Ausgerechnet der zuletzt glücklose BVB-Boss Aki Watzke soll jetzt einer der ‚Heilsbringer‘ für den DFB sein?

BVB-Boss Aki Watzke. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Die Bilanz des DFB bei der FIFA-Fußball-WM in Katar ist desaströs. Sportlich ist die Mannschaft bekanntlich schon in der Gruppenphase ausgeschieden, obwohl sie sich selbst im Vorfeld noch zu einem der Titelaspiranten erklärt hatte. Und auch die Funktionärsriege blamierte sich nach Strich und Faden. Genannt sei hier nur die unwürdige Debatte über die ‚One-love-Binde‘, bei der der Verband gegenüber der FIFA am Ende einknickte und dabei ein ziemlich erbärmliches Bild abgab.

Kein Wunder also, dass viele Fans im Nachhinein der Meinung waren, Deutschland hätte auf eine Teilnahme am seit Jahren umstrittenen Turnier in der Wüste wohl besser schon im Vorfeld komplett verzichten sollen. Dann wäre der Imageschaden auf allen Ebenen jetzt nicht so groß.

Nun gut, im Nachhinein erscheint es müßig darüber jetzt noch lange zu diskutieren. Wichtiger erscheint es in diesen Tagen den Blick nach vorne in Richtung Zukunft zu richten, um aus diesen bitteren Erlebnissen jetzt die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Dabei helfen soll nach übereinstimmenden Medienberichten in verantwortlicher Position offenbar auch BVB-Boss Hans-Joachim ‚Aki‘ Watzke, der bei der Neuausrichtung des DFB demnach ein entscheidendes Wörtchen mitreden soll. Das erstaunt, beweist der langjährige Hauptverantwortliche aus Dortmund doch immer wieder, dass er jetzt schon seit Jahren eher durch personelle Missgriffe und Fehlentscheidungen als durch ein besonders glückliches Händchen auffällt.

Die Verdienste von Aki Watzke in Dortmund sind unbestritten. Der Sauerländer rettete den BVB einst nicht nur vor dem finanziellen Kollaps, er half auch entscheidend bei der Sanierung und begleitete den Neuaufbau in der Phase danach unter Trainer Jürgen Klopp entscheidend mit. Die erfolgreichen Jahre zwischen 2011 und 2013 waren die Krönung seines Schaffens beim BVB. Zwei Deutsche Meisterschaften, DFB-Pokalsieger und die Teilnahme am Champions League-Finale 2013 waren Erfolge, die sich der Klub noch wenige Jahre zuvor nicht ernsthaft vorstellen konnte.

Watzke bewies in dieser Zeit, dass er einen Fußballklub nicht nur wirtschaftlich sanieren kann, sondern eine eher durchschnittliche Bundesligamannschaft auf der Funktionärsebene zu einer europäischen Top-Adresse machen kann. Als die Ära Klopp in Dortmund 2015 nach sieben Jahren endete, kam zugleich jedoch auch Watzke irgendwie mit ins Straucheln.

Mit Klopp-Nachfolger Thomas Tuchel überwarf er sich, dessen Nachfolger Peter Bosz, Peter Stöger, Lucien Favre und Marco Rose genügten ebenfalls (nicht lange) den gehobenen Ansprüchen in Dortmund. Watzke hatte sein glückliches Händchen in der Trainerfrage nach Klopp verloren.

Das galt auch für das Zusammenwirken mit Manager Michael Zorc, mit dem er den Klub gemeinsam zu einer Art Durchlauferhitzer für junge Talente machte. Der Abstand zu Ligaprimus Bayern München wuchs indessen. Der selbsternannte zweite Leuchtturm des deutschen Fußballs, er verlor mehr und mehr den Anschluss und musste sich in der Folgezeit mit den Emporkömmlingen von RB Leipzig um die Rolle als Nummer zwei im Lande balgen.

Aktuell trudeln die Schwarzgelben, die für ihre derzeitige Personalpolitik von vielen Seiten immer stärker kritisiert werden, in Richtung Mittelfeld der Bundesliga. In der WM-Pause liegt der BVB auf Rang sechs, weit entfernt von den Ansprüchen ein Bayern-Jäger zu sein. Die Aussagen des BVB-Bosses, da sein zu wollen, wenn die Bayern denn einmal schwächeln sollten, sie erweisen sich als Wunschdenken. Zu wenig konstant agiert die Mannschaft aus der Ruhrgebietsmetropole. Und auch wirtschaftlich hat sich der Abstand zu nationalen und europäischen Spitze zuletzt vergrößert und nicht verkleinert.

Und ausgerechnet dieser jetzt schon seit Jahren so ‚glücklose‘ Aki Watzke soll beim DFB jetzt einer der entscheidenden ‚Heilsbringer‘ für die strauchelnde Nationalmannschaft sein?

Da muss man sich schon sehr wundern, selbst als BVB-Fan…

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Walter Stach
Walter Stach
1 Monat zuvor

Robin,
mir ist es weiterhin „ziemlich“ egal, ob, wie und wann, z.B. durch einen „Heilsbringer“, der DFB es schaffen könnte, daß seine Auswahl wieder in dem Kreis der Weltklasse zugerechnet werden kann.

Im übrigen:
Ich habe mittlerweile einige WM-Spiele gesehen. Gutes, bis sehr gutes Niveau! Insofern freue ich mich als Fußball-Fan auf das was da noch kommen wird. Jedenfalls gibt es jetzt ansgtelle meiner „relative Gleichgültigkeit“ gegenüber der WM im allgemeinen, gegenüber der DFB-Auswah im besonderen, Interessse an den noch ausstehenden Spielen aufgrund des bisher von den noch verbliebenden Mannschaften gzeeigten Leistungen.

PS
Robin, als BVBer müssen wir nach der gestrigen Leistungen von Belingham noch mehr als bisher davon ausgehen, daß er „uns“ alsbald verlassen wird. Schade für uns, gut für ihn..

thomas weigle
thomas weigle
1 Monat zuvor

@Walter Stach,@ Robin Für mich waren die beiden letzten WM bestenfalls Nebensache,denn 2018 Pokalsieger,heuer EL-Sieger. Zwei wunderbare Fußballjahre und die dazwischen liegenden Jahre waren auch nicht schlecht für die SGE.
Tja,diesen Trost habt ihr beide leider nicht. Und ganz viele andere auch nicht.
Und das Zähneknirschen des Titans da unten im Süden wird sicherlich nicht nur in FFM mit Genugtuung registriert, denke ich mal.

Der DFB jedenfalls geht mir am Allerwertesten vorbei-mit einer Ausnahme. ich freue mich auf die Frauen-WM und die Spiele unserer Frauen.

Ich bin übrigens sicher, dass mit Trapp im Tor es besser gelaufen wäre. Der hat nun das ganze Jahr über sagenhafte Reflexe gezeigt, während Neuer beim Siegtor der Japaner eher schlecht ausgesehen hat.

Joe
Joe
1 Monat zuvor

Wenn Euch die Nationalmsnnschaft so am A… vorbeigeht, warum kommentiert ihr dann dauernd dazu? Nix los in den Veteinsforen?
Dieses Land könnte auf jeden Fall für die allgemeine Stimmung ein Sommermärchen in 2024 gut gebrauchen, damit endlich der Fußball einmal wieder das allgemeine gesellschaftliche Klima und den Zusammenhalt stärkt!
In den letzten Jahren war es eher umgekehrt, dass sich gesellschaftliche Konflikte in den Fußball verlagert haben und neben der Kommerzialisierung vielen den Spaß genommen haben (und das gilt nicht nur für die Nationalmannschaft…).

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[…] den Tagen danach rückte der Manager jedoch immer mehr in den Fokus der Diskussionen. Zuletzt war sogar öffentlich über seine Entmachtung spekuliert worden. Dieser kam Bierhoff nun […]

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