SPD, Grüne und Linke verlassen X: Die größten Kritiker der Elche sind selber welche


Grüne, Linke und SPD verkündeten heute mit gleichlautenden Erklärungen, den Mikroblogging-Dienst X zu verlassen. Die Begründung ist erheiternd.

Die Accounts der Parteien und zahlreicher Politiker von Grünen, SPD und Linken auf X verkündeten heute in gleichlautenden Erklärungen: „X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht und informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen bespielen wir diesen Account nicht mehr.“

Nun ist dieses Blog erst seit September 2008 auf X, das damals noch Twitter hieß, präsent, aber chaotisch war es schon immer. Wir nutzen unseren X-Account wie unsere anderen Social-Media-Präsenzen auf Facebook, Instagram und LinkedIn seit jeher fast nur zur Verbreitung unserer Inhalte und beteiligen uns nur selten an Debatten. Dass X vor der Übernahme durch Elon Musk ein Diskursraum, auf dem Debatten auf höchstem Niveau geführt wurden, war, muss uns entgangen sein. Auf X war es immer laut und krachend: Nachdem wir auf den Hinweis, in einem unserer Texte hätten wir versehentlich von Transfrauen geschrieben, was ja falsch wäre, weil man Trans_Frauen schreiben müsse, da es ja Frauen seien, antworteten: Transfrauen seien Transfrauen und keine Frauen, erlebten wir einen mehrtätigen Shitstorm. Wir nahmen ihn, wie all die anderen Shitstorms, die wir seit 2008 erlebten, amüsiert und schulterzuckend zur Kenntnis.

Aber solche Vorfälle, an denen ja vor allem Accounts beteiligt waren, von denen viele Grünen, Linken und SPD nahestanden, meinen diese drei Parteien wohl eher nicht. Und zu Desinformation zählen sie gewiss nicht die Verbreitung anderer Legenden wie angeblich besonders hohe Gefährlichkeit von Kernkraft oder man könne ein Industrieland wie Deutschland nur mit erneuerbaren Energien versorgen. Unvergessen sind auch die vielen Tweets, in denen China als Vorbild für die Energiewende gepriesen und die Übernahme seiner autoritären Regierungsform gepriesen wurde. Die Klimakatastrophe mache das leider nötig.

Desinformation – das machten aus Sicht von Linken, SPD und Grünen immer die anderen. Sicher, die Accounts der AfD sind auch wahre Desinformationsschleudern, aber die rot-rot-grünen X-Aussteiger waren, was das betraf, auch nicht von schlechten Eltern. In Anlehnung an die Neue Frankfurter Schule muss man feststellen: Die größten Kritiker der Elche sind selber welche.

X ist in Deutschland mit geschätzt sieben Millionen regelmäßigen Usern kein großer Dienst. Es hatte hier nie die Bedeutung wie in den USA. Facebook und vor allem TikTok sind wichtiger. Dass SPD, Grüne und Linke sich jetzt zurückziehen, ist eine Mischung aus Diskursverweigerung und Überschätzung: Außer Journalisten werden ihnen nicht viele User zu den von ihnen bevorzugten Bullshit-Diensten wie Bluesky oder Mastodon folgen. Sie verlieren den Kontakt zu vielen Bürgern, die sich für Politik interessieren, allerdings auch mal widersprechen. Und sie glauben vielleicht sogar, X erschüttern und die Mediennutzung der Menschen ändern zu können. Das wird nicht passieren, sie werden nur an Reichweite verlieren. Aber das können sie verkraften: Sie haben ja mit ARD- und ZDF-Anstalten welche, die ihnen treu ergeben sind und Millionen erreichen.

 

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