
Nach dem rassistischen Video-Skandal in Gelsenkirchen haben sich CDU, SPD, Grüne und FDP im Stadtrat darauf geeinigt, einen Antrag zur Abberufung von AfD-Politiker Norbert Emmerich als Bürgermeister vorzubereiten. Der Skandal dreht sich um ein Social-Media-Video der AfD aus dem Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf, das Anfang Juni 2026 bundesweit Empörung ausgelöst hat.
Im Video sind AfD-Politiker, darunter die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias, mit Besen und Kehrblechen unterwegs. Sie sprechen Anwohner mit Migrationshintergrund an und fordern sie auf, die Straße zu säubern. Betroffen waren nach Berichten vor allem Angehörige der Sinti- und Roma-Minderheit.
Besonders umstritten war, dass Seli-Zacharias im Video sagt: „Diese Menschen müssen unsere Stadt verlassen.“ Kritiker werfen der AfD vor, Menschen öffentlich vorgeführt und aufgrund ihrer Herkunft stigmatisiert zu haben. Kirchenvertreter, Parteien und Verbände bezeichneten die Aktion als rassistisch und antiziganistisch (gegen Sinti und Roma gerichtet). Die AfD verteidigte die Aktion dagegen als Aufmerksamkeitskampagne für Probleme im Stadtteil wie Vermüllung, Verwahrlosung und Missstände rund um sogenannte Problemimmobilien. Nach Darstellung der Beteiligten sollte das Video auf diese Zustände aufmerksam machen.
Nun bestätigten Gelsenkirchener Parteienvertreter gegenüber dem WDR, dass die Abwahl von Emmerich nun vorbereitet werde. In welcher Sitzung abgestimmt werden solle, sei noch unklar. Die letzte Sitzung vor der Sommerpause ist der 9. Juli. Da die AfD 20 der 66 gewählten Ratsmitglieder stellt, müssten fast alle anderen für die Abberufung stimmen. Das umstrittene Video ist inzwischen nicht mehr abrufbar. Laut WDR erstattete das Landesnetzwerk der Sinti und Roma Anzeige und die Generalstaatsanwaltschaft Köln prüft dazu strafrechtliche Konsequenzen.