Beim Herbstleuchten 2026 im Maxipark in Hamm. Foto(s): Robin Patzwaldt
Es gibt derzeit vieles, worüber man sich im Ruhrgebiet ärgern kann. Kommunalpolitik, Baustellen, marode Infrastruktur und allerlei andere Alltagsprobleme liefern schließlich regelmäßig Stoff für schlechte Laune. Umso wichtiger finde ich es, sich zwischendurch bewusst daran zu erinnern, dass unsere Region durchaus ihre schönen Seiten hat. Eine davon habe ich am Mittwochabend wieder einmal besucht: das traditionelle Herbstleuchten im Maximilianpark in Hamm.
Jürgen Klopp, hier noch als BVB-Trainer in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Vier Spiele sind vorbei, und eigentlich ist es höchste Zeit, auch hier bei den Ruhrbaronen einmal nüchtern auf das neue deutsche Fußballwunder namens Jürgen Klopp zu schauen. Das Ergebnis könnte allerdings ein paar Romantiker enttäuschen:
Auf dem Lichterfest 2026 im Fredenbaumpark in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt
Manchmal muss man gar nicht weit fahren, um daran erinnert zu werden, wie unkompliziert ein schönes Stadtfest sein kann. Am vergangenen Wochenende war ich beim Lichterfest 2026 im Dortmunder Fredenbaumpark – und habe dort etwas erlebt, das mir nach den Erfahrungen beim Waltroper Parkfest fast schon wie aus einer anderen Welt vorkam: Ein Fest, bei dem der Besucher tatsächlich noch im Mittelpunkt steht.
Kein Eintritt. Keine Taschenkontrolle. Keine Leibesvisitation. Keine Stimmung nach dem Motto: Erst einmal ordentlich bezahlen, bevor der Spaß beginnen darf. Stattdessen strömten Familien mit Bollerwagen in den Park. Darin: Getränke, Essen und alles, was man für einen entspannten Abend mitbringen wollte. Und genau das fand ich ausgesprochen sympathisch.
Wer gedacht hätte, die Endphase der Ampel-Koalition habe in Deutschland bereits den absoluten Tiefpunkt politischer Stimmung erreicht, erlebt in diesen Tagen offenbar eine Art Déjà-vu – nur diesmal mit Friedrich Merz im Kanzleramt. Was sich derzeit rund um die Bundesregierung abspielt, wirkt zunehmend wie eine politische Vorstufe zum offenen Machtkampf.
Gut eine Woche nach dem desaströsen Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und nur wenige Tage vor den Abstimmungen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ziehen über dem Kanzleramt jedenfalls ziemlich dunkle Wolken auf. Und diesmal wird nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen, ob der Kanzler noch die Kurve bekommt. Inzwischen wird ganz offen darüber spekuliert, ob Merz überhaupt noch lange Kanzler bleibt.
Unerwarteter Punktgewinn der Schalker gegen die Bayern am Samstag. Foto(s): Michael Kamps
Es gibt Fußballspiele, bei denen ein 0:0 eigentlich eine Zumutung ist. 90 Minuten lang quält man sich durch gepflegtes Ballgeschiebe, schaut irgendwann häufiger auf die Uhr als auf den Rasen und ist nach dem Abpfiff vor allem froh, dass es endlich vorbei ist. Das torlose Unentschieden zwischen Schalke und Bayern am Samstagabend war das komplette Gegenteil.
Ich muss zugeben: Ich habe selten ein 0:0 erlebt, das sich so sehr nach einem echten Top-Spiel angefühlt hat. Und das lag nicht nur daran, dass mehr als 60.000 Menschen in der Arena nach dem Schlusspfiff völlig aus dem Häuschen waren. Es lag vor allem daran, dass Schalke genau das getan hat, was man von einem Aufsteiger gegen den übermächtigen Rekordmeister eben tun muss: Die Mannschaft hat sich gewehrt. Mit allem, was sie hatte.
Straßen voller Schlaglöcher gehören im Ruhrgebiet inzwischen längst zum Alltag. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Es gibt in diesen Tagen inzwischen tagtäglich Nachrichten, bei denen ich mich ernsthaft frage, ob ich eigentlich noch in derselben Republik lebe wie die Menschen, die solche Entscheidungen treffen. Die geplante Generalsanierung von Schloss Bellevue gehört für mich eindeutig dazu. Eine Milliarde Euro soll das Ganze kosten. Eine Zahl mit neun Nullen. Da schluckt selbst der Taschenrechner.
Natürlich kann man jetzt einwenden: Das Gebäude muss saniert werden. Es ist historisch, denkmalgeschützt, technisch veraltet und muss modernen Sicherheits- und Energiestandards entsprechen. Und natürlich entscheidet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht persönlich, ob irgendwo ein Bauauftrag vergeben wird. Die Bundesverwaltung plant, der Bundestag bewilligt die Mittel.
Alles richtig. Und trotzdem bleibt bei mir ein ziemlich ungutes Gefühl.
Jürgen Klopp, hier noch als BVB-Trainer in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Es ist vorbei. Endgültig. Das Märchen vom großen deutschen Neustart unter dem Bundestrainer Julian Nagelsmann ist am späten Montagabend mit einem lauten Knall geplatzt. Das WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ist nicht einfach nur eine weitere Enttäuschung in einer mittlerweile erschreckend langen Serie deutscher Turnierpleiten. Es ist der endgültige Offenbarungseid eines Bundestrainers, der mit großen Versprechen angetreten war und am Ende vor allem viele Fragen hinterlässt.
Besonders bitter: Ausgerechnet Nagelsmann selbst hat sich diese Fallhöhe geschaffen. Nach dem EM-Aus 2024 hatte er noch trotzig sinngemäß erklärt, Deutschland werde dann eben zwei Jahre später Weltmeister. Heute wirken diese unbedachten Worte nicht kämpferisch, sondern geradezu grotesk.
Denn wer die Auftritte der DFB-Elf in Nordamerika gesehen hat, der weiß
Das Bundeskanzleramt in Berlin. Foto: Robin Patzwaldt
Ob an den seit Tagen kursierenden Spekulationen über eine mögliche vorzeitige Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz tatsächlich etwas dran ist, ist beinahe nebensächlich geworden. Entscheidend ist längst etwas anderes: Dass diese Debatte überhaupt geführt wird – und dass sie sich trotz aller Dementis nicht mehr einfangen lässt. Genau darin offenbart sich die eigentliche Schwäche des Kanzlers.
Läuft seine Uhr als Bundeskanzler schon bald ab? Friedrich Merz, CDU (Foto: Roland W. Waniek)
Die Regierungskoalition in Berlin wirkt inzwischen nicht einmal wie ein müder Aufguss alter Politik – sie erinnert in diesen Tagen eher an abgestandenen Filterkaffee, der seit Stunden auf der Warmhalteplatte vor sich hin gammelt.
Kaum im Amt, taumelt die von Friedrich Merz geführte Bundesregierung bereits durch die Republik, als hätte sie politisch schon jetzt ihren letzten Willen eingereicht. Die Umfragewerte? Verheerend. Die Stimmung im Land? Im Sinkflug. Der Optimismus? Offenbar irgendwo zwischen Koalitionsvertrag und Kanzleramt verloren gegangen.
Borussia Dortmund hat seinen Fans in den vergangenen Monaten einiges zugemutet. Wer es mit dem BVB hält, der musste in dieser Saison oft starke Nerven beweisen. Zu häufig blieb die Mannschaft in der Bundesliga hinter den eigenen Ansprüchen zurück, zu ernüchternd verliefen die Auftritte im DFB-Pokal und in der UEFA Champions League, zu laut wurden die Diskussionen um die sportliche Führungsetage rund um Sebastian Kehl und Lars Ricken.
Vieles wirkte festgefahren, einiges unerquicklich, manches sogar besorgniserregend. Die Leichtigkeit, die diesen Klub so oft ausgezeichnet hat, schien zwischen Ergebnisdruck, Personalfragen und sportlicher Stagnation ein Stück weit verloren gegangen zu sein.