Ostermarsch-Ruhr: „Steuern wir auf ein Klima zu, das an Nazi-Kampagnen mit dem Motto „Kauft nicht bei Juden“ erinnert?“

Putins 5. Kolonne war gestern in Bochum Foto: Kremlin.ru Lizenz: CC-BY 4.0

Nachdem Peter Ansmann und John Smith am Samstag von den Ostermärschen in Duisburg und Bielefeld berichtet haben, nutzte ich den gestrigen Ostersonntag, um einen Artikel über die SPD zu schreiben. Die meisten Sozialdemokraten lassen ja lieber die Ukrainer verrecken, als ihnen die dringend benötigten schweren Waffen zu liefern. Die Ostermarsch-Kundgebung in der Bochum Innenstadt schaute ich mir nicht an, obwohl sie keine zehn Minuten von meiner Wohnung entfernt stattfand. Aber zum Glück hat das Blog Bo-Alternativ die Reden von Reinhard  Junge, Schriftsteller und Mitgründer der SDAJ, trat in Wattenscheid auf, und von  Jochen Bauer, GEW-Landesvorstand und 2017 der Linkspartei beigetreten, dokumentiert.  Es reichte bei beiden nicht einmal für eine formale Verurteilung des russischen Einmarschs oder ein klares Wort der Solidarität mit der Ukraine. Gestern war der Tag von Putins 5. Kolonne, aber lest selbst:

Zitate der Rede von Reinhard Junge:

„Ich weiß nicht, wie es euch ging, als US-Geheimdienste meldeten, Russland werde einen Krieg beginnen. Ich habe es nicht geglaubt. Denn bis dahin hatten die US-Geheimdienste immer gelogen, wenn die USA in den Krieg ziehen wollten. Vor den Bombenangriffen auf Hanoi haben sie von einem Angriff der Vietnamesen auf ein US-Schiff im Golf von Tonkin berichtet, der nie stattgefunden hatte. Beim 1. Angriff auf den Irak wollten sie in der Kopf-ab-Diktatur Saudi-Arabien angeblich die Demokratie retten. Vor dem 2. Krieg galt es, so die USA, Saddam Hussein daran zu hindern, gegen die Kurden Massenvernichtungswaffen einzusetzen – die es gar nicht gab. Wer 3 x lügt – ihr kennt den Spruch. Aber diesmal hatten die Geheimagenten der USA ausnahmsweise die Wahrheit gesagt – und auch mich getäuscht.“

„Ja, dieser Krieg ist so brutal, wie es Kriege sind. Schulen und Krankenhäuser darf man nicht beschießen – das hat man uns sogar bei der Bundeswehr eingebläut. Und wenn einige Städte in der Ukraine jetzt so aussehen wie Köln, Dortmund oder Wattenscheid nach dem 2. Weltkrieg, dann frage ich mich nicht nur fassungslos, wie viele Jahre es braucht, das alles wieder aufzubauen. Am meisten tun mir die Menschen leid, die da ums Leben gekommen sind oder ihre Liebsten verloren haben – egal ob es Russen, Ukrainer oder die Einwohner/innen von Lugansk und Donezk sind, die seit acht Jahren von der Ukraine aus beschossen wurden.“

„Dieses antirussische Dauerfeuer in den Medien wirkt inzwischen bei manchen Menschen wie eine Gehirnwäsche. Es gibt Berichte, dass russische Ladenbesitzer bedroht werden. Künstlern werden Engagements entzogen, weil sie sich weigern, Putin einen Mörder zu nennen. Die Firma Haribo wird denunziert, weil sie weiterhin Süßigkeiten nach Russland liefert. Steuern wir auf ein Klima zu, das an Nazi-Kampagnen mit dem Motto „Kauft nicht bei Juden“ erinnert? Ich befürchte es. “

„Was nun ist Wahrheit? Die Propaganda der Ukrainer ist auf jeden Fall wirksamer als das, was Putin und Lawrow unerschütterlich aus ihren Büros heraus verkünden. Von digitalen Medien machen sie, so scheint es, kaum Gebrauch. Ganz anders die Regierung in Kiew. Bei ihren Besuchen in zerstörten Dörfern haben sie immer ein paar Kameraleute dabei. Und die liefern die passenden Fotos und Filme: Zerstörte Wohnblocks und Krankenhäuser, tote Männer, süße Kinder und traumatisierte Frauen. Kann sein, dass alles so stimmt. Aber manchmal kommen mir Zweifel. Da gibt es z. B. eine Luftaufnahme von einem Schützenpanzer sowjetischer Bauart. Gezielte Schüsse töten einen Radfahrer. Ein Hoheitszeichen an diesem Fahrzeug war (zumindest im TV)? nicht zu erkennen. Wer saß wirklich darin? Selenskyi behauptete mehrfach, dass seine Truppen viele russische Fahrzeuge erbeutet hätten.“

„Frau Baerbock ist da anderer Auffassung. Sie redet neuerdings davon, dass „wir“ der Ukraine zum Sieg verhelfen müssen. Nun, eine naive Rechnung am Rande: Den 200.000 ukrainischen Soldaten stehen rund 2 Millionen russische gegenüber. Glaubt Frau B. etwa, dass jeder ukrainische Soldat zehn Gegner töten müsse und dass dann Frieden herrsche? Im Moment sieht es angesichts der Forderungen der Ukraine ganz danach aus, dass die ukrainische Führung zu einem langen Stellvertreter-Krieg für die NATO bereit ist. Doch wie immer das ausgehen mag: In diesem Krieg wird es wie üblich nur einen Gewinner geben, nämlich die Rüstungsindustrie“

Zitate der Rede von Jochen Bauer:

„Vor einigen Wochen hat Bundeskanzler Scholz im Bundestag verkündet, dass die Bundesregierung 100 Mrd. € in die Bundeswehr investieren werde – ab sofort. Eine Allparteienkoalition, abgesehen von der Linken, brach in Jubelstürme aus! So muss es einst im Reichstag gewesen sein, als man seinerzeit beschlossen hatte, die Risikoflotte aufzubauen, mit deren Hilfe man England in einen Frieden zwingen wollte. Wir alle wissen wo das geendet hat: im Ersten Weltkrieg!“

„Man muss fragen, welche Interessen hat ein neoliberaler Interessensvertreter des Großkapitals wie Herr Lambsdorff daran, Pazifstinnen und Pazifisten zu verunglimpfen. Die Antwort ist einfach: im Krieg in der Ukraine geht es nicht um Demokratie und um Menschenrechte, sondern es geht um geopolitische und um kapitalistische Interessen Die Kapitalkonzentration ist heute vergleichbar mit der vor dem Ersten Weltkrieg. Das Kapital sucht Anlagemöglichkeiten und dieser Krieg verspricht reiche Rendite. Vor diesem Hintergrund müssen die Alarmglocken läuten!“

„Die Ukraine ist ein Land, welches reich an Bodenschätzen ist. Genau aus diesem Grund hatte das Deutsche Reich im Vertrag von Brest-Litowsk 1818 (Anmerkung der Redaktion: Der Vertrag wurden 1918 abgeschlossen) versucht, die Ukraine aus der Sowjetunion abzutrennen. Auch heute haben sowohl Russland als auch die NATO-Staaten wahrscheinlich aus ähnlicher Motivation ein Interesse an der Ukraine. Die riesigen Summen, die in Kriegsmaterial investiert werden, haben darüber hinaus Profiteure: die Rüstungsindustrie und ihre Anleger – einige wenige. Verlieren werden viele: die Menschen in der Ukraine, die Leben lassen müssen oder den Verlust von Kindern, Eltern und Ehepartner beklagen werden und die, die Haus und Hof verlieren. Verlieren werden die Menschen auch hier. Wir erleben gerade, wie eine durch den Krieg beschleunigte Inflation das mühsam Ersparte der abhängig Beschäftigten auffrisst. Wer weiß, was noch kommen wird!“

„Es gibt Profiteure so einer Politik: Der Krieg und der Kapitalismus sind Geschwister. Schon jetzt kann jede(r) am Aktienkurs von Rheinmetall oder anderen Rüstungskonzernen erkennen, wer von den Rüstungsinvestitionen profitieren wird: die Kapitaleigner der Rüstungsindustrie.“

 

 

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Berthold Grabe
Berthold Grabe
2 Jahre zuvor

Nun ja, es gab ähnliche Reaktionen bezüglich Nazis oder denen die in Verdacht standen Nazis oder deren Sympathisanten zu sein.
Das fand niemand anrüchig.
Es ist auch nicht falsch sich von Menschen zu distanzieren, die einem solchen Regime zustimmen.
Allerdings wird es immer wieder vorkommen, das Menschen zwischen Volkszugehörigkeit und Regime nicht unterscheiden wollen.
Damit haben wir Deutschen ebenfalls schon Erfahrung, nicht zuletzt auch durch eigene politische Strömungen.
Aber als Jugendlicher habe ich in einigen Ländern Europas Ende der 70ziger noch Ressentiments erlebt, weil ich Deutscher war, weil der Täterstatus rassistisch übertragen wurde.
Allerdings gab es auch gegenteilige Erfahrungen äußerst freundlicher Aufnahme, wie ein Rentner in Südfrankreich, der sich mit positiver Nostalgie an seine Kriegsgefangenschaft im WK I in Deutschland erinnerte.
Was uns ziemlich überrascht zurückließ.

Berthold Grabe
Berthold Grabe
2 Jahre zuvor

Propaganda gehört zum Krieg und ist unvermeidbare Pflicht der Kriegsparteien.
Es stellt sich nur die Frage, ob sie im Kern wahr ist oder nicht um zu einem Urteil zu kommen.
Und da ist das Urteil gegenüber dem Putinregime genauso eindeutig wie das gegenüber dem Hitlerregime.
Daran gibt es trotz Meinungsverschiedenheiten im Detail keinen Zweifel.
Und wer diese Details nutzt um die Ukraine als Täter auf Augenhöhe mit dem Kreml zu sehen, dem geht es nicht um Wahrheit, sondern Ausreden.

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