Berlin 1986 – Ein Blick zurück, der dankbarer macht

Zu Besuch in Berlin im Herbst 1986. Foto: Robin Patzwaldt

Manchmal braucht es nur einen kleinen Gedanken-Anstoß, um die Dinge im Leben wieder etwas menschlicher, vielleicht auch milder einzuschätzen. Einen solchen Moment bescherte mir heute ausgerechnet Facebook. Die Plattform erinnerte mich daran, dass ich vor genau 40 Jahren mit meiner Schulklasse vom Gymnasium für eine Woche in Berlin war. Eine Reise, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Und deren Bedeutung mir an diesem Morgen wieder einmal besonders bewusst wurde.

Ein beklemmender erster Eindruck

Es war mein erster direkter Kontakt mit der Berliner Mauer. Mit dem Todesstreifen, den Wachtürmen und dieser bedrückenden Szenerie, die man bis dahin allenfalls aus dem Fernsehen kannte. Plötzlich stand man selbst davor. Der Anblick war beklemmend. Eine Grenze, die Menschen voneinander trennte und an der Freiheit offenbar nicht viel wert war, wenn man auf der falschen Seite lebte.

Auch den Besuch in Ost-Berlin habe ich noch gut vor Augen. Der obligatorische Zwangsumtausch, die wenigen Stunden in einer anderen Welt und natürlich der Kauf einiger Ost-Produkte, die man als westdeutscher Schüler irgendwie mit nach Hause nehmen musste. Das alles hatte etwas Fremdes, Unwirkliches und durchaus Beängstigendes.

Dankbarkeit für das eigene Leben

Vor allem aber taten mir die Menschen in der DDR damals leid. Mit meinen gerade einmal 15 Jahren konnte ich die politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge sicher noch nicht vollständig durchdringen. Aber ich verstand sehr wohl, dass hier Menschen in einem Land lebten, in dem vieles von dem, was für mich selbstverständlich war, eben nicht selbstverständlich sein durfte.

Im Herbst 1986 lernte ich mein eigenes Leben im Westen deshalb noch einmal ein gutes Stück mehr zu schätzen. Die Freiheit, reisen zu können, meine Meinung zu sagen und mein Leben weitgehend selbst zu bestimmen. Dinge, über die man im Alltag erstaunlich selten nachdenkt, solange sie einfach vorhanden sind.

Vier Jahrzehnte später

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ist mir diese Dankbarkeit zeitweise leider etwas abhandengekommen. Vielleicht ist das menschlich. Was selbstverständlich erscheint, wird irgendwann kaum noch bewusst wahrgenommen. Stattdessen wurde und wird häufig über die „Ossis“ geschimpft. Unterschiede zwischen Ost und West wurden auch nach der Wiedervereinigung in vielen Köpfen weiter gepflegt. Bis heute.

Natürlich gibt es unterschiedliche Erfahrungen, Sichtweisen und politische Entwicklungen. Aber manchmal frage ich mich schon, wie viel mehr gegenseitiges Verständnis möglich wäre, wenn sich jeder gelegentlich daran erinnern würde, was die Teilung Deutschlands tatsächlich bedeutet hat.

Ein Zurück? Nein, danke!

Die Facebook-Erinnerung hat mich heute jedenfalls ein wenig nachdenklich gemacht. Und auch dankbarer. Vielleicht sogar etwas milder im Urteil über andere. Vier Jahrzehnte sind eine lange Zeit. Vieles hat sich verändert, manches ist leider geblieben. Aber dass wir heute ohne Mauern und Stacheldraht zwischen Ost und West leben können, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Ein Blick zurück kann offenbar manchmal ganz guttun. Zumindest, wenn er einem wieder vor Augen führt, was man heute hat und früher eben nicht hatte.

Noch einmal zurück in den Herbst 1986? Nee, besser nicht!

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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1 Kommentar
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hase12
hase12
22 Minuten vor

Es ist kein Zufall, dass die Leute im Osten (Rumpfostelbien) in einer Diktatur eingesperrt waren. Wie der Spiegel 1967 geschrieben hat, sind die dort ihrer SED-Obrigkeit so untertan, wie früher jeder Lutheraner seiner Obrigkeit untertan gewesen ist.

Link hierzu: https://www.spiegel.de/politik/mann-ohne-mass-a-9326b360-0002-0001-0000-000046185314?context=issue

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