Dortmund kann Stadtfest – und zwar ohne Eintrittskasse

Auf dem Lichterfest 2026 im Fredenbaumpark in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt

Manchmal muss man gar nicht weit fahren, um daran erinnert zu werden, wie unkompliziert ein schönes Stadtfest sein kann. Am vergangenen Wochenende war ich beim Lichterfest 2026 im Dortmunder Fredenbaumpark – und habe dort etwas erlebt, das mir nach den Erfahrungen beim Waltroper Parkfest fast schon wie aus einer anderen Welt vorkam: Ein Fest, bei dem der Besucher tatsächlich noch im Mittelpunkt steht.

Kein Eintritt. Keine Taschenkontrolle. Keine Leibesvisitation. Keine Stimmung nach dem Motto: Erst einmal ordentlich bezahlen, bevor der Spaß beginnen darf. Stattdessen strömten Familien mit Bollerwagen in den Park. Darin: Getränke, Essen und alles, was man für einen entspannten Abend mitbringen wollte. Und genau das fand ich ausgesprochen sympathisch.

Bollerwagen statt Eintrittskasse

Natürlich gab es im Fredenbaumpark auch zahlreiche Stände mit Speisen und Getränken. Niemand musste hungern oder verdursten. Wer wollte, konnte sich vor Ort etwas kaufen. Aber man musste es eben nicht.

Und genau darin liegt für mich ein wesentlicher Unterschied.

Die Menschen kamen nicht mit dem Gefühl, möglichst viel Geld ausgeben zu müssen, sondern um gemeinsam einen schönen Abend zu verbringen. Kinder liefen herum, Familien machten es sich gemütlich, irgendwo spielte Musik. Am Sonnensegel gab es ein Bühnenprogramm, dazu eine weitere Bühne und Livebands.

Natürlich gibt es größere und spektakulärere Veranstaltungen. Aber muss ein Stadtfest deshalb automatisch besser sein? Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, dass den Besuchern im Fredenbaumpark irgendetwas Entscheidendes fehlte.

Ein bisschen Ruhrgebiet zum Mitnehmen

Besonders gefallen hat mir diese Mischung aus organisiertem Fest und persönlicher Freiheit. Jeder konnte selbst entscheiden, wie er seinen Abend verbringen wollte. Picknickdecke ausrollen, mitgebrachte Getränke öffnen, etwas an einem Stand kaufen, Musik hören oder einfach den Kindern zuschauen.

Das fühlte sich für mich erstaunlich stark nach dem Ruhrgebiet an.

Vielleicht auch deshalb, weil ich mich an eine Zeit erinnere, in der das beim Parkfest in Waltrop ähnlich war. Als Jugendlicher bin ich mit einem Rucksack voller Bier in den Moselbachpark gegangen. Natürlich haben wir auch dort etwas gekauft. Aber wir konnten eben noch selbst bestimmen, wie viel wir ausgeben wollten.

Heute kostet das Parkfest 21 Euro Tageseintritt. Dazu kommen die Preise auf dem Gelände und ein deutlich stärker abgeschotteter Charakter. Im Fredenbaumpark habe ich dagegen erlebt, wie angenehm es sein kann, wenn ein Stadtfest nicht zuerst als kommerzielles Produkt gedacht wird.

Weniger Kommerz, mehr Fest

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Erkenntnis dieses Wochenendes: Ein Fest wird nicht automatisch besser, nur weil es größer, teurer und aufwendiger ist.

Das Lichterfest musste sich nicht hinter einem riesigen Angebot verstecken. Es funktionierte über Atmosphäre. Über Menschen. Über Musik. Über Familien, die ihren eigenen Proviant mitbrachten. Und über die Möglichkeit, einfach hinzugehen, ohne vorher 21 Euro Eintritt bezahlen zu müssen.

Selbst das Wetterrisiko scheint man dort sportlicher zu nehmen. Nachdem das Lichterfest im vergangenen Jahr wegen einer Unwetterwarnung vorzeitig beendet werden musste, fand es 2026 trotzdem wieder statt.

Ich bin jedenfalls mit einem ziemlich guten Gefühl aus dem Fredenbaumpark nach Hause gegangen. Nicht, weil dort alles größer oder spektakulärer gewesen wäre als anderswo. Sondern weil es sich angenehm normal angefühlt hat.

Vielleicht ist das heute schon fast etwas Besonderes.

Ein Stadtfest, bei dem man einfach kommen darf, seinen Bollerwagen mitbringt und einen schönen Abend hat. Kostenlos. Ungezwungen. Und ohne das Gefühl, zuerst einmal möglichst tief ins Portemonnaie greifen zu müssen.

Mehr Ruhrgebiet braucht es manchmal gar nicht.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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