
Wer in Essen eine Verteidigungsmesse veranstaltet, bekommt von der Linksfraktion im Essener Stadtrat erst einmal die Geschichte der NS-Rüstungsindustrie erklärt.
Krupp, Zwangsarbeit, Bombenkrieg. Alles gehört zur Geschichte dieser Stadt.
Nur beantwortet es noch nicht die Frage, wie sich eine angegriffene Demokratie heute verteidigen soll.
Angriffs- oder abwehrbereit?
Die Rüstung für Hitlers Angriffs- und Vernichtungskrieg ist zu verurteilen. Die Ausbeutung von Zwangsarbeitern ein Verbrechen. Da hat die Linkspartei Essen natürlich komplett Recht.
Nur macht es einen fundamentalen Unterschied, ob ein totalitäres Regime nach Weltherrschaft strebt oder eine Demokratie nach Jahrzehnten der Einsparungen ihre Verteidigungsfähigkeit wiederherstellt.
Wer beides unter „Aufrüstung“ abheftet, hat aus der Geschichte vor allem die Unterschiede entfernt.
Die Geschichte muss für die Absage reichen
Vom 22. bis 25. September 2026 findet in Essen die EURO DEFENCE EXPO statt. Die Essener Linksfraktion lehnt die Messe ab und unterstützt friedlichen Protest dagegen.
In ihrer Erklärung vom 4. September 2026 erinnert sie an Essens Rolle in der NS-Kriegswirtschaft, an ausgebeutete Zwangsarbeiter und die Zerstörung der Stadt. Co-Fraktionsvorsitzender Eliseo Maugeri erklärt: „Sicherheit entsteht nicht durch Wettrüsten, sondern durch internationale Zusammenarbeit, soziale Sicherheit und Abrüstung.“

Zusammenarbeit wäre schön. Sie funktioniert nur schlecht, wenn der andere gerade in einen anderen Staat einmarschiert ist (Ukraine) und einen hybriden Krieg gegen den Westen, auch gegen die Bundesrepublik, führt.
An der Rüstungsindustrie gibt es genug zu kontrollieren: Exporte, Empfängerländer, Preise, politische Einflussnahme. Daraus folgt aber kein vernünftiger Grund, eine gesamte Verteidigungsmesse abzulehnen. Die Erklärung der Fraktion liefert auch keinen Maßstab, mit dem sie Waffen für einen Angriffskrieg von Mitteln zur Verteidigung unterscheiden würde.

Der historische Rückgriff macht diese Lücke nicht kleiner. Das NS-Regime wurde militärisch besiegt, nicht durch einen gewaltfreien Stuhlkreis mit Hafermilch und Redeliste.
Auch das gehört zur Geschichte, aus der die Essener Genossen ihre Lehren ziehen wollen.
In Osnabrück geht es um Arbeit und Luftverteidigung
Wie wenig das pauschale Gerede über Rüstung erklärt, zeigt der jüngste Streit um das VW-Werk in Osnabrück. IG Metall und Betriebsrat begrüßen eine Anschlussperspektive für die Beschäftigten. Linke-Palästina-Gliederungen beteiligten sich dagegen an einer Kampagne mit blutendem VW-Logo.
Laut Volkswagen-Mitteilung vom 7. September 2026 wird mit Rafael die Fertigung von Systemen und Komponenten für die Luftverteidigung Deutschlands und Europas geplant. Noch ist das keine laufende Produktion. Es ist eine Perspektive für einen Industriestandort und für den Schutz vor Angriffen.
Die Essener Fraktion ist nicht die Urheberin dieser VW-Kampagne. Das Beispiel zeigt aber, warum man genauer hinsehen muss: Was wird gebaut, für wen und zu welchem Zweck?
Die Abwehr einer Rakete lässt sich nicht sinnvoll beurteilen, indem man nur das Wort Rüstungsindustrie möglichst angewidert ausspricht. Für Menschen unter Beschuss macht es einen ziemlich großen Unterschied, ob die Abwehr funktioniert.
Essens Linke will aus der Geschichte lernen. Dann sollte sie offenabr noch einmal darüber nachdenken, weshalb auch friedliche Gesellschaften Mittel brauchen, um sich gegen ihre Feinde zu behaupten.
Die Absage an eine Messe wird diese Arbeit kaum übernehmen.
Einloggen, um Themen zu beobachten. Einloggen
Die Aufrüstung ist ohnehin reine Verarsche. Wie viel von dem Sondervermögen für die Bundeswehr ist mittlerweile in undurchschaubaren Kanälen verschwunden oder für Verwaltungsbeamte und Berater draufgegangen?
Ganz abgesehen davon sind Waffen wie Panzer heutzutage überflüssige, überteuerte, nicht mehr zeitgemäße Waffen.
Auch wenn ich die Taliban nicht mag; wie haben sie denn die Sowjetunion und die USA in Afghanistan besiegt?
Durch Partisanenkampf. Und dadurch, dass der Krieg für die Besatzer irgendwann so teuer war, dass sie entnervt abgezogen sind. So müsste Deutschland im Ernstfall ebenfalls verteidigt werden; durch eine Partisanenarmee, die aus dem Untergrund heraus gegen die Besatzer zuschlägt und denen enorme finanzielle Kosten verursacht.
Über überteuerte Beschaffung und unnötige Bürokratie kann man gern streiten. Für die Behauptung, das Sondervermögen sei in dunklen Kanälen verschwunden, hätte ich aber schon gern Belege.
Genau um diesen Unterschied ging es auch in diesem Ruhrbarone-Beitrag zur Rüstungsdebatte beim BSW: Schularick fordert, das Geld wirksamer einzusetzen, etwa für Drohnen und moderne Technik. Daraus wird kein Argument gegen Verteidigungsfähigkeit. Und Panzer sind nicht automatisch nutzlos, weil es inzwischen Drohnen gibt. Entscheidend ist, wie die Systeme zusammenwirken.
Zu Afghanistan: Gegen die Sowjetunion kämpften die Mudschaheddin, mit erheblicher Unterstützung aus dem Ausland. Die Sowjets zogen 1989 ab, die Taliban entstanden erst 1994. Ja, ein langwieriger Aufstand kann eine militärisch überlegene Macht zum Rückzug bewegen. Dass das gelingt, ist aber keineswegs garantiert.
Vor allem wird dabei ausgeblendet, was dieser Vorschlag für die Menschen hier bedeuten würde: erst besetzt werden, dann womöglich jahrelang im eigenen Land Krieg führen. Mit zerstörten Städten, Toten und einer Bevölkerung, die der Besatzungsmacht ausgeliefert ist. Du rechnest die Kosten für den Besatzer vor. Was es die eigene Bevölkerung kostet, fehlt.
Widerstand kann unter solchen Umständen notwendig sein. Als Ersatz für eine funktionierende Verteidigung überzeugt mich das überhaupt nicht. Ich möchte eine Besetzung möglichst verhindern – und nicht darauf hoffen, dass die Besatzer irgendwann genug haben.
„Auch wenn ich die Taliban nicht mag; wie haben sie denn die Sowjetunion und die USA in Afghanistan besiegt? Durch Partisanenkampf.“
Wie von Herrn Ansmann schon angemerkt, die Taliban sind als solche erst 1994 aufgetreten. Dabei darf man nicht vergessen zu erwähnen, dass hier Pakistan eine wesentliche Rolle dabei gespielt hat, diese Gruppe groß werden zu lassen. Ebenfalls hat hier Saudi-Arabien mit Geld und Ausrüstung die Finger im Spiel gehabt. Lange Rede, kurzer Sinn: Eine einfache Verkürzung der geschichtlichen Sachlage führt zu falschen Legenden.
Weitere Ergänzung zu Peter Ansmann:
Wesentliche Faktoren für den Afghanistankrieg waren außerdem das Relief der Landschaft: Gebirge erschweren den Einsatz moderner Aufklärung und Waffen. Dazu kommt, dass die Grenze nach Pakistan, ein Relikt aus der britischen Kolonialzeit, keine Volksgrenze ist: Für die afghanischen Partisanen war der paschtunische Teil Pakistans immer ein natürliches Rückzugsgebiet, in dem eine weitere Bekämpfung in ihren politischen Folgen schwer einzuschätzen war: Pakistan hat ein politisch sehr starkes Militär mit einer Führung, die z.T. islamistisch ist. Und bei aller gebotenen Kritik an der amerikanischen Kriegspolitik ist außerdem festzuhalten, dass die Amerikaner doch mehr Wert auf die Vermeidung von „Lateralschäden“ in der Zivilbevölkerung legen als die Russen, die im Zweifelsfall ein Land einfach plattbomben.
Wir sollten dabei auch im Gedächtnis behalten, wie die Russen, die sind es ja, die die Herrschaft über Europa einfordern, sich in den Beispielen der jüngeren Geschichte, Tschetschenien und der Ukraine, beim Besetzen bzw. dem Versuch dazu, benommen haben, bzw. benehmen. Die Ukraine wurde sehr wahrscheinlich überfallen, weil die Information über die Unterstützung von außen und die letztendliche Wehrhaftigkeit unklar war. Wir sollten unsere Wehrhaftigkeit sehr demonstrativ so einrichten, dass klar ist, dass auch der Versuch einer Besetzung zu teuer ist.
OB Mudschis oder Talis ist doch eigentlich egal, beide eingeschworene Feinde unserer Lebensweise. Dass die CIA und der Westen in Sachen Mudschis dennoch zum Sieg der Mudschis beigetragen haben, wird hier nicht erwähnt. Ich erinnere noch sehr gut bspw. dass ein gewisser Totenhöfer seinerzeit am Khyberpass mit einer MG, wohl einer Kalaschnikoff posierte, und die us-amerikanische Unterstützung der Mudschis durchaus Thema immer wieder in den hiesigen Medien war. Jaja, der Feind meines Feindes…