Auch polemische Fußballtexte rechtfertigen keine Bedrohungen

Fans in Gelsenkirchen. Archiv-Foto: Michael Kamps

Meine gute Freundin und Kollegin Elke Wittich hat am Sonntag in der taz einen Artikel über den Aufstieg von Schalke geschrieben. Sie stellte fest, dass in „der hässlichsten und ärmsten Stadt des Landes“ der Aufstieg von Schalke in die Bundesliga gefeiert wird, und fragte, ob man sich einfach mitfreuen sollte oder nicht. Mit Schalke sei es heute so, als ob man den alten Jugendschwarm wieder treffen würde, der eine ein bis zwei Nummern zu kleine Lederjacke trägt und immer noch „zum Bleistift“ sagt. Da würde man einfach weitergehen.

Über den Text kann man lachen, man kann sich darüber aufregen und man kann ihn kritisieren. Was man nicht kann, ist, die Autorin zu bedrohen, und genau das haben viele Kommentatoren in den sozialen Medien getan: Ein Reimund ließ wissen, dass, wenn man „Scheiß Schalke“ ruft, überall auf der Welt immer irgendjemand aufsteht und „dir aufs Maul“ haut. Ein Karsten riet ihr aus demselben Grund, sich nie mehr „im Pott blicken“ zu lassen. Denn klar, das könne ab jetzt gefährlich werden.

Solche Kommentare sind Grenzüberschreitungen, die mit berechtigter Kritik nichts zu tun haben. Sie sollen Angst verbreiten. Das ist im Fußball in allen Klassen nicht unüblich. Als ich in den 80er-Jahren bei den Ruhr Nachrichten in Dorsten ein Praktikum machte, war gerade der Sportreporter des Blattes bedroht worden, weil er in einem Artikel den Stürmer irgendeines Kreisligisten kritisiert hatte.

Doch was üblich ist, ist deswegen immer noch nicht in Ordnung. Und als gebürtiger Gelsenkirchener und Anhänger von Schalke 04 betrübt es mich zudem zu sehen, wenn Schalke-Fans sich so aufführen wie Borussen. Nur der S04!

 

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