Die Linke Berlin: Spitzel-Vorwürfe gegen die WELT, neue Sticker und der Kampf um die Macht

„Springer setzt Spitzel-Methoden im Berliner Wahlkampf ein“. Screenshot des gemeinsamen Instagram-Beitrags mit der LAG Palästinasolidarität Berlin vom 16. September 2026. (Screenshot: Instagram)

Das Beziehungsgeflecht der Berliner Linkspartei erinnert inzwischen an Game of Thrones. Dabei geht es nicht nur um die richtige Kommunikation, sondern um politische Positionen und die Frage, wo die Partei Grenzen zieht. Beim Umgang mit Israel und Antisemitismusvorwürfen verlaufen die Konfliktlinien mitten durch die eigenen Reihen.

Auslöser des aktuellen Streits war der Auftritt des Rappers Dahabflex bei einer Wahlkampfveranstaltung in Neukölln. Dort fielen die Parolen „Yalla Yalla Intifada“ und „Death to the IDF“. Spitzenkandidatin Elif Eralp verurteilte den Auftritt und forderte Konsequenzen. Aus dem Neuköllner Bezirksverband und der Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität kam dagegen Unterstützung für den Rapper.

Inzwischen erhebt die LAG auch Vorwürfe gegen den Springer-Verlag und verwechselt dabei „Spitzelmethoden“ mit Recherche: Man muss schließlich von Hamas-Nähe und der Teilnahme eines radikalen Aktivisten, der aus der Linkspartei ausgeschlossen wurde, an einer Veranstaltung der LAG „Palästinasolidarität“ ablenken.

Gegeneinander in der Partei

Die LAG Shalom wirft der Parteiführung vor, die Entwicklung mitverantwortet zu haben. Die LAG Palästinasolidarität stellte sich dagegen hinter Dahabflex und die Neuköllner Parteistrukturen. Aus einem problematischen Wahlkampfauftritt wurde so ein offener innerparteilicher Macht- und Deutungskampf.

Hinzu kommen ältere Vorgänge: Solidaritätsbekundungen für umstrittene Palästina-Strukturen, Auseinandersetzungen um BDS, Aussagen einzelner Funktionäre und der Streit über den politischen Umgang mit Israel. Die Berliner Linke versucht, gleichzeitig Regierungspartei, Protestpartei und Sammelbecken der radikalen Palästina-Szene zu sein.

Genau diese Widersprüche brechen im Wahlkampf sichtbar auf.

Auch das Wohnungsthema, mit dem Die Linke in Berlin aktiv wirbt, wirkt vor diesem Hintergrund wenig glaubhaft. Die Berliner Linke wirbt mit Mietendeckel, 75.000 dauerhaft bezahlbaren Wohnungen und einem starken öffentlichen Wohnungssektor.

Zugleich war sie an einer Berliner Landespolitik beteiligt, in deren Zeit landeseigene Wohnungen verkauft wurden.

Wer heute den Neubau zur großen sozialen Rettung erklärt, muss deshalb auch erklären, warum die eigene politische Bilanz beim öffentlichen Wohnungsbestand so wenig dazu passt. Eine Rechnung zum Wohnungsbauprogramm der Linkspartei haben wir hier dokumentiert.

Die aktuelle Sticker-Affäre verschärft die Lage. Aufkleber stellen Elif Eralp mit dem Slogan „Yallah Intifada!“ in Verbindung. Die Linke weist die Darstellung zurück, spricht von Fälschungen und hat Anzeige erstattet. Wer die Sticker hergestellt oder verbreitet hat, ist bislang nicht belegt. Den früheren Sticker-Eklat im Neuköllner Wahlkampf haben wir bereits dokumentiert.

Politische Karikatur: Elif Eralp als Cäsar, umringt von symbolischen Parteifreunden mit Dolchen. An der Wand der Berliner Bär. Sprechblase: Auch du, Genossin?
Auch du, Genossin?“ (KI-generierte Karikatur: Ruhrbarone – Fotovorlage Elif Eralp: Sandro Halank / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, Karikatur ebenfalls CC BY-SA 4.0)

Der aktuelle Vorfall zeigt: Die Berliner Linke bekommt ihre Konflikte nicht mehr unter Kontrolle. Die einen fordern Konsequenzen gegen Antisemitismus. Die anderen verteidigen Aktivisten und Parolen als Ausdruck internationalistischer Solidarität. Dazwischen versucht die Parteiführung, den Schaden zu begrenzen.

Das Problem ist nicht nur, was einzelne Genossen sagen. Das Problem ist, dass die Partei keine gemeinsame Antwort darauf findet. Selbst innerhalb der Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität der Berliner Linken scheint die Solidarität gelegentlich an ihre Grenzen zu stoßen:

Spitzel-Vorwürfe gegen Springer

Die LAG Palästinasolidarität der Berliner Linkspartei veröffentliche gestern einen Beitrag (Screenshot am Anfang dieses Beitrag!) auf Instagram:

Es wird immer irrer: Springer setzt Spitzel-Methoden im Berliner Wahlkampf ein. Doch wir lassen uns nicht beirren: Die Linke Berlin wird am Sonntag als stärkste Kraft ins AGH gewählt – allen Medienkampagnen zum Trotz. Wir werden die Repressionen gegen die Palästinabewegung im AGH skandalisieren und weiterhin mit der Community auf die Straße gehen, bis die deutsche Komplizenschaft im Gaza-Genozid fällt Free Palestine! Springer enteignen!

Hintergrund ist der Beitrag „Mitschnitte beweisen: Linke sehen Hamas-Massaker als ‚Akt des Widerstands‘“, der am 16. September auf BILD.de erschien. Darin geht es um eine Recherche der WELT zu Äußerungen in einer internen Sitzung der Berliner Linken. Neben den dort wiedergegebenen Aussagen zum Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem Umstand, dass ein aus der Linkspartei ausgeschlossener Aktivist an diesem Treffen teilnahm, ist ein weiterer Umstand interessant:

Mit dem Konzept der LAG Palästinasolidarität scheint nicht jedes Mitglied dieser Gruppe einverstanden zu sein: Sonst wäre der Mitschnitt nicht bei der Redaktion der WELT gelandet. Die eigentliche Nachricht ist nicht „Springer setzt Spitzel-Methoden im Wahlkampf ein“, sondern: „Die Hamas-Nähe unserer LAG geht wohl selbst in den eigenen Reihen den Genossen auf den Keks.“ – das könnte zumindest ein Grund sein, wieso der Mitschnitt bei der WELT gelandet ist.

„Alle 2 bis 3 Tage produzieren sie neue Hetze und Verleumdung“. Screenshot des gemeinsamen Instagram-Beitrags mit der LAG Palästinasolidarität Berlin vom 16. September 2026. (Screenshot: Instagram)

Ob die Berichterstattung von Tagesspiegel und Springer zutrifft, entscheidet sich nicht am Namen des Verlags, sondern an den Belegen. Um bei den Ruhrbaronen zu bleiben: Zu den Quellen unserer Berichterstattung gehören die eigenen Instagram-Veröffentlichungen der LAG Palästinasolidarität. Entsprechende Beiträge haben wir dokumentiert und mit den Originalquellen verlinkt. Wer von „Verleumdung“ spricht, sollte deshalb konkret benennen, welche Aussage falsch wiedergegeben oder aus dem Zusammenhang gerissen worden sein soll.

Die dokumentierten Veröffentlichungen und unsere Einordnung sind in den Beiträgen zur LAG nachzulesen.

Berlinwahl: Die Linke Berlin und ihre Baustellen

Unsere bisherigen Beiträge zu den Konflikten, Personen und Positionen im Berliner Wahlkampf – zum Weiterlesen in chronologischer Reihenfolge.

Autorenseite: Peter Ansmann
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