Tabuthema Transkinder: Aktivistische Blockade gegen Debatte

„TERFs Can Suck My Trans Dick“ (Deutsch: „Terfs können meinen Trans-Schwanz lutschen“), Plakat beim Christopher Street Day, Berlin 2023 Foto: Lucas Werkmeister Lizenz: CC BY 4.0

Beim IACAPAP-Kongress, der im Juli in Hamburg stattfindet, gerät ein lange tabuisiertes Thema in Bewegung: Die Fachwelt diskutiert offener über Zweifel an schneller Affirmation, Pubertätsblockern und Hormonen bei Minderjährigen, das heißt sogenannten Transkindern. Was bedeutet das für Praxis, Politik – und den Diskurs? Von unserem Gastautor Till Randolf Amelung

Seit vielen Jahren galt bei Kindern und Jugendlichen, die unter ihren biologischen Geschlechtsmerkmalen leiden, ein Ansatz als sakrosankt, der auf eine schnelle Bestätigung der Geschlechtsidentität und medizinischem Eingreifen mit Pubertätsblockern und gegengeschlechtlichen Hormonen setzte. Für ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen, die Zweifel daran hatten, ob damit wirklich allen dieser jungen PatientInnen geholfen ist, war es nahezu unmöglich, diese Gedanken in Fachkreisen und in Medien offen zu äußern, ohne als menschenfeindlich und transphob abgestempelt zu werden.

IACAPAP-Kongress und Transkinder

Doch nun scheint sich langsam ein Fenster zu öffnen und den autoritären Mief gegen frische Luft auszutauschen:  Ein Indiz dafür ist das Programm des diesjährigen Kongresses der International Association for Child and Adolescent Psychiatry and Allied Professions  (IACAPAP). Auf dieser Veranstaltung, die Anfang Juli in der Hansestadt Hamburg stattfinden wird, sind gleich mehrere Programmpunkte angekündigt, die sich mit aktuellen Fragen rund um Minderjährige mit Geschlechtsdysphorie beschäftigen. Zum Beispiel:

  • Exceptional uncertainty in the field of pediatric gender medicine
  • Legal aspects and gender dysphoria in children and adolescents
  • Psychotherapeutic approaches to youth gender distress
  • The U.S. debate on pediatric gender medicine: Evidence and ethics in the HHS review

Und das sind nicht die einzigen Panels. Zudem ist jedes der Panels zu Aspekten um Geschlechtsdysphorie mit namhaften ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen besetzt, die sich in den vergangenen sieben Jahren kritisch gegenüber schneller Affirmation der häufig selbstdiagnostizierten Geschlechtsdysphorien und Pubertätsblockern geäußert haben. Etwas, was es auf einer allgemeinen, großen medizinischen Fachtagung so geballt noch nicht gab, sondern nur, wenn eine thematisch einschlägige Organisation wie die Society for Evidence Based Gender Medicine (SEGM) der Veranstalter war.

Auffällig ist jedoch, dass sich bislang kein Panel von BefürworterInnen einer Pubertätsblockade im Programm findet. Man fragt sich: Woran liegt es? Wurde von ihnen nichts eingereicht oder nichts angenommen? Dabei waren es in den vergangenen Jahren vor allem die BefürworterInnen, die keinen Diskurs wollten. So zum Beispiel 2024 auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) in Rostock. Oder 2025, als eine SEGM-Konferenz in Berlin nur unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden konnte, weil Transaktivistas zu Störungen aufriefen und ihnen missliebige ÄrztInnen im Stil von Fahndungsplakaten an den Pranger stellten.

Aktivistische Blockade gegen Diskurs

Auch am vergangenen Wochenende wurde sichtbar, wie mühsam es ist, ideologisch begründete Abschottung zu durchbrechen: In den USA fand ein Kongress der Pediatric Academic Societies (PAS) statt, auf dem es ein Panel mit dem Thema „A Scientific Dialogue on the Care of Transgender and Gender Diverse Youth“ geben sollte – das einzige überhaupt zu dem Thema. Da mit dem Bioethiker Moti Gorin und der Psychotherapeutin Anna Hutchinson zwei KritikerInnen sprechen sollten, führte dieser Programmpunkt zu massivem Protest von Transaktivistas. Im Vorfeld wurden die Kongressveranstalter bedrängt, dieses Panel abzusagen. Am Veranstaltungstag selbst kam es zu Protesten vor dem Veranstaltungsort und zu Störungen während der Veranstaltung.

Dabei hat die Pädiaterin Hilary Cass, die 2020 damit beauftragt wurde, die Qualität und Sicherheit des Gender Identity Development Service (GIDS) im britischen Gesundheitssystem NHS zu untersuchen, die Unfähigkeit zum kritischen und sachlichen Fachdiskurs als einen der besonders eklatanten Mängel hervorgehoben – mit negativen Folgen für die PatientInnensicherheit. Cass selbst wird übrigens auch auf dem IACAPAP-Kongress in Hamburg als Keynote-Speakerin erwartet.

AfD fordert Moratorium für Pubertätsblocker

Unterdessen nutzt in Deutschland auf politischer Ebene wieder einmal die rechtspopulistische und in Teilen rechtsextreme AfD die Kontroverse um den richtigen Umgang mit geschlechtsdysphorischen Minderjährigen für ihre Zwecke. In einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung stellte die AfD 25 Fragen zum Kenntnisstand über Pubertätsblocker und Probleme rund um den gender-affirmativen Ansatz. In der Antwort der Bundesregierung wurde Nichtwissen deutlich und kein Bedarf an Eingriffen aus der Politik gesehen. Die AfD hingegen fordert ein sofortiges Moratorium für Pubertätsblocker und gegengeschlechtliche Hormone bei Minderjährigen.

Den PolitikerInnen der derzeit regierenden Koalition aus CDU und SPD sei dringend empfohlen, im Juli zum Kongress nach Hamburg zu reisen und sich dort von ExpertInnen aus erster Hand berichten zu lassen, wo die Probleme mit dem gender-affirmativen Ansatz liegen und um angemessene Konsequenzen zu ziehen. Das Thema ist zu ernst, um es Rechtspopulisten zu überlassen – es geht um die psychische und körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die keiner Ideologie geopfert werden darf.

Gerade die SPD ist in den vergangenen zehn Jahren sehr einseitig queer-aktivistisch beeinflusst worden und hat sich dies politisch bedauerlicherweise zu eigen gemacht. Möglicherweise hängen die immer mieser werdenden Wahlresultate der SPD, zuletzt in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, auch mit der sozialdemokratischen Heirat mit beinah jedwedem Aktivismus und eben auch der Transideologie zusammen.

Der Text erschien bereits auf QueerNations

 

 

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