
Schon als die FIFA die Aufstockung der Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 48 Teilnehmer beschloss, war die Kritik groß. Viele Experten, Fans und Beobachter warnten damals davor, dass die Qualität des Turniers leiden würde. Die FIFA ignorierte diese Bedenken weitgehend und verkaufte die Reform als Chance für mehr Nationen, mehr Vielfalt und mehr globale Aufmerksamkeit. Nach den ersten Tagen der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zeigt sich jedoch immer deutlicher: Die Kritiker hatten recht.
Mehr Teilnehmer bedeuten nicht automatisch mehr Fußballfest
Natürlich klingt die Idee zunächst verlockend. Mehr Länder dürfen teilnehmen, mehr Fans können von der großen Bühne träumen und mehr Geschichten werden erzählt. Doch eine Weltmeisterschaft lebt nicht allein von ihrer Größe. Sie lebt von Spannung, Qualität und sportlicher Relevanz.
Genau hier liegt das Problem. Durch die Aufstockung wurden zahlreiche Mannschaften ins Turnier gespült, die auf diesem Niveau schlicht nicht konkurrenzfähig oder zumindest nicht attraktiv genug sind, um eine Weltmeisterschaft zu bereichern. Das Ergebnis sind viele Begegnungen, die weder sportlich hochklassig noch emotional mitreißend sind.
Die FIFA hat die Quantität erhöht, aber die Qualität verwässert.
Ein Montag voller Spiele, die niemand vermisst hätte
Der gestrige Montag lieferte dafür die perfekte Demonstration. Spanien gegen Kap Verde endete 0:0. Belgien gewann mit 1:0 gegen Ägypten. Saudi-Arabien und Uruguay trennten sich 1:1. Iran und Neuseeland spielten 2:2.
Hand aufs Herz: Welches dieser Spiele hätte man unbedingt live sehen müssen?
Natürlich wird es Hardcore-Fans geben, die sich auch für solche Partien begeistern können. Und selbstverständlich haben auch kleinere Nationen das Recht, auf der größten Fußballbühne der Welt aufzutreten. Doch eine Weltmeisterschaft sollte mehr sein als eine Aneinanderreihung von Spielen, die man problemlos verpassen kann.
Wenn man am Ende eines langen Fußballtages feststellt, dass man keines dieser Spiele gesehen haben muss, dann läuft etwas grundlegend falsch. Früher waren WM-Spiele Ereignisse. Heute wirken viele Gruppenspiele wie bedeutungslose Pflichttermine in einem überladenen Kalender.
Leere Plätze und fehlende Atmosphäre
Besonders deutlich wird das Problem auch in den Stadien. Viele Partien entwickeln kaum Atmosphäre. Die Bilder von halbleeren Rängen und die teilweise erstaunlich geringe Begeisterung vor Ort sprechen eine deutliche Sprache.
Das liegt nicht nur an den großen Entfernungen innerhalb Nordamerikas oder an den hohen Ticketpreisen. Es liegt vor allem daran, dass zahlreiche Begegnungen schlicht keine Strahlkraft besitzen. Wer reist quer durch die USA, um ein Gruppenspiel zwischen zwei Mannschaften zu sehen, die kaum jemand als ernsthafte Titelkandidaten wahrnimmt?
Die FIFA wollte mehr Spiele verkaufen. Doch Fußball lebt von Emotionen und Begeisterung. Beides lässt sich nicht einfach durch zusätzliche Ansetzungen erzeugen.
Die eigentliche WM beginnt wohl erst mit der K.-o.-Phase
Nach den ersten Tagen drängt sich daher ein Eindruck auf: Die eigentliche Weltmeisterschaft beginnt erst mit den K.-o.-Spielen.
Erst dann steigt der Druck. Erst dann steht wirklich etwas auf dem Spiel. Erst dann treffen die großen Mannschaften regelmäßig auf Gegner, die ihnen auf Augenhöhe begegnen können. Die Gruppenphase wirkt dagegen zunehmend wie ein überlanger Vorspann, den man über sich ergehen lassen muss, bevor das eigentliche Turnier startet.