
In diesen düsteren Tagen gibt es durchaus vereinzelte hoffnungsvolle Zeichen. Eines setzte ausgerechnet AfD-Chef Tino Chrupalla.
Nach ihren großen Erfolgen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kann die AfD nicht nur vor Kraft kaum laufen, sie sprüht auch vor Ideen. Eine außergewöhnliche stellte gestern AfD-Chef Tino Chrupalla auf der Bundespressekonferenz vor: Nach einem Bericht der Welt sagte Chrupalla: „Wenn wir in anderen Bundesländern eine Regierung stellen werden, und das werden wir stellen, dann werden wir auch für Ostdeutschland eine Sonderwirtschaftszone fordern.“ Man wolle nicht mehr bloß auf Geld vom Bund angewiesen sein, man wolle wirtschaftlich selbst agieren.
Das ist in zweifacher Hinsicht eine gute Nachricht: Seit 1990 lebt Ostdeutschland zu einem erheblichen Teil von Transferleistungen des Westens. Ostdeutsche Städte wurden herausgeputzt, während Kommunen im Westen verfielen, im Osten sind die Straßen neu, im Westen kann man auf ihnen Schlaglochgolf spielen. Der Osten ist für den Westen ein Zuschussgeschäft, das besser heute als morgen beendet wird.
Die Idee Chrupallas öffnet aber auch einen kleinen Spalt weit eine Tür in eine bessere Zukunft des westlichen Teils der Bundesrepublik. Eine Sonderwirtschaftszone, die sich über mehrere Bundesländer erstreckt, könnte der Anfang einer Eigenstaatlichkeit der ehemaligen DDR sein. Ein Hoffnung gebendes Vorbild finden wir in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Mit Wirkung zum 1. Januar 1947 schlossen die Briten und die USA ihre beiden Besatzungszonen zum Vereinigten Wirtschaftsgebiet zusammen, der sogenannten Bizone. Frankreich blieb zunächst außen vor. Doch 1948 rückten die drei westlichen Besatzungszonen wirtschaftlich immer enger zusammen. Im März entstand mit der Bank deutscher Länder die erste gemeinsame trizonale deutsche Institution, im Juni führten die drei Westmächte in ihren Besatzungszonen gemeinsam die D-Mark ein. Die sowjetische Besatzungszone machte nicht mit. Noch bevor es zwei deutsche Staaten gab, entstanden damit im Westen und Osten unterschiedliche Wirtschaftsräume.
Dann ging alles ganz schnell: Am 20. Juni 1948 trat in den drei westlichen Besatzungszonen die Währungsreform in Kraft, vom folgenden Tag an war die Deutsche Mark das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel. Nicht einmal ein Jahr später entstand die Bundesrepublik Deutschland. Im westlichen Teil des Landes begannen die besten 40 Jahre der deutschen Geschichte. Sie sollten erst 1990 mit dem Beitritt der ebenfalls 1949 gegründeten DDR enden.
Die Chance, dass die Einrichtung einer ostdeutschen Sonderwirtschaftszone der Beginn einer Entwicklung in Richtung ostdeutscher Eigenstaatlichkeit und Wiedertrennung ist, sind gering. Aber auch kleine Chancen sollte man beherzt ergreifen.
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