Beendet Trump die deutschen Roboter-Hoffnungen?

US-Präsident Donald Trump. Offizielles Porträtfoto zur Amtseinführung 2025. Foto: Daniel Torok Lizenz: Gemeinfrei

Nachdem Deutschland bei der KI-Entwicklung abgehängt ist, sind humanoide Roboter Made in Germany die große Hoffnung für die Hightech-Zukunft des Landes. Doch die Trump-Administration könnte die Euphorie beenden.

Nachdem das bayerische Unternehmen Kuka 1973 in die Produktion von Robotern einstieg und sich schnell zu einem der weltweit führenden Hersteller entwickelte, war Deutschland beim Einsatz von Industrierobotern spitze. Die Zeiten sind vorbei. In Asien, vor allem in China, werden längst mehr Roboter in Fabriken installiert als in Europa, und Kuka, technologisch immer noch top, gehört seit 2016 dem chinesischen Haushaltsgerätekonzern Midea.

Doch nun werden in der Branche die Karten neu gemischt: In Zukunft werden Roboter mehr als automatische Greifarme und Schweißgeräte sein. Die Roboter, die künftig immer häufiger erst in der Industrie und später dann auf Baustellen und im Haushalt eingesetzt werden, ähneln Menschen: Sie haben Beine, Arme und Hände. Kameras ersetzen die Augen, und sie sind mit großen KI-Modellen verbunden. Sie werden von Jahr zu Jahr geschickter und schneller. Bei den World Humanoid Robot Games im August in Peking lief der chinesische Roboter Tiangong Ultra die 100 Meter in 8,86 Sekunden. Zum Vergleich: Usain Bolt hält den menschlichen Weltrekord mit 9,58 Sekunden.

Bei den humanoiden Robotern gehören auch deutsche Unternehmen zur Weltspitze, und auch die Industrie setzt auf die cleveren neuen Super-Robbis: Das erst 2019 gegründete Unternehmen Neura Robotics aus dem schwäbischen Metzingen konnte im Juni bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar bei Investoren einwerben. Zu ihnen gehören internationale Tech-Konzerne wie Amazon, Nvidia und Qualcomm. Auch Agile Robots aus München will an der neuen deutschen Tech-Erfolgsgeschichte mitschreiben, ebenso wie das Traditionsunternehmen Schaeffler. Bekannt vor allem als Automobilzulieferer, ist Schaeffler in das Geschäft der klugen Zweibeiner eingestiegen.

Der Markt, um den es geht, ist gigantisch: Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) rechnet damit, dass der weltweite Markt für humanoide Roboter bis 2030 auf rund 30 Milliarden Dollar wächst. Langfristig könnte das Geschäft noch erheblich größer werden: Die US-Investmentbank Morgan Stanley hält bis 2050 ein Marktvolumen von rund fünf Billionen Dollar für möglich. Dann könnten weltweit fast eine Milliarde humanoide Roboter im Einsatz sein.

Zwar dominiert auch bei den Robotern weltweit China, aber die deutschen Hersteller wollen einen Anteil vom großen Kuchen. Das könnte schwierig werden, denn die USA wollen Roboter ausländischer Hersteller nur noch in Ausnahmefällen zulassen: Nach einer Ende Juli von der staatlichen Federal Communications Commission (FCC) veröffentlichten „Nationalen Sicherheitsbewertung zur Bedrohung durch im Ausland hergestellte hochentwickelte Roboter“ können künftig neue intelligente Roboter, die sich bewegen und sehen können und mehr als zwei Kilogramm wiegen, grundsätzlich keine FCC-Zulassung mehr erhalten, sofern das US-Verteidigungsministerium ihnen keine Ausnahmegenehmigung erteilt.

Die FCC begründet die Maßnahme mit der nationalen Sicherheit und dem politischen Ziel der Reindustrialisierung. Moderne Saugroboter mit Kameras sind von der Regelung ebenso betroffen wie humanoide Roboter. Die USA setzen auf technologische Souveränität und wollen sich vor China schützen. Zu den Opfern könnten aber auch Unternehmen aus der EU gehören, mit der die USA im Rahmen der Pax Silica eigentlich vereinbart haben, zu kooperieren.

Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des Fachverbands Robotik und Automation beim Branchenverband der deutschen und europäischen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), sieht die Entwicklung mit Sorge. Auf Anfrage sagte Schwarzkopf, die neuen Beschränkungen stellten viele deutsche und europäische Hersteller, die mobile Roboter in die USA exportieren, vor ernsthafte Schwierigkeiten: „Wer schon in den USA produziert oder die Chance hat, eine Produktion dort aufzubauen, wird sich an die neuen Gegebenheiten anpassen können. Für andere Unternehmen könnte das den Verlust des Marktzugangs in die USA bedeuten.“

Die nationale Sicherheit sei ein wichtiges Ziel, aber sie stehe nicht im Mittelpunkt: „Es handelt sich tatsächlich um eine protektionistische Maßnahme.“ Deshalb ergriffen die USA nun Maßnahmen, die die Hersteller dazu zwängen, mit hoher Fertigungstiefe in den USA zu produzieren. Insgesamt werde sich der Trend verstärken, Produktion zu verlagern: „Arbeitsplätze werden dann in den USA entstehen, nicht in Deutschland.“

Für Neura Robotics sind die USA ein wichtiger Wachstumsmarkt. „Wir beobachten die allgemeinen regulatorischen Entwicklungen und sind auf alle Situationen vorbereitet.“ Das Unternehmen nehme die Entscheidung der FCC zur Kenntnis und prüfe, ob sich daraus Implikationen für Neura ergeben.

Lässiger sieht man es bei Schaeffler: Auf Anfrage teilt das Unternehmen mit, man sei in allen wichtigen Weltregionen vertreten, in denen die humanoide Robotik eine bedeutende Rolle spielen werde, und kooperiere mit zahlreichen Humanoid-Herstellern weltweit. „Schaeffler hat verschiedene Gesellschaften gegründet, die es uns ermöglichen, regionale Nähe und schnelle Reaktionsfähigkeit mit der globalen Technologie-Expertise von Schaeffler zu verbinden.“ Dadurch könne man lokale Marktanforderungen und regulatorische Rahmenbedingungen effektiv erfüllen.

Der Artikel erschien in ähnlicher Form bereits bei Ippen.Media.

 

 

 

 

 

 

Autorenseite: Stefan Laurin
Diesen Artikel beobachten
Werbung

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x