Die Linke Berlin: Keine Angst vor Antisemitismus. Ist nur ein Gespenst.

Die Berliner Palästina-LAG greift die Antragsteller gegen Hannah Bruns an.
Die eigenen Genossen als Auftragnehmer der Grünen: Ausschnitt aus dem gemeinsamen Beitrag vom 24. September 2026. (Screenshot: Instagram)

Die Berliner Linke will ins Rote Rathaus. Ihre Palästina-LAG hat vorher noch eine Rechnung mit den eigenen Genossen offen. Wer den Ausschluss von Hannah Bruns beantragt, erledigt nach Darstellung einer neuen Instagram-Kampagne das Geschäft der Grünen. So geht innerparteiliche Debatte:

Die eigene Haltung ist unverhandelbar. Die der anderen ist bestellt.

Genossen auf Bestellung

Am 24. September 2026 veröffentlichten die Berliner LAG Palästinasolidarität, die Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität, der Account „keine.linke.ohne.uns“ und Hannah Bruns’ Account „das_herz_pocht_links“ einen gemeinsamen Instagram-Beitrag. Die erste Grafik liefert die Rollenverteilung: „Die Grünen bestellen – unsere Genoss*innen liefern“.

Die Antragsteller werden damit nicht als Parteimitglieder mit einer möglicherweise begründeten Kritik behandelt, sondern als Erfüllungsgehilfen politischer Konkurrenz. Das spart die lästige Frage, ob an der Kritik etwas dran sein könnte. Ein Motiv unterstellt, Diskussion erledigt.

Neu ist nicht, dass Bruns Rückendeckung bekommt. Über ihre Kampfansage und die Unterstützung durch Parteigliederungen hatten wir bereits am 23. September 2026 berichtet. Jetzt wird die Abwehr des Ausschlussantrags mit einem offenen Angriff auf dessen Urheber verbunden. (RuhrbaroneDie Linke Berlin: Die Genossen machen Probleme. Schuld ist die Kritik.)

Der Antrag ist da. Das Urteil nicht.

Nach einem Bericht der Jungen Welt vom 24. September 2026 bestätigte die Schiedskommission der SED-Nachfolgepartei Die Linke Berlin den Eingang des Antrags. Bruns habe der Zeitung am Vortag erklärt, selbst noch nicht über den Vorgang informiert worden zu sein. Ein Ausschluss ist damit nicht beschlossen. Wer ihn beantragt hat und wie das Verfahren ausgeht, lässt sich aus der Solidaritätskampagne ebenfalls nicht ableiten.

Bruns gehört zum Koordinierungskreis der Berliner Palästina-LAG. Sie ist nicht wegen einer unverbindlichen Friedensbotschaft bekannt geworden: 2025 forderte sie, Tel Aviv müsse wieder unter palästinensischer Herrschaft stehen. Ihre Aussage und den damaligen politischen Hintergrund haben wir dokumentiert. (RuhrbaroneAntisemitismus bei der Berliner Linken: ‚Nieder mit der Linkspartei‘ – Hannah Bruns, Intifada und Tel Aviv)

In der neuen Erklärung erscheint das Verfahren dagegen als Versuch, Palästinasolidarität zugunsten möglicher Koalitionen zum Schweigen zu bringen. Das ist die Deutung der beteiligten Accounts, kein Nachweis für die Motive der Antragsteller. Zwischen Unterstützung für palästinensische Rechte und der Verteidigung jeder Äußerung von Hannah Bruns liegt durchaus Platz. Man müsste ihn nur nutzen wollen.

Zweite Folie der Palästina-LAG mit Vorwürfen gegen die Antragsteller und die Presse.
Die LAG wendet sich gegen die Antragsteller und die Berichterstattung. Zweite Folie vom 24. September 2026. (Screenshot: Instagram)

Debattenfreiheit mit Gebrauchsanweisung

Die zweite Folie spricht vom „Schreckgespenst des linken Antisemitismus“. Ein Gespenst geht um in der Linkspartei. Diesmal nicht das des Kommunismus, sondern das des linken Antisemitismus. Die Palästina-LAG gibt Entwarnung: alles Spuk. Praktisch. Wer das Problem zum Gespenst erklärt, muss im eigenen Laden nicht aufräumen. Er kann sich ganz der Bekämpfung derjenigen widmen, die darauf hinweisen.

Eine weitere beruft sich auf Parteibeschlüsse und beansprucht Raum für antizionistische Positionen. Ob diese Beschlüsse die konkreten Äußerungen von Bruns decken, ist damit nicht beantwortet. Die Verfasser erklären ihre Auslegung kurzerhand zur maßgeblichen.

Man kann gegen einen Ausschluss sein. Man kann einen Antrag für unbegründet halten und öffentlich widersprechen. Nur sollte eine Partei, die offene Debatten reklamiert, den eigenen Mitgliedern auch das Recht zugestehen, zu einem anderen Ergebnis zu kommen. Ohne ihnen gleich eine Nebenbeschäftigung bei den Grünen anzudichten.

Rückendeckung statt Rückzug

Der Begleittext endet mit einer bemerkenswerten Selbstversicherung: „Wir können nicht alle ausgeschlossen werden.“ Das ist keine Stellungnahme der gesamten Linkspartei, sondern die gemeinsame Botschaft der beteiligten Accounts. Gerade die Mitautorenschaft von Landes-LAG und Bundes-BAG macht sie aber politisch relevant: Hier verteidigt sich nicht bloß eine Einzelperson.

Die Parteispitze muss möglichen Partnern erklären, wofür sie verbindlich steht. Ihre Gliederungen erklären unterdessen, welche Konsequenzen sie nicht hinnehmen wollen. Das Problem verschwindet nicht dadurch, dass man jede Auseinandersetzung darüber zum Angriff von außen erklärt.

Für Koalitionsgespräche ist das eine reizende Visitenkarte. Die Grünen dürfen mitregieren. Bei Einwänden gegen die Genossen werden sie allerdings zunächst als Auftraggeber einer Kampagne geführt.

Der Instagram-Beitrag im Original


In der App öffnen Autorenseite: Peter Ansmann
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