, um bspw den eigenen Wohlstand zu mehren. Ganz nebenbei. im Gegensatz zu Stefan Laurin tue ich mich schwer, eine Gesellschaft als zivilisiert zu bezeichnen, die ihren Wohlstand durch Eroberungen, schlimmer noch, durch ein Heer von Sklaven erarbeiten ließ, während sich der römische "Pöbel" an Brot und Spielen erfreute.Und auch damals war die Herrschaft der Römer eben auch auf ihren technischen Errungenschaften aufgebaut. Und, Stefan Laurin, die Römer exportierten ihre Errungenschaften nicht um die Besiegten zu beglücken, sondern weil sie`s selbst schön haben wollten in den besiegten Provinzen. Immerhin, wer 25 Jahre in der Legion diente, bekam das Bürgerrecht, dass den meisten Bewohnern der römischen Welt, inklusive Italiens, vorenthalten blieb.
    Germanien war für die Römer interessant wegen der Handelswege und weil sie sichere Häfen an Nord-und Ostsee brauchten. Da die Römer ihre Welt schon heftig abgeholzt hatte, reizte sie natürlich auch der Holzreichtum Germaniens

  • #9
    Davbub

    @ Autor: Jede Region hat ein Bauwerk/Denkmal/Horizont, der als Ikone steht für alles mögliche: der Aachener Dom, die Frankfurter Skyline oder der rot-weiße (Jever-) Leuchtturm, der tatsächlich woanders steht. Das hat wenig mit Politik oder Geschichte zu tun, umso mehr mit einer Ihnen fremden Heimatverbundenheit sowie einer Nutzung der Images auch durch Werbung (etwas anderes ist ein Wahlplakat nun einmal nicht).
    Hier wurde schlicht eine Agentur beauftragt, die die gängigen Klischees ohne besonderen Einfallsreichtum bedient. Daß Sie den Grünen derart komplexes Geschichtsbewußtsein unterstellen, erstaunt. Ich hatte bislang den Eindruck, daß für den gemeinen Grünen die deutsche Geschichte 1933 beginnt, 1945 endet und erst mit der Gründung der ersten Umwelt-BIs sowie dem wohltätigen Wirken der heimlichen Helden von der RAF fortgesetzt wurde. Erst seit die religiösen wie KGE in der Partei auf dem Vormarsch sind, schließt das Bekenntnis zur deutschen Geschichte Luther ein – in sehr selektivem Maße.

  • #10
    Julia Seeliger

    Die Kampagne ist so oder so scheisse, finden sogar die Mitglieder, mancherorts werden die Plakate gar nicht gehaengt (stand Rheinische Post oder so). An sich finde ich dieses konkrete Plakat einfach nur spiessig und dumm.

  • #11
    abraxasrgb

    Also ich finde der Herr-Mann(sic!) sieht in rosa ziemlich queer / gay aus 😉

  • #12
    Peter L.

    Lieber Herr Laurin,

    ich schätze das Blog der Ruhrbarone und speziell viele Ihrer Texte sehr (ebenso Norbert Elias).
    Aber die These, dass der "Deutsche Sonderweg" bei Arminius/Hermann begonnen und erst 1945 geendet hat, die ist doch wohl zu steil.
    1. Was war zwischendurch mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation? England oder Frankreich waren bis ins 17. respektive 18. Jh. zivilgesellschaftlich nicht gerade Lichtjahre voraus.
    2. Was ist mit "zivilgesellschaftlich vs. kulturell" begrifflich genau gemeint (auch im Englischen und Französischen)?
    3. Das Hermannsdenkmal ist Ausdruck und Symbol einer Nation im Werden, die sich auf der Suche befand und sich damals vor allem durch Gegensatz zu anderen Nationen zu definieren versuchte. Zu der Zeit, ja, – und vor allem in den unseligen Jahren darauf – da wurde ein Deutscher Sonderweg beschritten. Aber doch nicht vorher, zwischen 936 bis 1806 in dem europäischen Multi-Kulti-Reich (dem wahren Vorläufer der EU …)
    Herzliche Grüße von einem Ostwestfalen

  • #13
    thomasweigle

    Lieber dumme Biodeutsche als zivilisierte Römer, denn letztere haben mehr Gebiete erraubkriegt als die Nazis und so wie die Gauleiter im Osten, haben sich die Statthalter Roms in den Provinzen auf Kosten der dort lebenden Menschen ungeheuer bereichert. Auch von daher machte der Kampf der Germanen u.a. gegen die Römer Sinn. So betrachtet ist mir die "Dummheit der Ökodeutschen" alle mal lieber als die römische Zivilisation, schon allein deshalb, weil die Ökodeutschen keine Kriege führen werden, um ihre Lebensweise anderen Nationen aufzuzwingen. Die werden es nicht mal zu einer dummdeutschen Bio/Ökodiktatur bringen,, was ja gut ist. Gerade deshalb sollte man aber beim Bekämpfen der Grünen/Ökodeutschen die Kirche in Bochum lassen.

  • #14
    Yilmaz

    Zieht sich doch schon seit Anfang an durch die Grünen und daher absolut unwählbar für Migranten wie mich:

    https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndnis_90/Die_Gr%C3%BCnen#Vorgeschichte

    Begleitet wurde die Gründung von Auseinandersetzungen zwischen dem linken und dem rechten Flügel der Partei um die programmatische Ausrichtung, die Besetzung des Vorstands sowie die Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft bei den Grünen und in einer K-Gruppe, die letztlich abgelehnt wurde. Einige Wortführer des rechten Parteiflügels wie Baldur Springmann, Herbert Gruhl, Werner Vogel oder August Haußleiter (Mitgründer der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher) standen im Verdacht, völkischen Ideen anzuhängen, rechtsextremen Organisationen nahezustehen oder eine nationalsozialistische Vergangenheit zu haben. Auch versuchten rechtsextremistische Gruppen die Partei in der Anfangszeit gezielt zu unterwandern.[123] Vor allem die Berliner Grünen, die in Konkurrenz zur Alternativen Liste (AL) standen und nahezu bedeutungslos waren, galten als ausgesprochen rechtslastig.

  • #15
    thomasweigle

    @ Yilmaz Was erwartest du denn von einer Partei der Besser-und Gutverdienenden? Allerdings wurden die von Dir erwähnten Spinner alle entsorgt. Immerhin das.
    @ Stefan Laurin Wenn die Schlacht im Teuto der Beginn des deutschen Sonderweges war, dann war ja die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und die Vertreibung der Juden aus ihrer Heimat durch die zivilisierten Römer der Beginn des jüdischen Sonderweges, der letztendlich in die Gaskammern von Auschwitz führte. Auf diesem Sonderweg lernten die von den zivilisierten Römern Vertriebenen so gut wie alle Übel kennen, die Menschen zu ersinnen in der Lage sind.

  • #16
    Klaus Lohmann

    @#1: "Niemand erobert den Teutoburger Wald"

    Niemand will eine Provinz-Kleinstadt erobern, die es garnicht gibt;-)

  • #17
    thomasweigle

    Nun ja, natürlich @Klaus Lohmann, schickt niemand drei Legionen, also 14.000-20.000 Mann alles in allem, um eine Provinzkleinstadt zu erobern, mag diese auch ein Oberzentrum sein, ob in Niedersachsen oder NRW. Bleibt die Frage, warum das ganze Unternehmen? Ich habe mal ein wenig gesurft und habe dabei gelernt, dass es den zivilisierten Römern weniger um Landgewinn und Handel ging, wie ich es gelernt und meinen Schülern vermittelt habe. Nein, so sagt die neuere Geschichtsschreibung, den zivilisierten Römern soll es um militärisches Prestige und Abschreckung. gegangen sein, auch um den militärischen Führungsnachwuchs zu schulen.Ist ja vollumfänglich gelungen das.

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