Mirna Funk, die Kölner Comedia und das Problem mit unbequemen Wahrheiten

Mirna Funk Foto: Stephan Röhl Lizenz: CC BY-SA 2.0


Die Journalistin Mirna Funk sollte im Rahmen der Philosophieshow phil.Cologne im Kölner Comedia-Theater auftreten. Daraus wird nun nichts. Das Theater hat den Auftritt abgesagt, weil die Autorin nicht zum Verhaltenskodex der Bühne passe.

Am 12. Juni sollte die Journalistin Mirna Funk mit der Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner im Rahmen der phil.Cologne im Comedia-Theater in Köln über Körperbilder und weibliche Selbstbestimmung sprechen. Daraus wird nun nichts: Die Veranstaltung wird in der Lutherkirche in der Kölner Südstadt stattfinden, denn das Comedia-Theater will Funk nicht auf seiner Bühne sehen. Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte Manuel Moser, der künstlerische Leiter und zweite Geschäftsführer des Theaters, mehrere ihrer Äußerungen seien pauschalisierend und bestimmten Menschengruppen gegenüber diskriminierend. „Als Beispiel nannte Moser unter anderem eine ,Welt‘-Kolumne Funks vom 4. Dezember 2024, in der sie schrieb, dass ,die größte Gefahr für die jüdische Community aktuell von den in Deutschland lebenden Arabern, Türken‘ und deren Sympathisanten ausgehe.“

Werfen wir doch einen Blick auf das gesamte Zitat: 2024 explodierte die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Berlin. Der Überfall der Hamas auf Israel, bei dem 1200 Menschen massakriert und Hunderte entführt wurden, hatte nicht etwa zu einer Solidarisierung mit den Opfern geführt, sondern eine Welle des Juden- und Israelhasses ausgelöst, die bis heute anhält und deren Zentrum nach wie vor die Hauptstadt ist. Dass sich Juden nicht mehr wehrlos zeigen, ist in den Augen vieler offenbar unverzeihlich. In dem vom Comedia-Theater kritisierten Kommentar in der Welt schrieb Funk damals:

„Selbst ich habe jahrelang journalistisch versucht, zwischen migrantischem Antisemitismus und urdeutschem Antisemitismus zu unterscheiden. Ich habe Texte zu meinen positiven Erfahrungen mit palästinensischen Uber-Fahrern publiziert, habe in jedem Panel und bei jeder Lesung erklärt, dass die Deutschen keine Araber brauchten, um sechs Millionen Juden zu vernichten. Und dazu stehe ich auch weiterhin. Jetzt braucht es allerdings die Fähigkeit, zwei Dinge gleichzeitig zu denken. Eine intellektuelle Denkleistung, der sich die Pro-Pali-Bubble schon immer verweigert hat. Denn unabhängig von der Tatsache, dass die Deutschen keine Araber brauchten, um sechs Millionen Juden zu ermorden, kommt die größte Gefahr für die jüdische Community aktuell von den in Deutschland lebenden Arabern, Türken und ihren deutschen Warmduscher-Freunden, die sich im Zuge der BLM-Bewegung das Ziel gesetzt haben, die besten Allies aller Zeiten zu werden. ,By all means necessary.‘ Mit allen Mitteln sozusagen.“

Was der künstlerische Leiter des massiv mit Steuergeldern unterstützten Theaters als „pauschalisierend und bestimmten Menschengruppen gegenüber diskriminierend“ bezeichnet, ist nichts anderes als eine Beschreibung der Wirklichkeit durch eine in Berlin und Tel Aviv lebende jüdische Publizistin. Sie mag Manuel Moser nicht gefallen, ist aber belegt: Muslimische Hamas-Anhänger, unter ihnen wenig überraschend viele Türken und Araber, gehen gemeinsam mit deutschen Linksradikalen auf die Straße. Große Teile der Kulturszene unterstützen sie. Die Linkspartei hat aus Antisemitismus und Israelhass längst ein politisches Geschäftsmodell gemacht. Radikale Muslime und deutsche Nachwuchsstalinisten sind das neue Stimmvieh; die Partei bleibt ideologisch auf der Linie der SED, die schon zu DDR-Zeiten den palästinensischen Terror unterstützte.

Dass Moser das alles offenbar zu pauschalisierend und diskriminierend findet, hat mit einer in linken Kulturkreisen beliebten Verzerrung der Wirklichkeit zu tun. Nur durch beharrliche Ignoranz der Realität lässt sich der ideologische Rahmen aufrechterhalten, der für die Sicherung der eigenen Existenz so wichtig ist wie der staatliche Zuschuss. Funk spielte da nicht mit. Hätte sie gesagt, nicht Türken, Araber und deren deutsche Warmduscher-Freunde seien eine Gefahr für Juden, sondern Männer, hätte sie wohl in der Comedia auftreten können. Schon nach den von Nordafrikanern in der Silvesternacht 2015 begangenen sexuellen Übergriffen am Kölner Dom war es in diesem Milieu üblich, die Täter als Männer zu beschreiben und so zu tun, als ob Kultur, Herkunft und Religion als Hintergrund der Exzesse keine Rolle spielten. Aber Mirna Funk hatte in ihrem Kommentar ein Tabu gebrochen: Sie hatte die Wirklichkeit beschrieben.

 

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