Im Stadion des MSV Duisburg könnte bald wieder deutlich mehr los sein als hier. Archiv-Foto: Daniel Jentsch
Borussia Dortmund kämpft aktuell mit der eigenen Identität, Schalke 04 liefert mal wieder das ganz große Drama – und während die grellen Scheinwerfer des Fußballs im Ruhrgebiet einmal mehr auf die beiden schillerndsten Vertreter ihrer Art gerichtet sind, droht ein bemerkenswertes Stück Fußballkultur auf überregionaler Bühne einmal mehr fast unbeachtet zu bleiben: die mögliche Renaissance von Rot-Weiss Essen und dem MSV Duisburg.
Nach dem Wiederaufstieg als Zweitliga-Meister 2025/26 kehrt einer der emotionalsten, traditionsreichsten und fanstärksten Vereine des Landes zurück auf die große Bühne. Dass Schalke in der abgelaufenen Zweitligasaison nicht durchgehend glanzvollen Fußball spielte, rückte angesichts des Saisonausgangs letztlich in den Hintergrund. Entscheidend war der von Millionen herbeigesehnte Wiederaufstieg – und vor allem die Art und Weise, wie Verein und Anhängerschaft diesen begleiteten.
Michael Kamps feiert den Aufstieg seiner Schalker im Stadion. Foto: privat
Der FC Schalke 04 ist zurück in der Bundesliga – und für Millionen Anhänger im Ruhrgebiet dürfte dieser Moment weit mehr bedeuten als nur einen sportlichen Erfolg. Nach Jahren voller Abstürze, Führungschaos, wirtschaftlicher Sorgen und sportlicher Enttäuschungen schafft einer der traditionsreichsten Vereine Deutschlands die Rückkehr ins Oberhaus. Entsprechend groß ist die Erleichterung rund um Gelsenkirchen.
Einer, der all das hautnah erlebt hat, ist Michael Kamps aus Waltrop, der uns bei den Ruhrbaronen seit Jahren dankenswerterweise mit seinen aktuellen Fotos rund um den Verein versorgt. Als Dauerkarteninhaber, Fanclub-Mitglied bei „Blau Weißes GEsocks Waltrop“ und regelmäßiger Beobachter der königsblauen Achterbahnfahrt blickt er auf eine Saison 2025/26 zurück, die selbst treue Optimisten überraschte.
Der Zusammenhalt stimmt derzeit in Gelsenkirchen. Foto: Michael Kamps
Mit einem hart erkämpften 1:0-Erfolg gegen den Abstiegskandidaten Fortuna Düsseldorf hat der FC Schalke 04 am 32. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga am Samstagabend vorzeitig die Rückkehr ins deutsche Fußball-Oberhaus perfekt gemacht!
In Gelsenkirchen dürften nach Jahren voller Krisen, Abstiege, Chaos und Enttäuschungen sämtliche Dämme gebrochen sein. Millionen Fußballfans, insbesondere im Ruhrgebiet, feiern die Rückkehr eines der traditionsreichsten Klubs Deutschlands in die Bundesliga.
Auch wenn die Saison 2025/26 der Königsblauen über weite Strecken selten glanzvoll daherkam, erfüllt dieses Happy End genau jene Sehnsucht, die viele Fußballromantiker seit dem bitteren Absturz hegten: Schalke gehört emotional einfach zur Bundesliga. Das Ruhrgebiet bekommt damit ein weiteres Stück seiner fußballerischen Identität zurück – und allein diese Tatsache sorgt vielerorts für ehrliche Freude. Herzlichen Glückwunsch auch von den Ruhrbaronen an Schalke 04!
Die Fans auf Schalke sind jetzt schon erstklassig. Foto: Michael Kamps
Beim FC Schalke 04 gehört Understatement traditionell eher nicht zum Repertoire. Malocher-Pathos, große Worte, große Emotionen – alles da. Nur: In dieser Zweitligasaison 2025/26 war „groß“ auf dem Platz erstaunlich selten zu sehen. Stattdessen hangelte man sich sehr häufig durch Spiele, die oft mehr Stückwerk als Fußball waren. Und trotzdem: Punkte fielen auf Schalke-Seite wie Kleingeld aus einer kaputten Parkuhr.
Der Sieg beim SC Paderborn vom vergangenen Wochenende ist dafür das perfekte Symbol. 0:2 hinten, defensiv wacklig wie ein Jenga-Turm kurz vor dem Kollaps – und am Ende steht ein 3:2. Comeback-Qualitäten? Sicher. Aber auch eine gehörige Portion Spielglück, das man sich zwar irgendwie erarbeitet, aber eben nicht jedes Wochenende gepachtet hat.
Aktuell herrscht gute Stimmung auf Schalke. Foto: Michael Kamps
Die Momentaufnahme wirkt beeindruckend: Der FC Schalke 04 steht an der Spitze der 2. Fußball-Bundesliga. In Gelsenkirchen keimt Hoffnung auf die schnelle Rückkehr ins Oberhaus. Doch wer genauer hinschaut, erkennt ein bekanntes Muster: Schalke gewinnt Spiele – aber die strukturellen Probleme gewinnen langfristig fast immer.
Der unbequeme Befund lautet: Selbst wenn Schalke aufsteigt, fehlt dem Klub aktuell alles, was einen stabilen Bundesligisten ausmacht.
Im Stadion in Duisburg herrscht wieder Leben. Archiv-Foto: Daniel Jentsch
Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die man kaum für möglich hält. Eine solche Geschichte erleben derzeit die Fans des MSV Duisburg. Noch vor wenigen Monaten schien der Klub in den Niederungen der Regionalliga versunken, die stolze Vergangenheit nur eine ferne Erinnerung.
Und nun? Nach fünf Spieltagen in der 3. Liga grüßt der Aufsteiger plötzlich von der Tabellenspitze – und das mit beeindruckender Dominanz.
Plötzlich war Feuer unterm Dach auf Schalke. Foto: Michael Kamps
So verrückt kann Fußball sein! Wenige Tage nach dem erschreckend schwachen 2:4 (0:2) gegen den spanischen Erstligisten FC Sevilla bei der offiziellen Saisoneröffnung 2025/26 in der heimischen Arena feierte der FC Schalke 04 am Freitag an gleicher Stelle einen begeisternden 2:1 (2:0)-Heimsieg gegen den Aufstiegsfavoriten Hertha BSC.
Insbesondere die Leistung in der ersten Halbzeit begeisterte die gut 62.000 Fans in Gelsenkirchen. Sie rieben sich verwundert die Augen: War das wirklich ihre Mannschaft, die in den vergangenen zwei Jahren so häufig enttäuschend aufgetreten war?
Im Stadion des MSV Duisburg. Archiv-Foto: Daniel Jentsch
Kaum einer außerhalb Duisburgs hat davon Notiz genommen, doch der MSV ist tatsächlich seit ein paar Tagen zurück in der 3. Liga – eigentlich eine gute Nachricht für einen Klub, der sich über Jahre hinweg durch sportliche Talfahrten und strukturelles Chaos selbst ins Abseits manövriert hat. Doch trotz des sportlichen Erfolgs in der Regionalliga West bleibt der große mediale Knall aus. Keine bundesweiten Schlagzeilen, keine hitzigen Debatten in Fußballtalks, nicht einmal ein spürbarer Hype in sozialen Netzwerken. Der Aufstieg der „Zebras“ wirkt eher wie ein leises Aufatmen denn ein lauter Neubeginn. Und das hat Gründe – unangenehme, aber ehrliche.
Trainer Friedhelm Funkel im Jahre 2016. Quelle: Wikipedia, Foto: Fuguito; Lizenz: CC BY-SA 3.0
Zwei Spieltage vor dem Saisonende 2024/25 steht der 1. FC Köln in der 2. Fußball-Bundesliga auf einem direkten Aufstiegsplatz. Die Rückkehr ins Oberhaus ist damit zum Greifen nah. Und doch: Der Klub zieht nach dem enttäuschenden 1:1-Unentschieden vom Wochenende gegen Absteiger Jahn Regensburg die Reißleine, trennt sich von Trainer Gerhard Struber und Sport-Geschäftsführer Christian Keller. Noch kurioser: In einer Aktion, die nur als Panikreaktion gewertet werden kann, holt der FC den 71-jährigen Friedhelm Funkel zurück. Die Entscheidung wirkt weniger mutig als kopflos.