Der krasse Stimmungsumschwung auf Schalke stimmt nachdenklich

Auf Schalke. Archiv-Foto: Michael Kamps

Der FC Schalke 04 gewann am Ostersonntag das Top-Spiel der 2. Liga bei Darmstadt 98 mit 5:2. Es war eine überzeugende Leistung der Gelsenkirchener, die durch diesen Sieg die Tabellenspitze des Unterhauses verteidigten und vier Spieltage vor Saisonende damit sehr gute Karten im Aufstiegsrennen haben.

Noch beeindruckender als die Darbietungen der Mannschaft auf dem Rasen, war die Stimmung im Schalker-Fanblock. Ausgelassene Feierlichkeiten der Anhängerschaft gemeinsam mit der Mannschaft ließen nach Spielende selbst das Herz neutraler Fußballfreunde schneller schlagen.

So etwas gefällt natürlich allen Fußballromantikern, die in der Lage sind den unverändert bedrohlichen Corona-Hintergrund dabei einmal für wenige Augenblicke auszublenden, und zeigt, wie schön Fußball selbst im Jahre 2022, wo der ausufernde Kommerz in der Branche immer dominanter zu werden scheint, noch sein kann.

Und doch stimmten diese tollen Bilder und Töne einen als Fußballfreund auch nachdenklich.

Eine solche Euphorie hat es im Lager der Königsblauen schon lange nicht mehr gegeben. Kein Wunder, lieferte der Vorzeigeklub aus Gelsenkirchen in den vergangenen Jahren doch einen sportlichen Sturzflug ab, wie ihn der Fußball hierzulande bisher nur sehr selten gesehen hat. Innerhalb weniger Jahre, fast sogar Monate, vom Vizemeister zur Lachnummer der Bundesliga, das war schon eine extreme Entwicklung, die jetzt gestoppt zu sein scheint.

Höhepunkt dieses historischen Absturzes waren die Jagdszenen, die es rund um die Schalker Arena gab, als der Abstieg aus dem Oberhaus nach einer 0:1-Niederlage bei Arminia Bielefeld am 30. Spieltag der Saison 2020/21 offiziell feststand.

Zur Erinnerung: Sogenannte Fans jagten einige Spieler nach deren Ankunft damals in extrem hässlichen Szenen rund um das Stadion, drohten ihnen gar Prügel an oder lauerten ihnen selbst vor dem eigenen Haus auf. Eine echte Schande, was sich damals in Gelsenkirchen abspielte.

Und genau das ist es, was einen jetzt nachdenklich stimmt. Diese vielleicht dunkelsten Stunden der Schalker Geschichte ist nämlich genau ein Jahr her. Im vergangenen April war die Stimmung auf Schalke auf dem Tiefpunkt.

Damals wurde schon wochenlang diskutiert, welche Auswirkungen das zwangsläufige Fernbleiben der Anhängerschaft auf den Saisonverlauf der Knappen gehabt hätte. War es ein Vorteil, weil die Spieler sich nicht auspfeifen lassen mussten, oder hätte die Mannschaft mit Fanunterstützung vielleicht erfolgreicher abgeschnitten? Die Antwort konnte nicht gegeben werden.

Und dann lauerten einige Extremisten der eigenen Mannschaft bei der Ankunft an der heimischen Arena auf um sie zu jagen und zu bedrohen? Es war einfach nicht zu fassen…

Jetzt, zwölf Monate später, werden die Spieler in Darmstadt von den Fans minutenlang begeistert gefeiert. Schon krass.

Klar, der Kader hat sich sehr verändert. Es werden, ob des sportlich niedrigeren Niveaus in Liga 2, inzwischen wieder deutlich mehr Siege eingefahren als zu jener Zeit. Die sich ankündigende Rückkehr ins Fußball-Oberhaus, vom Selbstverständnis her für die Schalker ohnehin eine Selbstverständlichkeit, ließ die Stimmung im Umfeld vom Nullpunkt in totale Euphorie umschwenken.

So verständlich das auf der einen Seite ist, schließlich will man als Fußballanhänger die eigene Mannschaft siegen sehen, so sehr zeigt dies auf der anderen Seite aber eben auch, wie unsinnig, man könnte fast sagen wie blödsinnig, das Verhalten einiger Fußballfans auf der anderen Seite häufig ist.

Das Gedächtnis einiger Beteiligter ist offenbar sehr kurz. Denn eines sollten sich alle Königsblauen mal klar machen: Viele Verantwortliche im Klub waren schon für den Niedergang des Vereins mitverantwortlich, so auch der aktuelle Cheftrainer Mike Büskens, der im April 2021 bereits als Co-Trainer mit an Bord war. Musste er sich damals bei der Heimkehr nach Gelsenkirchen noch übel beschimpfen lassen und sich bei den Jagdszenen rund um das Stadion im vergangenen April wohl auch klammheimlich und verängstigt mit vom Acker machen, wird er jetzt von den gleichen Leuten vermutlich uneingeschränkt gefeiert.

Fußball kann herrlich verrückt sein. Hier ist es eher eine traurige Verrücktheit, die man in diesen Tagen nicht völlig verdrängen sollte…

 

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
16 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
trackback

[…] genug auch für alle Nicht-Schalker und Nicht-Bremer den beiden aktuellen Top-Klubs der 2. Liga im Endspurt fest die Daumen zu […]

Joe
Joe
2 Jahre zuvor

Woher kommst du, aus Frankfurt?
Aus dem RG jedenfalls nicht.

Psychologe
Psychologe
2 Jahre zuvor

"Das Gedächtnis einiger Beteiligter ist offenbar sehr kurz. (…)
Fußball kann herrlich verrückt sein. Hier ist es eher eine traurige Verrücktheit, die man in diesen Tagen nicht völlig verdrängen sollte…"

Ist das jetzt echt ein Thema? Fußball kann halt Emotion pur sein. Wir reden hier nicht von den Beteiligten an einem Planfeststellungsverfahren, sondern von Fußballfans. Was ist an dem hier beschriebenen Verhalten neu? Mich stimmt das alles gar nicht "nachdenklich". Die Kurzlebigkeit einer Haltung gegenüber Spielern, Mannchschaften, Trainern wurde oft genug demonstriert. Auch von Ihnen. Nichts ist so überholt wie die Niederlage oder der Sieg von gestern. Aus Helden des Vereins werden schnell die Flaschen, die nichts mehr bringen und für die Überraschungen werden nach zahlreichen Schmähungen Lobgesänge angestimmt.
Zuwendung und Liebesentzug gehen schnell. "Keiner spielt so schön wie Amorosooooo" – kurz danach war er der Buhmann des (hier) BVB.
Die ganze Fußballkultur tradiert doch geradezu diese Fixierung auf den Erfolg im Hier und Jetzt. Die vermeintliche Loyalität zu irgendwem ist nur Folklore, um andere mit dem eigenen emotionalen Überschwang zu nerven. Vor allem feiert man sich selbst.

A.w aus ge
A.w aus ge
2 Jahre zuvor

Ich finde ihr habt alle keine Ahnung…..das Bild was nun gezeigt und gelebt wirds ist zu 100% anders. Die Spieler arbeiten, bemühen sich und werden gelobt und auch nicht bei jedem Misserfolg ausgepfiffen…..das mag dem Autor und euch stutzig machen…..mich nicht !!!! Schließlich war der Abstieg intern abgesprochen ( Spieler) ….scheint ihr nicht zu glauben bis heute

Juri Gagarin der Dritte
Juri Gagarin der Dritte
2 Jahre zuvor

"Musste er sich damals bei der Heimkehr nach Gelsenkirchen noch übel beschimpfen lassen und sich bei den Jagdszenen rund um das Stadion im vergangenen April wohl auch klammheimlich und verängstigt mit vom Acker machen, wird er jetzt von den gleichen Leuten vermutlich uneingeschränkt gefeiert."
Daran fallen mir zwei Dinge auf:
1. "klammheimliich und verängstigt vom Acker machen" – was soll denn diese diffamierende Beschreibung? MB als jemand der sich vom Acker macht, wenn es ernst wird? Ich vermutete, dämliche Männlichkeitsbilder sind eigentlich nicht in Ihrem Repertoire, aber das klingt doch so, als würden Sie hier über jemanden spotten, der sich nicht auf die Fresse hauen lassen will.
2. "wird er jetzt von den gleichen Leuten vermutlich uneingeschränkt gefeiert." – haben Sie die Namen der damaligen Täter mit den Feiernden aus Darmstadt verglichen? Der Text hier geht vermutlich als Kolumne durch, aber ein paar Fakten tun auch einem Meinungsbeitrag ganz gut. Ich behaupte nicht, dass es da keine personellen Überschneidungen geben kann, und vermutlich werden Sie sich auf Ihr "vermutlich" zurück ziehen, aber: erstens steht es, falls Sie das tun, an der falschen Stelle im Satz (das kann passieren, siehe mein Geschreibsel hier). Und zweitens ist es eine extrem suggestive Art, Unwissen als Faktum erscheinen zu lassen, um die eigene Position zu untermauern.

Psychologe
Psychologe
2 Jahre zuvor

"Gänzlich neu ist das nicht. Das ist richtig. Aber so beschleunigt und in einer solchen Radikalität hat man eine solche Wandlung von einem Extrem ins andere in den vergangenen gut 40 Jahren (seit ich die Bundesliga verfolge) bisher wohl noch nie gesehen."

Vielleicht liegt dies aber auch ein bisschen daran, wie radikal der sportliche Wandel selbst vonstatten ging?
Um es mal in Erinnerung zu rufen: Der Tenor der Medien war bereits kurz vor dem Abstieg, dass es Schalke auch in der zweiten Liga schwer haben würde, sich auch nur im Mittelfeld zu halten. Es bestehe die Gefahr, nach unten durchgereicht zu werden. Die Möglichkeit des direkten Wiederaufstieges wurde als vollkommen illusorisch abgetan. Über dem Verein kreise jetzt endgültig der Pleitegeier.
Dagegen ist Tabellenplatz 1 ja für sich "radikal" überraschend, oder?!?

C. Rentmeister
C. Rentmeister
2 Jahre zuvor

Bei solchen "Artikeln" kann ich gar nicht so viel essen wie ich …. möchte.
Was bezweckt der Schreiberling damit???
Was war ist vorbei und sollte verarbeitet sein. Es hat noch in keiner Beziehung geholfen das vergangene Übel wieder auszugraben.
Wie heißt es so schön:
ES KANN DER FRÖMMSTE NICHT IN FRIEDEN LEBEN, WENN ES DEM BÖSEN NACHBARN NICHT GEFÄLLT.

Ich fand das vor einem Jahr gewiss auch nicht gut, ABER ich kann mich sehr wohl daran erfreuen, dass Königsblau offensichtlich wieder auf einem guten Weg ist und denke da darf sich auch jeder drüber freuen und da dürfen die Spieler auch für gefeiert werden PUNKT

Anderer Max
Anderer Max
2 Jahre zuvor

Das Gedächtnis im Verein Schalke 04 scheint generell etwas anders zu funktionieren.
Ich war da mal im "Museum" vor ca. 4 Jahren und habe da eine Stadiontour mitgemacht.
Wie sehr dort die Titelgewinne '34 bis '42 thematisiert und völlig unkritisch als Teamleistung bejubelt werden, war mehr als beschämend. Der Nazipropaganda-Kontext wird einfach wegignoriert. Hielt ich bis dahin nicht für möglich, dass in DE sowas salonfähig ist.

Heinrich Thüer
Heinrich Thüer
2 Jahre zuvor

Wer das Haar in der Suppe finden will, der findet es auch. Dass man allerdings über den Schalker "Stimmungsumschwung" schreiben kann, ohne mit einem Wort zu erwähnen, dass die neuen Erfolge von Mannschaft , Trainer und Management ganz ohne Tönnies und Gazprom erzielt werden, das zeichnet Patzwalds Text besonders aus. Das ist sein Alleinstellungsmerkmal in der Medienlandschaft. Mit schwatzgelbem Stock im Arsch.

Heinrich Thüer
Heinrich Thüer
2 Jahre zuvor

@11
Schalke 04 hat als erster Fußball-Bundesligaklub seine Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus wissenschaftlich aufarbeiten lassen und dabei seine Verwicklung ins NS-System offengelegt.
Dazu schrieben die FAZ und andere Blätter im Jahre 2005.
Lesen hilft.

Daniel Wittke
Daniel Wittke
2 Jahre zuvor

Welch schlechter Artikel.

Eine Mannschaft, die sich so desolat gezeigt hat, wie letzte Saison, wird überall vom Hof gejagt. Eine Mannschaft, die so gut Auftritt, wie dieses Jahr, wird selbstverständlich gefeiert.

Der Autor hat keine Ahnung von Schalke und sollte das Schreiben sein lassen.

Ney
Ney
2 Jahre zuvor

Letzte Saison desolat, aktuell mit guten Ergebnissen. Insofern fragt sich, was daran nachdenklich stimmen sollte.

C. Rentmeister, Anderer Max, Daniel Wittke, A.w aus ge , Joe leider peinlich.

trackback

[…] Erinnerung: Es ist erst gut ein Jahr her, da jagten einige Anhänger der Schalker die eigene Mannschaft wutentbrannt um die heimische Arena, die gestern zum Partytempel wurde. Als der Abstieg im April 2021 feststand, kannte der Zorn bei […]

Werbung