
Wer in Hamburg übt, bei einem Stromausfall handlungsfähig zu bleiben, bekommt Ärger mit der Berliner LAG Palästinasolidarität der SED-Nachfolgepartei Die Linke. Die Arbeitsgemeinschaft der Linkspartei veröffentlicht einen Aufruf mit, der selbst diese Vorsorge zur Kriegspropaganda erklärt.
Kriegspropaganda aus der Steckdose
Am 12. September 2026 erschien auf Instagram ein Aufruf des Bündnisses „Waffenlieferungen Stoppen Hamburg“ zu einem „Anti-Genocide-Run“. Die Berliner LAG gehört zu den sechs Mitautoren. Die Aktion am 24. September 2026 soll unter anderem an Hapag-Lloyd, dem Rathaus und der Handelskammer vorbeiführen.
Die politische Marschrichtung steht fest: Israel wird als „Terrorstaat“ bezeichnet. Zugleich behauptet der Text, eine „Weltkriegseskalation gegen Russland“ werde vorbereitet. Russlands eigener Angriffskrieg gegen die Ukraine kommt in dieser Anklage gegen den Westen nicht vor.
Besonders verdächtig macht sich die Handelskammer. Sie organisiert die Stromausfallübung „Red Storm Business“. Laut Aufruf geschieht das, „um Angst zu schüren und die Kriegspropaganda bis an den Arbeitsplatz durchzusetzen“.
Aufruf, Begleittext und Mitautoren des Instagram-Beitrags vom 12. September 2026 (Screenshots: Instagram). Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.
Die LAG und das extremistische Milieu
Die Berliner Arbeitsgemeinschaft bringt eine politische Vorgeschichte mit. Am 19. August 2026 veröffentlichte sie mit der Linksjugend Südberlin und dem Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee (VPNK) einen gemeinsamen Demonstrationsaufruf. Der Berliner Verfassungsschutzbericht 2025 ( Seite 63), beschreibt die enge Zusammenarbeit von Hamas- und PFLP-Anhängern unter dem Dach des VPNK. Bei dessen Veranstaltungen seien wiederholt antisemitische Aussagen und Rechtfertigungen des Terrors vom 7. Oktober 2023 gefallen. Der Bericht hält zugleich fest, dass das VPNK öffentlich zu einem störungs- und gewaltfreien Verlauf aufrief. Die Behördenaussagen betreffen das VPNK und sein Umfeld.
Die LAG setzt allerdings auch eigene Zeichen. Wie die Ruhrbarone am 1. September 2026 anhand der Like-Liste dokumentierten, markierte ihr Instagram-Konto den Kommentar „Volle Solidarität! Intifada nach Berlin holen“ mit „Gefällt mir“. Der Kommentar stammt von einem anderen Nutzer. Das digitale Herzchen kam von der Arbeitsgemeinschaft. Wer Distanz zu diesem Radikalismus sucht, findet hier Beifall.
Auch für die Interessen von Beschäftigten hat dieser Aktivismus Folgen. Bei der Kampagne gegen die geplante Zusammenarbeit von VW und Rafael in Osnabrück trat die Berliner LAG gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft als Mitverfasserin auf. IG Metall und Betriebsrat begrüßten die Perspektive für den Standort. Die Kampagne zeigte ein blutendes VW-Logo vor Trümmern. Dabei wird laut Volkswagen eine Fertigung für die Luftverteidigung Deutschlands und Europas geprüft. Die Beschäftigten brauchen Anschlussarbeit. Die Genossen liefern Empörung.
Vorsorge unter Verdacht
Was angekündigt ist, klingt erheblich weniger dramatisch. Nach den Angaben der Handelskammer Hamburg sollen Unternehmen am 24. September 2026 einen Stromausfall im eigenen Betrieb durchspielen. Dabei geht es darum, Abläufe zu prüfen, Schwachstellen zu erkennen und die Handlungsfähigkeit zu erhalten. Die Teilnahme ist freiwillig. Für die Beschäftigten sind funktionierende Abläufe im Ernstfall durchaus von Bedeutng.
Die Verbindung zur Landes- und Bündnisverteidigung ist dabei ausdrücklich Teil des Konzepts. „Red Storm Business“ findet im Umfeld der zivil-militärischen Übung „Red Storm Charlie“ statt. Bei dieser trainieren Bundeswehr, Behörden, Hilfsorganisationen und Unternehmen vom 24. bis 26. September 2026 ihre Zusammenarbeit. Dazu gehört die Verlegung von Truppen und Material an die NATO-Ostflanke.
Für die betriebliche Stromausfallübung stellt die Bundeswehr allerdings ausdrücklich klar: Sie ist weder an derJaen Organisation beteiligt noch nimmt sie daran teil.
Die Mobilisierung gegen die Hamburger Übung läuft schon länger. Bereits am 16. August 2026 berichteten die Ruhrbarone über einen gemeinsamen Aufruf der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität zu Aktionstagen mit „Rheinmetall Entwaffnen“. Das Bündnis kündigte auf seiner eigenen Seite an: „Wir sabotieren!“ Die BAG kommentierte den Instagram-Aufruf mit „Das wird so geil!!!!“. Hier geht es um die Bundesarbeitsgemeinschaft, nicht um die Berliner LAG. Eine konkrete illegale Sabotageplanung der BAG ist damit nicht belegt. Ihre Werbung für diese Aktionstage und ihr öffentlicher Beifall sind es.
Die Genossen können diesen Zusammenhang kritisieren. Sie müssten nur erklären, weshalb aus der Vorbereitung auf eine Notlage der Wille zum Krieg folgen soll. Diesen Sprung ersetzt der Aufruf durch Beschuldigungen.
Verteidigung hat einen Grund
Russland führt seit 2014 Krieg gegen die Ukraine und begann am 24. Februar 2022 die großangelegte Invasion. Die NATO verweist auf zerstörte zivile Infrastruktur und bewertet Russland als unmittelbare Bedrohung für die Sicherheit ihrer Mitglieder. Putins Regime hat sich die Bezeichnung „Reich des Bösen“ mit diesem Angriffskrieg redlich verdient. Sich gegen diese Bedrohung verteidigen zu können, ergibt durchaus Sinn. Dazu gehören eine einsatzfähige Bundeswehr, verlässliche Verbündete und eine Bevölkerung, die in einer Krise handlungsfähig bleibt.
Wer verhindern will, dass russische Soldaten irgendwann vor Hamburger Häusern stehen, sollte Abschreckung und Vorsorge ernst nehmen.

Beifall vom BSW
Unter dem Beitrag meldet sich auch der Instagram-Account bsw.hamburg mit „Super Aktion !!“ zu Wort. Die Berliner LAG steuert drei Flammen-Emojis bei. An Begeisterung für den Aufruf fehlt es also nicht.
Wenn tatsächlich der Strom ausfällt, dürften die Beschäftigten trotzdem froh über einen brauchbaren Notfallplan sein. Die richtige Parole hält jedenfalls keinen Kühlschrank am Laufen.
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