Jung & Naiv – oder: Wenn nur noch Ablenkungsmanöver bleiben

Tilo Jung 2023 auf der Show Republica Foto: Jan Zappner Lizenz: CC BY-SA 2.0

Der Moderator des Interview-Formats Jung & Naiv. sieht sich wieder einmal mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert.

Das Schema der Diskreditierung und des Ablenkens versucht er aktuell in den sozialen Medien, wie die folgenden Screenshots zeigen:

 

Er behauptet aus dem Kontext gerissen worden zu sein oder das eben nur Medien, die seine Bubble als das Böse empfindet ihn kritisieren würden. Dass Kritik auch von anderen Medien und Personen kam, wird dabei natürlich geflissentlich außen vor gelassen, um das ganze als Kampagne von rechts hinzustellen – oder eben von Leuten attackiert zu werden, die ja eigentlich auf seiner Seite stehen müssten, aber ihm in den Rücken fallen (Igor Levit).

Zudem zitiert er ausgerechnet Ilka Quinau, die eben das sagt, was Israelhasser auch immer sagen, wenn sie für israelfeindliche Äußerungen kritisiert werden: Wenn man die Regierung kritisiert, dann würde inflationär der Antisemitismusbegriff genutzt. Frau Quinaus merkwürdige Vorstellungen von Antisemitismus wurden hier bereits thematisiert. Auch kein Wort dazu, wo der Vortrag stattfand, im Jüdischen Museum Berlin. Dieses wurde bereits mehrfach wegen seines Umgangs mit dem Thema Antisemitismus und seiner Auswahl von Referenten kritisiert. Das auch Frau Ilka Quinau ausgerechnet dort auftritt, ist wenig verwunderlich. Es wird deutlich: Das Video wird nur geteilt, um sich in Opferpose zu bringen: Seht her, ich Tilo Jung werde diffamiert, ich armes Opfer! Diese Farce ist so langweilig wie durchschaubar.

Ebenso will er über Ethnonationalismus reden. Dafür führt er Kenneth Roth an. Kenneth Roth erhebt seit Jahren schwerwiegende Vorwürfe gegen Israel und gehört zu den prominentesten Vertretern der Apartheid- und Genozidthese. Bereits 2021 erklärte Roth als damaliger Direktor von Human Rights Watch, Israel begehe die Verbrechen der Apartheid und Verfolgung. Dass Kenneth Roth seit Jahren massiv kritisiert wird, hindert Tilo Jung nicht daran, ihn als Autorität für seine Rechtfertigung heranzuziehen.

Israel ist ein multiethnischer und multireligiöser Staat. Rund 76,6 % der Bevölkerung sind Juden. Etwa 20,9 % sind arabische Israelis bzw. Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft. Innerhalb dieser Minderheit bilden Muslime mit rund 18 % der Gesamtbevölkerung die größte Gruppe, hinzu kommen etwa 2 % Christen und rund 1,6–2 % Drusen. Darüber hinaus leben in Israel kleinere Minderheiten wie Beduinen, Tscherkessen, Samaritaner, Bahai sowie Angehörige weiterer Religionsgemeinschaften. Arabisch besitzt neben Hebräisch einen besonderen gesetzlichen Status und Minderheiten sind in Parlament, Justiz, Hochschulen und dem Gesundheitswesen vertreten. All das passt nicht zu Definitionen von Ethnonationalismus und Apartheid. Also muss man auch das nicht durchgehen lassen. Im Gegenteil ist es klar zu benennen, dass es sich hier ganz klar um projektiven Antisemitismus handelt – und aus Sicht des Autors verkennt Jung Herr Jung, dass Falschbehauptungen nicht wahr werden, wenn vermeintliche Autoritäten sie ständig wiederholen. Diese reproduzieren selbst projektiven Antisemitismus, ob es ihm ins Weltbild passt oder nicht.

Nun ist Jung vertritt nicht nur immer wieder die Behauptung Israel, sei ein ethnonationalistischer Staat, er hält weiterhin am Genozidvorwurf fest. Wie Jung vollkommen fanatisch an der Genozidlüge festhält und dabei komplett übergriffig ist und dabei sogar bereit ist es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen, hat Tobias Huch bereits thematisiert, der diesen als Pro-Hamas Aktivist und Lügner einordnet. Auch U.M. ordnete die Sendung inhaltlich überzeugend ein.

Der Genozidvorwurf gegen Israel steht nicht isoliert, sondern wird von mehreren Antisemitismusforschern und Institutionen in die Tradition der historischen Ritualmordlegende (Blood Libel) eingeordnet. Die Anti-Defamation League (ADL) bewertet den pauschalen Genozidvorwurf gegen Israel als Form der Dämonisierung und weist darauf hin, dass der Begriff häufig ohne Erfüllung der völkerrechtlichen Voraussetzungen verwendet wird. Der Historiker Raphael Israeli beschreibt Genozid- und ähnliche Vernichtungsvorwürfe gegen Israel als moderne Ableger der mittelalterlichen Ritualmordlegende, die das historische Muster der Dämonisierung von Juden auf den jüdischen Staat übertragen. Auch der Soziologe David Hirsh bezeichnet die Behauptung, Israel begehe einen Genozid, ausdrücklich als moderne Form der Blood Libel, weil sie das traditionelle Motiv des vorsätzlich mordenden Juden auf den Staat Israel projiziere.

Nun ist Herr Jung nicht allein das Problem, denn er gehört einem Milieu an, dass sich für moralisch auf der richtigen Seite hält und ihm auch Legitimität zuspricht. Schaut man genau hin, findet sich dort ein wiederkehrendes Muster: Antisemitismus wird vor allem dann thematisiert, wenn er sich gegen andere politische Lager richten lässt. Geht es um antisemitische Narrative gegenüber Israel oder um problematische Aussagen aus dem eigenen politischen Umfeld, dominieren Relativierungen, Ausweichbewegungen oder der Verweis auf die israelische Regierung oder die Antisemitismuskeule gegen einen selbst. Diese Asymmetrie zieht sich wie ein roter Faden durch das beschriebene mediale und publizistische Umfeld. Wenn dies nicht geschieht, dann ist Schweigen die andere Option.

Jung ist zum Beispiel mit Georg Restle befreundet, jemand, der ebenfalls wegen antisemitischer Narrative in der Kritik steht. Ihm gegenüber durfte er sich auch als gefährlicher Investigativjournalist bezeichnen, der vom Mossad beobachtet wird (als hätte dieser nicht wichtigeres zu tun).

Auch Medien, die mal als Faktenchecker angefangen haben, meinen seine Videos teilen zu müssen. Besonders bemerkenswert, wenn es ausgerechnet das Video aus der Sendung ist, in der es zum Eklat kam, während man Jungs ganzen Behauptungen natürlich keinem Faktencheck unterzieht.

Dass in der kritisierten Sendung auch Ulrike Herrmann zu Gast war, die den Westend Verlag verließ, weil ein Buch von Julian Reichelt dort erschien. Dafür hatte sie all die Jahre davor kein Problem mit den Veröffentlichungen des Verlages. Sie verließ mit Hans Jessen die Sendung, weil ihr die Diskussion um den Genozid zu anstrengend ist. Sobald mal wirklich Haltung und Mut gefragt ist, sieht man da, wie dieses Milieu einknickt. Da kann man Albrecht von Lucke nicht genug danken, der Tilo Jung Gegenrede geliefert hat. Dass man in der Situation so vielen Nebelkerzen, Ablenkungsmanövern und Autoritätsargumenten es schwer hat, ist nachvollziehbar, man sollte aber eben Leuten wie Jung auch nicht auf Augenhöhe begegnen, schon das ist ein Fehler.

Tilo Jung und seine Bubble ist eben für Leute, die kritische Pose lieben, kritische Theorie aber hassen: USA böse, Politiker sind alle korrupt, faschistische Regime im Nahen Osten sind im Zweifelsfall besser als der Westen und Antisemiten das sind immer die anderen, Vorwürfe gegen einen selbst, sind nur Versuche Kritik an Israel abzuwenden und irgendwas mit Menschlichkeit ist wichtig und wenn man eben meint Israel stört das, was man mit Menschlichkeit meint wird man das ja wohl sagen dürfen, egal wie inhaltlich falsch es auch ist. Eben das, was Leute, die kritische Pose lieben, kritische Theorie aber hassen zu wissen glauben. Immerhin kann sich Tilo Jung sicher sein in so einem Milieu nicht kritisiert zu werden und für sein Gehabe vielleicht sogar noch Solidarität zu erfahren.

Autorenseite: Thomas Müller
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ACK
ACK
8 Tage vor

Guter Kommentar, recht so. Eine Anmerkung:

Am Ende kapriziert man sich hier auf Kritische Theorie – ist die wortwörtliche gemeint oder allgemeiner Provenienz? Sofern es die KT der Herren Adorno und Horkheimer und Co. sei, wird diese sicher unbekannt sein, ist die KT nach wie vor beackert von Spezialisten, sprich akademisch geschulten Mitmenschen.

Das schwächt m. E. die notwendige Kritik an Jung, weil eine Israelsolidarität, wie z. B. meine, nicht unabdingbar mit der KT verbunden sein muss, was mir manches Mal aufstößt, weil aus akademischen Kreisen sonach allein die Original-KT als das alleinige Instrument der Antisemitismusanamnese festgesetzt wird. Es wird teils so weit getrieben, dass Israel teils als das künftige Reich der emanzipierten Weltgesellschaft instrumentalisiert wird.

Wer diese Instrumentalisierung auch nur seicht kritisch andeutet, wird dann nicht selten in wenigen Sekunden selbst in die Nähe des Antisemitseins gerückt, was schiere Anmaßung ist – und hie und da ins Sektenhafte kollabiert.

TJ wird sicher Applaus bekommen – von der absl. Mehrheit der Landsleute und allen Deutschsprachigen, die den TJ kennen – ich pers. interessiere mich lässlich für diesen Herrn. Mich stört allein dessen Auftreten. Wie dem auch sei:

Er wird sich unschuldig wähnen, da er dem nationalen wie weltweiten Antisemitismus, der stets anwesend ist und nur darauf wartet, ausbrechen zu können, sollen und dürfen, das Wort redet.

Verachtenswert, leider aber Realität.

Zuletzt bearbeitet am 8 Tage vor von ACK
ACK
ACK
8 Tage vor
Tilo Jung
Gast
Tilo Jung
8 Tage vor

Warum sind die Screenshots von Instagram manipuliert? Die Storys von Samstag (1. August) wurden auf meinem persönlichen Kanal gepostet. Nicht von „Jung & Naiv“ inkl. ganz altem Logo. Was soll das?

In der MONITOR-Sendung mit Georg Restle soll ich gesagt haben, dass ich „vom Mossad beobachtet“ werde. Auch das ist eine astreine Lüge. Das wurde nie gesagt.

Strengt euch beim Lügen und Manipulieren doch etwas mehr an!

Thomas Müller
Mitglied
8 Tage vor

Lieber Herr Jung,

Die Screenshots sind aus der geteilten Story von Ihrem Facebookaccount Jung & Naiv. Wenn du Instagram Stories und die von Facebook nicht unterscheiden kannst, ist es dein Problem.
Da wurde sie 1:1 abfotografiert:
https://www.facebook.com/jungundnaiv

Wenn Sie sie nun die Aussage nicht 1:1 so getätigt haben wollen, was haben Sie denn dann?

– Erst was man alles angeblich nicht sagen darf (Besatzung)
– Dann das man den Juden erklären muss, wie sie sich zu benehmen haben und wir die Juden vor sich selbst schützen muss (ca. ab 47:05)
– dann nie wieder gegen Israel (50:00)
– In der Tagesschau wurden Dinge wegen bestimmter Mächte nicht gezeigt werden (54:14)
– Und stimmt: Du sagtest du stehst auf der Feindesliste der IDF (57:39), es war nicht, dass du vom Mossad beobachtet wurdest.

https://www.youtube.com/watch?v=p3iYofgXpi4

Ob die Aussage nun besser ist, das musst du natürlich selbst wissen. Eher zeigt es noch mehr, wie du unterwegs bist. Solche Feindeslisten wirst du aber sicher vorlegen können.

Dass das alles antisemitische Aussagen sind, das ist Fakt.

Schöne Grüße

Zuletzt bearbeitet am 8 Tage vor von Meldung
Tilo Jung
Gast
Tilo Jung
8 Tage vor

Müller

1) danke für die Klarstellung in Sachen Stories. Der verknüpfte uralte FB-Account macht Sinn. (Eine Quellenangabe unter den Screenshots hätte die Verwirrung erleichtert – da ich die Stories auf meinem eigenen Instakanal teilte.)
2) über euren perfiden Missbrauch des Antisemitismusvorwurf mit euch zu diskutieren, ist natürlich sinnlos. Ilka Quinau hat dazu alles im Jüdischen Musem Berlin (offenbar Brutstätte des Antisemitismus!!11) referiert. Aber da ihr euch noch nicht mal die Mühe macht zu recherchieren, helfe ich gerne in Sachen Feindesliste aus

https://x.com/aryeshalicar/status/1894732297460441412

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1189386.naher-osten-militaersprecher-shalicar-erstellt-mediale-feindesliste.html

Ihr könnt eure eigene Meinung haben, aber nicht eure eigenen Fakten.

Peter Pasetti
Peter Pasetti
8 Tage vor

@Tilo Jung: Selbst das ND kann nicht komplett lügen. Korrekterweise schreiben sie: „In seinen auf einem privaten Account geposteten Beiträgen … brandmarkte Shalicar dort …“ Es handelt sich also mitnichten um eine „Feindesliste des IDF“, sondern um eine private Meinung. Aber Sie werden sich trotzdem weiter sich als Opfer generieren, da habe ich keine Zweifel.

ACK
ACK
8 Tage vor

@TJ: Wer das ND und die „Junge Welt“ bemüht, bemüht Betonkopfkommunist*innen – gegendert werden muss ja unbedingt. ND: ehem. Zentralorgan (das Herz?) der SED. JW: Käseblatt der FDJ. Okay. Jeder sucht sich seine Freunde selbst aus.

Arnold Voss
Mitglied
8 Tage vor
Thomas Weigle
7 Tage vor

@ ACK Was hat dieser Vorgang in Singapur mit Antisemitismuswahn zu tun? Die wären auch sanktioniert worden, wenn sie SRG oder die Fahne mit den vielen Sternen gezeigt hätten, weil in Singapur generell es verboten ist, fremde Fahnen ohne Genehmigung zu zeigen.So jedenfalls habe ich den kurzen Artikel aus dem Hause Springer verstanden. Damit kein Missverständnis aufkommt,ein Verbot die besagte Fahne zu zeigen, stünde zumindest unserer Republik sehr gut zu Gesicht.

ACK
ACK
7 Tage vor

@TWeigle: Korrekt, das mit dem Allgemeinverbot in Singapur erfuhr ich (ebenso) via des Artikels. Nur frage ich mich – Ironie on –, weshalb die Band just DIESE Flagge hisste…. wieso nicht vom Nepal? Oder die Taiwans? Vatikanstadt? Oder: Israel? Andere Länder, andere Sitten, andere Gesetze. Im Prinzip ist’s okay, ein Gesetz zu haben, das das Flaggenzeigen auf der Bühne untersagt. In der Tat, könnte man hier in D übernehmen. Just nachgeschaut, das zu unserer Flagge:

https://www.protokoll-inland.de/Webs/PI/DE/themen/beflaggung/allgemeines/rechtsgrundlagen/rechtsgrundlagen-der-beflaggung-node.html

Das zu allen anderen:

https://www.bundestag.de/resource/blob/851338/653a196e240920333c393593af5359e5/WD-3-105-21-pdf-data.pdf

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