Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Thüringer Landtag spricht über Antisemitismus – und wird damit zur Zielscheibe der eigenen Genossen

Christian Schaft – Die Linke Thüringen (Foto: Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0)

Christian Schaft, Vorsitzender der Linksfraktion im Thüringer Landtag, räumt ein, dass seine Partei ein Antisemitismusproblem hat. „Palästina-Gliederungen“ der Partei Die Linke werfen ihm dafür vor, die eigenen Genossen zu verraten.

Der neue Angriff auf den Thüringer Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei zeigt, wie wenig die Partei bei ihren angeblichen Selbstverständlichkeiten zusammenfindet.

Das Eingeständnis wird zum Vorwurf

Der Hintergrund zum innerparteilichen Gegeneinander ist die aktuelle Krise der Linkspartei in Berlin. (Ruhrbarone: Die Linke Berlin: Gemeinsam. Gegeneinander.) Der Streit findet nun auch außerhalb Berlins seine Fortsetzung. Am 10. September 2026 veröffentlichten die Landesarbeitsgemeinschaften Palästinasolidarität aus Sachsen und Thüringen, die entsprechende Leipziger Arbeitsgemeinschaft und die Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität einen gemeinsamen Instagram-Beitrag. Seine Überschrift: „Parteischädigung im Prime-Time“.

Gemeint ist ein Auftritt von Christian Schaft (Die Linke) bei Markus Lanz.

In der Sendung vom 3. September 2026 hatte Lanz nach dem Antisemitismusproblem der Linken gefragt. Christian Schaft antwortete: „Ja, haben wir“. Er erklärte, die Partei müsse daran arbeiten, auch wenn das einen harten internen Kampf bedeute. Eine Woche später folgt die öffentliche Abrechnung aus den eigenen Reihen.

Der Instagram-Post spricht von einem „vollumfänglichen Ausverkauf“. Besonders bemerkenswert ist eine andere Passage: Schafts Hinweis auf Anträge „gegen jeden Antisemitismus“ wird als „eine Chiffre, um Kritik an Israel pauschal unmöglich zu machen“ abgetan. Schon der Anspruch von Schaft , Antisemitismus unabhängig von seiner politischen Herkunft zu bekämpfen, gerät hier unter Verdacht.

Die eigene Parteiführung hat das Problem längst benannt

Dabei hatte die Thüringer Landesführung der Linkspartei längst dieselbe grundsätzliche Feststellung getroffen. Am 17. Juni 2026 erklärten die Landesvorsitzenden Katja Maurer und Ralf Plötner, es gebe ein Antisemitismusproblem auch innerhalb ihrer Partei. Katja Maurer stellte ausdrücklich infrage, ob Mitglieder, die hinter den entsprechenden Beschlüssen zurückblieben, dort richtig seien.

Der Widerspruch verläuft also mitten durch die Linkspartei: Ihre Thüringer Spitze fordert Konsequenzen aus einem anerkannten Problem. Palästina-Arbeitsgemeinschaften attackieren den Fraktionschef, weil er es im Fernsehen bestätigt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft veröffentlicht den Angriff mit. Sie spricht damit allerdings nicht für die gesamte Bundespartei. Gerade diese gegensätzlichen Positionen machen den Vorgang politisch aufschlussreich.

Auch zum Berliner Richtungsstreit gibt es eine konkrete Verbindung: Christian Schaft ist Mitautor des am 13. Juni 2026 beschlossenen Diskussionspapiers zur Parlamentsarbeit, das wir im oben verlinkten Ruhrbarone-Beitrag besprochen haben. Es verteidigt eigenständige parlamentarische Arbeit gegen ihre Verengung auf Kampagnen und Parteiaufbau.

Nun wird dessen Mitautor auch beim Thema Antisemitismus zur Zielscheibe seiner „Genossen und Parteifreunde“.

Eine Partei kann solche Widersprüche demokratisch austragen. Schwierig wird es, wenn bereits das Benennen eines Problems als Schädigung der Partei gilt. Für diese Form der Geschlossenheit braucht es vor allem Schweigen. Wer den antisemitischen Spuk beenden will, müsste allerdings bei den Antisemiten anfangen. Stattdessen bekommen aber, aktuell, die Parteimitglieder Ärger, die das Problem offen ansprechen.


Ähnliche Beiträge im Blog:

Die Linke Berlin: Gemeinsam. Gegeneinander.

Die Linke Berlin: Die Selbstzerlegung braucht keine Bühne mehr

Autorenseite: Peter Ansmann
Diesen Artikel beobachten
Werbung

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x