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Offener Brief von Nick Cave gegen die BDS-Bewegung

Nick Cave - klare Worte für mehr Toleranz / Foto: Steve Parke
Nick Cave - klare Worte für mehr Toleranz / Foto: Steve Parke
Nick Cave - klare Worte für mehr Toleranz / Foto: Steve Parke

Nick Cave – klare Worte für mehr Toleranz und Demokratie / Foto: Steve Parke

Im November 2017 spielte Nick Cave in Tel Aviv mit seiner Band The Bad Seeds ein Konzert und bekam, wie schon viele Künstler vor ihm, massive Kritik von Anhängern der BDS-Bewegung. Diese Gruppierung setzt sich für einen radikalen kulturellen Boykott Israels ein, vor allem wegen der Besetzung palästinensischer Gebiete – und ist bei den Ruhrbaronen schon oft thematisiert worden. In England zieht die BDS-Bewegung immer weitere Kreise und setzt Künstler, die in Israel auftreten, öffentlich unter Druck.

Nick Cave hat nun einen offenen Brief an Brian Eno, einem der prominentesten Vertreter des BDS, auf seiner website veröffentlicht. Der Musiker richtet sich dort mit offenen und klaren Worten an die Öffentlichkeit:

„Um es klar zu sagen: Ich unterstütze die derzeitige Regierung in Israel nicht, aber ich akzeptiere auch nicht, dass meine Entscheidung, im Land zu spielen, eine Art stillschweigende Unterstützung für die Politik dieser Regierung darstellen soll.

Ich bin mir der Ungerechtigkeiten gegen die palästinensische Bevölkerung bewusst und wünsche allen Menschen von Herzen, dass ihr Leiden durch eine umfassende und gerechte Lösung beendet wird, was auf beiden Seiten einen enormen politischen Willen benötigt. Wie du weißt, habe ich durch die Hoping Foundation beträchtliche Arbeit für Palästina geleistet und persönlich rund 150.000 Pfund für die Kinder Palästinas eingesammelt. In gewissem Sinne habe ich bereits auf der anderen Seite gespielt.

Aber ich bin ein Gegner der Bewegung ‚Boycott, Divestments and Sanctions‘ (BDS), wie du weißt. Ich denke, der kulturelle Boykott Israels ist feige und beschämend. Tatsächlich ist dies zum Teil der Grund, warum ich Israel spiele – nicht als Unterstützung für eine bestimmte politische Einheit, sondern als eine grundsätzliche Haltung gegen diejenigen, die Musiker schikanieren, öffentlich anprangern und zum Schweigen bringen wollen.“

Der komplette Wortlaut lässt sich hier bei Tonspion nachlesen.

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5 Kommentare zu “Offener Brief von Nick Cave gegen die BDS-Bewegung

  • #1
    nussknacker56

    Nick Cave wirkt wie ein relativ anständiger Musiker, der vor den Drohungen des BDS wenigstens nicht sofort feige zurückweicht, wie das in der Musikszene üblich ist. Im Vergleich zu sehr vielen seiner Kollegen und Kolleginnen ist sein Verhalten also schon recht mutig und lobenswert. Dennoch sind die Formulierungen, mit denen er seine „Kritik“ einleitet so defensiv und verständnisheischend, dass es einen wehtun kann – mir zumindest. Und es kommt noch schlimmer.

    „Lieber Brian“, schreibt er an einen der hauptverantwortlichen BDS-Unterstützer, Brian Eno, und distanziert sich als erstes von der „derzeitigen Regierung in Israel“, die er nicht unterstützt. Seine Angst scheint groß zu sein, mit dieser in irgendeiner Form in Verbindung gebracht zu werden (das kommt fast einer Einladung gleich, da direkt mal einzuhaken). „Die Grausamkeiten, die du beschrieben hast sind inakzeptabel und ich ignoriere sie auch nicht. Ich bin mir der Ungerechtigkeiten gegen die palästinensische Bevölkerung bewusst …“.

    Klar doch, Einschränkungen jeglicher Art, vor allem Israelis abzuschlachten – wie vor zwei paar Tagen wieder in Jerusalem – empfinden viele „Palästinenser“ als ungerecht und sicher nicht wenige als grausame Einengung ihrer freien Entfaltungsmöglichkeiten. Das geht natürlich nicht.

    Dafür geht es weiter mit: „Wie du weißt, habe ich … beträchtliche Arbeit für Palästina geleistet und persönlich rund 150.000 Pfund für die Kinder Palästinas eingesammelt. In gewissem Sinne habe ich bereits auf der anderen Seite gespielt.“ Schließlich versteigt er sich sogar zu Tipps, wie Eno seine Arbeit, effektiver gestalten könnte, „… wie viel kraftvollere Aussagen du machen könntest, wenn du nach Israel gehen und der Presse und dem israelischen Volk mitteilen würdest, wie du über ihr derzeitiges Regime denkst. … Das hätte eine viel größere Wirkung als ein Boykott.“

    Und über solche und ähnliche Reaktionen muss man mittlerweile schon froh sein.

    Warum dieser Beitrag? Weil Nick Caves Antwort ein zutiefst ernüchterndes Zeugnis ist, wie verbogen der moralische Kompass des Westens ist und welche bodenlose Feigheit in fast allen politischen Lagern immer selbstverständlicher „als Engagement“ nach außen gekehrt wird.

  • #2
    Thommy

    @nussknacker

    Ihre Aussage

    "Einschränkungen jeglicher Art, vor allem Israelis abzuschlachten – wie vor zwei paar Tagen wieder in Jerusalem – empfinden viele „Palästinenser“ als ungerecht und sicher nicht wenige als grausame Einengung ihrer freien Entfaltungsmöglichkeiten.Das geht natürlich nicht"

    enthält deutliche Spuren von Rassismus und stellt in dieser Form aus meiner Sicht nichts anderes als Volksverhetzung

  • #3
    nussknacker56

    (*) Als die Nazis ganz Europa mit ihrem Terror überzogen, sprach man zu Recht von „den Deutschen“ als Täter. Wenn 2015 nach einer Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung und des palästinensischen Center for Policy and Survey Research in Ramallah 67 Prozent der befragten Palästinenser Messerangriffe gegen Israelis befürworten und 80% für Angriffe und Terroranschläge auf israelische Soldaten und jüdische Siedler sind, darf man auch von „den Palästinensern“ sprechen.

    Für die vielen „Thommys“ ist das alles kein Thema, sie haben im Gegenteil ebenfalls größtes Verständnis dafür. Sie sehen ihren Job darin, eifrig zu nicken und ggf. Entlastungsangriffe á la „Volksverhetzung!“ gegen alle zu starten, die das Problem benennen. Mit dem BDS haben sie genauso wenig Berührungsängste – warum auch?

    * (Eigentlich lautet das Thema Nick Cave und seine Reaktion auf BDS. Aber für Thommy mache ich eine Ausnahme.)

  • #4
    Wolfram Obermans

    "(*) Als die Nazis ganz Europa mit ihrem Terror überzogen, sprach man zu Recht von „den Deutschen“ als Täter."
    Und als der Scheiß vorbei war, erzählten das in Deutschland mit besonderer Vorliebe die Nazis selbst, "wir waren es doch alle". Daß die "Linke" sich dieses Täternarrativ mit solcher Begeisterung angeeignet hat, sagt viel über die grundlegende politische Disposition des Personals und führt alte Traditionen weiter, als Mielke und Göbbels sich noch die Bühne teilten – die Zeiten überdauerndes Querfrontgelaber halt.

    Wenn des weiteren Cave eine differenzierte Auffassung zur politischen Lage in Israel zu erkennen gibt, kann man sicher abweichender Meinung sein. Wer das aber pauschal als "bodenlose Feigheit" einsortiert, ordnet sich selbst abseits jeder politischen Vernunft ein. Kann man natürlich dennoch machen, taugt aber nur zur Bespiegelung eigener Erhabenheit und nicht für eine politische Diskussion, bei der von dieser Erhabenheit wenig übrig bleiben würde.

  • #5
    nussknacker56

    #4 Wolfram Obermans

    Ich habe Nick Cave keineswegs „bodenlose Feigheit“ attestiert. Wie kommen Sie darauf? Das war auf „alle politischen Lager“ bezogen, die dem BDS keinen Widerstand entgegensetzen, und das geht aus dem Zusammenhang ziemlich eindeutig hervor. Ihre Schlussfolgerungen („Bespiegelung eigener Erhabenheit“) sind reichlich merkwürdig, damit kann ich nichts anfangen. Aber vielleicht war das auch alles nur ein blödes Missverständnis – also Schwamm darüber.

    Die Annahme, dass die Nazis nur eine bösartige kleine Sekte war, die das gute Deutschland verführt hat, ist eindeutig falsch. Das widerspricht allen politischen Erkenntnissen und Analysen. Weder vor noch nach dem Krieg gibt es Anhaltspunkte, die diese These stützen. Dass sich die Linke ein „Täternarrativ“ angeeignet habe, ist eine reichlich seltsame Wortwahl. Es ist keineswegs eine „linke“ Erkenntnis, dass die Nazis die Bevölkerung in ihre Taten eingebunden haben und dass sich die große Masse hat einbinden lassen.

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