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NRW-Gesundheitsministerin Steffens muss handeln

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) beim Blütenfest Award

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) beim Blütenfest Award

Barbara Steffens (Grüne) ist Ministerin für Gesundheit in NRW. Sie ist für einen der größten Gesundheitsmissstände nach dem zweiten Weltkrieg verantwortlich.

Aber davon will die Grüne Steffens nichts wissen.

In den Krankenhäusern des Landes erkranken tausende Menschen an Keimen. Menschen sterben. Wegen mangelhafter Hygiene. Das haben Recherchen der WAZ in einem sehr lesenswerten eBook offengelegt.

Was macht Ministerin Steffens? Sie sagt, Antibiotika in der Tierhaltung seien für die Krankheiten, für das Sterben der Menschen in den Krankenhäusern verantwortlich. Da sei der Bund gefragt. Nicht sie als Ministerin für Gesundheit in NRW. Da könne sie gar nichts machen. Steffens kümmert sich halt gerne um Voodoo-Medizin: “Naturheilverfahren und Komplementärmedizin”. Sprich Homöopathie und Zuckerpillen.

Das ist zynisch. In den Krankenhäusern sterben Menschen an mangelhafter Hygiene. Väter, Mütter, Söhne, Töchter. Da darf sich eine Gesundheitsministerin nicht hergeben für Zaubermedizin – oder wegducken und mit dem Finger auf den Bund zeigen. Steffens muss ganz konkret vor Ort dafür sorgen, dass Hygienevorschriften in NRW eingehalten werden, weil nur dies das Leben der Menschen in unserem Land rettet. Tote sind vermeidbar, wenn die Ministerin aktiv wird.

Es hilft Steffens auch nicht, dass tatsächlich eine der Ursache für die Entwicklung der MRSA-Erreger in der Tiermast zu finden ist. Klar, das muss dann langfristig geändert werden. In der Tiermast müssen weniger Antibiotika eingesetzt werden. Aber kurzfristig vor Ort, da wo die Menschen sterben, in den Krankenhäusern von Duisburg, Herne, Dortmund, Münster, Köln, Düsseldorf müssen trotzdem die Hygienevorschriften eingehalten werden, damit dort unnötiges Sterben vermieden wird. Die Probleme sind real. Die Menschen sterben in echt. Auf diese Probleme kann man nicht mit langfristigen Bio-Veggie-Burger-Strategien antworten. Hier muss man realistisch vor Ort agieren.

Ministerin Steffens kann sich nicht rausreden aus ihrer Verantwortung. Sie kann ihre Untätigkeit nicht mit dem Verweis auf den Bund oder die Tiermast begründen. Gesundheitsministerin Steffens muss aktiv werden.

Krankenhaushygiene und deren Überwachung ist Ländersache. Es gibt bindende Standards. Sie umfassen Hygienevorschriften, Hygienekontrolle, auch die Ahndung von Hygieneverstößen. Das Infektionsschutzgesetz soll zu einer Vermeidung und Verringerung der Krankenhausinfektionen führen. Das Gesetz enthält die bindende „Verpflichtung der Bundesländer, eigene Verordnungen zur Infektionshygiene und zur Prävention von resistenten Krankheitserregern auf Basis des Infektionsschutzgesetzes zu erlassen“. NRW hat eine solche Verordnung. Steffens hat sie selbst unterschrieben.

Und Steffens muss wissen, dass die Lage im Land prekär ist. Hier gab es Aktensümpfe und Datenlecks wie bei den MRSA-Fällen in Duisburg. Hier gab es die VRE-Ausbrüche in Düsseldorf, von denen die Öffentlichkeit nichts erfahren sollte – solche Vorgänge werden nicht durch Gesetzestext vermieden, sondern nur durch Kontrollen. Und für diese muss sich Steffens einsetzen. Das ist ihre Aufgabe als Ministerin. Sie muss den Krankenhäusern auf die Füße treten, damit diese die Vorschriften einhalten. Sie muss unangemeldete Kontrollen durchsetzen. Sie muss Geldbußen verhängen, wenn ein Krankenhaus zu dreckig ist. Es geht um Leben und Tod. Da kann man von einer Gesundheitsministerin Engagement verlangen. Die Hygieneverordnung gibt ihr die Macht.

Was macht Steffens? Sie lässt Pressemitteilungen wie folgende schreiben: „Die Identifizierung von VRE- oder anderen multiresistenten Keimen bei Patientinnen und Patienten in einem Krankenhaus alleine sind kein ‚Beweis‘ für Hygienemängel. Gründe für die Entstehung und Ausbreitung von multiresistenten Keimen wie VRE liegen auch in einem zu leichtfertigen Einsatz von Antibiotika sowohl bei Menschen als auch in der Tiermast.“

Antibiotika in der Tiermast, in der Menschenpflege als Ursache für alles – da kann man natürlich nichts vor Ort unternehmen, da kann man keine Hygiene durchsetzen. Das ist die zusammengefasste Aussage der Ministerin, die einem die Zornesröte ins Gesicht treibt. Kein Wort von ihr dazu, dass wohl vor allem die Gesundheitsreform für die hygienischen Zustände ursächlich ist. Die Krankenhäuser wollen Geld verdienen. Es geht um Milliarden. Da wird gespart, wo es geht, und wenn es geht eben auch an der Hygiene. Da werden Putzzeiten runtergeschraubt und die Ausbildung vernachlässigt. Weniger Pfleger, die sich um Hygiene kümmern können, weniger Putzhilfen bedeuten mehr Profit für Krankenhausbesitzer bei zurückgefahrenen Vergütungen je Krankenhaustag. Weniger Mitarbeiter bedeuten weniger Zeit zum Händewaschen, zum Reinigen der Räume, zur Sensibilisierung und Weiterbildung. Weniger Mitarbeiter in den Krankenhäusern sind eine der wichtigsten Ursachen für die Ausbreitung der Killerkeime.

Nur wenn politischer und öffentlicher Druck auf die Krankenhausführungen ausgeübt wird, werden die Hygienestandards durchgesetzt und auch mehr Mitarbeiter eingestellt, um die Standards einzuhalten. Nur dann kann der Kostendruck auf das wichtigste Gut des Menschen, das Leben, weggenommen werden. Und ganz konkret Menschenleben gerettet werden.

Frau Steffens wachen Sie endlich auf. Es ist Ihr Job, Hygiene in den Krankenhäusern durchzusetzen. Und falls Sie kein Mitgefühl für andere haben – es könnte auch Sie oder ihre Familie treffen.

Mehr zum Thema:

eBook der WAZ zu den Killerkeimen in Krankenhäusern.

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11 Kommentare zu “NRW-Gesundheitsministerin Steffens muss handeln

  • #1
    Nansy

    Die Begründung “Antibiotika in der Tiermast” als Ursache für die Infektionen in Krankenhäusern ist doch im Sinne der Grünen ein schlüssiges Konzept! Man kann die Verantwortung anderen in die Schuhe schieben und dazu noch so nebenbei das Lieblingsthema “Massentierhaltung” und “Tiermast” ins Gespräch bringen.

    Wie heißt es noch so schön auf der Internetseite der Grünen?: “…Die Fleischproduktion orientiert sich am Weltmarkt und missachtet dabei grob die Bedürfnisse der Tiere.”

    Die Bedürfnisse der erkrankten Menschen müssen da halt zurückstehen…

  • #2
    Lukas

    So sehr ich inhaltlich auch zustimmen mag, der Bildzeitungs-Schreibstil mit möglichst kurzen, einfachen Sätzen und den eingestreuten Emotionstriggern ist furchtbar.

  • #3
    Stefan Laurin

    @Lukas: Es ist ein gut verständlicher Text zu einem komplizierten Thema. Vielleicht versteht Steffens ja endlich worum es geht, wenn sie ihn liest.

  • #4
    Thorsten Stumm

    Ich warte nur auf den Satz: Veganer haben keine Resistenzen….irgendein Grüner wird den schon raushauen…..

  • #5
    keineEigenverantwortung

    Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Staat, der Kontrollfunktionen hat, hier nicht agiert. Einfacher ist es doch kaum möglich, viele Menschen vor großen Gefahren zu schützen.

    Genauso unbegreifbar ist aber auch, dass der Patient sich diesen Zustand gefallen lässt. Dies gilt sowohl gegenüber den Dienstleistern, aber auch gegenüber den Politikern, die insbesondere durch großes Nichtstun auffallen.

  • #6
    Martin Kaysh

    Einfach einen Sack Globuli in den betroffenen Krankenhäusern umkippen. Entspräche dem Stile dieser Ministerin.

  • #7
    Guido Biernat

    Dabei gibt es wirklich gute Konzepte. Man (Frau Steffens) müsste nur über
    die Grenze Richtung Niederlanden schauen.

  • #8
    Stefan Taubert

    ” Und falls Sie kein Mitgefühl für andere haben – es könnte auch Sie oder ihre Familie treffen ”
    -> Wird nicht geschehen – Fr. Steffens wird sich oder Familienangehörige bei Krankheit oder medizinischen Behandlungen sicher nicht einen von AKTIONÄREN regulierten Kassen-Medizinklotz stecken. Ich halte eine anspruchsvolle Privatklinik für wahrscheinlicher.

  • Pingback: Links anne Ruhr (26.02.2014) » Pottblog

  • #10
    Klaus Lohmann

    @#7 | Guido Biernat: Die Konzepte u.A. aus den Niederlanden erschöpfen sich aber nicht in verstärkter Kontrolle und besserer Einhaltung von Hygiene-Vorschriften – sofern das in einem Massenbetrieb/Taubenschlag mit REFA-konformen Arbeitsvorgaben überhaupt möglich ist -, sondern greifen schon viel früher, z.B. bei der Verschreibungpraxis von Antibiotika-Präparaten.

    Der gemein-faule Deutsche lässt sich ja seit vielen Jahren nicht mehr therapieren, sondern nur noch mit Antibiotika ruhigstellen, weil es für ihn bequem, für den Arzt einfach und für die Pharmaindustrie einer der besten Goldesel in einem Hochpreismarkt ist, den man sich wünschen kann. Die MRSA-Fallzahlen explodieren hierzulande somit nicht von ungefähr.

    Solange zur Eindämmung dieser Infektionen mit fast pandemischen Ausmaßen weiterhin Reserveantibiotika “verfüttert” werden müssen und solche Infektionen auch außerhalb von Krankenhäusern vermehrt auftreten, solange werden mit Hygienevorschriften nur die Symptome bekämpft, aber nicht die Ursachen – die eindeutig auch in jedem von uns selbst stecken und nicht, wie so marktschreierisch von Brandt & Co. in der WAZ auf dem Bezahlflyer als “Keimzelle Krankenhaus” betitelt, ausschließlich in Krankenhäusern, über die dann medizinische Laien auf Blogs ala Telekom-Bashing herziehen.

    Ich habe einen nahen Verwandten mit Krebs im hoffnungslosen Endstadium im Krankenhaus verloren, der nach OP auch MRSA-infiziert war. Niemand, weder Ärzte noch Personal noch Verwandte oder Bekannte, ist jemals auf die Idee gekommen, die Todesursache in der MRSA-Infektion zu suchen, wohingegen andere “Gemüter” da durchaus paranoische und verwechslerische Fähigkeiten entwickeln können, damit mal wieder einer irgendwie Schuld ist.

  • #11
    Dreitagebart

    Wenn auch schon etwas her – dazu kann ich aus der Praxis etwas erzählen – die genannten finanziellen Gründe für mangelhafte bis verbrecherische Hygiene & ” Medizin “gibt es nicht nur in NRW.
    Anfang diesen Jahres befand sich meine Mutter nach einem mittelschweren Vorderwandinfarkt in einem großem modernen Krankenhaus in Berlin, welches nicht müde wird seit Jahren mit bestimmten erstklassigen Fachabteilungen zu werben sowie mit Gemeinaussagen wie
    – ” Mehr als ein Krankenhaus ”
    – ” Wir alle wünschen uns Gesundheit und Wohlbefinden, wichtige Faktoren für Zufriedenheit und Lebensfreude. Die exzellenten medizinischen und pflegerischen Leistungen sowie Komfort und Service in gehobenem Hotelstandard sorgen dafür, dass Sie sich, unabhängig von ihrem Versicherungsstatus, in optimaler Atmosphäre von ihren gesundheitlichen Problemen erholen können. ”
    – ” Komfort und Service auf höchstem Niveau, angenehme Atmosphäre und Herzlichkeit. Wir sind immer für Sie da – sprechen Sie uns gerne an! ”

    In diesem Tenor geht es in einem Fort in den Veröffentlichungen des Krankenhauses über seine Tätigkeit.
    Nun, meine Mutter bekam diesen ” Komfort ” und dass das Krankenhaus ” Mehr als ein Krankenhaus ” ist zu spüren. Sie befand sich nach dem Einsetzen eines Stents auf einer kardiologischen Station. In einem Zweibettzimmer. Zimmerquerschnitt und Abmessungen des Raumes waren ursprünglich vom Architekten ganz sicher nicht als Zweibettzimmer ausgelegt. Neben den Betten stehende Krankentische haben den Zugang zu den Schrankfächern versperrt sowie den ungehinderten Zugang zu der an der Wand befindlichen Versorgungsleiste ( Strom,Sauerstoff,Druckluft etc. ).
    Zwischen den beiden Krankenbetten wurde nur EIN Infusionsständer gestellt,an welchem mehrere unterschiedliche Beutel mit Infusionslösungen hingen. Die Schläuche waren miteinander verwickelt und ähnelten eher einem Haufen Spaghetti. Die Enden der der Schläuche lagen offen – ohne Schutzkappe – herum. Soviel als Teilantwort zu der Frage, wie es zu Infektionen kommt.
    Bei einem meiner Besuche konnte ich eine Pflegekraft gerade noch davon abhalten, dass der unterzuckerten Bettnachberin meiner Mutter die Marcumarinfusion und meiner Mutter die Glucose verabreicht wurde……. noch Fragen ?
    Die bedauernswerte Mitpatientin meiner Mutter war gut mobil, aber leider an Demenz erkrankt und inkontinent. Bei einem meiner Besuche fand ich auf dem Boden größere Mengen an Fäkalien vor, schon teilweise eingetrockneten Urin und Kot. Ich bat nach Anklopfen im Stationszimmer darum, den Boden zu säubern – ganz höflich. Von den anwesenden Pflegekräften wurde ich angesehen, als wäre ich blöd und von einer Pflegekraft bekam ich die Antwort ( höflich aber bestimmt ) ” Das Pflegepersonal sei nur für die medizinische Versorgung zuständig und man hätte dem Reinigungsdienst schon vor Stunden informiert “. Ich möchte nicht über das Pflegepersonal herziehen – ich weiss schon, weshalb ich vor 20 Jahren aus dem Pflegeberuf “ausgestiegen” bin. Das Personal hat entsprechende Handlungsanweisungen, Verunreinigung => Reinigungsdienst und fertig. Schöne Welt – danke Politik und danke Aktiengesellschaften !

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