
Kaum gewinnt die deutsche Nationalmannschaft ihre ersten beiden Spiele bei der umstrittenen Weltmeisterschaft 2026, scheint in Deutschland wieder einmal jede Form der Bodenhaftung verloren zu gehen. Nach dem erwartbaren 7:1 gegen Curaçao folgte nun ein hart erkämpftes 2:1 gegen die Elfenbeinküste.
Natürlich darf man sich darüber freuen. Sechs Punkte, das vorzeitige Erreichen der K.-o.-Runde und eine deutlich bessere Stimmung als bei den vergangenen Turnieren sind positive Nachrichten. Doch wer das Spiel gegen die Elfenbeinküste nüchtern analysiert, erkennt schnell, dass Deutschland über weite Strecken alles andere als souverän auftrat. Die Mannschaft lag zurück, tat sich lange schwer, entwickelte kaum Durchschlagskraft und profitierte letztlich davon, dass die Ivorer in der Schlussphase nachließen. Der Siegtreffer fiel erst tief in der Nachspielzeit – ein Moment, der ebenso viel mit Moral wie mit einer Portion Glück zu tun hatte.
Aus einem solchen Spiel bereits wieder den Anspruch auf den WM-Titel oder die Rückkehr einer alten Fußballgroßmacht abzuleiten, ist typisch für die deutsche Fußballöffentlichkeit. Zwischen Weltmeister und Krisenfall scheint es hierzulande kaum noch Zwischentöne zu geben.
Undav liefert – aber die Vergleiche sind absurd
Noch befremdlicher als die allgemeine Euphorie ist allerdings die Personalisierung dieses Erfolgs auf Deniz Undav. Ja, der Stuttgarter hat bislang ein starkes Turnier gespielt. Drei Tore und zwei Vorlagen in zwei Einsätzen sprechen eine deutliche Sprache. Er hat als Joker genau das getan, wofür er eingewechselt wurde: Tore erzielt und Spiele entschieden. Daran gibt es nichts kleinzureden.
Problematisch wird es aber dort, wo aus einer Momentaufnahme plötzlich historische Vergleiche konstruiert werden. Plötzlich fällt der Name Gerd Müller. Andere sprechen bereits vom neuen Gesicht des deutschen Fußballs oder gar vom Heilsbringer der Nationalmannschaft. Genau an diesem Punkt verliert die Diskussion jede Verhältnismäßigkeit.
Undav hat gegen Curaçao und die Elfenbeinküste überzeugt – nicht gegen Argentinien, Frankreich oder Spanien. Er war bislang Einwechselspieler und profitiert dabei naturgemäß davon, gegen müde Gegner aufzulaufen. Selbst Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte genau diese Rolle lange als ideal für ihn beschrieben. Dass daraus innerhalb weniger Tage die Erzählung eines neuen deutschen Jahrhundertstürmers entsteht, wirkt reichlich überzogen.
Medien erschaffen Helden schneller denn je
Dabei passt Undavs Geschichte natürlich perfekt in die moderne Medienwelt. Der gelernte Maschinenführer, der sich über Meppen, Belgien und Brighton bis zum VfB Stuttgart hocharbeitete, ist eine außergewöhnliche Karriere.
Doch genau deshalb scheint inzwischen jede Kleinigkeit zu einer Heldengeschichte aufgeblasen zu werden. Seine Torjubel werden analysiert, seine Vorliebe für Döner oder Rap-Musik wird zum großen Persönlichkeitsporträt ausgeschlachtet, jede Geste erhält plötzlich symbolische Bedeutung.
Hinzu kommt die internationale Presse, die nach einem dramatischen Last-Minute-Sieg erwartungsgemäß mit großen Schlagzeilen arbeitet. Vom „deutschen Epos“ bis zum „Retter der deutschen Fußballnation“ reicht die Palette. Solche Überschriften gehören zum Geschäft. Wer daraus jedoch ernsthaft ableitet, Deutschland sei wieder eine überragende Fußballmacht oder Undav bereits eine Legende, verwechselt mediale Dramaturgie mit sportlicher Realität.
Die WM beginnt jetzt erst richtig
Gerade in einem Turnier ist es gefährlich, sich nach zwei Spielen in Selbstzufriedenheit zu verlieren. Deutschland hat seine Pflicht erfüllt und steht verdient in der K.-o.-Phase. Mehr allerdings auch nicht.
Die eigentlichen Prüfungen warten erst jetzt. Gegen Mannschaften aus der absoluten Weltspitze wird sich zeigen, wie belastbar dieses deutsche Team tatsächlich ist. Dort werden Fehler deutlich konsequenter bestraft als gegen Curaçao oder eine engagierte, aber keineswegs übermächtige Elfenbeinküste.
Und auch Deniz Undav wird sich dann erneut beweisen müssen. Vielleicht bestätigt er seinen Lauf und entwickelt sich tatsächlich zu einem der prägenden Spieler dieser Weltmeisterschaft. Vielleicht erlebt er aber auch ganz normale Spiele ohne Torerfolg. Beides gehört zum Fußball.
Gerade deshalb sollte man ihm keinen Gefallen tun, indem man ihn nach zwei starken Joker-Einsätzen bereits auf eine Stufe mit den größten deutschen Stürmern der Geschichte stellt. Gerd Müller hat über Jahre hinweg auf allerhöchstem Niveau Rekorde gebrochen und Weltmeisterschaften entschieden. Dennis Undav hat bislang ein sehr gutes Turnier begonnen. Das ist aller Ehren wert. Aber eben auch nicht mehr.
Vielleicht täte gerade dem deutschen Fußball eines gut: weniger Heldenverehrung nach zwei Spielen und mehr Gelassenheit. Denn wer jeden erfolgreichen Einwechselspieler sofort zum Nationalhelden erklärt, sorgt zwangsläufig dafür, dass derselbe Spieler beim ersten schwächeren Auftritt ebenso schnell wieder vom Sockel gestoßen wird. Genau diese Extreme haben den deutschen Fußball in den vergangenen Jahren oft begleitet – und selten haben sie ihm wirklich geholfen.
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Der Vergleich ist hanebüchen. Müller kam 64 aus Nördlingen, war noch keine 20 und machte in der Regionalliga Süd gleich über 30 Tore, wenn ich das recht erinnere, nur Ohlhauser war noch erfolgreicher. Bayern war in dieser Saison ne Tormaschine und gleich am ersten Spieltag wurde dem Aufsteiger aus Darmstadt gezeigt, wo der Hammer in dieser Saison hängt:10:0. Ich war eher zufällig und ungeplant vor Ort und habs mir angetan. Bin ja Hesse. Auch in seiner ersten BL-Saison traf Müller bereits zweistellig. Die ersten Müllertore in der DFB-ELF fielen im Frühjahr 67 in der Roten Erde, drei oder vier gegen, nun ja, Albanien, das dann dafür sorgte, dass die DFB-ELF in der Gruppenphase ausschied 0zu0 in Tirana. Ich meine, es war sein zweites Länderspiel da in Dortmund.
Tore in letzter Minute konnte Müller auch, jeweils das einzige Tor in den WM-Qualis gegen Zypern im DEZ. 68 auf Zypern und im Mai 69 in Nürnberg gegen Österreich.
Auf Zypern streikten seinerzeit die Rundfunktechniker und so kursierten an jenem Samstagabend zwei Ergebnisse 5zu2 und eben jenes 1zu0. Ein 1zu0 konnte ich mir nun so überhaupt nicht vorstellen….gegen Zypern, wo man drei Jahre zuvor locker 6zu0 gewonnen hatte, und damit die WM-Teilnahme 66 locker eintütete, wobei schon ein Unentschieden gereicht hätte. Die Rache war dann fürchterlich 12zu0 in Essen im Frühjahr 69.
Alles in Allem, davon ist Undav weit entfernt, obwohl auch er weiß, wo das Tor steht. Und das ist auf das Schärfste zu begrüßen. Bei Undav und den anderen migrantischen Kickern, stelle ich mir gerne vor, wie so mancher afd-depp vor der Glotze mit den Zähnen knirscht.
Vllt erinnert sich der eine oder andere noch an das npd-motto von 2006 „Weiß ist mehr als eine Farbe,“ wollte der einstige Chef- und und jetzige Ehrenfaschist gauland nicht neben einem Nachbarn wie Boateng leben?
[…] kann’s nicht, die Spieler können’s nicht, der DFB sowieso nicht. Ganz ehrlich: Diese permanente Aufregung geht mir inzwischen deutlich mehr auf die Nerven als die Niederlage […]
[…] wollende Torwartdiskussion um Manuel Neuer entwickelte sich zur unnötigen Dauerbaustelle. Die Diskussionen um Deniz Undav wirkten ebenso überflüssig wie viele Personalentscheidungen insgesamt. Ein klarer Plan? Kaum zu […]
[…] verschwanden kurz darauf wieder aus dem Kader und tauchten Monate später plötzlich erneut auf. Leistung schien oftmals nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Viel häufiger entstand der Eindruck, dass jede Länderspielpause ein neues Experimentierlabor […]