Ist Paraguay zu stark, bist du zu schwach

Fußball verkauft sich derzeit gut. Foto: Robin Patzwaldt

Kaum zu glauben, wie berechenbar das Fußballland Deutschland inzwischen geworden ist. Zwei Siege zum WM-Start? Bundestrainer Julian Nagelsmann ist plötzlich der große Heilsbringer, die Nationalmannschaft ein Geheimfavorit und der WM-Pokal gefühlt schon halb im Handgepäck.

Dann verliert man im sportlich bedeutungslosen dritten Gruppenspiel mit 1:2 gegen  Ecuador – und sofort wird wieder die nationale Selbsthilfegruppe eröffnet. Alles ist plötzlich schlecht. Der Trainer kann’s nicht, die Spieler können’s nicht, der DFB sowieso nicht. Ganz ehrlich: Diese permanente Aufregung geht mir inzwischen deutlich mehr auf die Nerven als die Niederlage selbst.

Hört auf, Paraguay größer zu machen, als es ist

Jetzt also Paraguay. Und plötzlich wird wieder so getan, als würde Deutschland im Sechzehntelfinale auf eine Mischung aus Brasilien 1970, Spanien 2010 und Barcelona unter Pep Guardiola treffen. Nein. Tut es nicht.

Paraguay ist unangenehm. Paraguay kämpft. Paraguay wird Deutschland das Leben schwer machen wollen. Herzlichen Glückwunsch – genau das macht bei einer Weltmeisterschaft praktisch jeder Gegner. Aber wer ernsthaft vom WM-Titel träumt, darf sich von Paraguay nicht aus dem Wettbewerb kegeln lassen. Fertig.

Manchmal habe ich das Gefühl, wir Deutschen reden unsere Gegner absichtlich stark, damit wir hinterher eine elegante Ausrede parat haben. „Ja gut, Paraguay war eben wahnsinnig schwer…“ Nein! Wenn Paraguay für Deutschland schon unlösbar wird, dann braucht über Weltmeisterträume niemand mehr reden.

Keine Ausreden, kein Gejammer, kein Mimimi

Deshalb ist die Ausgangslage vor dem Duell am Montag für mich herrlich einfach. Gewinnt Deutschland? Prima. Pflicht erfüllt. Dafür gibt es weder einen Orden noch sollte gleich der Autokorso gestartet werden. Genau dafür ist diese Mannschaft schließlich nach Nordamerika gereist.

Verliert Deutschland? Dann bitte anschließend keine große Ausreden-Olympiade.

Nicht der Schiedsrichter. Nicht der Rasen. Nicht die Hitze. Nicht der Jetlag. Nicht das angeblich so brutale Turnierformat.

Denn dann war Deutschland einfach nicht gut genug. So simpel ist Fußball manchmal.

Wer schon im Sechzehntelfinale gegen Paraguay die Segel streicht, der hat im Viertel-, Halb- oder Finale ohnehin nichts verloren. Das mag weh tun, ist dann aber die bittere Wahrheit.

Dann fahrt halt nach Hause

Deshalb gehe ich diesem Spiel völlig entspannt entgegen. Entweder zeigt die deutsche Mannschaft endlich, dass sie mehr draufhat als phasenweise ordentlichen Fußball mit gelegentlichen Totalaussetzern. Dann geht die WM weiter und alles ist gut.

Oder sie fliegt raus.

Dann bitte aber auch ohne das übliche deutsche Krisentheater mit fünf Sondersendungen, acht Grundsatzdebatten und der Frage, ob jetzt wieder eine „Task Force Nationalmannschaft“ gegründet werden muss.

Wer gegen Paraguay ausscheidet, muss sich nicht über Pech beklagen. Der muss seine Koffer packen.

So gnadenlos ist eine Weltmeisterschaft nun einmal.

Mein Motto für Montag lautet deshalb: Ist Paraguay zu stark, bist du zu schwach.

Denn eines steht für mich schon vor dem Anpfiff fest: Wer an diesem Gegner scheitert, hätte den WM-Pokal sowieso höchstens im Fernsehen aus der Nähe gesehen.

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