
Ziel der Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung ist die Verdoppelung der Kapazitäten der Rechenzentren in Deutschland. Ein im internationalen Vergleich eher bescheidenes Ziel, das trotzdem an der deutschen Energiepolitik scheitern dürfte.
Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche eine Rechenzentrumsstrategie vorgelegt. Sie hat das Ziel gesetzt, die Kapazität der Rechenzentren zu verdoppeln. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) ist klar, dass vor allem die Verfügbarkeit von KI-Anwendungen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts zentral ist. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte der Minister: „Die Zeit, in der die Industrie eine Jobmaschine war, geht zu Ende. Mein Appell geht daher an alle Gruppierungen; an Arbeitgeber, Gewerkschaften und aus der Zivilgesellschaft: Wir müssen uns zusammenraufen und die Zukunft neu gestalten.“ Wenn die KI den Informatikern, Mathematikern und vielen anderen ihre Jobs wegnehme, dann bräuchten diese Menschen eine andere sinnvolle Betätigung. „Die schlimmste aller Antworten wäre es, zu sagen: Wir lehnen KI ab. Aufhalten können wir das nämlich nicht. Wir können und müssen alles tun, um auch als Gesellschaft von der KI zu profitieren.“ Das könne auch noch gelingen, so der Digitalminister zur NOZ: „Wenn wir in Deutschland die KI-Technologie führend anwenden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu deutlich überproportionalem Wachstum führt, sehr hoch. Das wäre eine Grundvoraussetzung, um diesen Wandel überhaupt gestalten zu können.“
Doch der Plan der Bundesregierung ist zu ambitionslos. Das Land wird ein digitaler Zwerg bleiben: In den USA wächst die Kapazität der Rechenzentren jährlich um 15 Prozent, in China wird sie sich bis 2030 Schätzungen nach verdreifachen. Auch wenn Deutschland wie geplant zulegt, wird der Abstand zu den beiden führenden KI-Nationen größer werden. Das liegt vor allem an der Energiepolitik. Energie ist in Deutschland knapp und teuer, das war so gewollt: „Wir haben uns entschieden“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest vor wenigen Tagen im Interview mit The Pioneer, „ein Land zu sein, in dem Energie knapp ist. Das haben wir politisch alle gemeinsam so gewählt, und die Konsequenzen müssen wir jetzt tragen.“ Die Konsequenz sei klar: „Energieintensive Industrie hat keine Zukunft bei uns.“ Und Rechenzentren sind eine energieintensive Industrie. Wenn Elon Musks Rechenzentrum Colossus fertiggestellt sein wird, wird es im Jahr doppelt so viel Strom verbrauchen wie die Stadt Seattle. OpenAI, Amazon, Microsoft und andere planen den Aufbau ähnlicher Kapazitäten und nutzen im Wettbewerb mit China, bei dem es am Ende um die Frage geht, welches Land die führende KI-Großmacht wird, wie The Atlantic berichtet, jede verfügbare Energiequelle: Solar, Gas, Kernkraft – Hauptsache Strom. Neue Kraftwerke werden gebaut, alte Reaktoren wieder ans Netz gebracht. China baut massiv seine erneuerbaren Energien aus, setzt aber weiter auf Kohle und Kernkraft. Abgeschaltet wird so gut wie nichts, billiger Strom in unvorstellbaren Mengen ist das Ziel. Es geht um die Frage, wer der Hegemon im KI-Zeitalter sein wird. Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Und Deutschland? „Im Bereich Energie und Nachhaltigkeit geht es darum, Rechenzentren zuverlässig, bezahlbar und umweltverträglich mit Energie zu versorgen. Rechenzentren sollen künftig schneller ans Netz angeschlossen werden. Auch soll die Integration erneuerbarer Energien durch marktlichen Bezug oder Eigenerzeugung gestärkt werden.“
Durch sein Festhalten an der grünen Ideologie hat Deutschland das Rennen schon verloren, bevor es an den Start gegangen ist. Es wird wegen seiner Energiepolitik die alten Industrien verlieren und bei den neuen Industrien keine Rolle spielen. Man will keine Kernkraft, mag das eigene Gas nicht nutzen und keine Grundlast mehr. Global wird die Politik auf das Klima keine Auswirkungen haben: Seit 1990 es seine Treibhausgas-Emissionen in um 48,2 % senken. Weltweit sind sie im selben Zeitraum um rund 60 % angestiegen. Deutschland will grün werden, am Ende wird es arm.
