Macklemore, „Free Palestine“ und der Antisemitismus als Massenbewegung

Macklemore bei einem Konzert in Dortmund, 2016. Foto: Markus Felix / PushingPixels, CC BY-SA 3.0
Macklemore bei einem Konzert in Dortmund, 2016. Foto: Markus Felix / PushingPixels, CC BY-SA 3.0

Der US-Rapper Macklemore nutzte einen Auftritt im Rahmen von Ed Sheerans Loop-Tour für politische Botschaften und rief „Free Palestine“. Nachdem er aus dem US-Tourprogramm gestrichen wurde, sagten sämtliche anderen Supportacts ihre Teilnahme an den verbleibenden Konzerten ab. Ein Blick auf Macklemores Äußerungen und die Reaktionen der beteiligten Musiker wirft Fragen über den Umgang der Popmusik-Szene mit Antisemitismus und Israel auf.

Am 22. Juli 2025 kündigte der britische Singer-Songwriter Ed Sheeran die sogenannte Loop-Tour an. Es standen Konzerte in Neuseeland, Australien, der Dominikanischen Republik, Puerto Rico, Kolumbien, Peru, Ecuador, Guatemala, Costa Rica, den Vereinigten Staaten, Kanada, Chile, Paraguay, Argentinien, Brasilien und Mexiko auf dem Tourplan.

Als Supportacts wurden Aaron Rowe, Amble, BIIRD, Christian Meier, Dicapo, Ellie Banke, Homahlei, Lukas Graham, Mark Ambor, Mia Wray, Myles Smith, Sigrid, Vance Joy und Macklemore eingeladen.

Letzterer, ein amerikanischer Rapper, der mit bürgerlichem Namen Benjamin Hammond Haggerty heißt, sagte auf der Bühne im MetLife Stadium in New Jersey, dass er dieser Tour beigetreten sei, weil er auf großen Bühnen in Stadien in ganz Amerika stehen wollte, um zwei Worte zu sagen, die ihm sehr am Herzen lägen – „Free Palestine“.

Bevor er den nächsten Song performt, wirft er noch ein, dass die israelische Regierung zu kritisieren selbstredend kein Antisemitismus sei. Nachdem er Israel noch der Apartheid und des Genozids bezichtigt hat, singt er „Hind’s Hall“. In diesem Song geht es um die pro-„palästinensischen“ Besetzungen am Campus der Columbia University 2024 und die symbolische Umbenennung der sich dort befindlichen Hamilton Hall in „Hind’s Hall“, was an Hind Rajab erinnern soll, ein Mädchen, das bei Kampfhandlungen im Gazastreifen im Januar 2024 ums Leben kam. Die israelische Armee hat im August strafrechtliche Ermittlungen zum Fall eingeleitet.

In diesem Lied beruft sich Macklemore ausgerechnet auf die beiden US-amerikanischen Rapper Ice Cube und Eazy-E. Die beiden wurden als Teil der Combo „N.W.A.“ zu Stars. Ice Cube bekannte sich in den 1990er Jahren öffentlich zum Hassprediger Louis Farrakhan und der von ihm geführten Organisation „Nation of Islam“, deren antisemitische Positionen vielfach dokumentiert sind. 2020 teilte er antisemitische Tweets auf Twitter.

Wie ernst Macklemore die Trennung zwischen der israelischen Regierung und dem Judentum nimmt, stellte er 2014 unter Beweis, als er stereotypisch als Jude verkleidet auftrat und sogar eine überdimensionierte Hakennase angeklebt hatte. Natürlich sei er nur missverstanden worden und habe lediglich verschiedene Artikel aus einem Kostümladen kombiniert.

Im offiziellen Musikvideo zu Macklemores Song „Fucked Up“ ist ein Bild von einem jüdischen Jungen im Warschauer Ghetto, der die Hände erhoben hat, einer Aufnahme von einem „palästinensischen“ Kind in etwa dem gleichen Alter und derselben Körperhaltung gegenübergestellt. Es ist das alte Narrativ, Israel würde den „Palästinensern“ das antun, was die Nazis den Juden und damit auch den späteren Gründern des jüdischen Staates angetan haben. Eine unsägliche Verdrehung der Tatsachen und eine Verharmlosung des Nationalsozialismus dazu.

Als Reaktion auf Macklemores Auftritt bei der Loop-Tour in New Jersey verlangte die Non-Profit-Organisation „Israeli-American Council“, ihn aus dem Line-up der Tour zu entfernen. Daraufhin teilte die „Messina Touring Group“, die für die Promotion der Tournee zuständig ist, mit, dass sich mehrere Veranstaltungsorte weigern würden, Macklemore auftreten zu lassen. Aus diesem Grund sei der Rapper aus dem Programm der verbleibenden US-Konzerte entfernt worden.

Was dann passierte, zeigt, wie gleichgeschaltet die Popmusik-Szene ist. Alle anderen beteiligten Acts der Tour sagten ihre Teilnahme ab. Der irische Singer-Songwriter Aaron Rowe schloss einen Instagram-Post, in dem er dies mitteilte, mit den Worten „Free Palestine“. Auch andere Musiker wie Billie Eilishs Bruder Finneas O’Connell oder die Band „Beoga“ begründeten ihre Absage mit der Solidarität mit „Palästina“.

Natürlich ist davon auszugehen, dass die so um „Palästina“ Besorgten eigentlich keine Ahnung von dem haben, was sie da auf den Bühnen der Welt und in den sozialen Medien einem Millionenpublikum entgegenrufen. Vielmehr sollten sie verstanden haben, dass sich gewisse politische Positionen gut verkaufen und dass man mitmachen muss, um dazuzugehören und keine negativen Konsequenzen für Ungehorsam oder Abweichung befürchten zu müssen.

Eine vergleichbare antisemitische Massenbewegung dürfte wohl seit dem erzwungenen Ende des Nationalsozialismus im freien Westen nicht mehr existiert haben. Warum setzen die Musiker die Tour nicht einfach ohne Ed Sheeran fort? Ersatz sollte ja schnell gefunden sein. Auch ohne ihn könnte man die Tour nach dem Vorbild des „Band Aid“-Bandprojekts umgestalten. 1984 gründeten Bob Geldof und Midge Ure das Projekt, um Geld für die Opfer der Hungersnot in Äthiopien zu sammeln. Auf dem dazugehörigen Benefizkonzert „Live Aid“ traten 1985 Stars wie Freddie Mercury, Phil Collins, Paul Weller, Sting und viele weitere auf. Die „Loop-Tour Reloaded“ könnte gemeinsam ein paar Klassiker von pro-„palästinensischen“ Pionieren wie „Landser“ oder „Skrewdriver“ zum Besten geben und den Erlös an die Hamas spenden!

 

 

Autorenseite: Andreas Wolf
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