Trainer Thomas Tuchel (rechts) in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
„Kein Klub wird so kritisch gesehen wie wir“, beklagt BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer laut transfermarkt.de. Wirklich? Dass Borussia Dortmund im eigenen Umfeld besonders kritisch beäugt wird, dürfte stimmen. Dass die Verantwortlichen daraus offenbar ein besonderes Problem ableiten, ist allerdings bemerkenswert. Vielleicht sollten sie sich lieber fragen, warum das so ist.
Sebastian Kehl (links) und Niko Kovac stehen in Dortmund unter Erfolgsdruck. Foto: Robin Patzwaldt
Dass Menschen sich im Berufsalltag nicht immer gut verstehen, wissen wir alle. Dennoch ist die Trennung des BVB von seinem Technischen Direktor Sven Mislintat kein alltäglicher Vorgang. Der einst als „Diamantenauge“ bekannte Scout war der Borussia bereits seit seiner ersten Amtszeit in Dortmund bestens vertraut.
Damals geriet er mit Trainer Thomas Tuchel aneinander, der ihm sogar ein Hausverbot auf dem Trainingsgelände in Dortmund-Brakel erteilt haben soll. In der Folge suchte Mislintat sein Glück in der Ferne – mit wechselhaftem Erfolg. Beim VfB Stuttgart hatte er als Sportdirektor einige erfolgreiche Monate, bevor er auch dort im Unfrieden ging. Zuletzt sorgte er bei Ajax Amsterdam für Missstimmung. Dass der BVB ihn im vergangenen Sommer dann ins Ruhrgebiet zurückholte, war also selbst für Außenstehende damals schon ein riskantes Unterfangen.
Lange her: Ein entspannter Jürgen Klopp in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Meine einst innige Beziehung zum BVB steckt aktuell in der wohl größten Krise ihrer Geschichte. Seit ich Ende der 1970er-Jahre als Kind zum glühenden Anhänger der Schwarzgelben wurde, bestimmte das Team an vielen Wochenenden mein Leben. Ich hätte die Mannschaft, die damals häufig dem Tabellenende in der Fußball-Bundesliga näher war als dem oberen Drittel, gegen fast alles verteidigt.
Gewann der BVB sein Spiel, war mein Wochenende gerettet; verlor er, war es zumindest empfindlich gestört. Doch derzeit ist das anders. Am Freitag erwischte ich mich dabei, wie ich in der Endphase des Gastspiels bei Eintracht Frankfurt darauf hoffte, dass die Borussia jetzt nicht noch den Ausgleich erzielen möchte. Einfach nur, damit sich das Leiden nicht noch weiter in die Länge zieht, doch bitteschön möglichst kurzfristig ein paar personelle Veränderungen erfolgen mögen.
Ich hatte Glück, denn der BVB kassierte in der Nachspielzeit noch das 0:2 – die dritte Niederlage in Folge im Kalenderjahr 2025. Doch von der Qual, die ich seit einigen Wochen schon unter Cheftrainer Nuri Sahin empfinde, wenn ich an die Profikicker aus Dortmund denke, erlöste mich dieses Resultat immer noch nicht.
Am Stadion des BVB in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt
Noch stehen für den Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund vor dem offiziellen Jahresende einige Spiele an. Eines lässt sich jedoch bereits sagen: 2024 war für den BVB, trotz gegenteiliger Ankündigungen der Offiziellen, erneut ein verlorenes Jahr!
Das leere Stadion in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt
Lange hat der Zauber von Neu-Trainer Nuri Sahin beim BVB ja nicht angehalten. Nachdem die Borussia in der ersten Wochen der Saison schon nicht gerade geglänzt hatte, aber zumindest ungeschlagen durch das vergleichsweise leichte Startprogramm des neuen Fußballjahres kam, setzte es am Sonntag direkt bei der ersten namhafteren Hürde auch gleich die erste Niederlage. Und was für eine!
Mit 1:5 (0:2) war Dortmund gegen den VfB Stuttgart auswärts chancenlos und enttäuschte auf der ganzen Linie. Musste man für das Spiel beim Vizemeister im Vorfeld im Hinterkopf insgeheim vielleicht auch eine Niederlage einkalkulieren, kam diese in dieser Heftigkeit dann doch überraschend und wirft viele alte Fragen beim BVB auf. Was stimmt mit diesem Team nicht, dass es schon seit Jahren in unschöner Regelmäßigkeit solche bitteren Rückschläge setzt?
Die Trainersuche beim FC Bayern München verlief in den vergangenen Wochen und Monaten ungewöhnlich holprig, ja fast schon unprofessionell wirkend. Am Ende präsentierte der Rekordmeister mit Vincent Kompany jetzt einen Namen, den wohl noch vor Wochen niemand ernsthaft als Nachfolger von Thomas Tuchel in Erwägung gezogen hätte.
Muss das für die sportliche Zukunft des FC Bayern etwas Schlechtes bedeuten? Nein, natürlich nicht. Die Liste der Coaches, die überraschend erfolgreich in einem für sie neuen Klub gearbeitet haben ist lang. Und dennoch wirft die Entscheidung erst einmal kein gutes Licht auf den (ehemaligen) Vorzeigeklub der Republik: Die Bayern kochen aktuell offenkundig auch nur mit Wasser!
Etwas schade war es nur, dass diese Durststrecke gegen die Bayern für die Dortmunder ausgerechnet in dem Jahr zu Ende ging, als es sowohl für den FC Bayern als auch für den BVB beim Duell in der Allianz Arena im Titelrennen quasi um nichts mehr ging. Das war in den Vorjahren häufig anders. Gut für die Seele aller Borussen war der Sieg gegen den Rekordmeister jedoch allemal.
Sportlich läuft es beim FC Bayern München in diesen Tagen, trotz des Weiterkommens im Achtelfinale der UEFA Champions League gegen Lazio Rom am Dienstag, bekanntlich nicht wirklich rund. Und ob rein zufällig, oder auch nicht, mehren sich gerade in diesen Stunden in einer breiten Öffentlichkeit wieder einmal die Gerüchte und Spekulationen, die den Rekordmeister auf ein scheinbar altbekanntes Verhaltensmuster zurückgreifen lassen: An der Isar versucht man offenbar einmal mehr die erstarkte Konkurrenz nachhaltig sportlich zu schwächen und grundsätzlich zu verunsichern, indem man im anstehenden Saisonfinale versucht ihr die besten Kräfte zur neuen Spielzeit abspenstig zu machen.
Thomas Tuchel in seiner Zeit als BVB-Trainer. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Am heutigen Abend trifft der FC Bayern München im Rückspiel des Achtelfinales in der UEFA Champions League in der heimischen Arena auf Lazio Rom. Nach dem 0:1 im Hinspiel gilt es für den deutschen Rekordmeister dabei einen Sieg mit zwei Toren Vorsprung zu erzielen, wenn das frühzeitige Aus in diesem Wettbewerb denn noch verhindert werden soll.
Normalerweise wäre das für mich als bekennenden BVB-Fan ja eine willkommene Gelegenheit auf eine Blamage der Bayern zu hoffen. Heute ist das jedoch einmal anders. Ganz anders. Und dazu gibt es einen besonderen Grund.
Für den erfolgsverwöhnten FC Bayern München zu arbeiten, hat, trotz einer hohen Titelwahrscheinlichkeit, für das eigene Ego offenbar auch gewisse Nachteile. Das muss in diesen Tagen Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel feststellen. Nach der 0:1-Niederlage im Achtelfinal-Hinspiel der UEFA Champions League bei Lazio Rom am Mittwoch, sah sich der Coach unmittelbar nach spielende mit Fragen konfrontiert, die seine Eignung für den Job beim Bundesliga-Rekordmeister offen infrage stellten.
Tuchel reagierte, wie zuletzt häufiger, dünnhäutig und genervt. Mit Kritik umzugehen war allerdings auch noch nie die Stärke des Fußballehrers. Wenige Tage nach der 0:3-Pleite im Spitzenspiel bei Bayer 04 Leverkusen am Wochenende ist die Stimmung rund um das Starensemble von der Isar jetzt allerdings deutlich schlechter als es logisch nachvollziehbar wäre.
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