Die Serienmeisterschaften des FC Bayern München bedrohen die Zukunft der Bundesliga!

Dunkle Wolken über dem Stadion in München. Foto: Robin Patzwaldt

Dass der FC Bayern München sich durch einen 3:1 (2:0)-Erfolg gegen Borussia Dortmund die zehnte (!!!) Deutsche Meisterschaft in Serie gesichert hat, ist für sich genommen weder überraschend noch sonderlich aufregend. Die Dominanz des Rekordmeisters verstärkt sich gefühlt seit Jahren. Da juckt es in Deutschland natürlich kaum noch jemanden, wenn die Münchener drei Spieltage vor Saisonende einmal mehr die Meisterschaft vorzeitig sicher haben. Geschenkt!

So anerkennenswert die sich dahinter verbergende Leistung aller Beteiligten natürlich trotz der Seriensiege noch immer ist, so langweilig ist das Schauspiel der jubelnden Bayern-Spieler inzwischen für Fußballdeutschland. Selbst in München begeistert ein solcher Titel inzwischen kaum noch einen. Das ist traurig, wenn man dabei bedenkt, welch große Fußballfeiertage diese Titelentscheidungen  noch vor wenigen Jahren landesweit ausgelöst haben.

Man muss dabei auch wahrlich kein BVB-Fan sein, um sich an einige dieser herausragenden Fußballfeiern im eigenen Leben zu erinnern. Auch andere Klubs, wie zum Beispiel Werder Bremen, der VfL Wolfsburg, sogar der 1. FC Kaiserslautern usw. konnten schon ekstatische Titelfeiern erleben.

Natürlich ist all dies inzwischen schon eine ganze Weile her. Logisch, wenn ein Klub jetzt zehn Titel in direkter Folge einfahren konnte. Sieht man also diese ein wenig gekünstelt wirkenden Jubelszenen auf dem Rasen in München, wird die große Mehrheit der Fußballfreunde in diesem Lande wohl eher nachdenklich, vielleicht sogar wehmütig, als glücklich.

Das Traurige an diesen Bildern von den Bayern ist ja, dass es aktuell auch nur sehr wenige Anzeichen dafür gibt, dass wir sie nicht auch in den kommenden Jahren wieder über uns ergehen lassen müssen. Kann man das den Bayern vorwerfen? Natürlich nicht!

Der Verein aus dem Süden hat in den vergangenen Jahrzehnten vorbildlich gearbeitet und das Beste aus seinen Möglichkeiten gemacht. Die Konkurrenz hingegen hat zu viele Fehler gemacht, um den Bayern zumindest hin und wieder mal eine Meisterschaft abnehmen zu können. Der alte Spruch, dass man zur Stelle sein muss, wenn die Bayern einmal schwächeln, er ist schon seit Jahren reine Theorie.

Die Personalpolitik in Dortmund hat aus dem BVB, der zwischen 1995 und 2012 immerhin noch fünf Meisterschaften einfahren konnte, inzwischen einen Durchlauferhitzer für junge Spielertalente gemacht. Der VfL Wolfsburg konnte sich trotz Unterstützung des VW-Konzerns nur kurzzeitig an der Ligaspitze halten. Der VfB Stuttgart und auch der 1. FC Kaiserslautern sind zwischenzeitlich sogar aus der 1. Liga abgestiegen, was einen Dauerhaften Konkurrenzkampf mit dem Rekordmeister natürlich erst recht unmöglich machte. Auch selbsternannte Titelkandidaten wie der FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen hatten in den vergangenen Jahren nicht annähernd die Konstanz, die nötig gewesen wäre um den Münchenern in den vergangenen Jahren näher zu kommen. Ganz im Gegenteil, die Dominanz der Bayern ist selbst in den für alle Klubs herausfordernden Corona-Zeiten nicht einmal etwas kleiner geworden. Zumindest gefühlt ist sie inzwischen sogar noch weiter angewachsen. Und das, obwohl die Bayern selbst nach eigener Einschätzung keine besonders starke Spielzeit 2021/22 abgeliefert haben.

Die Entwicklung des Profifußballs ist hierzulande grundsätzlich nicht gut. Das werden selbst die Verantwortlichen in München hinter vorgehaltener Hand zugeben müssen. Die Zuschauerzahlen und die Umsätze in der Bundesliga mögen noch beeindruckend sein, eine Trendwende ist jedoch schon am Horizont erkennbar. Ich habe in meinem Leben noch nie mit so vielen einst fanatischen Fußballfans gesprochen, deren Leidenschaft für ihren Verein und den Sport grundsätzlich in der Vergangenheit extrem abgekühlt ist, wie zuletzt.

Ändert sich an der nationalen Überlegenheit des FC Bayern München nicht bald etwas Grundlegendes, irgendwann wird es für eine Trendumkehr wohl zu spät sein….wenn es das nicht sogar jetzt schon ist…

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14 Kommentare

  1. #1 | ke sagt am 24. April 2022 um 11:30 Uhr

    Bundesliga ist langweilig geworden. Der Durchlauferhitzer für junge Talente zeigt zu oft eine extrem unkonzentrierte Leistung.
    Hier ist auch zu klären, ob es nicht einfach zu viele Ablenkungen gibt.

  2. #2 | Haax sagt am 24. April 2022 um 13:07 Uhr

    Ich denke doch, dass man es den Bayern ankreiden kann. Die Schwäche der Konkurrenz und die eigene Dominanz wird doch auch hinter den Kulissen bearbeitet. Man nutzt den Einfluss un z.B. bei der Verteilung der Gelder ein immer größeres Stück vom Kuchen zu erhalten und die Verhältnisse aufgrund der finanziellen Ungleichheit zu zementieren.
    Es spricht eben Bände, wenn sich z.B. mit Leipzig ein Verein anschickt, in die Sphären vorzustoßen, auch noch einen finanzkräftigen Gönner im Hintergrund hat und dennoch den Cheftrainer, den Abwehrchef und den Mannschaftskapitän wehrlos abgeben muss. Letzteren als Bankwärmer. Ähnlich einige Jahre zuvor mit Dortmund erfolgt.
    Dass der DFB offenbar kein Interesse daran hat, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sorgt für die Verdrossenheit.

  3. #3 | Thomas Schweighäuser sagt am 24. April 2022 um 13:16 Uhr

    Vielleicht sollten sich die Verantwortungsträger und Anhänger*innen des BVB erst einmal an die eigene Nase fassen und nicht immer die Schuld beim Schiedsrichter suchen, wenn man gegen die Bayern verliert. Das Problem bei Dortmund sind nicht die jungen talentierten Spieler, sondern die mit großem Getöse verpflichteten überbezahlten und überschätzten „gestandenen“ Profis. Dazu kommt die Selbstherrlichkeit eines Herrn Watzke, der einen Weltklassetrainer wie Tuchel leichtfertig vergraulte oder einen feinen Menschen und guten Trainer wie Lucien Favre schasste.

  4. #4 | Christian sagt am 24. April 2022 um 13:49 Uhr

    Es gibt diesen schönen Satz noch so ein Sieg und wir sind verloren.
    Auch die Bayern sind dabei sich zu Tode zu siegen, es ist national zu leicht.
    Warum dominieren die Clubs der Premier League, sicher auch wegen dem Geld.
    Aber das ist nur eine Seite, die englischen Top Clubs müssen auch fast durchgängig
    mit Volldampf spielen. Der FCB wird national kaum gefordert, auch gestern reichte
    eine eher durchschnittliche Darbietung gegen den 2. der Tabelle. Dann international
    auf ein höheres Niveau umzuschalten, klappt nur mäßig gut. Deswegen ist die weiß
    blaue Glückseligkeit auch nach der Gruppenphase meist schnell beendet.
    Der große FCB ist international nur Laufkundschaft, da reicht es noch für RB Salzburg.

  5. #5 | Walter Stach sagt am 24. April 2022 um 19:57 Uhr

    Robin,
    ich sehe „weit und breit“ nicht einmal ansatzweise realistische Möglichkeiten, die Dominanz des FCB zu beenden -weder seitens des BVB noch durch RB Leipzig noch seitens……

    Ob das dauerhaft dem Fußball in Deutschland im allgemeinen, dem Bundeligafußball im besonderen nennenswert schaden wird? Darüber läßt sich spekulieren, mehr aber auch nicht.

    Der BVB sollte sich deshalb auf das was für ihn m.E. weiterhin ein realistisches Ziel sein kann konzentrieren, nämlich auf das Erreichen eines Champ.-Lig Platzes -wünschenswert auf die Vize-Meisterschaft. Ich denke, daß das keine Selbstverständlichkeit ist . Ich gehe zudem davon aus, daß sich die BVB-Fans angesichts der Aussichtslosigkeit einer Meisterschaft keineswegs aus Enttäuschung von ihrem BVB abwenden werden, da der der BVB zudem jedes Jahr weiterhin die realistische Möglichkeit haben wird, den DFB-Pokal zu gewinnen und in der Champ.lig „viel Geld zu verdienen“ , einhergehend mit der Möglichkeit sein weiterhin gutes internationales Image zu halten oder sogar aufzubessern.
    ( Dass der BVB dann und wann gegen den „übermächtigen “ FCB ‚mal ein Spiel gewinnen kann, ist ja ja weiterhin eine realistische Möglichkeit.)

    PS
    Dass dem BVB gestern beim Stande von 1:2 ein Elfmeter verweigert wurde, befördert bei mir das „verschwörungstheoretischen “ Denken über ein beim DFB, vor allem bei dessen Schiedsrichtern existentes FCB-Syndrom. Wenn es den Elfmeter gestern gegeben hätte, dann…..??

    Dass niemand aus dem Lager des FCB dieses krasse (!!) Fehlverhalten des Schiedsrichters bzw. seines Video-Assistenten als solches aufgegriffen, kritisiert und bedauert hat, dass zudem Spieler und Trainer des FCB nach dem Spiel eine m.E. maßloses Arroganz demonstriert haben, dass wieder einmal die unsäglichen „bayrischen Bierduschen „zelebriert wurden, dürfte dazu beitragen, daß das immer wieder hierzulande zu registrierende Höchstsmaß an Schadenfreude kein Ende finden wird, z.B. dann, wenn der FCB in der Champ.lig vorzeitig die „Segel streichen“ muß.

  6. #6 | Walter Stach sagt am 25. April 2022 um 12:01 Uhr

    „Bei der Meisterfeier hält traditionell der als Erster die Schale hoch, der den größten Anteil
    daran hatte . Regulär wäre das beim Spiel des BVB dort der Schiedsrichter gewesen.“

    Friedrich Küppersbusch in seinem montäglichen „Interview“ in der TAZ – 14 taz zwei, montag, 25.april 2022

    In diesem und in meinem Sinne dazu passend:
    „Es gab auch diesmal ein wenig Beistand vom DFB oder der DFL für den FCB in Person des Schiris, aber…..“
    -Beitrag in der TAZ zu „Langweiligster Meisterschaft der Welt, die“……
    18 leibesübungen, taz von montag, 25. april 2o22

    „Gut so“, meine ich, wenn es derzeit trotz enorm belastender Probleme dem einen oder dem anderen noch möglich ist, über den nationalen und internationalen Fußballsport im allgemeinen, über die Bundesliga, über den FCB im besonderen, konkret über einen nicht gegeben Elfmeter etwas zu sagen bzw. etwas zu schreiben.

  7. #7 | thomas weigle sagt am 25. April 2022 um 13:15 Uhr

    Elfmeter gegen die Bayern? Da muss schon Gravierendes passieren-Beinbruch,Arm ab o.ä.

  8. #8 | thomas weigle sagt am 25. April 2022 um 15:15 Uhr

    Heute in der TAZ. Vater und Sohn beobachten jubelnde rotbedresste Fußballer,Sohn: „Durften auch schon mal andere Mannschaften Meister werden?“-Vater: „Frag Opa,vllt kann der sich noch erinnern.“

  9. #9 | SvG sagt am 25. April 2022 um 23:54 Uhr

    @ Walter Stach: Jaja, wenn es gegen die Bayern geht, ist manchen jedes Mittel recht: Der Ball war zu rund, das Gras zu grün, der Schiedsrichter vom DFB gebrieft und natürlich von Uli Hoeneß persönlich. Es ist keine Schande, Anhänger eines der weniger erfolgreichen Vereine im Ruhrgebiet zu sein, da wird man wahrscheinlich reingeboren, erzogen oÄ. Mißgunst hingegen muß man schon wollen.
    Und schöner macht die auch nicht. Ebendies gilt für das Verlieren können. Ist dann wohl auch eine Frage des Charakters.

  10. #10 | Philipp sagt am 26. April 2022 um 09:18 Uhr

    @ SvG

    Es geht nicht primär um Bayern-Neid, es geht darum, dass die Bundesliga ein langweiliges Produkt geworden ist.

    Warum soll man auf Dauer ein Spiel gucken, wenn man vorher weiß wie es ausgeht? Die Premier League ist der Bundesliga nicht nur wirtschaftlich voraus, sie ist auch interessanter, weil es mehr Wettbewerb in der Breite gibt.

    Von den aktuell extrem interessanten Basketball Playoffs in den USA mal ganz zu schweigen.

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