
Der SDS Bochum hat die Weltlage abschließend geklärt: Der Feind sitzt zu Hause. Die sozialistische Hochschulgruppe der Ruhr-Universität Bochum wirbt gemeinsam mit der Berliner Palästina-LAG gegen eine Bundeswehrübung und liefert Karl Liebknecht samt rotem Dreieck hinterher.
Andere studieren, um etwas herauszufinden. Hier steht das Ergebnis schon vor dem ersten Seminar fest.
Eine Parole ersetzt die Außenpolitik
Am 20. September 2026 erschien der Instagram-Aufruf von „Bridges of Resistance“: „Free Palestine heißt Kampf der NATO“. Schon zuvor hatte die Berliner Palästina-LAG Gaza mit dem Protest gegen die Hamburger Bundeswehrübung verknüpft. Die politische Gleichung ist übersichtlich: Israel gehört zum Westen, die NATO auch, die Bundeswehr zur NATO – fertig ist der Zusammenhang. Warum eine Übung zur Bündnisverteidigung in Hamburg der Befreiung eines Fantasiestaats im Weg stehen soll, bleibt offen. (
Antisemitismus bei der Berliner Linken: ‚Nieder mit der Linkspartei‘ – Hannah Bruns, Intifada und Tel Aviv)
Instagram führt den SDS Bochum und die LAG Palästinasolidarität der Berliner Linkspartei ausdrücklich als Mitautoren. Verwundern muss diese Verbundenheit nicht: Für den 20. April (passenderweise) bis zum 26. April 2026 hatte die Studentengruppe eine Israeli Apartheid Week der der Ruhr-Uni Bochum (RUB) geplant. Inklusive BDS-Symbolik und passenden Hashtag. Das Event wurde abgesagt (
Ruhr-Uni Bochum sagt Veranstaltungsreihe im Kontext der „Israeli Apartheid Week“ ab).
Beworben werden aktuell „Aktionstage vom 23. bis 27. September 2026“ in Hamburg, die sich gegen „Red Storm Charlie“ richten.
Dabei handelt es sich um eine Bundeswehrübung zur NATO-Bündnisverteidigung.

Der SDS Bochum hat den Feind jedenfalls schon ausgemacht:
„Karl Liebknecht hat es schon erkannt, der Hauptfeind steht im eigenen Land!🔻💥🚩“
Praktisch. Wer den Hauptfeind per Wohnort bestimmt, muss sich mit dessen tatsächlichem Verhalten nicht mehr belasten. Ein alter Satz erledigt die Gegenwartsanalyse. Für einen Hochschulverband ein erstaunlich genügsamer Bildungsanspruch.
Friedensparole mit rotem Dreieck
Hinter dem Satz stehen ein nach unten gerichtetes rotes Dreieck, ein Explosionssymbol und eine rote Fahne. Das Dreieck ist politisch keineswegs unbelastet: Der Berliner Senat beschreibt seine Verwendung durch die Terrororganisation Hamas als Droh- und Zielmarkierung. (Zum Hintergrund ein anderer Fall aus Köln:
„Palästina Solidarität Duisburg“ markiert Unterstützer Israels mit Zeichen der Hamas öffentlich als Terrorziele)

Ein Emoji allein beweist weder Hamas-Zugehörigkeit noch eine konkrete Drohung. Aber in diesem Palästina-Aufruf ist die Symbolwahl kritikwürdig: Wer für Frieden trommelt, könnte auf ein Zeichen verzichten, mit dem Terroristen Angriffsziele markieren. So viel Abstand zur Hamas-Ästhetik sollte selbst zwischen zwei revolutionären Seminaren möglich sein.
Die passende Gesellschaft
Die Berliner LAG war bereits Mitautorin eines Aufrufs, der betriebliche Stromausfallvorsorge im Umfeld von Red Storm Charlie zur Kriegspropaganda erklärte (
Linkspartei: Stromausfallvorsorge in Hamburg? Schon Kriegspropaganda!). Über die Mobilisierung gegen Red Storm Charlie und den Beifall der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität berichteten die Ruhrbarone ebenfalls (
Bundeswehrübung Red Storm Charlie: Linke-Arbeitsgemeinschaft bewirbt Aktionstage eines Bündnisses, das zur Sabotage aufruft). Die BAG ist nicht die Berliner LAG; konkrete Sabotagepläne des SDS ergeben sich aus dem jetzigen Beitrag nicht.
Bei Red Storm Charlie üben Bundeswehr, Behörden und Hilfsorganisationen vom 24. bis 26. September 2026 die Zusammenarbeit für Krisen und die Bündnisverteidigung. Dazu gehört die Verlegung von Truppen und Material an die NATO-Ostflanke.
Man darf das kritisieren. Der SDS liefert dafür vor allem Feindkunde und Emojis.
Die Bundeswehr übt für den Ernstfall.
Der SDS Bochum für die nächste Kommentarspalte.
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Sehr geehrter Herr Ansmann,
toll, dass Sie uns verfolgen und sich so rege mit unserer Arbeit auseinandersetzen. Ich wünschte, es würde sich bei Ihnen jemand ebenso intensiv mit Ihrer journalistischen Arbeit auseinandersetzen, wobei ich befürchte, dass das für den normalen Menschenverstand eine ziemliche Zumutung wäre.
In 471 Wörtern schaffen Sie es, aus einem politischen Aufruf gegen eine Bundeswehrübung eine Karikatur des SDS zu basteln.
Anstatt sich ernsthaft mit den politischen Positionen, der Kritik an der NATO oder den konkreten Beweggründen des Protests auseinanderzusetzen, beschränken Sie sich auf Spott, Unterstellungen und die Interpretation von Emojis.
Besonders bemerkenswert ist, dass Sie selbst einräumen, dass ein rotes Dreieck allein weder eine Hamas-Zugehörigkeit noch eine konkrete Drohung beweist. Das Ganze ist einfach schlechte Prosa.
Trotzdem bauen Sie Ihren Artikel genau um diese Assoziation herum auf. Das ist keine differenzierte journalistische Einordnung, sondern der Versuch, durch suggestive Symbolik eine politische Gruppe zu diskreditieren.
Auch die Behauptung, der SDS betreibe lediglich „Feindkunde und Emojis“, ersetzt keine inhaltliche Auseinandersetzung. Sie müssen die Positionen des SDS nicht teilen. Aber wenn Sie schon den Anspruch erheben, journalistisch über politische Arbeit zu berichten, wäre es vielleicht sinnvoll, sich zunächst mit dem tatsächlichen Inhalt dieser Arbeit zu beschäftigen, oder meinen Sie nicht? Das macht nämlich Journalismus aus 😉
Dass Sie ausgerechnet einem sozialistischen Hochschulverband vorwerfen, sein „Denkvermögen“ nicht einzusetzen, während Sie selbst eine komplexe politische Debatte auf Schlagworte und Spott reduzieren, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Ich finde es jedenfalls ausgesprochen entzückend, dass Sie es in 471 Wörtern nicht geschafft haben, auch nur eine ernsthafte Aussage über die tatsächlichen politischen Positionen des SDS zu vermitteln. Das zeigt erneut, wie durchwachsen Ihre journalistische Leistung ist. Prima!
Besonders amüsant wird es dort, wo Sie selbst feststellen müssen, dass sich aus dem Beitrag des SDS „keine konkreten Sabotagepläne“ ergeben.
Trotzdem konstruieren Sie über Umwege genau die Nähe, die Ihr Artikel anschließend suggerieren soll. Wenn die von Ihnen behauptete Verbindung eben nicht aus dem konkreten Beitrag hervorgeht, wäre es vielleicht journalistisch sinnvoller gewesen, sich mit dem zu beschäftigen, was der SDS tatsächlich kritisiert, anstatt sich aus roten Dreiecken, Emojis und Verweisen auf andere Gruppen eine möglichst empörende Geschichte zusammenzubauen.
Und was genau soll eigentlich Ihre inhaltliche Auseinandersetzung mit dem SDS sein? Dass Sie dessen politische Positionen für falsch halten, ist Ihr gutes Recht. Aber dann widerlegen Sie sie doch. Wo ist die Auseinandersetzung mit der Kritik an der NATO, der Bundeswehrübung oder der politischen Einordnung von „Red Storm Charlie“? Stattdessen erklären Sie uns, dass der SDS „für die nächste Kommentarspalte“ übe.
Das ist keine politische Analyse, das ist eine Pointe, die sich als Journalismus verkleidet.
Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Bei einem Punkt liegt allerdings ein Missverständnis vor: Ich behaupte gerade nicht, dass jedes rote Dreieck ein Hamas-Symbol ist. Das steht sogar ausdrücklich im Artikel.
Politische Symbolik lässt sich aber nicht sinnvoll beurteilen, indem man ein Zeichen aus seinem Kontext herauslöst. Ein Symbol kann historisch, religiös oder völlig banal verwendet werden und in einem anderen politischen Zusammenhang eine zusätzliche, sehr konkrete Bedeutung bekommen. Das Hakenkreuz ist dafür das offensichtlichste Beispiel: Seine jahrtausendealte Verwendung als religiöses und kulturelles Symbol ändert nichts daran, welche Bedeutung es in einem politischen Kontext des Nationalsozialismus hat.
Beim roten, nach unten gerichteten Dreieck ist der Sachverhalt ebenfalls dokumentiert. Der Berliner Verfassungsschutz schreibt, dass die Hamas es seit dem 7. Oktober 2023 in Propagandavideos benutzt, um Feinde und Angriffsziele zu markieren. In Deutschland wurde es anschließend auch zur Markierung von Personen und Einrichtungen verwendet, die sich mit Israel solidarisierten oder gegen Antisemitismus engagierten.
Deshalb habe ich nicht geschrieben: „Rotes Dreieck = Hamas“. Ich habe geschrieben, dass die Verwendung dieses Zeichens in einem Palästina-Aufruf, unmittelbar hinter der Parole vom „Hauptfeind“ und zusammen mit einem Explosions-Emoji, kritikwürdig ist. Genau dieser Kontext ist Gegenstand des Absatzes.
Man kann selbstverständlich der Auffassung sein, der SDS habe mit dem Dreieck etwas völlig anderes ausdrücken wollen. Dann wäre allerdings interessant zu erfahren, was er damit in diesem konkreten politischen Zusammenhang ausdrücken wollte.
Und was die fehlende ausführliche Würdigung der NATO-Kritik des SDS angeht: Der Beitrag untersucht einen konkreten Instagram-Aufruf und dessen politische Kommunikation. Er beansprucht nicht, auf 471 Wörter noch schnell eine Gesamtausgabe der außenpolitischen Programmatik des SDS zu liefern. Dass Ihnen eine andere Schwerpunktsetzung lieber gewesen wäre, macht die gewählte noch nicht journalistisch unzulässig. Zudem: Ich mag die NATO und die Bundeswehr. Beide Institutionen schützen uns vor Putins imperialistischen Gelüsten.
[…] Netzwerk innerhalb der Linkspartei, ihrer Jugendorganisation und des Studierendenverbandes SDS ( SDS Bochum: Der Hauptfeind ist das eigene Denkvermögen). Die Genossen wollen den politischen Kurs der Partei beeinflussen und lehnen die Vorstellung ab, […]
@ Alessia-Stefania Zahariade
Beschäftigen wir uns mal kurz mit überprüfbaren Fakten, das geht aufgrund der Transparenz unseres Militärs sehr einfach:
Als Putin den Osten der Ukraine angriff, waren die europäischen Teile der NATO nicht einmal in einem Zustand der Verteidigungsfähigkeit, von Angriffsfähigkeit redet hier keiner, weil die NATO formal und strukturell als Verteidigungsbündnis ausgelegt ist. Wie gesagt: Wir sind hier hochgradig transparent, wenn wir z.B. nur zwei einsatzbereite Kampfflugzeuge besitzen – solche Zeiten gab es schon – dann steht das auch bei uns in der Zeitung. Außerdem hatte Russland bis zu seinem Angriff auf die Ostukraine bzw. der Annexion der Krim einen Beobachterstatus im Nordatlantikrat, war also auch von da über den Zustand und den nicht vorhandenen Angriffswillen der NATO bestens informiert.
Wenn sich Putin also durch eine mögliche Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO bedroht fühlte, ist er krank – diese Krankheit ist auch bekannt und Putin bekennt sich auch dazu: Sie heißt Imperialismus, Putins erklärtes Ziel ist ein neues großrussisches Reich. Und für seinen imperialistischen Anspruch ist eine NATO-Mitgliedschaft eine Bedrohung dieses Machtanspruchs. Dazu passend gibt es Ausarbeitungen des „Historikers“ Putin, in denen er begründet, warum die Ukraine keinen Anspruch auf Selbstbestimmung hat – da ist es auch egal, dass Russland die vollständige Souveränität der Ukraine in mehreren Verträgen bestätigt hat. Inzwischen führt er einen Vernichtungskrieg gegen dieses Land.
Fakt ist also, dass wir im Osten einen Nachbarn haben, der seinen Machtanspruch auch für den Westen Europas schon angemeldet hat, und der zeigt, dass er diesen Machtanspruch, wenn er eine Chance dazu sieht, auch mit kriegerischen Mitteln durchsetzt.
Die zweite Tatsache ist, dass der imperialistische Aggressor Russland zu groß ist, als dass sich seine Nachbarländer einzeln gegen ihn wehren könnten, es empfiehlt sich also, dass bestehende Verteidigungsbündnis NATO zu nutzen – wie wir es schon länger tun, wie es nach dem Zerfall der UDSSR zuerst die Polen und die Balten usw, und dann auch Finnland und Schweden gemacht haben, als der Angriffskrieg auf die Ukraine sein volles Ausmaß bekam.
Eine „politische Meinung“, die in diesen Zeiten sowohl die Existenz der Bundeswehr als auch unseren Verbleib in der NATO infrage stellt, negiert unsere Sicherheitsinteressen in einer Weise, dass sie nur als Symptom der Realitätsverweigerung genommen werden kann. Eine normale Reaktion darauf ist Spott, eine andere wäre der Rat, zum Arzt zu gehen, für eine Diskussion fehlt jede Grundlage.
Dass Sie die Demonstrationsfreiheit dazu nutzen, um gegen die zu demonstrieren, die die Existenz des Staates sichern sollen, der ihnen diese Demonstrationsfreiheit gibt, ist ja auch wirklich kein Zeichen besonderer Intelligenz. Deshalb mache ich Ihnen einen anderen Vorschlag:
Der historisch stärkste Impuls zur Entwaffnung der NATO ging von einem russischen Präsidenten Namens Gorbatschow aus. Vielleicht sollten Sie versuchen, den momentanen Präsidenten Russlands an diesen großen Erfolg zu erinnern, indem sie sich einfach mit leeren Transparenten oder auch nur weißen Blättern auf dem roten Platz versammeln. Putin wird solche Friedensinitiativen auf seine Art begrüßen.