Die Turbinenhalle Oberhausen bietet den Israelhassern Kneecap eine Bühne

Bandmitglied DJ Próvaí mit typischer Sturmhaube in irischen Nationalfarben Foto: Raph_PH Lizenz: CC BY 2.0


Am 20. August 2026 sollen Kneecap in der Turbinenhalle in Oberhausen auftreten. Wer sich mit den aktuellen Projektionen des Nahostkonflikts in der Popkultur ein wenig befasst hat, dem dürfte diese Band nicht unbekannt sein. Denn mehrfach hat sich die Band klar antisemitisch positioniert.

Dass die Verteidiger wieder etwas von legitimer Kritik und Co. erzählen werden, während sie Antisemitismus, Kritik an einer Regierung und antisemitische Mythen nicht unterscheiden können, ist zu erwarten. Umso wichtiger ist es, hier beispielhaft einige konkrete und nachgewiesene Handlungen der Band zu dokumentieren und einzuordnen:

„Up Hamas, up Hezbollah“ und die Hisbollah-Flagge

Auf Instagram wird das Konzert von Fans beworben

Bei einem Konzert im Londoner O2 Forum im November 2024 zeigte Kneecap-Mitglied Liam Óg Ó hAnnaidh („Mo Chara“) eine Flagge der Hisbollah und rief dabei gemeinsam mit dem Publikum beziehungsweise von der Bühne aus „Up Hamas, up Hezbollah“. Die britischen Behörden werteten insbesondere das Zeigen der Hisbollah-Flagge als möglichen Verstoß gegen den Terrorism Act. Im Mai 2025 wurde Ó hAnnaidh deshalb wegen eines Terrorismusdelikts angeklagt. Die Anklage wurde später wegen eines Verfahrensfehlers fallengelassen; eine Verurteilung wegen Unterstützung der Hisbollah oder der Hamas gab es nicht. Kneecap erklärte seinerseits, die Band unterstütze weder die Hamas noch die Hisbollah. Der Vorgang ist dennoch der zentrale konkrete Ausgangspunkt für die Vorwürfe, Kneecap verherrliche beziehungsweise unterstütze islamistische Terrororganisationen.

https://www.met.police.uk/news/news/2025/may/kneecap-member-charged-with-terrorism-offence/

„Fuck Israel“ und der Genozid-Vorwurf bei Coachella

Bei ihren Auftritten beim Coachella-Festival im April 2025 projizierten Kneecap auf die Bühnenleinwand die Aussagen „Israel is committing genocide against the Palestinian people“ und „Fuck Israel. Free Palestine“. Zusätzlich wurde der US-Regierung vorgeworfen, Israel trotz dessen „war crimes“ mit Waffen und finanzieller Unterstützung zu versorgen. Mo Chara erklärte während des Auftritts, Palästinenser hätten nirgendwohin zu gehen und Israel bombardiere ihre Heimat. Die Aussagen führten zu erheblichen Antisemitismusvorwürfen, insbesondere von jüdischen Organisationen, die sie im Zusammenhang mit den bereits genannten Äußerungen als Teil eines Musters der Dämonisierung Israels einordneten. Kneecap selbst verteidigte die Aussagen als politische Kritik am israelischen Vorgehen im Gazastreifen und erklärte, die Band richte ihre Kritik gegen den Staat und nicht gegen Juden.

https://www.theguardian.com/music/2025/apr/24/kneecap-say-statements-arent-aggressive-after-denouncing-israel-at-coachella

„We are all Palestine Action“

Beim Glastonbury Festival im Juni 2025 trat ein Mitglied von Kneecap mit einem T-Shirt auf, auf dem „We are all Palestine Action“ stand. Die Aussage bezog sich auf die britische Aktivistengruppe Palestine Action, die zu diesem Zeitpunkt von der britischen Regierung nach dem Terrorism Act als terroristische Organisation verboten werden sollte. Palestine Action war insbesondere durch Aktionen gegen Unternehmen bekannt geworden, denen eine Verbindung zur israelischen Rüstungsindustrie vorgeworfen wurde. Die öffentliche Unterstützung der Gruppe wurde deshalb ebenfalls in die Vorwürfe gegen Kneecap wegen Unterstützung beziehungsweise Verherrlichung terroristischer Organisationen einbezogen. Die zeitliche Einordnung ist dabei wichtig: Zum Zeitpunkt des Glastonbury-Auftritts war das Verbot noch nicht endgültig in Kraft. Die britische Polizei untersuchte den Auftritt anschließend, leitete gegen Kneecap aber keine weiteren Maßnahmen ein.

https://www.itv.com/news/2025-06-28/kneecap-set-to-perform-at-glastonbury-today-despite-backlash-from-politicians

Auch die Anti-Defamation League (ADL) hat einiges an Material gesammelt, das hier zu finden ist.

Foto mit „Voice of Hezbollah“ von Hassan Nasrallah

Im Februar 2025 veröffentlichte Kneecap ein Foto, auf dem ein Bandmitglied ein Buch mit dem Titel „Voice of Hezbollah: The Statements of Sayyed Hassan Nasrallah“ liest. Es handelt sich um eine Sammlung von Reden Hassan Nasrallahs, der von 1992 bis zu seinem Tod 2024 Generalsekretär der Hisbollah war. Die Aufnahme wurde von Kritikern als positive beziehungsweise zumindest unkritische öffentliche Inszenierung des früheren Hisbollah-Führers und seiner Organisation gewertet. Die Anti-Defamation League führt das Foto ausdrücklich als Bestandteil ihrer Dokumentation der Kneecap-Kontroversen auf. Zusammen mit der Hisbollah-Flagge und dem Ausruf „Up Hamas, up Hezbollah“ wird die Aufnahme als weiterer Hinweis auf eine öffentliche Normalisierung beziehungsweise Verherrlichung der Hisbollah betrachtet.

Davidstern und Hakenkreuz

Im Dezember 2024 veröffentlichte Kneecap in den sozialen Medien einen Cartoon, in dem ein Davidstern und ein Hakenkreuz miteinander verbunden beziehungsweise gemeinsam dargestellt wurden. Die Darstellung stand im Zusammenhang mit einer gegen Israel gerichteten Botschaft. Die Anti-Defamation League wertet diesen Beitrag als antisemitisch, weil ein zentrales jüdisches Symbol mit dem Symbol des Nationalsozialismus verbunden werde und damit die Erinnerung an die nationalsozialistische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden zur Dämonisierung Israels eingesetzt werde. Der konkrete Vorwurf richtet sich somit nicht lediglich gegen Kritik an Israel, sondern gegen die Verwendung eines jüdischen Symbols in Verbindung mit dem Hakenkreuz.

„Israel is a terrorist state“

Auf demselben, im Dezember 2024 veröffentlichten Beitrag stand die Aussage „Israel is a terrorist state – FUCK ISRAEL“. Die Anti-Defamation League führt diese Darstellung zusammen mit dem gleichzeitig verwendeten Davidstern-Hakenkreuz-Motiv als Beispiel für die von ihr kritisierte Dämonisierung Israels auf. Der Antisemitismusvorwurf ergibt sich dabei nach dieser Einordnung insbesondere aus der Kombination der pauschalen Darstellung Israels als terroristischer Staat mit der Verwendung des Davidsterns in Verbindung mit dem Hakenkreuz. Die Aussage steht damit nicht isoliert, sondern ist Bestandteil desselben Beitrags, den die ADL als antisemitische Darstellung dokumentiert.

Darstellung Israels als koloniales Projekt

Ebenfalls im Dezember 2024 veröffentlichte Kneecap einen Beitrag mit einem Zitat von Winston Churchill, den die Anti-Defamation League als rassistisch und kolonialistisch einordnet. Nach Darstellung der ADL wurde der Beitrag dazu verwendet, Israel als koloniales Projekt darzustellen und dabei die jüdische historische beziehungsweise angestammte Verbindung zu dem Land zu negieren. Die daraus abgeleitete Antisemitismuskritik richtet sich somit gegen eine Darstellung, in der jüdische Ansprüche auf historische Verbindung und nationale Selbstbestimmung vollständig zurückgewiesen werden. Die ADL führt diesen Beitrag ausdrücklich neben dem Davidstern-Hakenkreuz-Cartoon als Beispiel für die von ihr dokumentierte Delegitimierung Israels auf.

Die dokumentierten Äußerungen und Darstellungen von Kneecap lassen sich damit in wesentlichen Teilen als israelbezogener Antisemitismus einordnen. Besonders deutlich wird dies dort, wo Israel nicht nur wegen konkreter politischer Entscheidungen kritisiert, sondern als grundsätzlich verbrecherischer oder terroristischer Staat dargestellt wird.

Bei Kneecap sind dabei drei miteinander verbundene Muster erkennbar: Der NS-Vergleich, also die Verbindung von Davidstern und Hakenkreuz, überträgt die Täter-Opfer-Konstellation des Holocaust auf Israel und reproduziert damit das antisemitische Motiv, dass ausgerechnet die Nachfahren der Holocaust-Überlebenden selbst zu den neuen Nazis geworden seien. Diese Instrumentalisierung des Holocaust zur Dämonisierung des jüdischen Staates ist klar antisemitisch.

Der Kolonialismusvorwurf geht darüber hinaus, wenn er nicht lediglich konkrete israelische Siedlungs- oder Regierungspolitik kritisiert, sondern Israel grundsätzlich als künstliches koloniales Projekt darstellt und damit die jüdische historische Verbindung zu Israel sowie das Recht des jüdischen Volkes auf nationale Selbstbestimmung negiert. Auch die Darstellung von Juden als Fremdkörper oder Menschen ohne legitime Zugehörigkeit zu einem Land gehört historisch zu antisemitischen Deutungsmustern; auch hier lassen sich entsprechende Motive in der Delegitimierung Israels erkennen.

Der Genozidvorwurf kann in diesem Zusammenhang an ein weiteres altes antisemitisches Deutungsmuster anschließen: Israel wird als grundsätzlich blutrünstiger Täter dargestellt, der gezielt unschuldige Menschen tötet.

In Verbindung mit den positiven Bezügen auf Hamas und Hisbollah sowie der öffentlichen Inszenierung mit einem Buch Hassan Nasrallahs entsteht ein Gesamtbild, in dem Israel dämonisiert und jüdische Selbstbestimmung delegitimiert wird. Die im Kapitel beschriebenen Vorgänge – insbesondere die Hisbollah-Flagge, der Ruf „Up Hamas, up Hezbollah“ und die Darstellung des Nahostkonflikts als Teil einer zunehmend gewaltorientierten politischen Popkultur – verstärken diesen Befund (siehe dazu auch: Nicholas Potter, Die neue autoritäre Linke, S. 148–152).

Die britische Krone hat Irland lange als Kolonie behandelt, britische Protestanten wurden in Irland angesiedelt, es kam zu umfangreichen Landenteignungen und zu politischen Einschränkungen des irischen Parlaments. Katholiken wurden durch die Penal Laws beim Landbesitz, beim Zugang zu Bildung und bestimmten Berufen sowie politisch und religiös benachteiligt; während der Großen Hungersnot starben oder emigrierten zudem mehr als zwei Millionen Menschen, während weiterhin irische Agrarprodukte exportiert wurden. Doch diese Erfahrungen reichen nicht als Entschuldigung für Terrorsympathie und Antisemitismus. Dass die irische Kolonialerfahrung gerne auf den Nahostkonflikt projiziert wird, ist ebenfalls nichts Neues. Allerdings bleibt diese Analogie weiterhin falsch.

Aus diesem Grund ist die Frage zu stellen, warum die Turbinenhalle bereit ist, einer solchen Band eine Bühne zu geben. Eine Anfrage an die Turbinenhalle wurde versandt. Sobald eine Stellungnahme vorliegt, wird diese hier veröffentlicht.

 

Autorenseite: Thomas Müller
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