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Offener Brief an NRW-Gesundheitsminister Laumann: “Statt Applaus gibt es inzwischen regelmäßige Ohrfeigen für die Pflege”

Magnus Memmeler Foto: Privat

Aus Kreisen der Arbeiterwohlfahrt gibt es einen Offenen Brief an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. (CDU) Der Absender ist regelmässigen Lesern des Blogs gut bekannt.

Sehr geehrter Herr Laumann,

liebe Referenten im MAGS NRW,

die Mitarbeitenden in den Tagespflegen, die ich betreuen darf, ja ich mache das sehr gerne, haben die Faxen dicke mit Ihnen!

Vor einigen Tagen habe ich mich in einem offenen Brief dazu geäußert, was es mit Mitarbeitenden, Gästen und Angehörigen in Tagespflegeeinrichtungen macht, wenn mehrfach bereits vereinbarte Impftermine in den Einrichtungen extrem kurzfristig abgesagt werden, weil mehr Zusagen erteilt wurden, als Impfstoff verfügbar war. Eigentlich erschien diese Peinlichkeit kaum steigerbar und eine Wiederholung musste als ausgeschlossen angenommen werden, weil niemand wiederholt mehr Leute zur Party einlädt, als der Biervorrat im Keller dies zulässt.

Tagespflegegäste, deren Angehörige und die Mitarbeitenden in den von mir betreuten Tagespflegen haben sich darauf verlassen, dass das Versprechen eingehalten wird, dass Mitarbeitende und Gäste der Tagespflegen zeitnah in den jeweiligen Tagespflegen durch Impfteams geimpft werden. Alle mit der Organisation betrauten Personen haben betont, dass alles andere auch Unsinn wäre, wenn die Impfteams ohnehin in die Einrichtungen kommen würden, da deren Einsatz nur Sinn macht, wenn vor Ort auch ausreichend Impfen gesetzt werden können. Zunächst ließen sich die Gemüter der Tagespflegegäste und deren Angehörigen auch beruhigen, indem die Mitarbeitenden der Tagespflegen regelmäßig betonten, dass man den Zusagen dieses Mal offensichtlich vertrauen könne. Mit der Zeit, die verging, wuchs die Ungeduld und schwand das Vertrauen bei Tagespflegegästen und deren Angehörige, weshalb sich die Mitarbeitenden in den Tagespflegen täglich mit der Aussage konfrontiert sahen, dass diese offensichtlich ja nichts wüssten und deshalb dazu beigetragen hätten, dass ein eventuell sicherer Termin im Impfzentrum nicht wahrgenommen wurde, weil man den Aussagen von aufopferungsvoll tätigen Pflegekräften vertraut hat.

Leider müssen sich die Mitarbeitenden, die sich nahezu täglich mit geänderten Hygiene- und Testverordnungen konfrontiert sehen, welche bislang immer exzellent umgesetzt wurden, damit abfinden, dass sie nun die unerfreuliche Nachricht überbringen müssen, dass eventuell nichts so ist, wie es schien. Mitarbeitende müssen sich im Impfzentrum impfen lassen, weshalb Dienstpläne erneut überarbeitet werden müssen, verbindliche Zusagen von Impfungen für die Gäste der Tagespflegen in den Einrichtungen gibt es nicht mehr und die Beschimpfungen, die deshalb auf die Mitarbeitenden einprasseln werden, sind dann die nächste Pervertierung des Dankes, den sich diejenigen eigentlich verdient haben, die täglich dafür sorgen, dass unter den möglichst sichersten Bedingungen Pflege und Betreuung der Menschen erbracht wird, die in ihrem Leben bereits vieles geleistet haben und sich deshalb auch Schutz verdient haben.

Da die Mitarbeitenden in den Tagespflegen nun gefordert sind, den von Ihnen verursachten Wahnsinn möglichst verdaubar zu vermitteln, übernehme ich stellvertretend die Aufgabe, Ihnen mitzuteilen, dass dieser Umgang mit Mitarbeitenden und Menschen, die auf dieses Angebot angewiesen sind, ganz weit von dem entfernt ist, was Sie in Sonntagspredigten und Presseterminen von sich geben. Keine Sorge, Wohlfahrtsverbände und deren Leitungskräfte werden auch weiterhin versuchen, mit warmen Worten und kleinen Aufmerksamkeiten das zu heilen, was durch Ihre „Planung“ in die Brüche gegangen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Magnus Memmeler

Fachbereichsleiter Ambulante Gesundheitsdienste

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