Der Manager Michael Zorc hat den BVB zu einem Durchlauferhitzer gemacht!

BVB-Manager Michael Zorc (re.) geht im Sommer ‚in Rente‘. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Im kommenden Sommer endet die Amtszeit des Sportdirektors Michael Zorc in Dortmund. Die BVB-Legende prägte den Verein über Jahrzehnte. Zunächst führte der inzwischen 59-Jährige die Schwarzgelben als Spieler auf dem Feld an, war über viele Spielzeiten hinweg der Kapitän der Mannschaft. Nach dem Ende seiner aktiven Zeit wechselte der Evinger ins Management, zeichnete zuletzt für die Transfers des Klubs hauptverantwortlich. Nach der Saison soll Sebastian Kehl in die Rolle des Managers schlüpfen.

Auf Kehl wartet dann keine leichte Aufgabe, wie insbesondere die letzten Jahre von Zorc gezeigt haben, der den einst ambitionierten Meisterschaftsanwärter in der Fußball-Bundesliga zu einer Art Durchlauferhitzer für junge Spielertalente gemacht hat, und damit dem Branchenprimus FC Bayern München zuletzt nicht mehr wirklich gefährlich werden konnte. Zorcs Bilanz als Sportdirektor in Dortmund sieht kurz vor ihrem Ende daher nur durchwachsen aus.

Zorcs Anfänge im Management waren schwierig. Vielen Beobachtern war er zu ruhig, zu zurückhaltend um in einem der größten Fußballvereine des Landes eine führende Rolle einnehmen zu können. Doch er hielt durch, erarbeitete sich ab 2005 stetig neue Kompetenzen und gewann zunehmend an Selbstsicherheit.

Dies steigerte sich noch mehr, als mit der Verpflichtung von Trainer Jürgen Klopp der sportliche Erfolg beim BVB heimisch wurde. Plötzlich galt der Klub als vorbildlich, Zorc glänzte mit einem angeblich goldenen Händchen bei Transfers. Von Shinji Kagawa über Nuri Sahin und Neven Subotic, die Dortmunder verpflichteten viele relative No-Names und machten sie zu international anerkannten und begehrten Stars.

Zugleich reifte der Verein vor gut zehn Jahren zu einem Titelanwärter, errang Meisterschaften, ergatterte Pokalsiege und zog sogar in das Champions League Finale 2013 ein. Der zu Beginn des Jahrtausends noch fast insolvente BVB war plötzlich eine ganz große Nummer. Auch dank seines Managers Michael Zorc, der durch viele glückliche Entscheidungen einen großen Anteil am Aufstieg und Erfolg der Westfalen hatte.

Doch irgendwann kippte das scheinbare Erfolgsmodell. Junge Talente, die sich in Schwarzgelb einen Namen machten, identifizierten sich nur noch selten mit dem Verein, wollten schon nach kurzer Zeit weiterziehen. Beispiele für diese Kategorie gab es zuletzt viele. Genannt seien hier nur Dembele und Aubameyang, die sich aus Dortmund fast schon wegstreikten. Aber auch bei den Fans noch immer deutlich beliebtere Akteure wie Sahin und Kagawa wollten irgendwann von Dortmund aus in die große, weite Fußball-Welt weiterziehen. Die Namen Pulisic und Sancho kommen einem als Dortmunder ebenfalls schnell in den Kopf, wenn es um allzu frühe Abgänge geht.

Fluktuation in einem Profi-Klub ist normal. In Dortmund schien sie zuletzt besonders krass auszufallen. Permanente Personaldiskussionen verleideten den Fans vielfach den Spaß an der Entwicklung ihrer Mannschaft.

Hinzu kamen in Zorcs Bilanz etliche Fehlgriffe. Mario Götzes Rückkehr aus München misslang sportlich ebenso, wie die Verpflichtung von Weltmeister Andre Schürrle. Das kostete den Verein, der Zorcs Wirken häufig große Gewinne zu verdanken hatte, auf der anderen Seite Millionen von Euros. Mag der Verein in Summe mit dieser Personalpolitik (in erster Linie finanziell) auch ordentlich gefahren sein, wirklich weitergebracht hat es den BVB in den vergangenen Jahren nicht (mehr).

Aktuell läuft es auch im Fall Erling Haaland auf eine schnelle Trennung im Sommer hinaus. Er wäre der nächste Spieler, der nicht allzu lange in Dortmund heimisch wurde, den ‚nächsten Schritt‘ gehen will, noch bevor er in Dortmund eine wirklich erfolgreiche Ära prägen konnte.

Das System, das Zorc in Dortmund in den vergangenen Jahren etabliert hat, es kommt offenkundig am Ende seiner Amtszeit an seine Grenzen. Einerseits mag das natürlich auch an den Erschwernissen durch Corona liegen, da die Pandemie große Löcher in die Kasse geschlagen hat, andererseits hat diese Politik der großen Talente-Jagd offenkundig aber eben auch dazu geführt, das die Mannschaft in Dortmund nicht mehr wirklich dauerhaft wachsen kann, so wie das noch unter Klopp zwischen 2008 und 2013 der Fall war.

Wird ein Spieler im Ruhrgebiet wirklich gut, ist er häufig schon wieder auf dem Absprung. Hält man es als Fußballfreund mit dem Verein und nicht mit einem einzelnen Spieler, ist das traurig mit anzusehen und macht es schwerer sich mit dem Team zu identifizieren. Und auch das fällt eben mit in den Verantwortungsbereich eines Michael Zorc. Keine wirklich schöne Erkenntnis.

Den hohen Grad an Identifikation mit dem BVB, den der Sportdirektor über Jahre hinweg selber vorzuweisen hatte, haben seine Spieler offenbar längst nicht mehr. Und in Dortmund betonen alle Verantwortlichen seit längerer Zeit, dass genau diese Art von Transferpolitik inzwischen die DNA des Klubs sei, ja sogar sein müsse. Als Fan muss einem das nicht gefallen!

 

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12 Kommentare

  1. #1 | Alex Radtke sagt am 16. Februar 2022 um 23:00 Uhr

    Das ist mir deutlich zu negativ. Erstmal muss man sagen, dass Michael Zorc mit seiner Transferpolitik uns als Nr. 2 in Deutschland etabliert hat.
    Die Tatsache, dass die besten Spieler ganz nach oben weiterziehen ist vollkommen normal.
    Und wenn man einen Pulisic, einen Sancho in der Jugend holt, und dann ziehen die für 60 Mio. Plus weiter, dann hat das nichts mit fehlender Identifikation zu tun.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 17. Februar 2022 um 13:21 Uhr

    @Alex Radtke: Natürlich ist die offenbar bei vielen Fans sinkende Identifikation mit der Mannschaft und dem Klub auch ein Ergebnis dieser Transferpolitik, die seit Jahren alle möglichen Talente aus aller Welt nach Dortmund holt, um sie dann wenige Jahre später wieder mit möglichst hohem Gewinn zu veräußern. Wie soll da denn so auch eine Identifikation der Spieler mit dem Verein entstehen? Da ist doch bei vielen Verpflichtungen schon völlig klar, dass der BVB da nur als Sprungbrett auf die ganz große Bühne dienen soll.

  3. #3 | Manni sagt am 17. Februar 2022 um 23:01 Uhr

    "Als Fan muss einem das nicht gefallen!"

    … un sach nich imma Rangers wenn de traurich biss.
    Otto hamma ja auch überstanden.

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  12. #12 | Kein glücklicher Abschied: Michael Zorc hinterlässt einen schwächelnden BVB | Ruhrbarone sagt am 14. Mai 2022 um 07:52 Uhr

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