
Es gibt nur wenige Persönlichkeiten im deutschen Fußball, die derart polarisieren wie Uli Hoeneß. Für die einen ist er der Architekt des modernen FC Bayern München, für die anderen das Sinnbild von Arroganz, Doppelmoral und einer Selbstgefälligkeit, die den Rekordmeister seit Jahrzehnten begleitet.
Wer nicht mit den Bayern sympathisiert, findet in den Aussagen des Ehrenpräsidenten meist genügend Angriffsfläche. Doch manchmal gibt es diese seltenen Momente, in denen selbst eingefleischte Bayern-Kritiker anerkennen müssen: Diesmal hat Uli Hoeneß schlicht recht.
Seine scharfe Kritik an der laufenden Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko trifft einen Nerv. Und sie richtet sich gegen eine Entwicklung, die den Fußball seit Jahren immer weiter von seinen eigentlichen Wurzeln entfernt.
Ein Turnier für Wohlhabende statt für Fans
Wenn Hoeneß die Weltmeisterschaft als „Fiasko für den Fußball“ bezeichnet, dann ist das keineswegs bloße Polemik. Sein Hauptkritikpunkt sind die mittlerweile absurden Ticketpreise. Rund 2000 Dollar für eine Eintrittskarte mittlerer Kategorie beim Finale – eine Summe, die für den normalen Fußballfan schlicht unerreichbar ist.
Natürlich kostet ein sportliches Großereignis Geld. Doch die FIFA hat längst jede Bodenhaftung verloren. Fußball war immer der Sport der Arbeiter, der Familien und der Menschen, die Woche für Woche ihre Mannschaft unterstützen. Heute entwickelt sich eine Weltmeisterschaft immer mehr zu einem Prestige-Event für Geschäftsleute, Influencer und VIP-Gäste.
Dass ausgerechnet Uli Hoeneß diesen Kommerz kritisiert, wirkt auf den ersten Blick paradox. Schließlich hat auch der FC Bayern enorm von der wirtschaftlichen Entwicklung des Profifußballs profitiert. Doch gerade deshalb haben seine Worte Gewicht. Wenn selbst einer der größten Verfechter wirtschaftlichen Denkens im Fußball sagt, dass eine Grenze überschritten wurde, sollte das den Verantwortlichen zu denken geben.
Die FIFA verliert den Blick für den eigentlichen Fußball
Die Ticketpreise sind dabei nur ein Symptom eines viel größeren Problems. Seit Jahren scheint die FIFA jede Entscheidung ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu treffen.
Immer größere Turniere. Immer mehr Spiele. Immer neue Vermarktungsmöglichkeiten. Sponsorenevents, Hospitality-Angebote und Luxuspakete bestimmen zunehmend das Bild. Der eigentliche Fan wird zur Nebensache.
Schon bei der Vergabe der Weltmeisterschaften rückten sportliche Kriterien immer weiter in den Hintergrund. Katar war ein Paradebeispiel dafür. Nun präsentiert sich Nordamerika als gigantischer Markt, in dem Milliarden umgesetzt werden können.
Natürlich werden Stadien gefüllt sein. Natürlich werden Fernsehzuschauer weltweit einschalten. Doch Atmosphäre entsteht nicht durch teure Showelemente oder gigantische Werbebudgets. Atmosphäre entsteht durch Fans, die sich ein Ticket leisten können, ihre Mannschaft über Jahre begleiten und den Fußball leben.
Wenn diese Menschen außen vor bleiben, verliert der Sport ein Stück seiner Seele.
Der Fußball darf kein Super Bowl werden
Hoeneß warnte bereits vor Monaten davor, dass ein WM-Finale nicht zum Super Bowl werden dürfe. Genau diese Entwicklung zeichnet sich jedoch immer deutlicher ab.
Der amerikanische Sport lebt von einem anderen Geschäftsmodell. Dort gehören astronomische Ticketpreise, exklusive Logen und millionenschwere Hospitality-Angebote zum System. Fußball funktionierte jahrzehntelang anders. Er war bewusst niedrigschwelliger und näher an seinen Anhängern.
Natürlich wird niemand bestreiten, dass auch europäische Spitzenvereine inzwischen enorme Summen verlangen. Doch gerade deshalb wirken die vergleichsweise günstigen Dauerkarten beim FC Bayern fast schon wie ein Gegenmodell. Hoeneß hat dort stets argumentiert, dass sich auch ein Normalverdiener den Stadionbesuch leisten können müsse.
Genau diese Haltung fehlt der FIFA inzwischen vollständig. Leider!