Leute, es war Curaçao – und nicht Brasilien!

Fußball verkauft sich in diesen Tagen gut. Foto: Robin Patzwaldt

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist erfolgreich in die umstrittene Weltmeisterschaft 2026 gestartet. Mit einem deutlichen 7:1 gegen Curaçao hat die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann am Sonntag ihre Pflicht erfüllt und die ersten drei Punkte eingefahren.

Nach den bitteren Auftaktpleiten bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften war ein souveräner Start zweifellos wichtig. Doch was nach dem Schlusspfiff in Teilen der deutschen Medienlandschaft folgte, war einmal mehr ein Paradebeispiel für die chronische Übertreibung rund um die DFB-Elf.

Zwischen ersten Lobeshymnen, versteckten Titelprognosen und plötzlich wieder aufkeimender WM-Euphorie lohnt sich ein Blick auf die Fakten. Denn bei aller Freude über einen gelungenen Auftakt sollte eines nicht vergessen werden: Der Gegner hieß Curaçao.

Pflichtaufgabe erfüllt – mehr aber auch nicht

Natürlich kann Deutschland nichts dafür, gegen wen es zum Auftakt antreten muss. Die Aufgabe bestand darin, das erste Gruppenspiel zu gewinnen, Selbstvertrauen zu tanken und einen Fehlstart zu vermeiden. Genau das ist gelungen.

Felix Nmecha, Jamal Musiala, Kai Havertz und Co. zeigten phasenweise ansehnlichen Fußball, erspielten sich zahlreiche Chancen und schraubten das Ergebnis am Ende auf ein deutliches 7:1. Besonders Nathaniel Brown und Deniz Undav nutzten ihre Möglichkeiten und hinterließen einen starken Eindruck.

Doch die Leistung war keineswegs makellos. Nach der frühen Führung verlor Deutschland zeitweise die Kontrolle über das Spiel, leistete sich einfache Fehler und kassierte sogar den zwischenzeitlichen Ausgleich. Gegen einen deutlich stärkeren Gegner hätte diese Phase wesentlich schwerwiegendere Folgen haben können.

Die Dimensionen des Gegners werden ausgeblendet

Genau hier beginnt das Problem der öffentlichen Wahrnehmung. Viele Kommentare nach dem Spiel erweckten den Eindruck, Deutschland habe gerade einen Mitfavoriten auf den Titel deklassiert. Tatsächlich handelte es sich jedoch um Curaçao – einen WM-Debütanten aus der Karibik.

Die Insel zählt rund 160.000 Einwohner. Damit leben dort weniger Menschen als in vielen deutschen Großstädten. Um die Größenordnung zu verdeutlichen: Ein Vergleich mit einer Stadtauswahl aus Hagen (ca. 190.000 Einwohner) wäre von der Einwohnerzahl her sogar näher an der Realität als manche Darstellung, die man nach dem Spiel lesen oder hören konnte.

Natürlich verfügt Curaçao über einige talentierte Spieler, viele mit niederländischen Wurzeln. Dennoch gehört die Mannschaft objektiv betrachtet nicht zu den Nationen, an denen sich die tatsächliche Stärke eines WM-Kandidaten messen lässt.

Deutschlands wahre Bewährungsproben kommen erst noch

Wer aus diesem Spiel bereits Rückschlüsse auf die Titelchancen ziehen möchte, handelt voreilig. Die entscheidenden Prüfsteine liegen noch vor der deutschen Mannschaft.

Erst wenn Gegner wie Spanien, England, Frankreich, Argentinien oder Brasilien auf dem Platz stehen, wird sich zeigen, wie weit dieses Team tatsächlich ist. Gegen solche Mannschaften werden individuelle Fehler deutlich härter bestraft. Dort reicht es nicht, nach einem Gegentor einfach einen Gang höher zu schalten und das Spiel mit individueller Klasse zu entscheiden.

Die Weltmeisterschaft ist ein Marathon und kein Sprint. Ein überzeugender Auftakt kann hilfreich sein, sagt aber nur sehr wenig über den weiteren Turnierverlauf aus. Das haben zahlreiche Weltmeisterschaften der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen.

Die deutsche Euphoriefalle schnappt wieder zu

Besonders bemerkenswert ist, wie schnell in Deutschland regelmäßig Extreme entstehen. Nach schwachen Auftritten wird die Nationalmannschaft oft komplett abgeschrieben. Nach einem deutlichen Sieg gegen einen Außenseiter wird dagegen plötzlich wieder vom ganz großen Wurf gesprochen.

Diese Schwarz-Weiß-Betrachtung begleitet den deutschen Fußball seit Jahren. Dabei wäre etwas mehr Nüchternheit angebracht. Das 7:1 gegen Curaçao war ein guter Start, nicht mehr und nicht weniger. Es war ein Pflichtsieg gegen einen klar unterlegenen Gegner, der am Ende standesgemäß ausfiel.

Deshalb sollte die Devise nach diesem Auftakt lauten: freuen ja, abheben nein. Deutschland hat sein erstes Spiel gewonnen. Mehr nicht.

Oder anders gesagt: Leute, es war Curaçao. Und nicht Brasilien.

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